Profilbild von easymarkt3

easymarkt3

Lesejury Star
offline

easymarkt3 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit easymarkt3 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.07.2026

Geh aus, mein Herz, und suche!

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt
0

Die Handlung: Vier Tage bis Mariä Himmelfahrt bzw. Ferragosto (15. August) in Albisano am Gardasee mit der Hauptfigur Louis Arthur Schongauer, 75, der als unbedeutender, vergessener Filmschauspieler in ...

Die Handlung: Vier Tage bis Mariä Himmelfahrt bzw. Ferragosto (15. August) in Albisano am Gardasee mit der Hauptfigur Louis Arthur Schongauer, 75, der als unbedeutender, vergessener Filmschauspieler in Nebenrollen als Nazi-Bösewicht in Hollywood gearbeitet hat, und seiner jungen Hündin Ascha. Wie der Buchtitel schon suggeriert, geht es um die Trauer um seine verunglückte Frau Magda in seiner bewusst gewählten Einsamkeit und sein Leben mit diesem Tier in gewisser Altersdepression. Seine düstere Vergangenheit, Berufliches wie Privates, scheint besonders interessant zu sein für die unbekümmerte, sehr sympathisch wirkende Reisebloggerin Frida Pohl, 24, die mit ihrem defekten Wohnmobil in seiner Einfahrt zufällig gestrandet ist. Auch die Autorin Almut Stein, 49, will ihn mit einem Lebensbericht aus der Vergessenheit holen. Während sich die Hauptfigur nur unwillig den sehr privaten, bohrenden Fragen der emotional angeschlagenen Autorin Almut öffnet, entwickelt sich zwischen der Bloggerin Frida und der Hündin Ascha ein vertrauensvolles Miteinander. Gemeinsam mit Almut blickt Schongauer schmerzhaft zurück in seine Lebensabgründe mit seinen tragisch verstorbenen Frauen, lädt Almut auf sein Boot mit Schwimmeinlage ein und alle zusammen überstehen einen gewaltigen, zerstörerischen Gewittersturm.. Einige Gegenstände im Roman scheinen größere Gewichtung zu haben: z.B. Das Foto mit dem toten Pferd und der Brandung im Hintergrund, dieses letzte Bild seiner Frau, hängt über Schongauers Sofa wie zur Selbstbestrafung. Oder auch der Druck Die Versuchung des Heiligen Antonius nach dem Stich des Malers Martin Schongauer, 1448 bis1491, über der Toilette zeigt den Eremiten, wie er sich weiblicher Schauderwesen erwehrt. Auch das Buch von Flaubert Die Versuchung des heiligen Antonius wird in Dialogen mit Frida mehrfach erwähnt. Schwirren hier etwa der Hauptfigur Schongauer mit bloßem Oberkörper und einer Pistole in der Hand nachts auch bedrohliche Frauenzimmer vor dem Haus herum mit rotem Licht im Wohnmobil? Auch bei Almuts Irrfahrt tauchen Marterl des heiligen Sebastian und Antonius auf, beide Sinnbild des leidenden Mannes. Ihn peinigen neben Altersbeschwerden Erinnerungen an Frauen genau wie den heiligen Antonius. Im eigenen Haus wird er schließlich, Fridas Mutter Lilly Roth mit einbezogen, von drei Frauen mit seiner traumatischen Vergangenheit konfrontiert. Ist der Umgang mit ihnen anfangs angespannt, entwickelt er sich völlig unkompliziert mit Frida, weniger idyllisch mit den älteren, problematischeren Frauen. Neben seinen Todesgedanken durchziehen auch regionale Weinsorten wie der Custoza oder Lugana das Geschehen, aber auch berühmte Namen wie Hedy Lamarr, DeMille und weiterer verstorbener Hollywoodstars finden Erwähnung.
In sanftem, ruhigem Schreibstil werden Beobachtungen in der Natur, aber auch Stimmungen und Gefühlen präzise beschrieben. Das Charakterbild der leidenden Hauptfigur ist subtil und einfühlsam gezeichnet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.06.2026

Eine Geschichte in fantasievollem Schreibstil zum Nachdenken!

