Das ist das erste Buch der Autorin für mich und ich weiß es wird nicht das Letzte sein: Gabriella Santos de Lima hat mich mit ihrem flüssigen Schreibstil, einer sehr tiefgründigen Charakterentwicklung, einem Fernweh versprühenden Setting bei dem man den Lavendel fast riechen kann und einem sehr emphatischen Umgang mit wichtigen Themen überzeugt!
Viola ist Autorin und kämpft ganz schön mit dem Druck der sowohl auf ihr liegt als junge Schriftstellerin, aber auch als Frau. Die sozialen Medien sind Fluch und Segen zu gleich und Viola versucht nicht unter dem Druck zu zerbrechen. Hinzukommt, dass sie sich gerade getrennt und ihr Ex mit ihrer Schwester in die Kiste gehüpft ist. Insgesamt keine gute Kombination um an den eigen Selbstwert zu glauben und zu stärken.
Was könnte da mehr helfen als ein Sommer in Südfrankreich gemeinsam mit der besten Freundin. Wäre da nur nicht der große Bruder, Luc, der besten Freundin: Spitzensportler, mehr als normschön sowohl erfolgreich im Job und bei den Frauen.
Weit weg vom Alltag versucht sie alles um ihr Leben zu leben und kann dabei Luc nicht immer aus dem Weg gehen.
Am Anfang habe ich gedacht, wie viel
Pech kann man haben? Mir hat Viola spätestens auf der Flugzeugtoilette mehr als leid getan. Das hatte schon nichts mehr mit schlechtem Karma zu tun, aber meist ist es genau so im Leben, wenns einmal beschissen läuft, dann hört es nicht auf.
Ich konnte Violas Selbstzweifel sehr gut nachvollziehen, die heile und schöne Scheinwelt in den sozialen Medien lässt einen zweifeln und hinterfragen. Wenn dann alles zusammen kommt, dann kann das mehr als toxisch sein. Zu Beginn fand ich ihren Umgang damit nicht optimal, aber alte Muster abzulegen ist mehr als schwer. Wie sie im Laufe der Story (vor allem zum Ende hin) mehr Selbstvertrauen zu bekommen hat mir sehr gefallen.
Nach außen wirkt Luc sehr unnahbar und versucht sowohl Viola, als auch seiner Schwester aus dem Weg zu gehen. Man merkt, dass hinter seiner harten Schale des vermeintlichen Frauenhelds mehr steckt und ihn etwas umtreibt, das tiefer geht.
Nur kann er nicht immer weglaufen vor seiner inneren Unruhe.
Viola und Luc‘s Annäherungen beginnen sehr zart und vorsichtig. Mir hat es sehr gefallen, dass beide ihre Grenzen aufzeigen und diese Grenzen auch gelten. Man merkt relativ schnell, dass da eine gewisse Anziehung herrscht, beide aber so in ihrem Kopf und Ihren Zweifeln gefangen sind um dem ganzen zu trauen.
Die Kombination aus ernsten Themen und der Liebesgeschichte mit dem Setting hat mir sehr gefallen und mich teilweise an die „Alles“-Reihe von Kyra Groh erinnert.
Ganz klare Leseempfehlung
4,5⭐️