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Veröffentlicht am 19.06.2025

Nichts ist wie es scheint

Ihr werdet sie nicht finden
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Vor 7 Jahren ist die 17jährige Isabell Waider nach einer Party nicht nach Hause gekommen. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt worden. Ihr Vater Jonas hatte in Bernd Vollstedt den Mörder gesehen und ...

Vor 7 Jahren ist die 17jährige Isabell Waider nach einer Party nicht nach Hause gekommen. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt worden. Ihr Vater Jonas hatte in Bernd Vollstedt den Mörder gesehen und hat gestanden, ihn umgebracht zu haben. Wegen Totschlags wurde er verurteilt und ist mittlerweile seit einem Jahr wieder frei. Die Mutter Marie wurde mit der Situation nicht fertig und hat Suizid begangen.

Aktuell ist wieder ein Mädchen verschwunden. Silvia ist Autistin und war eine Schulkameradin von Isabell. Ihre Großmutter möchte sie unbedingt finden und beauftragt die Privatdetektivin Franca Lichtenwalder, sie zu finden. Hängt der aktuelle Fall eventuell mit dem Cold Case zusammen? Hat die Autistin damals etwas gesehen was sie nicht hätte sehen sollen?

Ein kursiv gedruckter Strang kann nicht sofort eingeordnet werden, er blieb für mich anfangs unklar.


Ich bin ein echter Fan von Andreas Winkelmann. Sein Schreibstil ist stets fesselnd und man will immer weiterlesen bis man zum Finale kommt. Leider hat es mich diesmal nicht von Anfang an gepackt. Die drei Stränge (vor 7 Jahren, heute und kursiv) und die ständigen Perspektivwechsel ließen bei mir keinen Lesefluß aufgekommen. Erst nach ungefähr einem Drittel war ich dann voll dabei. Die beiden aktiven Hauptfiguren Jonas Waider und Franca Lichtenwalder haben mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, den Fall alleine zu lösen. Obwohl Jonas früher selbst Polizist war, hat er das Engagement seiner Kollegen als nicht ausreichend empfunden, so daß es jetzt immer wieder zu Unstimmigkeiten mit seinem früheren Kollegen/Freund kommt. Franca ist eine toughe Frau, kreativ und empathisch, die anpackt und zielorientiert vorwärts geht. Jonas will einfach wissen, was mit seiner Tochter geschehen ist und möchte sich richtig von ihr verabschieden. Das ist auf jeden Fall verständlich, aber er hat sich auch heute nicht in Griff. Sein Trauma ist verständlich, aber seine Impulsivität bringt ihm auch jetzt noch Probleme und Franca muß beschwichtigend eingreifen. Miträtseln war so eine Sache, denn es gibt etliche Twists und auf diese Auflösung wäre ich nicht gekommen. Es ging viel um Macht und verkorkste Familien.

Der vorliegende Thriller ist zwar ein Stand-Alone, aber das Cover paßt vom Stil her sehr gut zu seinen anderen Büchern.

Ich hatte packende Lesestunden und werde den Thriller trotz aller Kritik gerne weiter empfehlen!

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Manches sieht auf den 2. und 3. Blick anders aus

Inspektor Takeda und der tödliche Ruhm
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Inspektor Takeda bekommt in Hamburg Besuch von seiner Ex-Frau Maiko und einer Bekannten, Frau Akane Endō . Akanes Mann ist vor vier Jahren verschwunden und hat sie jetzt voller Angst und Panik angerufen, ...

Inspektor Takeda bekommt in Hamburg Besuch von seiner Ex-Frau Maiko und einer Bekannten, Frau Akane Endō . Akanes Mann ist vor vier Jahren verschwunden und hat sie jetzt voller Angst und Panik angerufen, um ihr mitzuteilen, daß er fliehen muß. Hiroyuki Endō  war in Japan ein echter Sushi-Meister, verehrt und geachtet, der sein Land aus unbekannten Gründen verlassen hat. Hier hat er unentdeckt im Moto, einem Lokal der Spitzenklasse von Tom Trautmann gearbeitet. Die beiden kannten sich von verschiedenen Besuchen Toms in Japan und er hat ihm ermöglicht, seiner Arbeit nachzugehen, ohne geoutet zu werden. Im Museumshafen wird nun die Leichen von Tom gefunden und der Rechtsmediziner stellt fest, daß die Tötung vermutlich durch eine Machete erfolgte. Ihm wurde außer dem tödlichen Stich auch noch die Geschlechtsteile entfernt. Die Ermittlungen gehen wegen den Tatwerkzeugs in Richtung Asiaten, wegen der Geschlechtsteile in Richtung Liebe/Sex oder organisierte Kriminalität, Mafia und Demütigung. Hiroyuki Endō  gerät als Tatverdächtiger ins Visier der Ermittlungen, nur der ist abgetaucht. Ein sehr schwieriger Fall für Ken Takeda und seine Kollegin Claudia Harms.


