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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2020

Plitsch Platsch

Ein Sommer auf Sylt
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Bei dem Buchtitel kann man zwar keine tiefschürfende Literatur erwarten, aber schon ein bisschen mehr als nur eine arg vorhersehbare Romanze.
Denn genau diese ist es, auch wenn versucht wird, diese durch ...

Bei dem Buchtitel kann man zwar keine tiefschürfende Literatur erwarten, aber schon ein bisschen mehr als nur eine arg vorhersehbare Romanze.
Denn genau diese ist es, auch wenn versucht wird, diese durch umgebende Irrungen und Wirrungen (weder erheiternd, noch unvorhersehbar) anzureichern. Doch sorgen eben jene Geschichten zwischen Mutter und Tochter, den Tanten oder dem verstorbenen Vater eher dafür, dass die nur seicht dahinplätschernde Story noch in die Länge gezogen wird, anstatt für Höhepunkte zu sorgen.
Auch stechen die Protagonisten nicht wirklich hervor; sie bleiben blass und mir fern. Lediglich Charlotte oder Mats könnte man wohlwollend noch etwas Stärke zusprechen. Gerade aber Julia, aus deren Ich-Perspektive das Buch geschrieben ist, ist für ihr Alter unreif und naiv, wodurch sie u. a. nicht bemerkt, wie ihr Freund ihr auf der Nase herumtanzt.
Daneben wird trotz zahlreicher Schilderungen des Insellebens in mir keine Sehnsucht geschürt, dass ich nun unbedingt nach Sylt reisen möchte. Schade.
Dadurch, dass ich die Hörfassung erhalten habe, konnte ich mich nebenbei von der angenehmen Stimme der Sprecherin berieseln lassen. War ich mal etwas unaufmerksamer, war das mangels Geschehnissen jedoch nicht sonderlich schlimm. Hätte ich hingegen ein Leseexemplar erhalten, ich hätte es vermutlich nicht beendet.

Veröffentlicht am 22.09.2020

Mehr davon versprochen

Connect me - verbunden mit mir selbst
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Um es vorwegzunehmen, von diesem Buch hatte ich mir mehr versprochen.
Mit Darstellung ihres persönlichen Leidensweges und der Ansprache per ‚Du‘ will die Autorin vermutlich Vertrauen oder auch eine Bindung ...

Um es vorwegzunehmen, von diesem Buch hatte ich mir mehr versprochen.
Mit Darstellung ihres persönlichen Leidensweges und der Ansprache per ‚Du‘ will die Autorin vermutlich Vertrauen oder auch eine Bindung zum Leser aufbauen. Allerdings ist ihr das bei mir nicht gelungen. Vielleicht, weil ich mich mit der Darstellung der Probleme ihrer Klienten (meist 40-50-Jährige) nicht wirklich identifizieren kann. Außerdem stehen bei denen oft Partnerschaftsthemen im Vordergrund, andere Belange werden im Buch kaum beleuchtet.
Auf dieser Basis leitet sie dann ihr 6-Schritte-Programm her. Im Wesentlichen sind die Punkte aber nichts Neues, sondern Themen, die man aus anderen Ratgebern zur Genüge kennt; es geht um Selbstreflexion, Achtsamkeit, begleitet von Mantras und Meditationen. Zwischen der ganzen Theorie gibt es zahlreiche Seiten mit Übungen (Fragen und leere Zeilen zum Ausfüllen).
Ob es mir mit diesem Ratgeber gelingt, der eigentlich keiner sein will, aus der Performance-Falle herauszukommen, bezweifle ich.

Veröffentlicht am 20.09.2020

Belanglos

Normale Menschen
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Schon der Titel von "Normale Menschen", wenn man ihn denn neben dem Autorennamen in gleicher Schriftgröße identifiziert hat, ist ziemlich belanglos. Und genauso belanglos geht es im Buch selbst weiter. ...

Schon der Titel von "Normale Menschen", wenn man ihn denn neben dem Autorennamen in gleicher Schriftgröße identifiziert hat, ist ziemlich belanglos. Und genauso belanglos geht es im Buch selbst weiter. Es ist eine Aneinanderreihung von alltäglichen Geschehnissen in den Jahren 2011 bis 2015 zwischen Connell und Marianne. Details zu den Handelnden, ihren Beweggründen oder Emotionen werden dabei kaum geteilt, was keine Identifikation mit den Protagonisten ermöglicht.
Dass es sich um eine Liebesbeziehung handeln soll, kommt nicht rüber. Das zwischen ihnen als Freundschaft zu bezeichnen, ist m. E. immer noch übertrieben. Denn er möchte gefühlt nur f***, sie scheint dabei masochistisch veranlagt. Empfindungen scheinen sie keine zu haben, alles ist ihnen irgendwie egal.
Alles bleibt wage und unverbindlich. Nicht einmal die Dialoge werden klar herausgestellt, denn sie kommen ohne Anführungszeichen daher, was dem Lesefluss nicht zuträglich ist. Trotz der einfachen bzw. gar Umgangssprache liest sich das Buch nicht schnell weg. Es hat mich Mühe gekostet, dieses Rezi-Exemplar zu Ende zu bringen (wäre es nicht ein solches gewesen, hätte ich abgebrochen).
Die für einen Roman vergleichsweise große Schrift könnte vermuten lassen, dass es sich eher um ein Buch für jüngeres Publikum handelt. Vielleicht könnte dieses dem Werk mehr abgewinnen.
Denn mir ist es ein Rätsel, wie man dieses Buch als den besten Roman des Jahres bezeichnen kann.

