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Veröffentlicht am 17.01.2026

Keine einfachen Zeiten im besetzten Rheinland ...

Die wilden Jahre
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Ich begebe mich mit Susanne Gogas Roman „Die wilden Jahre“ ins besetzte Rheinland des Jahres 1919. Sie hat das Geschwisterpaar Thora und Hannes Bernrath, die aus einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie stammen, ...

Ich begebe mich mit Susanne Gogas Roman „Die wilden Jahre“ ins besetzte Rheinland des Jahres 1919. Sie hat das Geschwisterpaar Thora und Hannes Bernrath, die aus einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie stammen, in den Mittelpunkt des Romans gestellt. Während Thora sich ihren Traum, eine Ausbildung zur Schauspielerin, erfüllen darf, sieht die Welt für Hannes alles andere als rosig aus. Er hat den Ersten Weltkrieg zwar körperlich mehr oder weniger schadlos überstanden, doch in seinem Inneren tobt der Krieg weiter. Als er schließlich für eine Tat verhaftet wird, die er zwar vehement abstreitet, begangen zu haben, zu den Umständen jedoch schweigt, scheint er endgültig gebrochen zu sein. Doch seine geliebte Schwester, mit der ihn immer schon ein besonderes Band verbunden hat, kämpft mit allen Mitteln, ihn aus dieser Misere zu befreien. Sie glaubt an seine Unschuld und will ihn um alles in der Welt retten. Werden ihre Mühen mit Erfolg gekrönt sein?

Susanne Goga zeichnet ein wunderbar realistisches Bild der damaligen Zeit und schafft es, bei mir mal wieder Wissenslücken zu schließen, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existierten. Düsseldorf eine geteilte Stadt und von den Belgiern unter Kontrolle gebracht? Davon hatte ich nun wirklich noch nie gehört. Geschickt gewährt sie mir Einblicke in eine Zeit vor über hundert Jahren, die fast vergessen scheint. Sie verwebt reale Ereignisse mit einem spannenden Kriminalfall, der mich beim Lesen in Atem hielt. Die auftretenden Charaktere sind lebendig und vielschichtig gezeichnet und so hatte ich stets ein greifbares Bild vor Augen. Der Roman überzeugt mit einer gelungenen Mischung aus Historie und Fiktion und bekommt von mir auf jeden Fall mit fünf Sternen die volle Punktzahl. Lediglich mit der Wahl des Titels bin ich nicht ganz einverstanden. Hinter „Die wilden Jahre“ hätte Charleston tanzende Flapper vermutet. Aber ich glaube, auf die Titelvergabe haben Autoren wenig bis keinen Einfluss und es hat ja auch dem wundervollen Roman absolut keinen Abbruch getan. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Die magischen Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig ...

Rauhnächte
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Diesen Heiligabend wird die 22jährige Pia wohl bis an ihr Lebensende nicht vergessen. Durch Zufall wird sie Ohrenzeugin eines Gesprächs zwischen ihrer Mutter und ihrem Vater, in dem die Sätze „Sie darf ...

Diesen Heiligabend wird die 22jährige Pia wohl bis an ihr Lebensende nicht vergessen. Durch Zufall wird sie Ohrenzeugin eines Gesprächs zwischen ihrer Mutter und ihrem Vater, in dem die Sätze „Sie darf das nie erfahren. Du hast es mir versprochen!“ fallen. Was für ein Geheimnis hüten die Eltern, über das man sie nicht in Kenntnis setzen will? Wenig später deckt Pia die Wahrheit auf … sie wurde adoptiert! Die Frau, von der sie bis dato annahm, sie wäre ihre Mutter, ist in Wirklichkeit ihre Tante, die Schwester von Sonja, die bei einem Unfall ums Leben kam, als Pia vier Jahre alt war. Ein Leben lang schon hatte Pia sich fremd und nicht dazugehörig gefühlt, nun hat sie die Erklärung. Antworten müssen her und so macht sie sich auf den Weg nach Wasserburg, dem Heimatort ihrer leiblichen Mutter. Es ist die Zeit der Rauhnächte, in denen längst vergessen geglaubte Geheimnisse den Weg an die Oberfläche finden. Je mehr Pia forscht umso tiefer wird sie in die Vergangenheit mit allen seinen Gefahren hineingezogen …
Ein neues Buch von Ellen Sandberg, die auch unter ihrem Klarnamen Inge Löhnig Bücher schreibt, ist für mich immer ein Highlight. So freute ich mich dann auch sehr auf die „Rauhnächte“, die ich sogar noch vor dem Erscheinungstermin bei dem Buchhändler meines Vertrauens bestellte. Umso enttäuschter war ich dann aber als ich mit Lesen anfing, denn das Buch las sich so gar nicht wie die von ihr gewohnten Kriminalfälle, sondern eher wie ein Jugendbuch. Als ich ein wenig nachforschte und das später auch im Nachwort entdeckte, stellte ich fest, dass der Roman bereits im Jahr 2014 als Jugendbuch unter dem Titel Die Flammen flüstern dein Lied erschienen war. Dies jetzt nach einer Überarbeitung als Kriminalroman für Erwachsene zu verkaufen, ärgerte mich maßlos. Für mich war die Geschichte nicht wirklich spannend und rund und die vielen Chai Tee Sessions und die Erwähnungen des nimmer endenden „Fucherls“ bremsten mich im Lesefluss und ließen mich unzufrieden zurück. Der Schreibstil passt leider immer noch zu einem Jugendbuch und ich fühlte mich ein wenig hintergangen, weshalb ich nur drei von fünf Sternen vergeben kann. Ich hoffe doch sehr, dass Ellen Sandbergs nächstes Werk wieder auf neuen Ideen basiert und bleibe ihr natürlich treu. „Rauhnächte war für mich aber leider bis jetzt ihr schwächstes Werk.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Eine Reise ohne Wiederkehr?

