Gute Unterhaltung
Giftiger Grund„Giftiger Grund“ ist eine Story, die sich nicht einfach in ein Genre einordnen lässt – und genau das macht sie so interessant. Statt klassischer Ermittlungsarbeit wirft uns der Autor mitten hinein in ein ...
„Giftiger Grund“ ist eine Story, die sich nicht einfach in ein Genre einordnen lässt – und genau das macht sie so interessant. Statt klassischer Ermittlungsarbeit wirft uns der Autor mitten hinein in ein düsteres, bedrückendes Szenario. An einer verlassenen Tankstelle treffen drei Figuren aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten: die taffe Podcasterin Charu, der gerade aus der Haft entlassene Joran und ein zehnjähriges Mädchen, das mehr weiß, als man anfangs ahnt.
Der Roman lebt von seiner Atmosphäre: brutal, roh und manchmal mit derber Sprache. Das Setting, ein Lost-Place, verstärkt dieses Gefühl von Gefahr. Den Schreibstil empfand ich anfangs als gewöhnungsbedürftig, teilweise kurz und knapp, gerade so wie hin und herspringende Gedanken.
Besonders stark sind die Charakterzeichnungen:
Charu wirkt auf den ersten Blick tough, selbstbewusst, social-media-erfahren, doch hinter der Fassade steckt Verletzlichkeit, die sie nahbar macht.
Joran wird als naives Opfer dargestellt, ein geschickter Schachzug des Autors. Man ertappt sich dabei, Sympathie für jemanden zu entwickeln, dem man eigentlich misstrauen sollte.
Die wechselnden POVs sorgen dafür, dass man die Figuren und ihre Motive, Ängste und Geheimnisse Stück für Stück versteht.
Zum Ende hin geht es Schlag auf Schlag, manches wurde mir zu schnell abgehandelt, einiges erscheint doch sehr konturiert. Trotzdem habe ich das Buch sehr gern gelesen. Wer Lust auf eine düstere, intensive Story hat, die nicht wie ein klassischer Krimi zu lesen ist, wird hier definitiv gut unterhalten.