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Veröffentlicht am 26.01.2026

Ein großartiges Szenarium voller Spannung!

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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Im Prolog geht es direkt zur Sache. Mysteriöse Umstände mit Angstschreien, seltsamem Lichteinfall in der Nacht, dazu kein Handyempfang inmitten von regnerischen Sturmböen, all das führt hin zu einer über ...

Im Prolog geht es direkt zur Sache. Mysteriöse Umstände mit Angstschreien, seltsamem Lichteinfall in der Nacht, dazu kein Handyempfang inmitten von regnerischen Sturmböen, all das führt hin zu einer über Tage dauernden Naturkatastrophe rund um Weilheim, an die Überschwemmungssituation im Ahrtal erinnernd. In fünf spannenden Teilen übernimmt zunächst Oberkommissarin Alexa Jahn von der Kripo in Weilheim, im Katastrophengebiet ohne Strom und teilweise ohne Handyempfang die lange Liste vermisst gemeldeter Personen und die Betreuung von Geretteten, bis sie sich mit ihrem Hund erst später um den Verbleib von zwei Wanderern in einem abseits gelegenen Naturschutzgebiet und altem Dreiseithof kümmern kann nach deren eingegangenem Notruf. Kapitelweise alternierend bearbeitet derweil Alexas Vater, Chefinspektor Bernhard Krammer, vom LKA Tirol von Innsbruck aus den Verbleib von sechs jungen Leuten auf einer Berghütte, ebenso geplagt von herbstlichen Regenböen. Eingebunden in kursiver Schrift sind geheimnisvolle Briefe einer Mutter an ihre Tochter, die sukzessive eine über viele Jahre dauernde Tragödie offenbaren. Mehrere üble Kräfte im Verborgenen thematisieren die Vergewaltigung von Frauen. Während der Aufklärung des ersten Mordes finden sich Alexa und ihr Vater Bernhard Krammer schließlich im Naturschutzgebiet, entdecken verschiedenste Fußspuren und lüften dabei Familiengeheimnisse übler Art. Währenddessen sorgen auch die sechs jungen Leute auf der Hütte ohne Strom, ohne Handyempfang und schlechter Selbstversorgungslage für dynamische Kapriolen übelster Art. Die finale Ermittlungsauflösung an mehreren Schauplätzen gelingt schlüssig und nachvollziehbar. Die physische und psychische Belastung während eines solchen mehrtätigen Katastropheneinsatzes wird einfühlsam beschrieben.
Ein großartiges Szenarium voller Spannung!

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Ein Cosy-Crime mit regionalem Flair

Prost, auf den Doktor
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Hauptkommissar Tischler, Oldtimer- und Ex-Biker-Fan, wird als kumpelhafter, sehr menschlicher Ermittler karikiert, der im ländlichen Brunngries, im touristisch interessanten Chiemgau ermittelt. Dialoge ...

Hauptkommissar Tischler, Oldtimer- und Ex-Biker-Fan, wird als kumpelhafter, sehr menschlicher Ermittler karikiert, der im ländlichen Brunngries, im touristisch interessanten Chiemgau ermittelt. Dialoge rund um sein Team sind oft humorvoll, seine Befragungen während der Ermittlungsarbeit wirken realistisch, nachvollziehbar und im Endresultat schlüssig. Die Beschreibung seines Freiheitsgefühls auf dem geliehenen Bike mit Retrocharme in Dehnungs-bedürftigem Leder-Outfit gefällt. Im naturverbundenen Ambiente beim Motorradtreffen zweier befreundeter Clubs kommen verschiedene Charaktere sozialer Couleur – vom Akademiker bis zum Hafenarbeiter – wirkungsvoll zum Tragen. Zahlreiche Nebenschauplätze, von touristisch bis kriminell tendierend, schmücken diesen Fall aus. Selbst Hundeliebhaber werden über Dackeldame Resi, bereits auf dem Cover erscheinend, angesprochen.
Ins Grübeln mag man verfallen über den Missstand, inwieweit die aufgedeckten illegalen Machenschaften des vermeintlichen Arztes Sebastian Burgegger tatsächlich in Deutschland möglich sein könnten. Darüber hinaus wird auf S. 12 der Grillwagen des Metzgers erwähnt, auf dem sich ein Spanferkel drehte und die Holzkohle bei Ankunft auf der Sauwiese knisterte - eine riskante Vorgehensweise mit Risikopotential unter einer Plane.
Insgesamt ein unterhaltsamer Kriminalroman mit Lokalkolorit!

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Sehr detaillierte und authentisch wirkende Aufarbeitung gewalttätiger familiärer Vergangenheit

Die Nacht der Bärin
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Das schockierende Thema häuslicher Gewalt, hier über drei Frauengenerationen und auch mit deren Kindern, durchzieht diesen Roman. Durch den Todesfall der Großmutter kommt viel emotionale Bewegung in die ...

Das schockierende Thema häuslicher Gewalt, hier über drei Frauengenerationen und auch mit deren Kindern, durchzieht diesen Roman. Durch den Todesfall der Großmutter kommt viel emotionale Bewegung in die Bewältigung lange strikt verschwiegener Familienereignisse wie seelische und körperliche Gewalt in Partnerschaft bzw. in der Ehe und Missbrauch an eigenen Kindern. Das traumatische Geschehen wird sukzessive über die 26 – jährige Tochter Jule langsam aufgedeckt bei ihrer Suche nach Antworten auch außerhalb der Familie. Das ohnmächtige Ausgeliefertsein der Kinder Anna und Maja an ihren Vater wirkt sehr bedrückend. Auch die Hilflosigkeit und die Sorge ihrer Mutter werden im klaren Schreibstil hart herausgestellt. Durch friedliche, fantasievolle Szenen der zwei Mädchen im angrenzenden Wald und am See mit Feen, Wilderdbeeren und einer Bärin werden diese doch sehr traurigen Tatsachen mit abnehmender Häufigkeit eingeflochten und mögen entspannend wirken durch ihre kindliche Leichtigkeit.