The Business Trip
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Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen durch Zufall auf einem Flug nach Denver aufeinander. Während Jasmine sich hoffentlich erfolgreich aus den Klauen ihres brutalen Freundes befreit ...

Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen durch Zufall auf einem Flug nach Denver aufeinander. Während Jasmine sich hoffentlich erfolgreich aus den Klauen ihres brutalen Freundes befreit hat, begibt sich die Nachrichtenchefin Stephanie ein wenig widerwillig auf eine erneute Geschäftsreise. Wie gerne wäre sie zu Haus bei ihrem kleinen Kater geblieben. Nicht lange nach ihrer Ankunft erhalten die Freunde und Kollegen der Beiden seltsame Handynachrichten von den Frauen. Sie hätten einen tollen Mann kennengelernt, aber seltsamerweise handelt es sich um jeweils denselben Mann. Was hat es mit den Nachrichten auf sich? Sind die Beiden in Gefahr? Der Kontakt droht abzureißen, eine panische Suche nach den beiden Frauen beginnt …

Geschickt führt die Autorin Jessica Garcia ihre Leserschaft in ihren Thriller „The Business Trip“ ein und stellt die unterschiedlichen Charaktere in jeweils eigenen Abschnitten vor. Jeder bekommt eine Stimme und darf seinen Part der Story erzählen. Was ich anfangs als gekonnten Schachzug ansah, wird jedoch mit jeder Seite, die ich umblättere, ein wenig redundant, was mir die Spannung zu nehmen drohte. Während die Geschichte immer neue Wendungen nahm, war für mich doch relativ schnell klar, worauf sie hinauslaufen würde. Das etwas an den Haaren herbeigezogene, überraschende Ende, konnte das Buch für mich leider nicht retten. Ich bin mäßig befriedigt und vergebe deshalb diesmal leider nur drei von fünf Sternen. Aber lest selbst, Geschmäcker sind ja bekanntermaßen verschieden, vielleicht findet ihr das Buch ja ganz großartig!

Veröffentlicht am 12.01.2026

KKK - die Ideologie einer Überlegenheit der weißen Rasse ...

Das Haus des Kolibris
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Nachdem ich kürzlich meinen Sohn in Amerika besucht hatte und somit Florida ein wenig kennenlernen durfte, war der Griff zu diesem Buch fast schon eine Selbstverständlichkeit, wenn nicht gar ein Muss. ...

Nachdem ich kürzlich meinen Sohn in Amerika besucht hatte und somit Florida ein wenig kennenlernen durfte, war der Griff zu diesem Buch fast schon eine Selbstverständlichkeit, wenn nicht gar ein Muss. Während ich den „Sunshine State“ natürlich in der Gegenwart und in friedlichen Zeiten erleben durfte, fand ich die Reise in die Vergangenheit durch die Augen der leider viel zu früh verstorbenen Autorin Vanessa Lafaye umso spannender.