Hinter den Mauern der Ozean
0

Das Cover zeigt das Fluchtmobil in feiner Linienführung, passend zum Romaninhalt.
Das Setting hier in einem dystopischen Berlin weckt Erinnerungen an Care-Pakete aus der Luft, an damaligen einschränkenden ...

Das Cover zeigt das Fluchtmobil in feiner Linienführung, passend zum Romaninhalt.
Das Setting hier in einem dystopischen Berlin weckt Erinnerungen an Care-Pakete aus der Luft, an damaligen einschränkenden Freiheitsentzug durch eine ehemalige Mauer. Prägnante Örtlichkeiten wie z.B. die Museumsinsel, den Flughafen Tempelhof oder auch das Charlottenburger Schloss einzubeziehen, ist gelungen. Die mutige und neugierige Ich-Erzählerin Lola wandert nicht nur im unsicheren Teil Berlins herum, an das zerstörte Nachkriegs-Berlin erinnernd, sondern sie möchte auch über die hohe, graue Mauer blicken, um den sie umgebenden salzigen Ozean und noch viel mehr zu überblicken.
Auch wenn die Welt der per Schiff anreisenden Fremden, der Übersetzer und der Dienstfertigen nebelhaft und geheimnisumwittert bleibt, so treten die fünf Hauptakteure doch sehr klar umrissen auf, in einem leicht poetischen Schreibstil, die eigene Fantasie reizend. Besonders während der Sommermonate bei Fremdenführungen treten Fragen zu Kontrolle, zu Waffenbesitz, Übersetzungsfragen und zu Ängsten gegenüber den Übersetzern hinter ihrem Visier auf. Auch Friedrichs Kommentar zur Szene mit der Nackten lässt Gedanken an Stasi-Methoden aufkommen. Die unterschwellige Angst vor Flutung oder auch das Entschwinden des jeweils ältesten der fünf Ewigen verschärfen die bedrückende, unsichere Atmosphäre ohne viele Freiheiten. Der offene, mutige Blick über die Mauer um Berlin gelingt. Die Flucht in die ersehnten Alpen ebenso? 4/5*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.06.2026

Ein interessantes Psychogramm einer amerikanischen Upperclass-Familie

Bevor es geschah
0

Thematisch ist das Feiern eines Familienfestes nichts Neues und auch nichts Interessantes. Und mit vier Geschwistern im mittleren Alter nebst ihren jeweiligen Partnern, Kindern und ihrer verwitweten Mutter ...

Thematisch ist das Feiern eines Familienfestes nichts Neues und auch nichts Interessantes. Und mit vier Geschwistern im mittleren Alter nebst ihren jeweiligen Partnern, Kindern und ihrer verwitweten Mutter Elisabeth sind anfangs verwirrend viele vielfältige Figuren zu verarbeiten beim Lesen – eine Durststrecke. Im Verlauf dieser alljährlichen Pflichtveranstaltung im Garten mit BBQ und offenem Pool im Jahr 2021 entwickelt sich allmählich eine zum Greifen nahe angespannte Atmosphäre durch allmähliche Aufdeckung von teils doch dramatischen Geheimnissen aus der Vergangenheit. Aus der Perspektive einzelner gut charakterisierter Familienmitglieder offenbart sich Problematisches aus den Jahren 1970, 1987 und 1989, die zu wichtigen Entscheidungen und teils fatalen Aktionen in der Gegenwart führen. Der Schreibstil, diese sonderbare, lebensnahe Dynamik der Familie beschreibend, ist angenehm, emotional feinfühlig und detailliert beobachtend. Nach außen hin auf den Eindruck einer perfekten, erfolgreichen, reichen Familie bedacht, grassieren untereinander unausgesprochene, brodelnde Empfindlichkeiten, die scheinbar jedes erfreuliche Miteinander torpedieren. Die Abgründe der Mitglieder gipfeln in einem vagen Ende des atmosphärischen Romans.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2026

Verliebtheit entwickelt sich zur Obsession

Nach einem Traum
0

Aus der Sicht der jungen Hauptfigur Marie, Musikstudentin, entwickelt sich in Berlin eine seltsame Affäre zwischen dem älteren, verheirateten Arzt Simon und ihr, deren Wunsch nach Nähe körperlicher oder ...

