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anushka

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Exotischer Abenteuerroman, der absolut fesselt

Bucht der Schmuggler
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Hispaniola/Bremen, 1635: Jan van Hagen muss Bremen überstürzt verlassen um nicht für die Schulden seines Vaters eingesperrt zu werden. Ein Handelspartner seines Vaters beauftragt ihn, nach Hispaniola in ...

Hispaniola/Bremen, 1635: Jan van Hagen muss Bremen überstürzt verlassen um nicht für die Schulden seines Vaters eingesperrt zu werden. Ein Handelspartner seines Vaters beauftragt ihn, nach Hispaniola in der Karibik zu segeln und dort illegalen Handel mit den spanischen Plantagenbesitzern zu betreiben. Diese dürfen eigentlich nur an spanische Handelsleute verkaufen, doch durch die schlechten Preise floriert der Schwarzhandel und Schmuggel mit anderen Händlern. Doch nun hat ein neuer Gouverneur das Zepter übernommen und er geht mit harter Hand gegen die Schmuggler vor. Die schöne Maria befindet sich mittendrin und bangt um die Sicherheit ihres Mannes, denn er steht im Zentrum des Handels.

Bereits das Cover von "Die Bucht der Schmuggler" hebt sich positiv von der Masse ab und verspricht einen Abenteuerroman. Und den bekommt man auch. Während man zwischenzeitlich immer wieder Jan auf seiner Seereise in die Karibik begleitet und die Wellen unter den Füßen spürt, befindet man sich andererseits auf den Plantagen der Kolonie, wo die Luft dünn wird für Maria und ihren Mann Don Miguel. Die Perspektiven wechseln regelmäßig zwischen dem Schiff Sophia und der Insel Hispaniola bis sich die Handlungsstränge und Personen treffen. Neben Jan und Maria rücken regelmäßig weitere Figuren in den Fokus und beleuchten unterschiedliche Aspekte wie beispielsweise den Umgang mit Sklaven, aber auch Gefangenen, auf den Plantagen. Das Leben der sogenannten Bukaniere wird beleuchtet und auch die politischen Entwicklungen in Europa wirken sich auf das Leben auf Hispaniola aus. Eine Prise Liebesgeschichte bietet dieses Buch auch. Sowohl Jans Schiffreise als auch das Leben auf Hispaniola bieten gleichermaßen (viel) Spannung, sodass man das Lesen kaum unterbrechen mag. Die Spannung lässt bis zum Schluss nicht nach.
Ulf Schiewe schreibt in einer sehr anschaulichen Sprache und die Beschreibungen sind sehr plastisch. In den Seereisepassagen gibt es viel Seemannsjargon und -fachbegriffe, die man als segelunerfahrener Leser manchmal recherchieren muss, die aber insgesamt den Lesefluss nicht stören, wenn man die Begriffe nicht kennt. Der Schreibstil ist nicht abgedroschen oder trivial und bedient keine Klischees. Die Passagen zur Behandlung der Sklaven wirken nicht moralisierend, sondern legen das Leid allein durch die Geschichte und eindringliche Schilderungen dar, sodass der Leser selbst zu einem Urteil kommt ohne dies von den Figuren des Buches in den Mund gelegt zu bekommen. Alle historischen Informationen wirken akribisch recherchiert und liebevoll ausgearbeitet. An keiner Stelle hat man das Gefühl, dass etwas nur oberflächlich dargestellt wird. Und gerade die Detailverliebtheit (beispielsweise welche Bilder an den Wänden eines Händlers hängen) versetzen den Leser direkt in das Buch, die Zeit und den Handlungsort. Alle Figuren sind lebensecht ausgearbeitet und bekommen ihre eigene Geschichte.