Ich bin seit Band 1 ein Fan von Inspektor Ken Takeda und habe ihn schon bisher sehr gerne über die Schulter geguckt. Dieser Band war für mich ein echtes Highlight. Als Leser bekommt man sehr viele japanische Ausdrücke und deren Bedeutung erklärt, wodurch das Buch ungeheuer an Authentizität gewonnen hat. Der Fall selbst ist sehr spannend, geht anfangs in eine Richtung, bei dem der Leser überzeugt ist, hier wird der wahre Täter/Motiv zu finden sein und dann platzt am Ende die Bombe und es ist doch ganz anders. Ken und Claudia, die beiden sympathischen Ermittler samt ihrer Beziehung kann man weiter begleiten, was mir ebenfalls viel Freude bereitet hat. In diesem Band gefiel es mir ausgesprochen gut, daß japanische Begriffe und ihre Bedeutung einfließen. Ich denke hierbei an Ikigai für den Sinn des Lebens, Yonigeya für eine Agentur, die das Abtauchen ermöglicht oder Komorebi für das Licht, das durch die Blätter eines Baumes fällt und auch für mich zum Schmunzeln der Ausdruck „nasses Laub“, das für Rentner steht, die ihren Frauen zu Hause auf die Nerven gehen. Und der Cliffhanger am Ende sorgt dafür, daß die Fans gespannt auf den nächsten Band warten.

Für mich war es ein absolutes Lesevergnügen mit einer Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Der etwas andere Junggesellinnenabschied

Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein
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Julia und Lars haben sich sehr schnell zur Hochzeit entschlossen. Nicki, Julias Freundin, hat sich statt eines normalen Junggesellinnenabschieds eine Überraschung für sie ausgedacht. Sie hat nur für sie ...

Julia und Lars haben sich sehr schnell zur Hochzeit entschlossen. Nicki, Julias Freundin, hat sich statt eines normalen Junggesellinnenabschieds eine Überraschung für sie ausgedacht. Sie hat nur für sie beide heimlich Flugtickets besorgt und eine gemeinsame Wanderung am Kungsleden-Weg in Schweden organisiert. Der Start ist in einem Dorf beim Naturreservat, die geplante Strecke ist 78 Kilometer lang und dafür sind 8 Tage geplant. Der Weg führt sie durch Berge, Hochmoore und mit Flüssen durchzogene Täler. Bei ihrer Ankunft herrscht bereits sehr schlechtes Wetter, aber die Freundinnen starten trotz aller Bedenken. Nur eines Morgens befindet sich Julia alleine im Zelt – Nicki ist weg und sie kann sie auch nicht finden. Was ist passiert? Wo ist Nicki? Reichen die Snacks und das wenige Wasser zum Überleben? Findet sie ohne Karte aus der Wildnis zurück nach Ammarnäs, dem Startpunkt und rechtzeitig zu ihrer Hochzeit?

In einem zweiten, kursiv gedruckten Strang erhält man Informationen, die schlimmes erahnen lassen.


Die Autorin hat einen absolut fesselnden Thriller geschrieben, der mich von der ersten Seite an gepackt hat. Die Atmosphäre, die durch die schlechten Wetterverhältnisse geprägt sind, tragen dazu bei, daß die Spannung auf einem hohen Niveau bleibt. Es geht hier rein ums Überleben und die Rückkehr in die Zivilisation. Die beiden Freundinnen und auch der Bräutigam werden sehr detailliert charakterisiert und dadurch konnte man beim Lesen bereits Gänsehaut bekommen, angefeuert von dem kursiv gedruckten Text. Wer ist hier die Naive und wer die Toughe? Nicki ist die erfahrene Wanderin und auch Tourengeherin, die alles tatkräftig und positiv anpackt. Sie hat aber gerade eine schwere Zeit hinter sich, hat stark abgenommen, ihr wurde gekündigt, ist irgendwie distanziert und schreibt ständig in ihr Notizbuch. Julia ist eher die Angepaßte, sie richtet sich gerne nach den Vorgaben ihres Bräutigams.

Das Cover mit dem Zick-Zack-Weg finde ich auch ausgesprochen gut gelungen.

Von mir bekommt dieser Thriller eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Cosy-Krimi mit Schauplatz Norderney

Inselnächte
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Es handelt sich bereits um den 8. Band dieser Reihe und wir befinden uns auf Norderney. Dort warnt der Dienststellenleiter Martin Ziegler einen Vater, daß dieser seine Tochter und den Welpen von den Dünen ...

