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Veröffentlicht am 26.10.2025

Land in Aufruhr

Der brennende Garten
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Ein tief bewegender Roman über eine Welt des Bürgerkriegs in Sri Lanka.
Die Geschichte spielt in den 1980er Jahren in Jaffna. Die sechzehnjährige Tamilin Sashi möchte Ärztin werden, wie ihr Großvater ...



Ein tief bewegender Roman über eine Welt des Bürgerkriegs in Sri Lanka.
Die Geschichte spielt in den 1980er Jahren in Jaffna. Die sechzehnjährige Tamilin Sashi möchte Ärztin werden, wie ihr Großvater und ihr älterer Bruder und wie K. ein Junge aus der Nachbarschaft für den sie Gefühle entwickelt hat. Eigentlich könnte alles so schön sein, wenn man außer Acht lässt, dass es gegen die Tamilien schon immer Ausschreitungen gab. Sie gelten als ethnische Minderheit. Und dann Land versinkt in einen Bürgerkrieg. Den tamilischen Familien werden zunehmend von den Singhalesen ihre Rechte beschnitten, es kommt zu Benachteiligungen und Spannungen wegen des unterschiedlichen Glaubens. Gegen dieses Unrecht erhebt sich eine Widerstandsbewegung, vor allem aus den Studentenkreisen. Sashis Familie, vor allem ihre Brüder beteiligen sich aktiv am Widerstandskampf.

Der Schreibstil der Autorin ist ruhig und stellenweise sogar poetisch. Die Charaktere konnte ich gut nachempfinden. Die Schauplätze sind bildhaft beschrieben. Über die ethnische Gruppe der Tamilen und ihren Unabhängigkeitskampf hatte ich bislang noch nichts gehört. Von daher war es interessant und erschreckend zugleich darüber zu erfahren.

Der Roman verwebt persönliche Schicksale mit historischen Ereignissen und bietet einen eindringlichen Einblick in die tamilische Geschichte und den Bürgerkrieg in Sri Lanka und er macht sehr nachdenklich. Leichte Kost ist das nicht, jedoch absolut lesenswert.

Hier noch ein Zitat, dass man Sashi mit auf den Weg gegeben hat: ‚Du musst auch mal raus und die Welt mit eigenen Augen sehen – lass dir nicht von anderen erzählen, wie es draußen ausschaut.‘


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Veröffentlicht am 14.10.2025

Der weiße Elefant

Sonnenaufgang Nr. 5
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Ich verrate es gleich: „Sonnenaufgang Nr. 5“ von Carsten Sebastian Henn ist ein Lese-Highlight. Nach seinem SPIEGEL-Bestsellers »Der Buchspazierer« war ich so gespannt auf dieses Buch und ich wurde nicht ...


Ich verrate es gleich: „Sonnenaufgang Nr. 5“ von Carsten Sebastian Henn ist ein Lese-Highlight. Nach seinem SPIEGEL-Bestsellers »Der Buchspazierer« war ich so gespannt auf dieses Buch und ich wurde nicht enttäuscht.

Der 19-jährige Jonas hat sein Germanistikstudium gerade geschmissen. Sein Vater möchte, dass Jonas im Restaurant hilft. Jonas hat andere Pläne. Er will als Ghostwriter anderen helfen, ihre Lebensgeschichten festzuhalten. Seine erste Klientin ist die exzentrische alte Filmdiva Stella, die in ihrer Autobiografie ihr Leben glücklich und erfüllt darstellen will. So als hätte sie nur richtige Entscheidungen getroffen. In ihrem Haus voller Bücher beginnt eine Reise durch Erinnerungen, die Stella auf unzähligen Zetteln festgehalten hat – mal geschönt, mal schmerzhaft ehrlich. Gemeinsam lernen die beiden, dass man jeden Tag so leben muss, als sei es der letzte. Damit man ein Leben führt, das unvergesslich ist.

Carsten Sebastian Henns Schreibstil geht unter die Haut. Seine Erzählweise ist einfühlsam, warmherzig und klug. Seine Figuren sind glaubwürdig und vielschichtig. Ich mochte nicht nur die Hauptcharaktere, auch die Nebenfiguren Bente, die in der Bushaltestelle auf ihren Mann wartet, oder Paul mit seinem Hund Guter Junge, der Stella jeden Tag um einen Tanz bittet, und die Zwillingsschwestern Britta und Imke. Jeder von ihnen hat ein Leben das erzählenswert erscheint. Besonders berührend ist die Symbolik des „weißen Elefanten“, den Stella vorschiebt, um unangenehme Wahrheiten zu verbergen.
Mich hat der Roman tief berührt.

Hier noch ein paar Zitate aus dem Roman:
- Sammeln Sie viele schöne Erinnerungen, sie wärmen im Alter.
- Leben Sie jeden Tag so, als sei es der letzte. Dann werden sie ein Leben führen, dass
unvergesslich ist.
- Jeder kann tanzen, Jonas. Es braucht nur die richtige Partnerin.

Fazit: Ein zauberhafter Roman, der zum Nachdenken anregt und lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Kein Wohlfühlroman

Was man nicht sieht, ist doch da
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Der Autorin Margit Weiß gelingt mit Was man nicht sieht ein eindringlicher historischer Roman der den Leser mitnimmt in die Nachkriegszeit.

Tirol, 1954: Der zehnjährige Hans Dakosta wird ohne das Wissen ...


