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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein schwieriges Krankheitsbild realitätsnah umschrieben!

Ich erzähle von meinen Beinen
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Das Cover ist schwer zu interpretieren, da es keinen Hinweis zum Romaninhalt gibt. Auch der Buchtitel trifft nicht unbedingt den Hauptkern des Buches. Mit Chaos, Unruhe und Panik im Kopf, mit Belastungsstörung ...

Das Cover ist schwer zu interpretieren, da es keinen Hinweis zum Romaninhalt gibt. Auch der Buchtitel trifft nicht unbedingt den Hauptkern des Buches. Mit Chaos, Unruhe und Panik im Kopf, mit Belastungsstörung wird die Hauptperson Walburga, kurz Wally, diagnostiziert. Diese Ich-Erzählerin mit Teilzeitstelle bei einem Verlag für medizinische Publikationen medikamentiert sich selbst und ihre Tochter, die mit 11 Jahren mit ADHS diagnostiziert wird. In diesem unruhigen Klima von Unkonzentriertheit, Selbstzweifeln und unfertigen Aktionen im gesamten privaten und beruflichen Umfeld stellt der Partner eine wichtige Halt und Ruhe gebende Komponente dar. Dieses schwierige Thema um Neurodivergenz wird hier leicht und munter behandelt, ist aber für die Familie selbst und für Freunde eine arge mentale Belastung. Der Schreibstil entfaltet in acht Unterteilungen die zunehmende Tragik von Wallys Überforderung, nicht belehrend, eher authentisch und menschlich liebevoll, einfühlsam. Der endgültige Schaden an den Seelen fällt zusammen mit einem immensen Wasserschaden am Haus nach Dammbruch – dramaturgisch realitätsnah zugespitzt, aber die eindringliche Schwere dieser Gesamtsituation sprachlich gut kaschierend.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Besondere Mutter-Tochter-Beziehungen und mehr!

Das gute Leben
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Das Cover zeigt eine Weinranke in Blautönen mittig mit dem Buchtitel farblich gut miteinander korrespondierend – künstlerisch sehr ansprechend entworfen. In diesem historischen Familienroman über vier ...

Das Cover zeigt eine Weinranke in Blautönen mittig mit dem Buchtitel farblich gut miteinander korrespondierend – künstlerisch sehr ansprechend entworfen. In diesem historischen Familienroman über vier Frauengenerationen erzählt Enkelin Christina anhand nicht chronologisch aufgeführter Erinnerungen hauptsächlich die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Anni. Ihre Fluchtmöglichkeit aus dem ärmlichen, schmutzigen Rumänien, weg von Ceausescu und dem Sozialismus, verdankt sie ihrem Bruder Rudi. Bei ihm lebt sie unter beengten Wohnverhältnissen mit ihrer in Westdeutschland geborenen Tochter Helene, jedoch geplagt von Einsamkeit, Heimweh und Armut. Während der Sommeraufenthalte in Temeswar, Rumänien bei der allein lebenden Urgroßmutter und auch in Deutschland tauchen männliche Beteiligte nur als unwichtige Randfiguren auf. Die Ich-Erzählerin Christina, Helenes Tochter, wächst bei der Großmutter Anni auf, deren Arbeitswelt sich grössenteils in der Packabteilung vom Quelle-Versand abspielt. Nach 35-jähriger Firmenzugehörigkeit muss sie trotz großem Pflichtbewusstsein und Zähigkeit in vorzeitigen Ruhestand. Angerissen wird die wichtige Rolle von Grete Schickedanz im Quelle-Versandhandel der Wirtschaftswunderjahre in Deutschland, setzt sie doch auch z. B. diese fortschrittliche Altersruhegeldregelung durch. Der harte Weg zu dem ersehnten guten Leben führt hier aus dem Rumänien der 60-er Jahre über Wien nach Nürnberg, auch den Wunsch nach Zugehörigkeit und Sicherheit einbeziehend, sprachlich reizvoll in leisen Tönen umgesetzt.
Vier Frauen verschiedener Charaktere in unterschiedlichen politischen Lebenswelten und deren Hoffnungen auf das gute Leben, umgesetzt in einem sprachlich gelungenen Familienroman.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Auf der Suche nach Heimat