Es handelt sich bereits um den 8. Band dieser Reihe und wir befinden uns auf Norderney. Dort warnt der Dienststellenleiter Martin Ziegler einen Vater, daß dieser seine Tochter und den Welpen von den Dünen zurückrufen soll. Dieser, ein aufgebrachter Tourist weigert sich und kurze Zeit später geschieht das Unglück - Dünenbruch. Die Tochter wird gerettet, der Hund überlebt nicht. Kurz darauf findet ein Insulaner mit Hund bei einem weiteren Dünenbruch die Leiche von Kevin Jansen. Allerdings bestehen gleich Zweifel, ob dies ein Unfall gewesen sein könnte, denn ihm wurde ein Zahn ausgeschlagen und das Hemd ist zerrissen. Kevin war drogensüchtig und Mitglied einer reichen Großfamilie mit noch fünf Geschwistern. Sie hatten als Kinder unter den geizigen und strengen Eltern zu leiden, von Tante Ella hatten sie ein doch fragwürdiges Erbe erhalten. Im Ernstfall jedoch halten die Geschwister zusammen – Schweigegebot! Aber dann kommt es zu einer zweiten Toten in der Familie.

Außer den Ermittlern Martin und seinem Kollegen Gerd aus Aurich werden sehr viele Personen eingeführt, die teilweise mehr schmückendes Beiwerk sind. Den Fall um den Tod von Kevin können sie am Ende natürlich lösen.


Als Süddeutsche lese ich sehr gerne Regionalkrimis und hier vor allem von der Nord- und Ostsee. Ich hatte von dieser Reihe schon den ersten Band gelesen und es war überhaupt kein Problem in den aktuellen 8. Fall einzusteigen. Routiniert schreibt die Autorin auch diesen Band. Mir persönlich fehlte die Spannung, dafür gab es einiges zum Schmunzeln. Der Schreibstil war flüssig zu lesen, mir in seiner Ausführlichkeit etwas zu viel und brachte die Sache nicht vorwärts. Für mich hätte dieser Band sehr gut gekürzt werden können. Die Figuren fand ich authentisch und liebevoll (mit einem gewissen Augenzwinkern) beschrieben.

Und auch hier hat der Verlag wieder ein tolles Cover gewählt.
Fans von Cosy-Krimis werden bestimmt unterhaltsame Lesestunden verbringen.

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Ausflug in die Sommerhitze Liguriens

Ligurisches Erbe
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Der Hamburger Schriftsteller Sebastian Wolf und seine Jack-Russell-Dame Jackie nehmen eine Auszeit in Ligurien. Er ist Witwer und will in der Abgeschiedenheit seinen 6. Thriller schreiben. Im Ort wohnt ...

Der Hamburger Schriftsteller Sebastian Wolf und seine Jack-Russell-Dame Jackie nehmen eine Auszeit in Ligurien. Er ist Witwer und will in der Abgeschiedenheit seinen 6. Thriller schreiben. Im Ort wohnt er im Casa Principessa, das Haus seines Freundes Martin. Gleich zu Beginn wird im Beichtstuhl von San Giovanni Battista der erdrosselte Padre Crosetto gefunden. Kurze Zeit später wird Isabella Garofani, eine alte Frau, beim Blumengießen erdrosselt. Commissario Alberti Brignone und sein Assistent Mario Flavotti aus Imperia müssen ermitteln. Aber es soll nicht bei diesen zwei Leichen bleiben.

In einem zweiten, kursiv gedruckten Strang, erfährt man Details über ein altes Buch, alte Traditionen und eine bedeutende Familie.


Der Autor kann schreiben, das steht außer Frage. Dies ist der erste Band um Sebastian Wolf und hier konnte Armin Fuhrer etwas von seinem historischen Wissen einfließen lassen. Der Schreibstil ließ sich flüssig und spannend lesen. Den Ort Montalto Ligure mit seinen knapp 400 Einwohnern, die Sommerhitze, die Landschaft und die dörfliche Atmosphäre wurden sehr bildhaft beschrieben und man fühlte sich als Leser mitgenommen. Man konnte sehr gut rätseln und der Täter war bald offensichtlich. Sebastian Wolf wurde gut charakterisiert, vor allem auch seine Trauer um seine Frau Ella und die vielen Erinnerungen, die hier im Ort wieder hochkamen. Aber auch die Beschreibung des Neuanfangs mit Melanie samt der leckeren Speisen gefielen mir sehr gut und ich fühlte mich mittendrin. Der sympathische Flavotti war mein Liebling in der ganzen Story, ich fand ihn in jeder Situation diplomatisch.

Und wie vom Verlag gewohnt, auch hier wieder ein sehr stimmiges Cover.
Mit diesem Cosy-Krimi hatte ich unterhaltsame Lesestunden!

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