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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.09.2020

Auf den zweiten Blick lohnenswert

HOLIDAY Reisebuch: Wo Deutschland am schönsten ist
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Inmitten all der Neuerscheinungen, die in diesem Jahr Deutschland als Urlaubsland im Fokus hatten, habe ich diesen Titel zunächst als unattraktiv eingeordnet. 1000 Ziele, verhältnismäßig knappe Texte und ...

Inmitten all der Neuerscheinungen, die in diesem Jahr Deutschland als Urlaubsland im Fokus hatten, habe ich diesen Titel zunächst als unattraktiv eingeordnet. 1000 Ziele, verhältnismäßig knappe Texte und eher unspektakuläre Bilder - da gibt es deutlich ansprechendere Titel. Doch auf den zweiten Blick hat mich dieses Buch überzeugt.
Die Kapitel sind nach Bundesländern unterteilt. Den einzelnen Orten sind eher kleinformatige Bilder zugefügt, dazu gibt es eine Auswahl an Adressen, die - im ebook besonders einfach - per link direkt ausgewählt werden können. Anders als in vielen relativ neuen Büchern waren alle ausprobierten Adressen tatsächlich auch aktuell.
Die mir gut bekannten Regionen und Orte hätte ich wahrscheinlich auch ähnlich zusammengestellt. Natürlich werden die üblicherweise in Reiseführern genannten Adressen gelistet, es gibt aber auch etliche Hinweise auf weniger bekannte, nichtsdestotrotz unbedingt lohnenswerte Orte.
Ein Deutschlandbuch, das vielleicht nicht unbedingt durch seine spektakuläre Aufmachung überzeugt, dafür um so mehr durch wirklich aktuelle Informationen.

Veröffentlicht am 27.09.2020

Ruhige und nachdenklich stimmende Familiengeschichte

Ein Sonntag mit Elena
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Nach dem Tod seiner Frau vor einigen Monaten lebt der 67jährige Vater dreier längst erwachsener Kinder alleine in der Turiner Wohnung. An diesem Sonntag hat er seine älteste Tochter mit ihrer Familie zum ...

Nach dem Tod seiner Frau vor einigen Monaten lebt der 67jährige Vater dreier längst erwachsener Kinder alleine in der Turiner Wohnung. An diesem Sonntag hat er seine älteste Tochter mit ihrer Familie zum Essen eingeladen und kocht deshalb zum ersten Mal in seinem Leben die Rezepte seiner verstorbenen Frau nach. Doch dann klingelt das Telefon, seine Enkelin hatte einen Unfall und die Familie ist in der Klinik. Er kann nichts tun, als auf weitere Informationen zu warten. An seinem Lieblingsplatz im Park trifft er auf Elena, eine alleinerziehende Frau, und ihren Sohn, der dort mit seinem Skateboard Tricks probiert. Sehr zögernd fangen die beiden Erwachsenen ein Gespräch an, an dessen Ende er Elena und ihren Sohn zum Essen einlädt.

Die Geschichte wird aus der Perspektive der jüngeren Tochter erzählt, zu der er zu diesem Zeitpunkt kaum Kontakt hat. Nachdem der Vater beruflich ständig im Ausland war, sehnt er sich als Rentner jetzt nach der Nähe zu seinen Kindern. Doch die leben ihr eigenes Leben, auch räumlich weit entfernt vom Vater. So erfahren sie auch erst viele Jahre später von der für beide Parteien einschneidenden Begegnung an diesem Sonntag.

Fabio Geda hat einen leisen und sehr ruhigen Roman ohne besondere Höhen und Tiefen geschrieben. Das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Lebenswelten, Erwartungen und Hoffnungen in Familien werden in seiner Geschichte sehr berührend veranschaulicht. Seine Erzählung stimmt nachdenklich, manchmal traurig, am Ende aber auch optimistisch und ist dann vielleicht sogar ein kleines bisschen zu süßlich.

Veröffentlicht am 19.08.2020

Schöne Bilder, aber leider nicht so ungewöhnlich wie der Titel verspricht

Eine Reise durch Deutschland in 100 ungewöhnlichen Bildern und Geschichten
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Das Reisebuch von Merian stellt 100 eher bekannte Orte aus ganz Deutschland auf 336 Seiten vor. Gegliedert ist es ungefähr zu gleichen Teilen in Norden, Osten, Westen und Süden. Zu jedem Ort gibt es meist ...