Dieser schwierige Stoff ist geschickt komponiert und berührt durch ihren intensiven Schreibstil.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Neustart in dörflicher Idylle zwischen Büchern – realistisch?

Mathilde und Marie
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Dieses Dorf Redu gibt es tatsächlich, in landschaftlicher Idylle im südlichen Belgien gelegen. Bekannt ist es als eines der Bücherdörfer in Europa mit mehr als 20 Antiquariaten und Buchhandlungen. In drei ...

Dieses Dorf Redu gibt es tatsächlich, in landschaftlicher Idylle im südlichen Belgien gelegen. Bekannt ist es als eines der Bücherdörfer in Europa mit mehr als 20 Antiquariaten und Buchhandlungen. In drei Teilen entpuppt sich der entschleunigte Ort ohne Internet und Fernsehen als Gegenpol zu einer Welt voller Lärm, Hektik und Oberflächlichkeit. Begrenzt auf wenige Dorfbewohner geht es bei der Isländerin Jónína, der jungen Pariserin Marie und bei Mathilde um ihr körperliches und seelisches Un-Gleichgewicht. Mit Hilfe einfühlsamer, hilfreicher Randfiguren und der Beschreibung aufblühender Natur entsteht eine zu heile Welt inmitten von Büchern – mit relativ wenig Dynamik und Twists. Die existentielle Sinnsuche der seelisch angeschlagenen Marie Ledoux, 26, durchzieht ruhig den Roman zwischen den älteren Charakteren von Jónína und Mathilde, deren Dialoge miteinander wenig Tiefe, eher viel Schweigen miteinander aufweisen. Der monatelange Reykjavík-Rückzug von Jónína zur dringendst empfohlenen Gesundung widerspricht sich eigentlich inhaltlich, da doch diese dörfliche Idylle in Redu als idealer, beschaulicher Rückzugsort bereits heilend wirken sollte.
Dass es manchmal nur einer Person, Idee oder Initiative bedarf, um nachhaltige gesellschaftliche Veränderungen herbei zu führen, mag als Botschaft hier stimmen.
Die kurz erwähnte Figur des Eremiten mit seinem verlorenen Schlüssel knüpft entfernt an die Satelliten-Bodenstation an, die zu ESTRACK, dem Netzwerk der Bodenstationen der Europäischen Weltraumorganisation gehört.
Insgesamt ein Zuviel an mitmenschlicher Harmonie und heilender Naturidylle zwischen geschätzter Bücherwelt. 2,5*

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Eine lebendige Biographie von Kleopatra – aus ihrem Blickwinkel gesehen.

Kleopatra
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Das Cover zeigt diese Königin in königlich goldener Bekleidung inklusive typischem Kopfschmuck, jedoch vom Betrachter abgewandt, denn ihre großartige, altägyptische Dynastie existiert ja nicht mehr. Kleopatra ...

Das Cover zeigt diese Königin in königlich goldener Bekleidung inklusive typischem Kopfschmuck, jedoch vom Betrachter abgewandt, denn ihre großartige, altägyptische Dynastie existiert ja nicht mehr. Kleopatra Thea Philopator. Ich-Erzählerin, Königin der Könige mit 19 Jahren, kommt in ihrer Darstellung sehr menschlich als Mutter, liebende Ehefrau bzw. Geliebte daher. In dieser historischen Fiktion wird ihre Macht, Intelligenz und Kenntnis der Heilkünste besonders betont im Gegensatz zu römischen Darstellungen z. B. von Cicero oder Plutarch. Das Alltagsleben im Palast auf Antirhodos, der Insel im Hafenbecken des Osthafens von Alexandria, beginnt im Jahre 51 v. Chr. und endet 30 v. Chr. mit ihrer Flucht vor dem römischen Feldherrn Octavian, zusammen mit ihren Kindern durch eine Geheimtür. In dieser Zeitspanne agiert diese Pharaonin geschickt – mal listig mal weise – kämpft erfolgreich gegen ihre vier rachsüchtigen Geschwister, gegen Gerüchte, Verrat und Korruption an und verbessert Wirtschaft, Gesundheitswesen und allgemeinen Wohlstand. Die Wichtigkeit der damaligen Götterwelt mit ihren Tempeln und der Verleihung besonderer göttlicher Kräfte bzw. Flüchen wird lebendig widergespiegelt. Über Geschichtenerzähler – Hakawatis – wird anfangs auch die Geschichte der Ptolemäer nach dem Tod von Alexander dem Großen erzählt. Sowohl die friedlichen als auch die kriegerischen Verbindungen zu Rom mit Julius Caesar, Marcus Antonius und Octavian finden Berücksichtigung. Neben ägyptischer Kulturpflege wie z.B. den Herrscherkult der Ptolemäen spannen sich auch Szenen römischer Traditionen mit Gladiatorenspielen und Festumzügen mit Gefangenen durch den Roman.
Insgesamt erkennt man als Leser in Kleopatra eine Königin voller menschlicher Wärme, Intelligenz und Kampfgeist.

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