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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.04.2026

Neustart in Island

Moosland
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📖 Im Jahr 1949 lässt die junge Elsa die Trümmer des kriegszerstörten Deutschlands hinter sich, um in der rauen Weite Islands einen Neuanfang zu wagen. Gemeinsam mit hunderten anderen Frauen folgt sie dem ...

📖 Im Jahr 1949 lässt die junge Elsa die Trümmer des kriegszerstörten Deutschlands hinter sich, um in der rauen Weite Islands einen Neuanfang zu wagen. Gemeinsam mit hunderten anderen Frauen folgt sie dem Ruf isländischer Bauern, die nach helfenden Händen und potenziellen Ehefrauen für ihre abgelegenen Höfe suchen. Doch während die wilde Natur der Insel mit ihrer unbändigen Kraft beeindruckt, bleibt Elsa zunächst gefangen in ihrem tiefen inneren Schweigen und den Traumata der Vergangenheit. Auf dem einsamen Hof ihrer Gastfamilie kämpft sie nicht nur mit der schweren körperlichen Arbeit, sondern vor allem mit der Barriere einer ihr völlig fremden Sprache. Erst ganz allmählich beginnt das Eis um ihre Seele zu schmelzen, als sie vorsichtig lernt, Worte für ihr Erlebtes zu finden und sich der neuen Gemeinschaft zu öffnen.
⭐ Die Atmosphäre des Romans ist wirklich wunderbar greifbar. Statt Sprache treten hier Natureindrücke und zwischenmenschliche Beobachtungen in den Vordergrund. Die Familiendynamik wird somit auch sichtbar, obwohl sie nicht explizit in den Vordergrund rückt.
⭐ Der unglaublich dichten und trotzdem leise Schreibstil ließ mich den isländischen Wind und die Kälte beim Lesen fast körperlich spüren. Besonders beeindruckt hat mich der geniale Kniff mit der Lautschrift zu Beginn: Man fühlt Elsas Sprachlosigkeit und ihre totale Isolation so richtig mit, weil man selbst erst einmal über die fremden Klänge stolpert.
⭐Die Story bleibt dabei angenehm unaufgeregt und verlagert das eigentliche Drama ganz leise nach innen, was Elsas traumatische Abgekapseltheit perfekt unterstreicht.
⭐Über den geschichtlichen Hintergrund wusste ich nichts. Der Roman hat hier auf jeden Fall einen Aspekt der Geschichte Islands aufgedeckt, den ich sehr gespannt verfolgt habe.
Katrin Zipse erzählt eine feinfühlige Geschichte über die heilende Kraft der Sprache und die mühsame Suche nach einer neuen Heimat in der Fremde, über das Leben mit Verlusten und den Wunsch nach einem Neubeginn.
🏔️🌊 Kannst du dir vorstellen, für einen kompletten Neuanfang alles hinter dir zu lassen und in ein fremdes Land zu ziehen – auch wenn du die Sprache noch gar nicht sprichst?

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Hör auf dein Bauchgefühl!

Warum du schweigst
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📖 Lena ist eine super Fußballerin, ambitioniert, ehrgeizig, motiviert. Da kommt es ihr ganz recht, dass ihr alter Trainer aufhört und ihre Mannschaft stattdessen einen jüngeren, sehr engagierten neuen ...

