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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.02.2026

märchenhaft schön

Mentha
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Mit Mentha ist Iva Procházková ein märchenhaftes, warmes und zugleich nachdenkliches Kinderbuch gelungen, das weit über ein klassisches Abenteuer hinausgeht. Schon die ersten Seiten entfalten eine sanfte, ...

Mit Mentha ist Iva Procházková ein märchenhaftes, warmes und zugleich nachdenkliches Kinderbuch gelungen, das weit über ein klassisches Abenteuer hinausgeht. Schon die ersten Seiten entfalten eine sanfte, beinahe poetische Atmosphäre, die zum Innehalten einlädt. Die Geschichte nimmt sich Zeit für ihre Figuren, für leise Zwischentöne und für eine Welt, in der Magie ganz selbstverständlich neben dem Alltäglichen existiert.
Mentha ist eine besondere Heldin. Sie besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten, doch im Mittelpunkt steht nicht das Spektakuläre, sondern ihre Haltung zur Welt. Ihre Offenheit, ihre Verbindung zur Natur und ihr Gespür für das, was zwischen den Zeilen liegt, machen sie zu einer Figur, mit der sich junge Leserinnen und Leser leicht identifizieren können. Sie wirkt stark, ohne laut zu sein, mutig, ohne überhöht zu erscheinen.
Die Geschichte verbindet Fantasie mit einer feinen Botschaft. Es geht um Aufmerksamkeit, um das Wahrnehmen der kleinen Dinge und um die Frage, was wir vielleicht verlernen, wenn wir nur funktionieren. Dabei bleibt der Ton stets kindgerecht, ohne belehrend zu wirken. Gerade diese Balance macht das Buch so besonders. Es schenkt Abenteuer und regt gleichzeitig zum Nachdenken an.
Auch die Illustrationen von Su Ehlers tragen wesentlich zur Atmosphäre bei. Sie ergänzen den Text auf eine ruhige, stimmige Weise und lassen genug Raum für eigene Vorstellungen. Das Zusammenspiel aus Sprache und Bild wirkt harmonisch und liebevoll gestaltet.
Mentha ist damit nicht nur eine fantasievolle Geschichte für Kinder, sondern auch ein Buch, das Erwachsene berührt. Es erinnert daran, wie wertvoll Empathie, Neugier und Mut sind und dass manchmal gerade die leisen Heldinnen die stärksten sind.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

gesellschaftlich stark

Die Namen
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Die Namen hat mich auf eine stille, aber nachhaltige Weise beschäftigt. Die Grundidee klingt zunächst schlicht: Eine Entscheidung über einen Namen, und daraus entwickeln sich unterschiedliche Lebenswege. ...

