Wenn das Unheil seinen Lauf nimmt - erschütternd und tragisch...!
Die Nacht der Bärin - Meine Rezension bezieht sich auf das Hörbuch! -
"Die Nacht der Bärin" von Kira Mohn ist als ungekürztes Hörbuch bei Saga Egmont erschienen und hat eine Laufzeit von 7 Stunden, 7 Minuten. Gesprochen ...
- Meine Rezension bezieht sich auf das Hörbuch! -
"Die Nacht der Bärin" von Kira Mohn ist als ungekürztes Hörbuch bei Saga Egmont erschienen und hat eine Laufzeit von 7 Stunden, 7 Minuten. Gesprochen wird "Die Nacht der Bärin" von Anne Sofie Schietzold.
Jule hat einen heftigen Streit mit ihrem Lebensgefährten Jasper, bei dem etwas Schlimmes passiert - danach braucht Jule erstmal Abstand und fährt zu ihren Eltern. Dort bekommt sie einen Anruf mit, der ihre Mutter über den Tod von Jules Großmutter berichtet. Jule ist erschüttert, wie sehr diese Nachricht ihre Mutter aus der Bahn wirft, denn es besteht doch seit Jahren keinerlei Kontakt und sie selbst hat ihre Großmutter nicht einmal kennengelernt. Die beiden Frauen reisen kurzerhand zusammen zum Haus ihrer Großmutter, um deren Unterlagen zu sichten, und zugleich wird es eine Reise in eine sehr aufwühlende Vergangenheit...
In einem zweiten Handlungsstrang erzählt Kira Mohn die Geschichte der Schwestern Anna und Maja, die in ihrem Elternhaus ständig häusliche Gewalt und teilweise auch sexuellen Missbrauch durch ihren Vater erleben müssen. Es ist erschütternd und beklemmend, was hinter verschlossenen Türen vor sich gehen kann, während nach außen hin immer alles korrekt und harmonisch zu sein scheint...
Kira Mohn erzählt in zwei Handlungssträngen und auf zwei Zeitebenen eine Geschichte über Missbrauch, häusliche Gewalt, verbale Erniedrigung und zahlreiche Demütigungen, aber auch über Zusammenhalt, Vertrauen, Freundschaft und Kraft.
Von Beginn an erzeugt die Autorin mit ihrer feinfühligen und eindrucksvollen Erzählweise eine beklemmende Atmosphäre voller Düsternis und schlimmen Momenten, aber dennoch voller Hoffnungsschimmer und (positiver) Emotionen.
Besonders beeindruckend war für es für mich, die Geschichte aus der Erzählperspektive der kleinen Schwester Maja zu erleben, die Vieles noch gar nicht versteht, aber trotzdem oder teilweise gerade deswegen löst das so Einiges in dem Mädchen aus. In ihr entsteht die ständige dringlicher werdende Sehnsucht, dem gewalttätigen Zuhause zu entfliehen, aber die gößere Schwester Anna, die sich seit einiger Zeit so komisch verändert hat, vertröstet Maja immer und immer wieder. Es tat mir regelrecht weh, wie viel Empathie und positive Gefühle trotz Allem hier im Spiel sind, wie sich Maja und Anna regelrecht aneinanderklammern und füreinander da sind, da doch selbst die Mutter nicht die Kraft hat, ihrem Mann Widerstand zu leisten, und selbst immer wieder verprügelt und vergewaltigt wird.
Definitiv gehört zu Beginn eine deutliche Triggerwarnung, da diese Lektüre zwar mit größter Feinfühligkeit und Sensibilität an die behandelten Themen herangeht, aber dennoch extreme Auswirkungen auf die Psyche hat - dies ist eine Lektüre, die auch bei mir noch lange nachhallen wird und vielleicht sogar das ein oder andere Erlebnis aus der Vergangenheit in Frage stellt...!
Anne Sofie Schietzold liest gaz großartig - so prägnant und zugleich feinfühlig und empathisch, dass mir wirklich oft ganz anders wurde...