📖 Lena ist eine super Fußballerin, ambitioniert, ehrgeizig, motiviert. Da kommt es ihr ganz recht, dass ihr alter Trainer aufhört und ihre Mannschaft stattdessen einen jüngeren, sehr engagierten neuen Trainer bekommt. Doch irgendwie verhält der sich merkwürdig. Er kommt den Mädels im Team zu nah, aber niemand sagt was, weil jede für sich denkt, dass sie vielleicht überreagiert. Doch dann wird es für Lena immer schlimmer. Sie traut sich nicht, mit ihrer Mutter oder mit Tim zu sprechen, in den sie eigentlich total verliebt ist. Und dann passiert etwas, was ihr komplettes Leben zu zerstören droht.
⭐ Ich fand es unglaublich gelungen, wie Martin Schäuble die Dynamik des Trainerverhaltens und die Folgen für die Spielerinnen erzählt. Vom ersten „unverbindlichen“ Umarmen auf dem Spielfeld über das gemeinsame Feiern bis hin zum geschickt eingefädelten Besuch bei Lena zuhause- zu jeden Zeitpunkt konnte ich nachvollziehen, wie es sich für Lena und ihre Mitspielerinnen angefühlt haben muss und warum sie sich einfach nicht getraut haben, etwas zu sagen.
⭐ Der Roman zeigt auch, wie absolut wichtig es ist, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und sich schnell eine Vertrauensperson zu suchen, wenn einem etwas komisch vorkommt: Es gibt auf Seiten der Betroffenen kein falsches Verhalten!
⭐ Die Härte und ungeschönte Darstellung der Auswirkungen auf Lenas psychisches Wohlbefinden und auf ihren Umgang mit Tim sind ausgesprochen authentisch dargestellt und gerade deshalb nicht immer leicht zu lesen.

Ein absolut wichtiges Buch über Missbrauch im Sport, das nicht nur Jugendliche unbedingt lesen sollten!

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Veröffentlicht am 15.04.2026

wie lebt man ohne seinen Zwilling?

Unterwasserblau
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📖 Jessicas Leben scheint erstmal gar nicht so schlecht: Sie ist mit Ingwer verheiratet, sie lieben sich, wohnen gemeinsam in Leipzig, Jessica verbringt gerne Zeit mit ihrer Schwiegerfamilie, hat einen ...

📖 Jessicas Leben scheint erstmal gar nicht so schlecht: Sie ist mit Ingwer verheiratet, sie lieben sich, wohnen gemeinsam in Leipzig, Jessica verbringt gerne Zeit mit ihrer Schwiegerfamilie, hat einen guten Draht zu ihren Nichten und Neffen und beschäftigt sich auch beruflich mit einem Thema, das sie interessiert (Kieselalgen). Doch als Jessicas Vater stirbt und sie zur Beerdigung in die Heimat fährt, wird immer deutlicher, wie schwierig ihre Situation in ihrer Herkunftsfamilie ist. Bei der eigenen Mutter stößt sie massiv auf Ablehnung, ihrer Halbschwester gegenüber fühlt sie sich fremd und das Schicksal ihrer Zwillingsschwester Annika scheint wie eine dunkle Wolke über der gesamten Familie zu hängen. Auch ihre Sicherheit, die sie durch die Schwiegerfamilie erfährt, scheint durch ihr eigenes Verhalten plötzlich zunichtegemacht zu werden.
⭐ Wie und warum Jessica Ingwer hintergeht, konnte ich erst nicht nachvollziehen und sie wurde mir dadurch erstmal ziemlich unsympathisch. Nachdem sie den Grund für ihr Verhalten herausfindet, konnte ich mich ihr wieder annähern.
⭐ Der Roman zeigt eindrücklich, dass vieles nicht so ist, wie es auf den ersten Blick scheint – und dass „Gebrauchtwerden“ nicht nur etwas Positives sein muss.
⭐ Es hat mir sehr gut gefallen, dass die Charaktere ungeschönt, authentisch und unglaublich direkt dargestellt werden. Der Schmerz und die Ablehnung, die sich durch den Roman ziehen, sind beim Lesen deutlich zu spüren.
⭐ Außerdem fand ich die Fakten über Wale und Zwillinge wirklich cool, die Selfie-Metapher sehr gelungen und und „Leichenschmaus“ werde ich in Zukunft definitiv durch „Trösterchen“ ersetzen.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Koray entdeckt allerlei

FREI – Bester Anfang (FREI 3)
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📖 Korays Mutter ist schlecht drauf, seit sie auf Jürgen reingefallen ist und durch ihn ihre Karriere als Influencerin zerstört wurde. Sie ist wortkarg, launisch und schnell aufbrausend. Trotzdem ...

