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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.03.2026

Trau ... schau ... wem ... das fragte 1895 schon Johann Strauss ....

Wem du traust
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Die langjährigen Freundinnen Eva und Susanne scheinen das große Los gezogen zu haben. Beide sind in glücklichen Partnerschaften mit scheinbar perfekten Männern. Doch als Sofia, Susannes Tochter im Teenageralter, ...

Die langjährigen Freundinnen Eva und Susanne scheinen das große Los gezogen zu haben. Beide sind in glücklichen Partnerschaften mit scheinbar perfekten Männern. Doch als Sofia, Susannes Tochter im Teenageralter, plötzlich spurlos verschwindet, nachdem sie abends auf Evas kleinen Sohn Linus aufgepasst hat, bricht eine Welt zusammen. Die perfekte Fassade hat Risse bekommen und ein frenetischer Wettlauf mit der Zeit beginnt. Schnell gerät Daniel, Evas Mann, in den Fokus der leitenden Ermittlerin, denn er war der Letzte, der sie gesehen hat. Während der Nachforschungen kommen aber immer mehr Lügen und Geheimnisse ans Tageslicht und bald fragt man sich beim Lesen wirklich, wem man hier noch trauen kann!

Die spannende Schreibweise der bekannten und beliebten Autorin Petra Johann, die mir schon aus einigen Vorgängerbüchern bekannt ist, macht es einfach tief einzutauchen in einen Kriminalfall, der relativ gewaltfrei auf die Zersetzung von Sicherheit und Vertrauen in Partnerschaften jedweder Art zu bauen scheint. Ständig schwankt man als Leser zwischen Sympathie und Antipathie für die verschiedenen Charaktere und versucht mehr als einmal eventuelle Parallelen zum eigenen Leben herzustellen. Durch die kurzen Kapitel verbunden mit immer wieder wechselnden Perspektiven, bleibt eine stetige Spannung erhalten, die mich dicht am Buch bleiben ließ. Lediglich die Schlussszenen fand ich ein wenig holprig, wofür ich ein klitzekleines Sternchen abziehe. Dennoch gibt es von mir eine überzeugte Empfehlung für „Wem du traust“ verbunden mit vier spannungsgeladenen Sternen. Die Frage „Wie gut kenne ich die Menschen in meinem nahen Umfeld wirklich?“ bleibt natürlich unweigerlich im Raum stehen …

Veröffentlicht am 05.03.2026

Bewegende Südtiroler Geschichte, die zu Herzen geht!

Töchter der verlorenen Heimat
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Schon lange nicht mehr hat mich ein Roman so berührt, wie es „Töchter der verlorenen Heimat“ getan hat, in dem es um die Geschichte zweier starker Frauen geht, denen es das Schicksal nicht immer leicht ...

Schon lange nicht mehr hat mich ein Roman so berührt, wie es „Töchter der verlorenen Heimat“ getan hat, in dem es um die Geschichte zweier starker Frauen geht, denen es das Schicksal nicht immer leicht gemacht hat. Johanna und Paula, Mutter und Tochter, verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, die – nachdem der Großvater gestorben ist – nach Aufarbeitung förmlich schreit. Tochter Paula gelingt es schließlich ihre Mutter dazu zu überreden gemeinsam nach in die ehemalige Heimat Südtirol zu fahren, wo die Geschichte in den 1920er Jahren ihren Anfang nahm.

Der Roman entführt mich in abwechselnden Kapiteln in jeweils besagte 1920er/30er und die frühen 1960er Jahre, in denen ich Johanna und Paula näher kennenlernen darf. Johanna, die in Südtirol geboren und aufgewachsen ist, hatte es damals nicht leicht. Der frühe Tod ihrer Mutter zwingt sie in eine Rolle, die sie so für ihr eigenes Leben nicht geplant hatte. Sie, die so gerne Lehrerin geworden wäre, ist gezwungen am heimatlichen Hof zu schuften und somit nicht nur ihre eigenen Aufgaben, sondern auch die der Mutter zu übernehmen. Lehren darf sie heimlich dennoch ein wenig, denn die eigenen kleinen Geschwister werden von ihr in der Muttersprache unterrichtet, ein nicht ungefährliches Unterfangen. Als sie schließlich in dem Italiener Gianluca ihren Seelenverwandten gefunden zu haben glaubt, scheint ihr Seelenleben wieder ausgeglichen. Doch auch die Liebe zu ihm ist verboten und steht somit unter keinem guten Stern …

Viele Jahre später setzt sich die Tragödie der Mutter in ihrer Tochter Paula fort. Paula leidet unter den Hänseleien der Kinder wegen ihres südländischen Aussehens und auch die Tatsache, dass sie ihren Vater nie kennenlernen durfte, trägt nicht gerade zu ihrem Wohlbefinden bei. Die strebsame Paula aber beißt sich durch und wird schließlich Ärztin in einer Zeit, in der man es als Frau nicht leicht im Berufsleben hat. Weiterhin gegen sie gegen Häme und Vorurteile, was sie mehr als vorsichtig werden lässt, wenn es darum geht, ihr Herz zu öffnen …

Zwei Frauen, eine schmerzvolle Vergangenheit. Können die Beiden es schaffen, die Lügen und die Schuld aufzuarbeiten, ja vielleicht sogar zu vergeben und nach vorne zu schauen?