Der Autorin Margit Weiß gelingt mit Was man nicht sieht ein eindringlicher historischer Roman der den Leser mitnimmt in die Nachkriegszeit.

Tirol, 1954: Der zehnjährige Hans Dakosta wird ohne das Wissen der Eltern von der Schule abgeholt und aufgrund „sittlicher Verwahrlosung“ in eine Erziehungsanstalt gebracht. Der Bub weiß gar nicht wie ihm geschieht. Seine Eltern können ihn trotz aller Bemühungen nicht zurückholen. Sie sind Ladiner und staatenlos und haben in Österreich einen schlechten Stand.

Das Leben in der Anstalt wird für Hans zu einem Alptraum. Mir tut das Herz beim Lesen weh. Wenn man bedenkt, der Junge ist erst 10 Jahre alt und hat doch nichts verbrochen. Hans ist dem Heim der Gewalt der Erzieher ausgesetzt. Die damaligen Erziehungsmethoden stammen noch aus der Nazizeit. Der Wille der Kinder musste gebrochen werden. Zum Glück hat Hans wenigstens den Gärtner auf seiner Seite.

Der Schreibstil der Autorin ist klar und knapp. Dieses Stilmittel macht die Härte des Schicksals von Hans und seiner Familie umso greifbarer. Die Atmosphäre beschreibt sie als sehr beklemmend. Die kurzen und prägnanten Kapitel werden aus der Perspektive von verschiedenen Personen erzählt.

Fazit: „Was man nicht sieht, ist doch da“ ist ein bewegendes Stück Zeitgeschichte, dass mich fassungslos zurückgelassen hat und das noch lange in mir nachklingt. Dennoch meine absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Das überschätztes Paar der Welt

The House of Beckham
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Bestsellerautor Tom Bower gewährt uns detaillierte Einblicke hinter die scheinbar perfekte Fassade des Glamour-Paares David und Victoria Beckham.

Man bekommt beim Lesen sehr schnell den Eindruck: Für ...


Bestsellerautor Tom Bower gewährt uns detaillierte Einblicke hinter die scheinbar perfekte Fassade des Glamour-Paares David und Victoria Beckham.

Man bekommt beim Lesen sehr schnell den Eindruck: Für Geld macht man alles, da legt man sich schon mal einen Irokesenhaarschnitt zu und man gibt sich als femininen Exhibitionisten.

Offengestanden gehen mir die beiden inzwischen tierisch auf die Nerven. Ihr Verhalten ist nur auf Außenwirkung ausgerichtet. Es gilt die Marke Beckham zu verkaufen. Ich finde weder David noch Victoria sympathisch. Beide Egomanen. Und Victorias Geltungssucht ist schon krankhaft.

Der Autor Tom Bower zeichnet ein Bild der Beckhams, dass sehr abstoßend auf mich wirkt. Haben die beiden denn gar keine positiven Wesenszüge? Ich vermute mal, der Autor ist nicht gerade ein Fan von den beiden. Bowers Schreibstil ist eher anstrengend, da er nicht chronologisch erzählt, sondern immer mal wieder vor oder zurückspringt.

Fazit: Von mir keine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Skurill und witzig

Über die Toten nur Gutes
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Hinter Andreas Izquierdos neuestem Werk Über die Toten nur Gutes verbirgt sich ein charmant-skurriler Kriminalroman, der sich wohltuend vom klassischen Genre abhebt. Er bildet zugleich den Auftakt zur ...


Hinter Andreas Izquierdos neuestem Werk Über die Toten nur Gutes verbirgt sich ein charmant-skurriler Kriminalroman, der sich wohltuend vom klassischen Genre abhebt. Er bildet zugleich den Auftakt zur neuen Reihe Ein Trauerredner ermittelt.
Der Held dieses Buches ist der Trauerredner Mads Madsen. Ein ungewöhnlicher Name, ein ungewöhnlicher Beruf. Beides bringt den jungen Mann nicht selten blöde Kommentare ein. Nun steht er vor der Aufgabe, für seinen Jugendfreund Patrick eine Trauerrede zu halten. Doch was zunächst wie ein tragischer Unfall wirkt, entpuppt sich bald als Mordfall. Mads beginnt zu recherchieren und stößt auf immer mehr offene Fragen und bringt sich damit selbst in Gefahr.
Andreas Izquierdos Schreibstil gefällt mir sehr. Gut lesbar, witzig, skurill und doch bleibt die Handlung durchweg spannend. Die Protagonisten sind gut gezeichnet. Ich erkenne sie in meinem Bekanntenkreis wieder. Es sind Menschen mit kleinen und größeren Macken, die doch jeden von uns so unverwechselbar und sympathisch machen. Da ist der Hauptprotagonist selber, sein Faible für besonderen Anzüge und exzellente Schuhe. Mads ist eine liebenswerte Mischung aus altmodisch und jung, naiv und detektivisch. Zum Schreien komisch, sein schrulliger Vater, der ihn zu Bingo-Veranstaltungen mitschleppt. Seine Geschwister, sein Bestatter-Freund Fietje. Alle auf ihre Art liebenswert. Man schließt sie sofort ins Herz.

Gleich zu Anfang musste ich herzhaft lachen, die Bestattung zur Probe hat mich amüsiert. Aber es gibt auch Szenen, da stockt einem der Atem. Die Dialoge geben den Charakter der Figuren gut wieder.

Insgesamt hat ein Krimi Spaß macht. Ich kann ihn guten Gewissens weiterempfehlen.

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