📖 Korays Mutter ist schlecht drauf, seit sie auf Jürgen reingefallen ist und durch ihn ihre Karriere als Influencerin zerstört wurde. Sie ist wortkarg, launisch und schnell aufbrausend. Trotzdem hat Koray es satt, wie sie der einen, für ihn absolut essenziellen Frage nach seinem leibliche Vater immer wieder ausweicht. Da beschließen er und seine Freund:innen, der Sache einfach selbst mal näher nachzugehen. Schnell kristallisieren sich „Verdächtige“ heraus, die es nun gilt genauer unter die Lupe zu nehmen. Während die Teenager mit ihren Nachforschungen beschäftigt sind, passieren dann große Dinge (💘).
⭐ Wie schon durch die letzten beiden Bände bin ich durch diesen auch wieder durchgeflogen. Ich liebe die lockere, authentische und witzige Sprache der Autorin, die gute Balance zwischen Aktion und Reflexion, den Umgang mit dem großen Spektrum der Gefühle, in dem sich (nicht nur) Koray bewegt.
⭐ Ich mochte, dass nicht allein die Suche nach dem Vater im Vordergrund steht, sondern auch viele Nebenstränge erzählt werden, die Liebe und Selbstbestimmtheit aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und sich dem Umgang mit Enttäuschung nähern.
Ein toller Jugendroman, der zarte, verbindende Gefühle ebenso zulässt wie Wut, Ärger und Konfrontation, sich dabei aber nie Richtung Klischee oder Übertreibung bewegt.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Drei komplett unterschiedliche Lebenswege

Die Namen
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Die Hebamme heißt Lochstampfer, der Freund aus der Eifel Nusbaum, die super gute Köchin im Freundeskreis Knoblauch, der Orthopäde Dr. Krumbein- Ich hab mich schon oft gefragt, ob Namen dem Leben eine Richtung ...

Die Hebamme heißt Lochstampfer, der Freund aus der Eifel Nusbaum, die super gute Köchin im Freundeskreis Knoblauch, der Orthopäde Dr. Krumbein- Ich hab mich schon oft gefragt, ob Namen dem Leben eine Richtung vorgeben. In meiner Zeit als Lehrerin hab ich auf jeden Fall erlebt, dass Namen durchaus Einfluss auf Bildungschancen haben und nicht immer neutral betrachtet werden.

📖 Cora bringt 1987 ihren Sohn zur Welt – und steht direkt unter dem Druck ihres kontrollierenden, gewalttätigen Ehemanns. Für ihn ist klar: Der Junge soll Gordon heißen. Für Cora ist dieser Name jedoch mehr als Tradition – er steht für Macht, Angst und ein Leben im Schatten des Vaters. Also stellt sich die Frage: Kann ein anderer Name alles verändern? Der Roman spielt genau das durch – in drei Versionen derselben Geschichte. Wir begleiten Gordon, Julian und Bear, wie sie aufwachsen und ihr Leben gestalten. Es entstehen erleben dabei drei völlig unterschiedliche Biografien, die alle von derselben Ausgangssituation ausgehen.
⭐ Ich fand die Idee total spannend, drei komplett unterschiedliche Lebenswege allein aus der Wirkung eines Namens heraus entstehen zu lassen. Besonders faszinierend war für mich, dass sich bei den Menschen, denen Gordon, Julian und Bear begegnen, immer wieder Parallelen zeigen – die sich jedoch je nach Lebensverlauf ganz unterschiedlich entwickeln und ausgestalten.
⭐ Der Roman zeigt sehr eindrücklich, wie sich familiäre Gewalt, Erziehung und kleine Entscheidungen auf die Entwicklung eines Menschen auswirken – und wie schwer es ist, diesen Kreislauf zu durchbrechen.
⭐Statt dramatischer Überhöhung entsteht die emotionale Wucht der Geschihcte gerade vor allem durch die zurückhaltende, fast nüchterne Sprache: viele Szenen wirken dadurch umso intensiver und treffen überraschend hart.
Ein tolles Gedankenspiel, ein wahnsinnig berührender und realistischer, sehr gelungen übersetzter Roman über häusliche Gewalt, Entscheidungen und die Auswirkungen familiärer Prägung.

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