Halber Stein
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Nach der Erstveröffentlichung im Jahr 2012 erscheint dieser damalige Debutroman erneut zum 14.02.26, betitelt nach dem in Michelsberg gelegenen Naturfelsen – hier gedacht als gewichtiger Ort für bedeutsame ...

Nach der Erstveröffentlichung im Jahr 2012 erscheint dieser damalige Debutroman erneut zum 14.02.26, betitelt nach dem in Michelsberg gelegenen Naturfelsen – hier gedacht als gewichtiger Ort für bedeutsame Lebenserkenntnisse der Hauptakteurin. Wie in vorigen Romanen spielt die Szenerie im ländlichen, jetzt rumänischen Siebenbürgen. Dort verbrachte die Autorin ihre Kindheit ähnlich der Hauptfigur Friedesine, Ich-Erzählerin, zusammen mit dem rumänischen Nachbarsjungen Julian. Erzählt wird von deren zeitlosen, prägenden Freundschaft, von historischen und politischen Eckdaten, von langsam schwindenden Traditionen der ehemals deutschen Siedler, gekoppelt ans Begräbnis der Großmutter. Durch eigene Migrationserfahrungen und ihrer Suche nach Zugehörigkeit offenbart die Erzählerin Sine eine immer noch bestehende innere Zerrissenheit nach Auswanderung vor 20 Jahren. Die landschaftliche Schönheit und auch touristische Highlights der Umgebung verschmelzen mit Kindheitserinnerungen und der Gegenwart Sines. In poetischem, ruhigem Schreibstil entwirft die Autorin eine bildhafte, einfühlsame Familiengeschichte voller Brauchtum und Überlebensstrategie in dörflichem Miteinander.
Ist Heimat ein Ort der Sehnsüchte, Träume und Erinnerungen?

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Aufwachsen zwischen verschiedenen Kulturen und dem Golfkrieg

Unser Haus mit Rutsche
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In drei Teilen geht es auf zwei Erzählebenen um Laylas Lebensgeschichte. Ihre Ruckbesinnung an eine fantasievolle Kindheit in Saarbrücken, an gut situierte Großeltern im Elsass und an liebevoll agierende ...

In drei Teilen geht es auf zwei Erzählebenen um Laylas Lebensgeschichte. Ihre Ruckbesinnung an eine fantasievolle Kindheit in Saarbrücken, an gut situierte Großeltern im Elsass und an liebevoll agierende Eltern aus verschiedenen Kulturen wechseln ab mit Laylas jetzigem bedrückenden Alltag in Paris. Mittlerweile über 40 Jahre alt leidet sie an Panikattacken und hegt nun eine Abneigung gegen ihre arabische Seite. In Dialogen mit Hausarzt und Psychologin geht es nicht nur um ihren Vater und dessen fanatischen, religiösen Wandlung durch den Golfkrieg. Sie strauchelt als Deutsche auch mit ihrem Familiennamen sowohl als erfolglose Schauspielerin für deutsche Rollen als auch als Schriftstellerin, zweifelt insgesamt an der Welt, in der sie deprimiert lebt. Die heldenhafte Rolle des geliebten irakischen Vaters wandelt sich langsam während der Familienreise nach Bagdad mit dem Besuch dortiger Familienmitglieder, mit ihr als Zehnjährige auch in einem historischen Exkurs über Nimrud, Nedschef, Mossul etc. in Friedenszeiten mit Saddam Hussein als Präsident. Nach 1990 in der Golfkrise sind Geschäfte mit dem Irak auf Eis gelegt. Die drastischen familiären Auswirkungen in Bagdad und Saarbrücken durch dieses lang anhaltende Wirtschaftsembargo werden eindringlich geschildert. Flucht in die islamische Religion, Schuldgefühle, Ohnmacht und panarabische Ideologie auf Seiten des Vaters wechseln ab mit Laylas Fragen zu ihrer Identität und Kulturzugehörigkeit, sieht sie doch nicht arabisch aus. Der familiäre Stimmungswandel in Tristesse während Laylas Pubertät mit der nun berufstätigen Mutter ist gut nachvollziehbar. Ihr Vertrauen in den Vater ist tief erschüttert, glaubt sie doch nicht mehr an sein Versprechen vom Haus mit Rutsche. Erst über den Dialog mit der Psychologin findet sie den kulturellen Zugang zu normalerweise vorhandenen arabischen Erwartungen an den Erstgeborenen und der daraus resultierenden schweren Verantwortung ihres Vaters für die Heimatfamilie.
Historische Fakten zu der Urlaubsreise und nachfolgende Etappen des Golfkriegs in autofiktionalem Rahmen gefallen. Die Erzählebene der erwachsenen Layla in Paris wirkt emotional wirr und verstörend, wenn auch psychologisch aufschlussreich. 3,5*

