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Veröffentlicht am 01.03.2026

Vielschichtiger Familienroman

Alma
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Das sommerliche Cover gibt eine malerische Kulisse mit zwei jungen Personen wieder, doch der Romaninhalt erzählt umfangreich vom politischen Zerfall Jugoslawiens mit der italienischen Stadt Triest im nahen ...

Das sommerliche Cover gibt eine malerische Kulisse mit zwei jungen Personen wieder, doch der Romaninhalt erzählt umfangreich vom politischen Zerfall Jugoslawiens mit der italienischen Stadt Triest im nahen Grenzbereich gelegen. Europäische Geschichte zur Zeit Titos und der nachfolgende Bürgerkrieg um Sarajewo, Vukovar und Srebrenica mit all den Brutalitäten an der Zivilbevölkerung bilden den Hintergrund für die Lebensgeschichte von Alma, der Journalistin und Vili, dem Fotografen, beide auf der lebenslanger Suche nach Identität, Zugehörigkeit und Sicherheit. Aus Almas Rückschau wird über das großbürgerliche Leben ihrer gut situierten Großeltern mit Habsburger Ambiente erzählt, wenig über ihre in der offenen Psychiatrie Franco Basaglias arbeitende Mutter. Almas Vater, ein zwischen Ost und West wandernder, unruhiger Slawe, Titos Reden-Schreiber, prägt ihre Kindheit zwischen der dortigen Sprachenvielfalt sehr. Mit ihm zieht auch der 11-jährige Vili, Sohn seines Freundes aus Belgrad, einem Dissidenten, für immer nach Triest in ihr Elternhaus. Beider Erwachsen-Werden pendelt zwischen Ablehnung, Verliebtheit und unfreiwilligem Wiedersehen nach dem Versterben ihres Vaters. Sein Erbe enthält z.B. auch ihre Zeitungsartikel, ihre Akte, Fotos, sein von kritischen Seiten bereinigtes Notizbuch. Seine Wurzeln, überhaupt seine Vergangenheit bleiben weiterhin vor ihr verschlüsselt wie auch vieles von Vilis Taktieren besonders während der Prozesstage am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag mithilfe seiner Fotografien.
In Triest, in der Stadt der Irren, zwischen verschiedenen Kulturen und Sprachen verortet, zu nahe an kommunistischen Systemen angrenzend, in dieser ehemaligen Grenzstadt am Eisernen Vorhang, in ihrer Heimatstadt fühlt sich Alma nicht verwurzelt, sondern wie ihr Vater als Außenseiterin haltlos herumwandernd, selbst mit 53 Jahren noch.
Die Schilderungen zu den Kriegsereignissen in Belgrad, an der Drina etc. sind sehr drastisch und beängstigend. Der geschichtliche Hintergrund jedoch hätte gerne umfassender sein können. Zu den Schwarz-Weiß-Fotos im Buch selbst wären Informationen dazu hilfreich gewesen.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein eindrucksvoller Debütroman.

Kala
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Das sommerliche Cover mit Gras bewachsener Hügellandschaft gibt einen friedlichen Eindruck wider, mit unscharf festgehaltenen Personen im Zentrum – wie eine verträumte Erinnerung. Die Gegenwart im Sommer ...

Das sommerliche Cover mit Gras bewachsener Hügellandschaft gibt einen friedlichen Eindruck wider, mit unscharf festgehaltenen Personen im Zentrum – wie eine verträumte Erinnerung. Die Gegenwart im Sommer 2018 in der Kleinstadt Kinlough an der Westküste Irlands lässt drei Jugendfreunde aus 2003 wieder zufällig zusammenkommen anlässlich einer anstehenden Hochzeit bzw. wegen eines musikalischen Revival-Pubauftritts. Schockierende Ereignisse rund um die immer noch unzertrennliche Clique entfalten sich sprachlich spannend verpackt. Die verschiedenen Charaktere der Protagonisten kommen brillant beschrieben zur Geltung. Die rasanten Twists und fesselnden Turns lassen in der Gegenwart Schuldgefühle, Albträume, aber auch erneute Zärtlichkeit aufkommen. An vier Tagen im Sommer 2018 werden kriminelle und ethisch verwerfliche Geschehnisse aus 2003 aufgeklärt, nostalgisch verbrämt mit erster Liebe zwischen Joe und Kala, mit ersten Bandauftritten mit 15 Jahren, gemeinsamen Mutproben mit dem Fahrrad etc. Immer noch geben sie sich untereinander Sicherheit, machen sich gegenseitig Mut, kämpfen gemeinsam für mehr Aufklärung. Unter Offenlegung ihrer emotionalen, auch gescheiterten Wahrheiten erhält der Roman viel Tiefe. Aus ihren Perspektiven berichten Helen, Joe und Mush, teilweise in der Ich-Form. Auch die Jugendsprache wirkt authentisch in teils tiefsinnigen Dialogen. Die Figurenzeichnung mit vielfältigem Innenleben macht nicht nur die Hauptpersonen sehr lebendig. Der Kontrast zwischen Gut und Böse verleiht dem Roman eine unglaubliche Intensität.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein schwieriges Krankheitsbild realitätsnah umschrieben!

Ich erzähle von meinen Beinen
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Das Cover ist schwer zu interpretieren, da es keinen Hinweis zum Romaninhalt gibt. Auch der Buchtitel trifft nicht unbedingt den Hauptkern des Buches. Mit Chaos, Unruhe und Panik im Kopf, mit Belastungsstörung ...