Die Namen hat mich auf eine stille, aber nachhaltige Weise beschäftigt. Die Grundidee klingt zunächst schlicht: Eine Entscheidung über einen Namen, und daraus entwickeln sich unterschiedliche Lebenswege. Doch was Florence Knapp daraus macht, ist viel größer. Sie erzählt nicht nur drei Varianten einer Biografie, sondern zeigt, wie sehr Identität von äußeren Umständen, familiären Strukturen und gesellschaftlichen Erwartungen geprägt wird.
Die Konstruktion mit den parallelen Lebensverläufen ist anspruchsvoll, aber genau darin liegt ihr Reiz. Man liest aufmerksam, vergleicht unweigerlich, erkennt Muster. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich Charakterzüge unter anderen Voraussetzungen verschieben. Manche Entwicklungen wirken zart und hoffnungsvoll, andere schmerzhaft und einengend. Immer wieder stellt sich die Frage, wie viel wirklich in uns selbst angelegt ist und wie viel durch unser Umfeld entsteht.
Emotional geht das Buch sanft vor. Es gibt keine überdrehten Dramen, sondern Situationen, die gerade deshalb treffen, weil sie so real wirken. Besonders eindrücklich sind die familiären Dynamiken. Wie subtil Erwartungen ausgesprochen oder eben nicht ausgesprochen werden. Wie Liebe Halt geben, aber auch Druck erzeugen kann. Wie schwer es ist, sich von Zuschreibungen zu lösen, die man seit der Kindheit mit sich trägt.
Auch gesellschaftlich steckt viel zwischen den Zeilen. Ein Name ist nicht nur Klang, sondern Projektionsfläche. Er weckt Assoziationen, öffnet Türen oder lässt sie verschlossen. Das Buch macht deutlich, wie schnell Menschen in Schubladen gesteckt werden und wie stark solche Zuschreibungen Lebenswege beeinflussen können. Dabei wird nichts belehrend formuliert, sondern über die Figuren erfahrbar gemacht.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Vielschichtigkeit der Charaktere. Niemand ist nur Opfer oder nur stark. Entscheidungen entstehen aus Angst, aus Hoffnung, aus Anpassung oder aus dem Wunsch, endlich selbstbestimmt zu leben. Genau diese Ambivalenz macht alles so glaubwürdig. Manche Passagen haben mich innerlich richtig unruhig gemacht, weil man spürt, wie sehr kleine Weichenstellungen langfristige Folgen haben können.
Die Struktur verlangt Aufmerksamkeit. Aber es fühlte sich passend an für ein Buch, das sich mit Identität und möglichen Lebensrealitäten beschäftigt. Es geht hier nicht um Tempo, sondern um Inhalt.
Für mich ist Die Namen ein Roman über Selbstfindung, Prägung und die leise, aber kraftvolle Frage: Wer wäre ich geworden, wenn nur ein Detail anders gewesen wäre? Er regt zum Nachdenken an, und bleibt vor allem wegen seiner emotionalen Ehrlichkeit im Gedächtnis.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Endlich wieder ein Lesehighlight

Mont Lacroix (Band 1) - Longing for Lelibeth
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Diese Geschichte lebt von den Gegensätzen ihrer beiden Hauptfiguren, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Lelibeth strahlt Zielstrebigkeit, Selbstbewusstsein und innere Stabilität ...