Eva Grübls Roman ist mehr als nur eine Geschichte. Er ist eine Geschichtsstunde vom Feinsten, der die Probleme Südtirols bis weit in die 70er Jahre in solch bewegender Form vermittelt, dass ich an den Seiten klebte und das Buch gar nicht mehr zur Seite legen wollte. Die Autorin schafft es, den sich aufbauenden Spannungsbogen stetig aufrecht zu erhalten und kreiert somit eine bild- und wortgewaltige Story, die mich tief bewegt hat. Fast wähnte ich mich selbst in Südtirol und Italien und konnte das verbissene Schweigen der Menschen aber auch die Sonne auf meiner Haut spüren, als ich mit Paula in den Süden fuhr. Von mir gibt es mit fünf wohlverdienten Sternen die absolute Bestnote verbunden mit einer uneingeschränkten Leseempfehlung. „Töchter der verlorenen Heimat“ verbindet Geschichte mit Gefühlen und einem Tiefgang, der mich auf jeder Seite aufs Neue überraschte. Ich freue mich sehr auf weitere Lektüre aus der Feder Eva Grübls und werde mein Bücherregal bis dahin mit allen von mir bisher ungelesenen Büchern der Autorin füllen. Danke schön für ein Leseerlebnis der Extraklasse!

Veröffentlicht am 03.03.2026

Die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit ...

Immergrün
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Bedingt durch die beschriebene Reise über Litauen, Israel und Deutschland war ich sehr neugierig auf dieses Buch geworden, hatte ich doch das Glück selbst schon einmal Litauen als auch Israel bereisen ...

Bedingt durch die beschriebene Reise über Litauen, Israel und Deutschland war ich sehr neugierig auf dieses Buch geworden, hatte ich doch das Glück selbst schon einmal Litauen als auch Israel bereisen zu dürfen.

Nun freute ich mich umso mehr in dem biografischen Roman „Immergrün“ diese Ziele mit Ruth erkunden zu dürfen, Ruth, die die Urnen ihrer Mutter und Großmutter bei ihrer Reise im Gepäck hat. Beide Frauen hatten den Wunsch geäußert in ihrer litauischen Heimat beerdigt zu werden, also mache ich mich bereit auf diese einzigartige Erinnerungsreise. Ich erfahre, wie Ruths Familie damals von Litauen nach Israel geflohen ist und bewundere sie dafür, dass sie trotz aller Widrigkeiten in der neuen Heimat klarkommen, auch ohne die Sprache zu sprechen und die Gepflogenheiten zu kennen.

Gefreut hatte ich mich eigentlich auf eine mehr oder weniger typische Familiengeschichte und war dann doch ein wenig überrascht, dass es eher eine Art Aneinanderreihung von Erinnerungen ist, die mich leider nicht ganz erreichen konnte. Ich empfand den Schreibstil als ein wenig distanziert und hätte mir mehr Nähe zu den Protagonisten gewünscht.

Während mir der Grundgedanke sehr gut gefallen hat, scheitert es für mich ein wenig an der Umsetzung … schade. Ich vergebe deshalb nur drei von fünf möglichen Sternen und wünsche der Autorin natürlich dennoch viele Erfolg mit ihrem Roman. Ein Buch zu schreiben, entlockt mir persönlich immer viel Ehrfurcht und Bewunderung. Deshalb vielen Dank, liebe Frau Olshan, für ihre Geschichte „Immergrün“, die mir durchaus auch einige sehr schöne Lesestunden beschert hat.

Veröffentlicht am 03.03.2026

Gönn dir eine kleine Auszeit vom Alltag ...

Mathilde und Marie
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Mit dem Roman „Mathilde und Marie“ des Autors Torsten Woywood lerne ich die junge Marie kennen, die aus dem hektischen Paris flieht und durch eine Verknüpfung verschiedener Zufälle in Redu, einem beschaulichen ...