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Dramatische Sommerferien - anschaulich und detailliert festgehalten.

Schwarzer September
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Das Cover zeigt die Hauptperson am sommerlichen Strand der Toskana dreifach in verschiedener Position liegend, wirkt aber visuell nicht sehr ansprechend. Dagegen passt der Buchtitel in zweifacher Hinsicht ...

Das Cover zeigt die Hauptperson am sommerlichen Strand der Toskana dreifach in verschiedener Position liegend, wirkt aber visuell nicht sehr ansprechend. Dagegen passt der Buchtitel in zweifacher Hinsicht gut: erstens die Familienverhältnisse betreffend, zweitens den Anschlag der Terrorgruppe »Schwarzer September« während den Olympischen Spielen in München im Sommer 1972 betonend. Der Ich-Erzähler Gigio Bellandi, zweisprachig aufgewachsen, konzentriert sich detailliert auf einen finsteren Familien-Sommeraufenthalt in Fiumetto an der ligurischen Küste. Er beschreibt sich als einen zwölfjährigen Dorfjungen, vergraben in Sportalben, Fan von Juve, Bitossi und Ferrari und von allen anderen Sportarten, außer Haus unsichtbar und unfähig, seine Gefühle mit anderen zu teilen. Die Haut-Problematik von Rutilismus, wie bei seiner rothaarigen, irischen Mutter und Schwester vorhanden, wird eingehend beschrieben. Ebenso wird die Rolle des Vaters, Rechtsanwalt und Hobbysegler, zwischen seiner Berufstätigkeit und Familienfreizeit erwähnt.
Im zweiten Teil taucht dann in Gigios Sommerferien die veränderte, belesene, 13-jährige Astel Rimondi auf, vertieft mit ihr nicht nur ihre Englischkenntnisse anhand von Songtexten damaliger Popsänger am Strand und in ihrem luxuriösen Zuhause. Die zarten Bande dieser zwei Pubertierenden, durch die Ermordung von Astels Vater abrupt gestoppt, werden aus Gigios Sicht einfühlsam beschrieben. Die Sommerferien 1972 enden dramatisch und schlagartig nicht nur für alle Familienmitglieder, sondern auch für alle Olympioniken.
Der Schreibstil wendet sich an den Lesenden wie in einem Monolog. Gigio spricht besonders im Epilog inmitten des Olivenhains die Vorstellungskräfte des Lesenden an. Minutiös sind namhafte Sportler der damaligen Sportszene recherchiert worden, zu ausführlich ausgeführt vielleicht für sportlich Desinteressierte. Das italienische Ambiente einer bis dahin behüteten Kindheit wird angenehm eingefangen.

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