Veröffentlicht am 01.09.2020

Verkorkste Familie und Geschichte

Vaters Wort und Mutters Liebe
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Es fällt mir schwer dieses Buch zu bewerten, wo es doch in der Presse so gefeiert wird. Denn ein laut Klappentext "mitreißend erzählter Familienroman" ist es in meinen Augen keineswegs.
In diesem Werk, ...

Es fällt mir schwer dieses Buch zu bewerten, wo es doch in der Presse so gefeiert wird. Denn ein laut Klappentext "mitreißend erzählter Familienroman" ist es in meinen Augen keineswegs.
In diesem Werk, das in drei Teile gegliedert sind, soll die Geschichte eines Mordes erzählt werden. Nur ist es so, dass der eher zum Nebenkriegsschauplatz wird und man zum Schluss ohnehin nicht erfährt, wer der Täter, oder ob es nicht doch nur ein Unfall war.
Jedes Kapitel beginnt mit einer kleinen Zusammenfassung des Geschehens. In vielen davon fragt die Autorin, ob denn schon etwas geschehen sei oder noch werde. Und genau diese Frage habe ich mir beim Lesen wiederholt gestellt.
Auf fast 550 Seiten werden stattdessen die zahlreichen Familienmitglieder vorgestellt (ein Blick in die Personenübersicht ist immer wieder nötig) und deren teilweise verkorkste und schwere Vergangenheit, die sich bis in die Gegenwart auswirkt. Dabei springt die Autorin zwischen den Zeiten, weshalb man sehr konzentriert lesen muss. Dennoch sind die Schilderungen so ausschweifend, gleichzeitig oberflächlich, dass mir die Personen fremd bleiben, ich ihr Handeln nicht nachvollziehen kann und keine Sympathien oder Antipathien aufkommen wollen.
Eine der Hauptpersonen und immerhin Titelgeber, der Vater, bleibt ziemlich im Dunkeln. Von ihm erfährt man ziemlich wenig im Vergleich zu den anderen. Dabei wäre es m. E. wichtig zu erfahren, warum er so (geworden) ist, wie er ist. Der Versuch am Schluss, ihn näher zu beleuchten und in ein besseres Licht zu rücken, erscheint da recht unglaubwürdig.
Alles ist irgendwie begonnen und nicht zu Ende geführt. Vielleicht hätte die Autorin die Familie mit weniger Mitgliedern gestalten und sich auf diese wirklich konzentrieren sollen. Auch, was die Tiere auf dem Cover mit der Geschichte zu tun haben, erschließt sich nicht. Ebenso ist fragwürdig, ob der Titel wirklich passt.
Nicht nur, dass das Buch volle Aufmerksamkeit erfordert, man braucht auch einiges an Durchhaltevermögen. Denn ich musste mich wirklich zwingen, es zu Ende zu lesen. Nicht förderlich dafür waren zudem die mitunter besserwisserische direkte Ansprache des Lesers. Störend für den Lesefluss waren weiterhin die vielen Klammereinschübe und englischen Phrasen; warum wurden die nicht übersetzt oder ganz weggelassen?
Die abschließende Frage, die für mich bleibt: Was wollte die Autorin mit diesem Wälzer eigentlich sagen oder erreichen? Wollte sie sich vielleicht nur den Frust über ihre eigene Familie von der Seele schreiben?

Veröffentlicht am 17.08.2020

Nichts Halbes, nichts Ganzes

Der Schattenmörder
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"Unheimlich, beklemmend und nervenzerreißend spannend" - so wird für dieses Buch geworben. Mal wieder ein reißerischer Klappentext, dem der Buchinhalt nicht gerecht wird.
Die Schilderungen der drei Erzählebenen ...

"Unheimlich, beklemmend und nervenzerreißend spannend" - so wird für dieses Buch geworben. Mal wieder ein reißerischer Klappentext, dem der Buchinhalt nicht gerecht wird.
Die Schilderungen der drei Erzählebenen (Paul in der Ich-Form damals und heute, Detective Amanda heute) sind keinesfalls fesselnd geschrieben, wodurch sich das Buch sehr zieht. Der Schreibstil und Inhalt schaffen es nicht, mich an sich binden, wodurch sich das Buch gut weglegen und vergessen lässt. Auch der Versuch, die Charaktere alle etwas psychisch angeknackst darzustellen, führt nicht dazu, mich ihnen näher zu fühlen.
Das Buch ist definitiv kein "Spannungsroman", denn es kann sich nicht entscheiden, was es sein will - Krimi, Thriller oder Gruselgeschichte? Für alle Genres fehlt die nötige Intensität.
Wie schreibt der Autor im Buch an einer Stelle über Pauls Schreibambitionen: "Ideen, die sich in meinem Kopf gut anhörten, klangen auf Papier flach und leblos." Nun, das trifft auf dieses gesamte Buch zu. Wäre es kein Rezi-Exemplar gewesen, dann hätte ich das Buch abgebrochen.