Das Reisebuch von Merian stellt 100 eher bekannte Orte aus ganz Deutschland auf 336 Seiten vor. Gegliedert ist es ungefähr zu gleichen Teilen in Norden, Osten, Westen und Süden. Zu jedem Ort gibt es meist nur ein Foto, den Begleittext und einen Unterkunftstipp und zwei Restauranttipps.
Die Auswahl und die Begleittexte lassen sehr deutlich das Interesse des Autors an historischen, kulturell bedeutsamen bzw. künstlerischen Sehenswürdigkeiten erkennen.
Da pro Ort durchschnittlich nur 3,5 Seiten zur Verfügung stehen, führt diese Schwerpunktsetzung teilweise zu recht kuriosen Ergebnissen.
Die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, ein Urlaubsziel mit mehr als 500.000 Besuchern im Jahr, wird mit dem Foto einer Tauchglocke und einem Text beschrieben, der einen Abriss aus Geschichte, Politik, Landschaftsbeschreibung, Kunst und Kultur und natürlich den oben schon erwähnten Hotel- und Restaurantempfehlungen auf gerade mal 3 Seiten liefert.
Dessau hat als Foto einige Stufen einer Treppe im Bauhaus-Gebäude. Der Text ist durchaus interessant für eine bestimmte Zielgruppe, die Auswahl der Gastronomie auch.
Hamburg hat deutlich mehr Raum in diesem Reiseband, aber die schönen Fotos repräsentieren ebenso wie die Texte nur die Orte im Westen der Stadt, die allgemein bekannt sind: Speicherstadt, Schumacherbauten, Elbphilharmonie - Hafen, Prostitution, Konzerte und Musicals.

Mein Fazit nach Lektüre des Buches ist durchwachsen. Die Orte sind bis auf wenige Ausnahmen keine Unbekannten für mich. Die Fotos sind durchaus sehenswert. Die Texte sind interessant, teilweise aber sehr komprimiert. Die Auswahl der Hotels und Restaurants wirkt sehr hochpreisig.
Ein schönes Buch zum Blättern und Lesen für eine bestimmte Zielgruppe, aber definitiv kein Reiseführer für Deutschland.

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Veröffentlicht am 17.08.2020

Spannender Hamburg-Krimi mit kleinen Schwächen

Der Fahrer
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Nach einer unglücklich verlaufenen Überraschungsparty anlässlich seines Geburtstags flüchtet der Kommissar Jens Kerner mit seinem geliebten Auto, genannt Red lady und fährt ziellos durch die Hamburger ...

Nach einer unglücklich verlaufenen Überraschungsparty anlässlich seines Geburtstags flüchtet der Kommissar Jens Kerner mit seinem geliebten Auto, genannt Red lady und fährt ziellos durch die Hamburger Straßen. Doch dann hört er über Funk von einem Einsatz in seiner Nähe. Ein verlassenes Auto, besprüht mit dem #findet mich. Von der Fahrerin keine Spur, bis ein Bild mit einem Ultimatum auf Instagram gepostet wird.

Der dritte Fall für das Team um Jens Kerner und Rebecca Oswald stellt den allzu sorglosen Umgang mit sozialen Medien und durchaus praktischen, erst durch neue Technologien nutzbarer Dienste und die damit verbundenen Gefahren in den Mittelpunkt. Da ist der Fahrdienst My Driver, der bequem per App gerufen und bezahlt wird, wenn man ihn gerade benötigt. Und da sind facebook, Instagram und Co., wo man ebenso bequem und schnell Bilder und Informationen hochladen kann. Schnell zeigt sich, dass die entführte Frau eine sehr aktive Nutzerin war. Und sie wird nicht die einzige bleiben, der das zum Verhängnis werden soll.

Neben dem eigentlichen Plot steht in diesem Krimi die Person Jens Kerner im Fokus. Ohne ersichtlichen Grund zeigt der Fall immer deutlicher Bezüge zu seiner Person. Er wird als extrem schwieriger Charakter am stärksten herausgearbeitet, der allerdings von seinen Kollegen und insbesondere von Rebecca sehr geschätzt wird. Entsprechend viel Raum wird diesen persönlichen, teilweise viel zu langatmigen Beziehungsbeschreibungen eingeräumt. Dazu gehört auch das besondere Verhältnis Jens Kerners zu seinem Auto. Insbesondere Rebecca, sonst sehr tough, empfand ich in ihren Reaktionen Kerner gegenüber nicht überzeugend dargestellt.

Trotz dieser Kritikpunkte war der Krimi durchaus spannend und wirklich gut zu lesen. Insbesondere Hamburg - Kenner werden viele der beschriebenen Orte beim Lesen vor Augen haben.

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