Der Roman „Das Haus des Kolibris“ ist in zwei Zeitebenen unterteilt, von denen eine im Jahr 1919 und die zweite in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts spielt. Zunächst schreiben wir das Jahr 1919. Die junge Alicia Cortez fällt bei ihrer Familie in Ungnade und ist gezwungen ihre geliebte Heimat Kuba zu verlassen, um in Florida gezwungenermaßen ein neues Leben zu beginnen. Dort findet sie Anstellung im „Tea Salon“ ihrer Cousine. Als diese überraschend stirbt, findet Alicia sich als Besitzerin des Etablissements wieder, das sich bei genauem Hinsehen als Freudenhaus entpuppt hatte. Mit viel Kraft und Spucke stellt sie sich der ungewöhnlichen Herausforderung, bringt den Laden in Schwung und auf Vordermann. Stets an ihrer Seite findet man den Kriegsveteranen John, dem die benachbarte Bar gehört. Nach anfänglichem Zögern verlieben sich die Beiden ineinander und sind bald ein unzertrennliches Paar. Doch sie haben die Rechnung ohne den Wirt, beziehungsweise ohne den KKK gemacht, der gerade im Begriff ist in den Florida Keys Fuß zu fassen. Schnell beginnen Alica und John aufgrund ihrer gemischtrassigen Beziehung den Hass und die Gewalt am eigenen Körper zu spüren …

Das Jahr 1993 hingegen beginnt mit einem Knall, besser gesagt einem tödlichen Schuss, der einen betagten Mann im Rollstuhl niederstreckt. Eine alte Frau bekennt sich offen zu der Tat. Schnell stellt sich heraus, dass es sich hierbei um „La Rosita Negra“, auch bekannt unter ihrem echten Namen Alicia, handelt. Hat sie mit ihrer Tat endlich eine alte Schuld beglichen? Die eingeleiteten Ermittlungen gestalten sich schwierig …

Beim Lesen war ich immer wieder erschüttert, mit welch brutaler Gewalt und geglaubter Überlegenheit der Klan damals und vielleicht sogar noch agiert. Die Autorin zeichnet in meinen Augen in ihrem Roman, der auf realen Ereignissen basiert, ein erschreckend realistisches Bild der Rassendiskriminierung in den Südstaaten der USA im frühen 20. Jahrhundert. Trotz des schwierigen Themas habe ich mich beim Lesen sehr gut unterhalten gefühlt. Mir hat das Buch sehr zugesagt und somit vergebe ich sehr gerne sonnige fünf „Sunshine Sterne“.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Hervoragende Recherchearbeit verarbeitet zu einem spannenden Kriminalroman ... absolute Empfehlung!

Kommissar Gennat und der Raubmord am Ku’damm
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Ich gestehe, das Berlin der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts gehört definitiv in Romanen zu einem meiner Lieblingsschauplätze und besonders natürlich auch historischen Kriminalromanen. So freute ...

Ich gestehe, das Berlin der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts gehört definitiv in Romanen zu einem meiner Lieblingsschauplätze und besonders natürlich auch historischen Kriminalromanen. So freute ich mich dann auch riesig zu entdecken, dass die mir sehr gut bekannte Autorin Regina Stückerow ein neues Buch geschrieben hatte, das mich genau an diesen Ort zu entführen versprach. Sie wählt, wie bereits auch schon in vielen ihrer Vorgängerromane, einen wahren Kriminalfall als Basis für ihr Buch. Wieder einmal darf ich gemeinsam mit Kommissar Gennat, vielen auch bekannt als der „Buddha“, und seinen Freunden Lissy und Max Kaminski ermitteln.

Die Nationalsozialisten haben inzwischen die Kontrolle über den Polizeiapparat übernommen, was auch Kaminski leider am eigenen Leibe zu spüren bekommt. Er ist Jude und darf offiziell nicht mehr für die Polizei arbeiten. Doch was die Obrigkeit nicht weiß, macht sie nicht heiß und so unterstützt er Gennat – gemeinsam mit seiner Frau – tatkräftig, den Raubmord am Kurfürstendamm aufzuklären. Wer hat den armen Boten überfallen und auf ihn geschossen? War es ein Inside Job? War das Opfer etwa ursprünglich selbst einer der Täter?

Beim Lesen merkt man, dass Regina Stückerow, die nicht „nur Autorin“, sondern auch absolute Expertin ist, wenn es um Kriminalfälle aus Berlin und Brandenburg in den 20er und 30er Jahren geht, beim Schreiben dieses Romans in ihrem Element ist. Gekonnt verwickelt sie ihre Leserschaft nicht nur in den vorliegenden Kriminalfall, sondern vermittelt auch sehr authentisch den politischem Druck und die Angst, die sich inzwischen nicht nur in Berlin breit gemacht haben. Geschickt verwebt sie reale Fakten mit fiktiven Elementen und schafft so einen historischen Kriminalroman, den ich fast nicht zu Seite legen konnte. Mich hat das Buch in den Bann gezogen und so vergebe ich gerne mit fünf Sternen die volle Punktzahl. Ich würde mich sehr freuen, wenn es mit dieser Reihe noch ein wenig weiter würde und hoffe auf einen weiteren Band in baldiger Zukunft.

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