Das Cover ist schwer zu interpretieren, da es keinen Hinweis zum Romaninhalt gibt. Auch der Buchtitel trifft nicht unbedingt den Hauptkern des Buches. Mit Chaos, Unruhe und Panik im Kopf, mit Belastungsstörung wird die Hauptperson Walburga, kurz Wally, diagnostiziert. Diese Ich-Erzählerin mit Teilzeitstelle bei einem Verlag für medizinische Publikationen medikamentiert sich selbst und ihre Tochter, die mit 11 Jahren mit ADHS diagnostiziert wird. In diesem unruhigen Klima von Unkonzentriertheit, Selbstzweifeln und unfertigen Aktionen im gesamten privaten und beruflichen Umfeld stellt der Partner eine wichtige Halt und Ruhe gebende Komponente dar. Dieses schwierige Thema um Neurodivergenz wird hier leicht und munter behandelt, ist aber für die Familie selbst und für Freunde eine arge mentale Belastung. Der Schreibstil entfaltet in acht Unterteilungen die zunehmende Tragik von Wallys Überforderung, nicht belehrend, eher authentisch und menschlich liebevoll, einfühlsam. Der endgültige Schaden an den Seelen fällt zusammen mit einem immensen Wasserschaden am Haus nach Dammbruch – dramaturgisch realitätsnah zugespitzt, aber die eindringliche Schwere dieser Gesamtsituation sprachlich gut kaschierend.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Besondere Mutter-Tochter-Beziehungen und mehr!

Das gute Leben
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Das Cover zeigt eine Weinranke in Blautönen mittig mit dem Buchtitel farblich gut miteinander korrespondierend – künstlerisch sehr ansprechend entworfen. In diesem historischen Familienroman über vier ...

Das Cover zeigt eine Weinranke in Blautönen mittig mit dem Buchtitel farblich gut miteinander korrespondierend – künstlerisch sehr ansprechend entworfen. In diesem historischen Familienroman über vier Frauengenerationen erzählt Enkelin Christina anhand nicht chronologisch aufgeführter Erinnerungen hauptsächlich die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Anni. Ihre Fluchtmöglichkeit aus dem ärmlichen, schmutzigen Rumänien, weg von Ceausescu und dem Sozialismus, verdankt sie ihrem Bruder Rudi. Bei ihm lebt sie unter beengten Wohnverhältnissen mit ihrer in Westdeutschland geborenen Tochter Helene, jedoch geplagt von Einsamkeit, Heimweh und Armut. Während der Sommeraufenthalte in Temeswar, Rumänien bei der allein lebenden Urgroßmutter und auch in Deutschland tauchen männliche Beteiligte nur als unwichtige Randfiguren auf. Die Ich-Erzählerin Christina, Helenes Tochter, wächst bei der Großmutter Anni auf, deren Arbeitswelt sich grössenteils in der Packabteilung vom Quelle-Versand abspielt. Nach 35-jähriger Firmenzugehörigkeit muss sie trotz großem Pflichtbewusstsein und Zähigkeit in vorzeitigen Ruhestand. Angerissen wird die wichtige Rolle von Grete Schickedanz im Quelle-Versandhandel der Wirtschaftswunderjahre in Deutschland, setzt sie doch auch z. B. diese fortschrittliche Altersruhegeldregelung durch. Der harte Weg zu dem ersehnten guten Leben führt hier aus dem Rumänien der 60-er Jahre über Wien nach Nürnberg, auch den Wunsch nach Zugehörigkeit und Sicherheit einbeziehend, sprachlich reizvoll in leisen Tönen umgesetzt.
Vier Frauen verschiedener Charaktere in unterschiedlichen politischen Lebenswelten und deren Hoffnungen auf das gute Leben, umgesetzt in einem sprachlich gelungenen Familienroman.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Auf der Suche nach Heimat

Halber Stein
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Nach der Erstveröffentlichung im Jahr 2012 erscheint dieser damalige Debutroman erneut zum 14.02.26, betitelt nach dem in Michelsberg gelegenen Naturfelsen – hier gedacht als gewichtiger Ort für bedeutsame ...

Nach der Erstveröffentlichung im Jahr 2012 erscheint dieser damalige Debutroman erneut zum 14.02.26, betitelt nach dem in Michelsberg gelegenen Naturfelsen – hier gedacht als gewichtiger Ort für bedeutsame Lebenserkenntnisse der Hauptakteurin. Wie in vorigen Romanen spielt die Szenerie im ländlichen, jetzt rumänischen Siebenbürgen. Dort verbrachte die Autorin ihre Kindheit ähnlich der Hauptfigur Friedesine, Ich-Erzählerin, zusammen mit dem rumänischen Nachbarsjungen Julian. Erzählt wird von deren zeitlosen, prägenden Freundschaft, von historischen und politischen Eckdaten, von langsam schwindenden Traditionen der ehemals deutschen Siedler, gekoppelt ans Begräbnis der Großmutter. Durch eigene Migrationserfahrungen und ihrer Suche nach Zugehörigkeit offenbart die Erzählerin Sine eine immer noch bestehende innere Zerrissenheit nach Auswanderung vor 20 Jahren. Die landschaftliche Schönheit und auch touristische Highlights der Umgebung verschmelzen mit Kindheitserinnerungen und der Gegenwart Sines. In poetischem, ruhigem Schreibstil entwirft die Autorin eine bildhafte, einfühlsame Familiengeschichte voller Brauchtum und Überlebensstrategie in dörflichem Miteinander.
Ist Heimat ein Ort der Sehnsüchte, Träume und Erinnerungen?

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