Diese Geschichte lebt von den Gegensätzen ihrer beiden Hauptfiguren, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Lelibeth strahlt Zielstrebigkeit, Selbstbewusstsein und innere Stabilität aus – sie weiß, was sie will, und besitzt das sichere Fundament einer liebevollen Familie. Noah hingegen wirkt zunächst rastlos, unsicher und von einer inneren Leere geprägt, die ihn auf eine Suche schickt, deren Ziel selbst ihm nicht immer klar ist. Gerade diese Gegensätze machen das Aufeinandertreffen der beiden so spannend: Wo Lelibeth fest in ihrer Welt verankert ist, wirkt Noah wie jemand, der sich durch das Leben treiben lässt, bis er endlich einen Ort findet, an dem er Halt und Zugehörigkeit spürt.
Die Erzählung ist gleichermaßen emotional wie atmosphärisch dicht. Szenen der Wärme und Nähe stehen im Kontrast zu Momenten von Unsicherheit, Druck und Konflikt. Besonders deutlich wird, wie facettenreich die Figuren gezeichnet sind: Ihre inneren Kämpfe, Zweifel und Sehnsüchte werden so greifbar, dass man als Leserin förmlich spürt, wie intensiv die Emotionen in ihnen aufsteigen. Die Geschichte zeigt, wie Mut, Selbstbehauptung und die Unterstützung von Menschen, die einem nahestehen, selbst in schwierigen Situationen Hoffnung und Stärke schenken können.
Ein besonders reizvoller Aspekt ist die Art und Weise, wie zwischen Lelibeth und Noah ein lebendiges Knistern entsteht. Ihre Schlagabtausche sind witzig, feurig und voller ungesagter Spannung. Sie bringen Tempo und Lebendigkeit in die Handlung, gleichzeitig aber auch Tiefe und Intimität. Die Gegensätze der Figuren spiegeln sich hier emotional wider. Lelibeth findet in Noah Momente des Loslassens und der Ruhe, die sie sonst kaum kennt, während Noah in ihrer Nähe Halt und Klarheit entdeckt. Dieses Spiel aus Nähe, Spannung und gegenseitiger Wirkung der beiden macht ihre Beziehung besonders und glaubhaft.
Die Geschichte überzeugt zudem durch die feine Balance zwischen innerer Entwicklung, persönlichen Entscheidungen und subtiler Spannung. Geheimnisse und Konflikte erzeugen Neugier und fesseln den Leser, ohne dass die Handlung laut oder überdramatisiert wirkt. Stattdessen steht die menschliche Erfahrung im Vordergrund. Der Mut, für sich selbst einzustehen, die Angst vor Verlust, das Ringen mit eigenen Gefühlen und der langsame, oft schwierige Weg zur Selbstfindung.
Ein weiteres Highlight der Geschichte ist das historische Gebäude, in dem ein großer Teil der Handlung stattfindet. Es verleiht der Erzählung einen märchenhaften Charme und schafft ein Setting, das zugleich vertraut und zauberhaft wirkt. Alte Mauern, versteckte Winkel und kleine Details lassen eine Welt entstehen, in der man sich sofort verlieren möchte. Ein Ort, der gleichzeitig Geborgenheit, Geheimnis und Inspiration ausstrahlt. Besonders schön ist, dass auch die Nebencharaktere hier viel Raum bekommen. Sie sind herzlich, individuell und liebevoll ausgearbeitet, keine blassen Randfiguren, sondern echte Persönlichkeiten, die die Geschichte bereichern, zum Leben erwecken und die Atmosphäre des Hauses zusätzlich intensivieren. Ihre kleinen Eigenheiten, warmherzigen Gesten und witzigen Momente tragen dazu bei, dass das Setting sich wie ein lebendiger, fast greifbarer Ort anfühlt, in dem man gerne verweilen möchte.
Insgesamt ist es eine tiefgehende, emotionale Geschichte, die sowohl Herz als auch Kopf anspricht. Sie handelt von Selbstfindung, persönlichen Grenzen, der Kraft von Beziehungen und dem Mut, sich gegen äußere Erwartungen zu behaupten. All das ist eingebettet in ein Setting, das sowohl Wärme als auch realistische Herausforderungen bietet. Die Figuren wirken lebendig, ihre Entwicklungen nachvollziehbar, und die Erzählung schafft es, sowohl humorvolle als auch nachdenkliche Momente stimmig miteinander zu verbinden.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Das innere Kind finden

Drei Tage im Schnee
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Das Buch ist wie eine Pause vom alltäglichen Lärm. Es hat keine große Handlung, kein Drama, keinen künstlichen Spannungsbogen. Es ist eher ein leiser Raum, in dem man plötzlich sich selbst sieht und hört. ...