Mit dem Roman „Mathilde und Marie“ des Autors Torsten Woywood lerne ich die junge Marie kennen, die aus dem hektischen Paris flieht und durch eine Verknüpfung verschiedener Zufälle in Redu, einem beschaulichen Bücherdorf, landet. Die Gegensätze zu ihrem bisherigen Leben könnten nicht größer sein, doch während sie sich anfänglich noch ein wenig schwer mit der Entschleunigung tut, fühlt sie sich schon bald richtig heimisch. Doch dann wird sie erneut ins kalte Wasser geworfen, denn auf einmal soll sie Jónínas Rolle einnehmen. Die kranke Isländerin hat sich zur Genesung in ihr Heimatland zurückgezogen und überlässt Marie unfreiwilligerweise ihre bedeutende Stelle in Redu. Aber wie sagt man so schön, der Mensch wächst mit seinen Aufgaben, und so findet dann Marie auch langsam, aber sicher, ihren Platz in der Gemeinschaft. Und auch die eigenwillige Mathilde muss sich irgendwann eingestehen, dass Marie und überhaupt das ganze Dorf so falsch nicht liegen können …

Wer in diesem Buch eine spannende Handlung sucht, die einen beim Lesen nur so durch die Seiten fliegen lässt, wird enttäuscht sein. Dieses Buch verlangt nach Ruhe und Entschleunigung, zwei Dinge, die es selbst mit seinen Zeilen auszustrahlen versucht. Mit seinem anschaulichen und eher unaufgeregten Schreibstil vermittelt der Autor seiner Leserschaft seine eigene Liebe zum geschriebenen Wort und zeigt, wie viel Wert er eher auf die leisen Momente im Leben legt.

An mancher Stelle hätte ich mir vielleicht ein wenig mehr Tiefgang, ein paar kleine Konflikte, ja vielleicht sogar ein wenig mehr „Unruhe“ gewünscht. Doch alles in allem präsentiert sich mir der Roman in einem warmherzigen Buch, dem ich sehr gerne vier von fünf Sternen gebe.

Lieber Torsten, ich verfolge deine tolle Karriere nun schon seit Jahren und bewundere es, dass du mittlerweile auch den großen Schritt zum Autor gewagt hast. Ich wünsche dir auf jeden Fall weiterhin viel, viel Erfolg und viele Leserinnen und Leser, die dir die Treue halten werden. Schön, dass ich ein Teil davon sein darf.

Veröffentlicht am 28.02.2026

Was ist Glück, was ist Unglück?

Villa Rivolta
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Daniel Speck begibt sich mit seinem neuen, sehr bewegenden Roman mal wieder auf ein für ihn bekanntes und geliebtes Terrain ... er nimmt mich mit auf eine Reise nach Italien während der Nachkriegszeit ...

Daniel Speck begibt sich mit seinem neuen, sehr bewegenden Roman mal wieder auf ein für ihn bekanntes und geliebtes Terrain ... er nimmt mich mit auf eine Reise nach Italien während der Nachkriegszeit und den Jahren danach. In ein Land, das damals wie heute, zwischen alt verwurzelter Tradition und Modernisierung hin und her gerissen ist.

Über mehrere Jahrzehnte begleite ich neben der mächtigen Familie Rivolta mit ihrem einzigen Sohn Piero, die junge Valeria, die "nur" die Tochter einer Hausangestellten ist. Die beiden Kinder sind im gleichen Alter und kennen keine Standesunterschiede. Doch während Piero das Glück von Geburt an für sich gepachtet haben zu scheint, muss die ehrgeizige Valeria sich jeden auf noch so kleinen davon Zipfel erkämpfen. Im Stillen hofft sie auf eine gemeinsame Zukunft mit Piero, der jedoch verliebt sich in die schöne Lele, eine begehrte Tochter aus einer angesehenen Familie. Und plötzlich ist da Flavio, ein sizilianischer Arbeitersohn, der revolutionäre Gedanken hegt. Eine verhängnisvolle Nacht mit ihm bringt Valerias Welt ins Wanken ...

Was für eine Reise! Über Jahrzehnte, wechselnd zwischen Gegenwart und Vergangenheit, lerne ich viel Liebe aber auch Angst kennen. Angst davor, was die Zukunft bringen wird, und Angst oft vor dem eigenen ich. Nicht nur in den Familien, sondern auch im Land selbst prallen oft zwei Welten aufeinander und mehr als einmal fragt man sich, wie sich diese Konflikte lösen lassen werden. Wird am Ende die Liebe oder schlichtweg die Vernunft siegen?

Ich habe mich sehr wohl gefühlt in Daniel Specks neuem Roman. Schreiben kann dieser talentierte Mann, das muss man ihm lassen! Lediglich beim einlesen des Hörbuchs hätte ich mir an einigen Stellen ein wenig mehr Emotion in seiner Stimme gewünscht. Das hätte das Hörbuch doch noch um einiges lebendiger gemacht. Der Roman an sich ist aber so faszinierend, dass ich hier gerne wohlverdiente vier Sterne vergebe und mich auf ein Wiedersehen mit den Protagonisten freuen würde. Von mir eine absolute Empfehlung!

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