Ich bin absolut begeistert von diesem farbenprächtigen historischen Roman, der einen guten Hauch von "Fluch der Karibik" verströmt. Es gibt zahlreiche mögenswerte Figuren, die allesamt detailliert ausgearbeitet sind und ihre eigene Geschichte haben. Dabei werden viele Themen und Lebensumstände dargestellt ohne dass das Buch dadurch überladen wäre. Bis zum Ende hin bleibt es spannend. Ich würde mir eine Fortsetzung dieser Geschichte sehr wünschen. Bis dahin gibt es erstmal für dieses Buch eine euphorische Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein surrealer Aufenthalt

Frühstück mit den Borgias
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Ariel Panek ist Professor und forscht zu künstlicher Intelligenz. Auf dem Weg von den USA zu einer Konferenz in Holland gibt es einen Schneesturm und Ari wird von der Fluggesellschaft mit einem Taxi zum ...

Ariel Panek ist Professor und forscht zu künstlicher Intelligenz. Auf dem Weg von den USA zu einer Konferenz in Holland gibt es einen Schneesturm und Ari wird von der Fluggesellschaft mit einem Taxi zum entlegenen Hotel "The Cliffs" gebracht. Dort gibt es allerdings keinerlei Internet oder Handyempfang, aber Ari muss unbedingt seine Studentin und Geliebte Zeva erreichen, die in Holland auf ihn wartet. Neben dem sehr eigenwilligen Personal gibt es nur noch eine andere Gruppe von Gästen, die Borders. Ari kommt mit ihnen ins Gespräch, doch schon bald merkt er, dass hier etwas nicht stimmt. Nicht mit dem Haus, nicht mit dem Personal und schon gar nicht mit den Borders. Er will einfach nur noch ein Taxi nehmen und weg. Doch das ist alles andere als einfach ...

Beim Lesen dieses Buches musste ich mich zunächst in den Schreibstil hineinfinden. Ich habe von dem Autor bislang nichts anderes gelesen. Man wird direkt in die Handlung hineingeworfen und muss sich die zentralen Punkte erst einmal erschließen. Danach wird es zunehmend skurriler und surrealer. Ari trifft auf die Familie Border, deren Beziehungskonstellationen mir bis zum Ende etwas unklar blieben. Immer wieder löste die Geschichte in mir den Ausruf "Wie abgefahren!" aus. Denn das ist die Geschichte und man ist als Leser oft genauso verwirrt wie Ari. Dann wiederum kann man den Gesprächen und Gefühlsschwankungen kaum folgen, da diese sehr abrupt und teilweise auf recht abgehobenem Niveau stattfinden.
Der größte Teil der Handlung besteht aus Zusammenkünften und Gesprächen mit den Borders im Salon. Aber dann bringen gewisse Vorwürfe und Verwicklungen auch Personen von außen in die Handlung. Trotz dem der Sturm sich gelegt hat, kann Ari das Hotel nicht verlassen. Für den Kontakt zu seiner Freundin ist er auf das Handy der Borders angewiesen, das jedoch deren labile Ziehtochter bunkert. Für mich war hier immer wieder unlogisch, dass dieses Handy funktionierte trotz Behauptungen, dass es nirgends Empfang gäbe und dass es immer so funktionierte oder auch nicht, wie es gerade für die Geschichte günstig war. Am Ende kann man dies allerdings anhand der Wendung passend auslegen, wenn man möchte, oder sich weiterhin an dieser fehlenden Logik stören.
Gruselig war diese Geschichte für mich nicht wirklich, auch wenn die Figuren teilweise sehr merkwürdig waren und agierten. Die Ziehtochter Gretchen bringt als einzige etwas Unheimlichkeit mit hinein und man merkt fast nur an ihr, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Das Buch war schließlich kurz davor, mich zu verlieren, doch dann folgte eine für mich recht geniale Wendung, die alles in einem neuen Licht erscheinen ließ und an vielen Stellen große Interpretationsfreiräume öffnete. Ein paar Fragen bleiben am Ende jedoch offen und man kann sich das Ende eher selbst auslegen; es ist nicht ganz eindeutig.

Insgesamt hat das Buch nicht komplett gehalten, was es und was ich mir davon versprochen habe. Es ist dennoch sehr ungewöhnlich, surreal und skurril und bieten neben gesellschaftskritischen Momenten auch einen guten Unterhaltungswert.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Interessanter historischer Hintergrund, leider nur "solide" Krimihandlung

Der Nordseespuk
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Peter Söt, der Schreiber des jungen Anwalts Theodor Storm, ist allein und betrunken, als er im Schlick einen goldenen Kelch entdeckt. Als er endlich im Flussbett ankommt, liegt dort aber statt des Kelches ...

Peter Söt, der Schreiber des jungen Anwalts Theodor Storm, ist allein und betrunken, als er im Schlick einen goldenen Kelch entdeckt. Als er endlich im Flussbett ankommt, liegt dort aber statt des Kelches eine Leiche. Schnell avanciert Söt zum Hauptverdächtigen und sein Chef Theodor Storm macht es sich zusammen mit seiner Cousine Constanze zur Aufgabe, Söt zu entlasten. Dabei kommt ans Licht, dass in Husum eine Sekte im Verborgenen agiert, die den Lehren der Jungfrau Antoinette folgt. Im Umfeld dieser Sekte soll es nicht bei der einen Leiche bleiben ...

"Der Nordseespuk" ist ein bodenständiger, solider Krimi mit einer sehr interessanten historischen Handlung. Es ist mein erstes Buch des Autors und dieser Reihe und vielleicht fehlt mir da einfach etwas Vorwissen über die Figuren, denn für mich kam Theodor Storm nicht sonderlich gut zur Geltung. Der tatsächlich Protagonist, der die Geschichte auch aus seiner Ich-Perspektive erzählt, ist Storms junger Schreiber Söt. Storm und er scheinen sich allerdings nicht sehr nahe zu stehen, denn Storm behandelt ihn relativ väterlich und distanziert und kann zunächst ob des schnell herannahenden Weihnachtsfestes nicht so richtig die Motivation aufbringen, Ermittlungen zu starten, die seinen Schreiber entlasten könnten. Auch insgesamt wird viel dem Weihnachtsfest untergeordnet, immer mit der Begründung "Aber jetzt ist erstmal Weihnachten" oder "Doch sicherlich nicht über Weihnachten". Egal, dass da zwei Tote aufgetaucht sind und noch eine Person vermisst wird. Das hat mich etwas irritiert.
Auch die Krimihandlung ist zwar nicht uninteressant, aber auch nicht sonderlich originell und lebt sehr vom Zufall und der Gesprächsbereitschaft von Zeugen. Viele Ermittlungen finden nicht statt, aber gerade darauf hatte ich mich gefreut, denn hier lag viel Potential in einer Zeit lange vor DNA-Tests und Computersimulationen. Insgesamt ist es eine Handlung, die man in Krimis immer wieder findet, auch was die Wendung am Ende betrifft. Trotzdem war das Buch durchaus spannend. An manchen Stellen hatte man beim Lesen allerdings das Gefühl, etwas verpasst zu haben, weil es zu schnell ging oder Dinge zu oberflächlich behandelt oder nur angerissen wurden, sodass man das Ergebnis nicht ganz nachvollziehen konnte.
Packen konnte mich dagegen der historische Hintergrund. Neben der sowieso schon historischen Kulisse von Husum im 19. Jahrhundert reichte die Handlung noch einmal 170 Jahre zurück ins 17. Jahrhundert und nahm Bezug auf eine religiöse Gruppierung um die Jungfrau Antoinette, die es wirklich gegeben hat. Das Buch ist durchsetzt mit "Auszügen" aus Antoinettes (fiktiven) Memoiren und gibt hier einen weiteren historischen Einblick und interessanten Aspekt. Diesen Teil der Handlung und Geschichte fand ich gut gelungen.

Zusammenfassend waren mir die Krimihandlung bzw. die Ermittlungen Storms nicht ausgereift genug und vom angepriesenen Theodor Storm hat man wenig mitbekommen. Die Handlung um die Figuren wurde eher von seiner erfrischenden Cousine getragen. Der Krimiteil konnte mich nicht ganz überzeugen. Hingegen hat mir der historische Anteil (sowohl die historische Atmosphäre in Husum als auch der Bezug zur Sekte) gut gefallen. Ich komme damit zu einer Bewertung von 3,5 Sternen (3 für den Krimi, 4 für den historischen Teil).

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eindringliches Psychogramm einer Familie

Was ich euch nicht erzählte
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Ohio, 1977: Die 16-jährige Lydia Lee ist tot. Das erfährt man bereits auf den ersten Seiten dieses Buches. Doch was ist passiert? War es Selbstmord? Mord? Ein Unfall? Warum schweigt Jack, der Junge, mit ...

Ohio, 1977: Die 16-jährige Lydia Lee ist tot. Das erfährt man bereits auf den ersten Seiten dieses Buches. Doch was ist passiert? War es Selbstmord? Mord? Ein Unfall? Warum schweigt Jack, der Junge, mit dem Lydia in den Monaten vor ihrem Tod sehr viel Zeit verbracht hat? Jedes einzelne der Familienmitglieder hat schwer zu kämpfen mit Lydias Tod und geht anders damit um. Aber sie alle reflektieren über die Vergangenheit und ihre Zeit mit Lydia und schon bald wird dem Leser klar: jedes Familienmitglied hat seine eigenen Geheimnisse und auch Lydia, zurückhaltende und gehorsame Tochter und gute Schülerin hat Dinge verborgen.

"Was ich euch nicht erzählte" ist kein Thriller, sondern, wie der Buchumschlag, ein Roman. Dementsprechend lebt das Buch nicht von atemberaubender Spannung, sondern zeichnet ein Psychogramm einer Familie und ihrer einzelnen Teile. Middleton in Ohio ist eine kleine Stadt und die Lees sind so ziemlich die einzige amerikanisch-chinesische Familie dort. Ende der 1970er Jahre ist das kein einfaches Los, auch wenn der Vater James bereits in der zweiten Generation in den USA lebt und ein Universitätsdozent ist. Doch so richtig wurde er nie angenommen und akzeptiert, sondern bleibt immer ein Außenseiter. Die Mutter Marilyn dagegen war auf dem besten Weg, Ärztin zu werden. Doch in den 1950ern und 1960ern wurden Frauen dafür noch belächelt. Und wenn sie dann geheiratet hatten, kam es sowieso nicht mehr in Frage.
Die Lees hatten durch die Generationen hinweg kein leichtes Leben. Sehr eindringlich schildert die Autorin, wie der Ballast der Eltern alle Familienmitglieder zu ersticken droht. James wünscht sich nichts mehr, als dass seine Kinder integriert und beliebt sind und viele Freunde haben. Marilyn dagegen legt viel Wert darauf, dass auch ein Mädchen alles sein kann, was sie möchte. Und das bedeutet für sie vor allem: Ärztin.
Die Figuren sind realistisch und glaubhaft, auch wenn sie nicht immer mögenswert sind. Sie bleiben trotz allem menschlich und ihr Handeln vor dem dargestellten Hintergrund immer nachvollziehbar. Der Familie zuzusehen, wie sie mit dem Verlust kämpft und an ihm zu brechen droht, war ergreifend und Mitgefühl erregend, obwohl die Autorin nicht "auf die Tränendrüse drückt". Vielmehr wird die Schockstarre der Familienmitglieder greifbar.
Letztendlich erfährt nur der Leser, was wirklich passiert ist und diese Wendung fand ich durchaus überraschend und "schockierend", weil es absolut realistisch war und ich mir so etwas im realen Leben auch vorstellen könnte.

Die Autorin vermag eindringlich und überzeugend darzustellen, wie leicht Missverständnisse und Fehlinterpretationen entstehen und eine Familie erschüttern können. Sie zeichnet wunderbar nach, wie der Ballast der Eltern die Kinder oder nachfolgende Generationen generell belastet. "Was ich euch nicht erzählte" ist die gelungene Sektion einer Familie hinter der Fassade, die keine Thrillerhandlung oder Rührseligkeit braucht, um spannend und ergreifend zu sein.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein ruhiges Buch über das Wesen der Liebe nach Jahren der Ehe

Kreuzfahrt
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Im Familienurlaub unter der heißen Sonne Italiens begegnet Meret Setz Jan Andersson, einem Nachbarn aus Zürich und Vater zweier Kinder. Jans und Merets Kinder kennen sich vom Spielplatz und auch Jans Frau ...

Im Familienurlaub unter der heißen Sonne Italiens begegnet Meret Setz Jan Andersson, einem Nachbarn aus Zürich und Vater zweier Kinder. Jans und Merets Kinder kennen sich vom Spielplatz und auch Jans Frau Romy und Merets Mann Dres kennen sich vom Spielplatz. Auf Romys Wunsch unternehmen die Familien immer mehr miteinander und Romy und Meret werden so etwas wie Freundinnen. Schließlich ziehen die Anderssons sogar in das gleiche Haus, in dem Merets Familie bereits wohnt. Auch wenn Meret von Romys Verhalten oft befremdet ist, ist sie doch froh über den engen Kontakt, da er ihr ermöglicht, mehr über Jan zu erfahren und mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Langsam kommen sich die beiden näher. In einem Brief schildert Meret Jan die Geschichte dieses einen Jahres und reflektiert dabei die möglichen Gründe aller Beteiligten. Gibt es eine Zukunft für die Ehepaare oder für Jan und Meret?

Als Ich-Erzählerin berichtet Meret die Geschichte und spricht dabei oft direkt Jan an. Trotzdem bleibt sie dabei lange distanziert und analytisch, was ich jedoch sehr glaubhaft fand, da sie dadurch weder Jan noch den Leser mit Gefühls"duselei" belastet und dadurch nicht ins Kitschige oder emotional Erpresserische abrutscht. Stattdessen kann sich sich selbst fragen, wie viel Gefühl wirklich dabei war und welcher Anteil darauf zurückgeht, dass die Gefühle in der Ehe abgeflaut sind. Meret reflektiert auch ihr Leben als Mutter. Ein extremer Pol dafür ist Romy, die vor lauter Langeweile alle paar Jahre umziehen möchte und sich so oft wie möglich von ihren Kindern zu erholen versucht. Was ist ihr Motiv, Meret einen Freifahrtschein für eine Affäre mit ihrem Mann zu geben?

"Kreuzfahrt" erzählt in ruhigen Tönen von Beziehungen, wenn der Alltag seit Jahren Einzug gehalten hat und Kinder einen Großteil der Romantik unmöglich machen. Hier wird nichts beschönigt oder romantisiert. Es gibt das Bedürfnis nach Nähe und Zufriedenheit, das nicht erfüllt wird. Es steht die Frage im Raum, ob man immer mit dem einstmals geliebten Ehemann zusammenbleiben sollte oder auch was sich tun lässt, um eine unbefriedigende Ehe zu retten. Mit Meret und Romy gibt es hier verschiedene Ansätze. Auch die Affäre mit Jan ist nicht gerade romantisiert. Sie wird teilweise so sachlich geschildert, dass sie fast emotionslos wirkt und man weder Meret noch Jan eine große Verliebtheit abnehmen würde. Merets Gefühle werden erst nach einer überraschenden Wendung deutlich. Ab hier konnte ich richtig mitfühlen. Auch der Ausgang der Geschichte war für mich überraschend, da ich mich schon fragte, wie diese 4er-Verstrickung letztlich aufgelöst wird. Mir hat die Geschichte zunehmend besser gefallen ... bis zwei Seiten vor Schluss. Diese letzten zwei Seiten hätte ich wirklich nicht gebraucht, denn diesen Kunstgriff mag ich bei Büchern generell nicht, da ich mich immer betrogen fühle. Leider kann ich nicht mehr dazu schreiben ohne zu spoilern.

Insgesamt hat mir dieses ruhige Büchlein gut gefallen, das darüber reflektiert, wie die Liebe im Familienalltag aussieht. Sicherlich ist die Züricher (Ober-?)Schicht nicht repräsentativ, aber die Figuren passen ausreichend gut auf viele gehobene deutsche Großstadtbezirke. So hat die Geschichte viel Lebensnähe, auch wenn die Probleme der Protagonisten natürlich nicht mit denen in Krisenherden oder Dritte-Welt-Ländern vergleichbar sind. Doch trifft das Buch meiner Meinung nach gut, was sicherlich viele Großstädter beschäftigt in einer Zeit, in der Spaß, Partys und Ungebundenheit bis ins mittlere Erwachsenenalter propagiert werden. Und in der immer nach dem Optimum gesucht und gestrebt wird.