Das Buch ist wie eine Pause vom alltäglichen Lärm. Es hat keine große Handlung, kein Drama, keinen künstlichen Spannungsbogen. Es ist eher ein leiser Raum, in dem man plötzlich sich selbst sieht und hört. Hannahs Rückzug in diese winterliche Stille wirkt erst wie eine kleine Flucht, fast harmlos, und entwickelt dann eine ganz eigene Tiefe. Der Schnee, die Abgeschiedenheit, die Ruhe – das alles schafft einen Ort, an dem nicht Ablenkung zählt, sondern die eigene, ungeschönte Wahrnehmung.
Was mich besonders berührt hat, ist diese leise Ebene dahinter. Es geht im Kern um das innere Kind. Um das, was man im Erwachsensein oft verliert. Diese natürliche Leichtigkeit, dieses offene, unverstellte Auf-die-Welt-Blicken, diese Fähigkeit, sich einfach zu freuen, ohne Grund, ohne Ziel. Durch die Begegnung mit Sophie und die Stille wird Hannah mit genau diesem Teil von sich selbst konfrontiert. Nicht aufdringlich, nicht pädagogisch, sondern ganz sanft. Eher als Erinnerung als als Botschaft.
Das Buch erklärt nichts, es drängt auch nichts auf. Es zeigt Zustände, Gefühle, innere Bewegungen. Man muss sich darauf einlassen, auf Langsamkeit, auf Unausgesprochenes, auf Zwischenräume. Wer Handlung sucht, wird es vielleicht leer finden. Wer aber offen ist für Stimmungen, für innere Prozesse, für dieses leise Wiederfinden von etwas Verlorenem, wird viel darin entdecken.
Für mich ist es kein Buch, das man verschlingt wie nichts-sagende Romane. Es ist eins, das man fühlt. Still, ruhig, nach innen gerichtet. Und irgendwie bleibt danach dieser Gedanke hängen: Dass Erwachsenwerden nicht bedeuten muss, die Leichtigkeit zu verlieren. Dass man lernen kann, Verantwortung zu tragen, ohne zu verlernen, mit Neugier, Offenheit und Freude auf die Welt zu schauen. Genau das macht das Buch für mich so wertvoll – nicht wirklich spektakulär, aber ehrlich und warm.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Realität, die niemand sehen will

Mama will ihr Haus vererben
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Am Anfang dachte ich noch: Ein Haus vererben – ja gut, das kennt man. Aber ziemlich schnell wird klar, dass es hier gar nicht wirklich um das Haus geht. Es geht um alte Muster, um Geschwisterdynamiken, ...

Am Anfang dachte ich noch: Ein Haus vererben – ja gut, das kennt man. Aber ziemlich schnell wird klar, dass es hier gar nicht wirklich um das Haus geht. Es geht um alte Muster, um Geschwisterdynamiken, um das ständige Abwägen zwischen Pflichtgefühl und dem eigenen Leben und um all das, was in Familien jahrelang unter den Teppich gekehrt wird.
Was mich besonders abgeholt hat, war Katrin. Sie wirkt nicht wie eine klassische Romanfigur, sondern wie jemand, den man kennt. Jemand, der immer mitdenkt, organisiert, Verantwortung übernimmt und dabei selbst viel zu kurz kommt. Ihre Zerrissenheit zwischen Mutter, eigener Familie und den Erwartungen der Geschwister fühlt sich sehr echt an. Genau dieses Gefühl von Ich kann es eh niemandem recht machen zieht sich stark durch die Geschichte. Ab und an wirkt sie fast krampfhaft in ihrem Versuch die Kontrolle zu behalten und darauf zu achten, dass nichts aus dem Ruder läuft.
Die Konflikte wirken nicht konstruiert, sondern unangenehm vertraut. Die bissigen Bemerkungen, das stille Gegeneinander, das Rechnen von Nähe und Einsatz. Wer war öfter da, wer hat mehr getan, wer darf überhaupt irgendwelche Ansprüche stellen? Besonders die Rolle der Mutter fand ich spannend, weil sie nie ganz greifbar ist: mal verletzlich, mal lenkend, mal überraschend eigensinnig. Ich habe mich ab und an echt gefragt, wer diese Frau wirklich ist.
Mir hat gefallen, dass das Buch nichts beschönigt. Es ist direkt, nicht durch die Blume. Niemand ist durchgehend sympathisch, aber auch niemand eindeutig der Böse. Entscheidungen werden getroffen, die man nicht immer nachvollziehen muss oder kann, genau wie im echten Leben. Das macht es manchmal anstrengend zu lesen, aber auch wieder ehrlich.
Klar, nicht jede Entwicklung hat mich komplett überzeugt, und an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tiefe oder Zeit gewünscht. Trotzdem bleibt viel hängen. Vor allem dieses leise Unbehagen, das sich beim Lesen einstellt, weil man merkt, wie schnell Liebe in Erwartung kippen kann und wie schwer es ist, sich davon zu lösen.

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