Aus der Sicht der jungen Hauptfigur Marie, Musikstudentin, entwickelt sich in Berlin eine seltsame Affäre zwischen dem älteren, verheirateten Arzt Simon und ihr, deren Wunsch nach Nähe körperlicher oder auch digitaler Natur nicht erfüllt wird. Die Beschreibung ihrer einseitigen toxischen Verliebtheit in den von ihr idealisierten Simon ist wenig nachvollziehbar aufgrund zu geringer Entwicklungsstufen bei der gegenseitigen Anziehung, ob nun in den Chatnachrichten oder im Text. Besonders diese Kurz-Botschaften wirken wenig authentisch, lassen diese Figuren oberflächlich, ohne Tiefgang handeln. Die sozialen Medien, Messenger und Chatrooms sowie digitale Apps sorgen hier für Obsession, die an Stalking grenzt und weniger an eine vertrauenswürdige Liebesbeziehung denken lässt. Mit dem Ausschlagen einen verlockenden Jobangebots verhält Marie sich ebenso äußerst unvernünftig wie Simon, der doch nach eigener Angabe glücklich - verheiratet ist und zweifacher Vater. In seinem Spiel mit dem Feuer bleibt er blass als Charakter. Auch Marie mit ihrer oberflächlichen Fixierung auf Simon nach so wenigen Kontakten, bei zu geringem Selbstwertgefühl und gesellschaftlichem Umgang, wirkt eher naiv, wenig überzeugend. Die Szenen mit der Nebenfigur Philipp aus Hamburg wirken deplatziert. Das abrupte Ende lässt so manche Frage offen nicht nur hinsichtlich des Sinns und Zwecks solcher digitalen Apps.
Insgesamt mehr Charaktertiefe erwünscht. 2,5 / 5*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.06.2026

Gewinnen ist das Ziel.

Die Partie seines Lebens
0

Das Billardspielen dient der jungen Hauptfigur Fast Eddie Felson als Broterwerb, gepaart mit in bar vorab abgeschlossenen, stattlichen Preisgeldern für den Gewinner. Atmosphärisch wird die Abzockerei in ...

Das Billardspielen dient der jungen Hauptfigur Fast Eddie Felson als Broterwerb, gepaart mit in bar vorab abgeschlossenen, stattlichen Preisgeldern für den Gewinner. Atmosphärisch wird die Abzockerei in Billardsalons der 50-er Jahre in Amerika beschrieben, zwischen viel Whisky und Raucherei, bei konzentrierter Beleuchtung über dem Billardtisch. Neben Talent zeigt der charmante Fast Eddi sehr viel Ehrgeiz, in Chicago die Billardlegende Minnesota Fats zu übertrumpfen. Sein harter, zäher Weg dorthin mit Höhen und Tiefen wird begleitet von Charly, seinem zuverlässigen, ehrlichen Tingel-Freund und von dem Geschäftsfreund Bert mit seinem Netzwerk an Kontakten. Neben Männerfreundschaft und harter, krimineller Rivalität wird mit der Nebenfigur Sarah auch die Problematik mit Alkohol, Einsamkeit und dem Verliererstatus angesprochen. Der Schreibstil wirkt überzeugend in der Beschreibung der jeweiligen Spielsituation mit Spiel-Varianten in den Billard-Spielsalons, auch anschaulich nachvollziehbar für Laien. Letztendlich geht es hier am Billardtisch nicht nur um Geld, sondern auch um Stolz, Taktik, Durchhaltevermögen, Feingefühl, um Enthusiasmus für dieses Spiel, ohne irgendwelche Entschuldigungen oder Selbsttäuschung.
Man kann nicht immer gewinnen, klar!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere