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Veröffentlicht am 02.12.2025

Schneeflockentanz und Eisblumenzauber

Das Schneeflockenmädchen
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Marie besitzt wenig und doch gibt sie ganz viel, denn mit ihren Märchen öffnet sie nicht nur die Herzen der Kinder, sondern zaubert ihnen diesen ganz besonderen Glanz in die Augen, wenn Kinder Magie spüren. ...

Marie besitzt wenig und doch gibt sie ganz viel, denn mit ihren Märchen öffnet sie nicht nur die Herzen der Kinder, sondern zaubert ihnen diesen ganz besonderen Glanz in die Augen, wenn Kinder Magie spüren. Mit ihrem Schneeflockenwagen reist sie von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt und bereichert die Weihnachtsmärkte mit ihre Erzählungen. So kommt es, dass sich der Zuckerwattenverkäufer Carl auch zu der jungen Frau hingezogen fühlt. Sie geht ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Und je mehr er feine Zuckerfäden spinnt und Marie beim Erzählen zuhört, desto mehr breitet sich ein wohlig warmes Gefühl in ihm aus. Werden beide zueinader finden ?


Mit „Das Schneeflockenmädchen“ öffnet Mara Andeck nicht nur ein zauberhaftes Märchenbuch für Erwachsene, sondern ermöglicht ihren Leser:innen auch eine kleine Zeitreise in die eigene Kindheit. Nicht umsonst heißt es, dass Erinnerungen wie Wärmflaschen fürs Herz sind und genau dort setzt Andeck an, wenn sie ihre Leser:innen in eine funkelnde Winterwelt entführt. Die Reise mit dem umgebauten Zirkuswagen führt durch märchenhaft verschneite Landschaften, die aussehen, als wären sie von einem schimmernden Mantel aus Raureif umhüllt. Es entsteht eine besondere Wunderfunkelglitzerzauberstimmung, die es eben nur im Winter gibt.

Der Autorin gelingt es zudem wunderbar, die Märchen als Geschichten in der Geschichte so geschickt mit der Handlung zu verweben, dass sie eine stimmige Ergänzung zum eigentlichen Erzählstrang bilden und die Leser:innen ihnen nur allzu gern folgen. Es entstehen sanfte Bilder im Kopfkino, getragen von dem wohlig warmen Timbre von Maries Erzählstimme. Es ist, als würden die Lesenden selbst auf den Filzkissen der Sitzbänkchen Platz nehmen, um gebannt ihren Worten zu lauschen.

Auch die Romanze zwischen Marie und Carl wird zart und einfühlsam erzählt – der beste Beweis dafür, dass selbst im tiefsten Winter Schmetterlinge fliegen können. Genauso filigran und zerbrechlich wie ihre frostglitzernden Flügel ist zunächst auch die Beziehung der beiden, die im Verlauf der Geschichte auf die eine oder andere Probe gestellt wird. Es geht darum zu erkennen, dass Worte und verpasste Gelegenheiten nicht zurückgeholt werden können und Sprache mitunter schärfer und verletzender ist als jede frisch geschliffene Klinge eines Messers. Die Botschaften werden wundervoll transportiert, erreichen die Lesenden direkt im Herzen und bringen eine Saite zum Klingen.

Ein Buch, das an funkelnde Wintersterne erinnert, Eiskristallträume zum Leben erweckt und Eisblumenzauber auf jede einzelne Seite malt.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.11.2025

Klaustrophobischer Nervenzerrer

Safe Space
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Anna ist forensische Psychologin und schaut tief in die Abgründe derer die aus Menschen Sadisten, Psychopathen und Serienmörder werden lassen . Ihr neuer Job führt sie ins Hochsicherheitsgefängnis, denn ...

Anna ist forensische Psychologin und schaut tief in die Abgründe derer die aus Menschen Sadisten, Psychopathen und Serienmörder werden lassen . Ihr neuer Job führt sie ins Hochsicherheitsgefängnis, denn dort soll sie hinter die Mauern blicken, die die Intensivtäter um sich aufgebaut haben. Doch für Anna ist es nicht nur ein Job, sondern sie such den Schlüssel zur Wahrheit um das Verschwinden ihrer Schwester endlich aufzuklären. Noch ahnt Anna nicht, dass sie eine Schachfigur in einem bitterbösen Spiel ist….


Wow – was für ein Brett!
Sarah Bestgen haut mit „Safe Space“ einen echten Nagelbeißer raus, der seine Leser:innen mit jeder Seite tiefer in einen Strudel aus Raffinesse, Spannung und subtiler Bösartigkeit zieht.

Das Hochsicherheitsgefängnis als Mirkokosmos ist ein Geniestreich: Es wird zum pulsierenden Zentrum der Handlung – ein Ort, der so beklemmend beschrieben ist, dass man beim Lesen fast selbst die stickige Luft atmet, das metallische Echo der Türen hört und mit jeder verriegelten Schleuse ein Stück mehr Beklemmung spürt. Schweißausbrüche, Herzrasen, Atemnot – selten hat ein Setting so körperlich gewirkt!

Bestgen versteht es meisterhaft, an der Spannungsschraube zu drehen. Durch die geschickt gesetzten Perspektivwechsel hält sie Neugier und Anspannung konstant auf höchstem Niveau. Vergangenheit und Gegenwart verweben sich zu einem komplexen Erzählstrang, der mit jeder Seite mehr an Fahrt aufnimmt.

Anna wird im Verlauf der Geschichte von der Jägerin zur Gejagten. Ihr Versuch, unbedingt die Kontrolle zu behalten, scheitert an ihren eigenen Gedanken, an Zweifeln und Ängsten, die sie zunehmend in ein inneres Gedankengefängnis sperren. Während sie sich darin verliert, verliert auch die Leserschaft die Gewissheit, wem überhaupt noch zu trauen ist. Jede Spur könnte in die Irre führen, jede vermeintliche Wahrheit sich als Falle entpuppen – bis am Ende nichts mehr sicher scheint.

Bestgen spielt mit ihren Lesenden wie mit Figuren auf einem Schachbrett. Jeder Zug ist gut durchdacht, jede Bewegung kalkuliert. Aus scheinbar zufälligen Begegnungen und Details formt sie das unausweichliche Ende, das mit voller Wucht trifft. Erst auf den letzten Seiten öffnet sie den Blick in die morbide Gedankenwelt des Täters – schonungslos, verstörend und zugleich faszinierend.

„Safe Space“ ist ein Thriller, der nicht nur fesselt, sondern körperlich spürbar wird. Ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel voller Wendungen, beklemmender Intensität und erzählerischer Brillanz.


Ein mehr als gelungenes zweites Buch der Autorin und ich bin mir sicher: Von Sarah Bestgen will und muss! ich noch viel mehr lesen. Ich bin ihr mit Haut und Haaren verfallen.

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  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 24.11.2025

Solider Cosy Crime

Juwelenraub im Schneepalast
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Der Krimiklub wird mondän- so jedenfalls konnte der Untertitel der Einladung lauten, denn die Resie führt Libby in das Welt von Glanz und Glamour. Mehr Schein als Sein und doch ein Körnchen Wahrheit muss ...

Der Krimiklub wird mondän- so jedenfalls konnte der Untertitel der Einladung lauten, denn die Resie führt Libby in das Welt von Glanz und Glamour. Mehr Schein als Sein und doch ein Körnchen Wahrheit muss Libby aufdecken, denn ein Cold Case um den Tod von Nina Kandinsky weckt ihr Interesse.Aber der Ausflug dient nicht nur dem Amüsement, denn plötzlich wird aus Spaß bitterer Ernst und Libyy steckt mittedrin in einem neuen Fall....


Mit „Juwelenraub im Schneepalast“ verlegt Gabriela Kasperski den Schauplatz ihres neuen Krimis in das traditionsreiche Gstaad Palace Hotel, das als glamouröse Bühne für Libby Anderschs Ermittlungen dient. Der Mikrokosmos aus Luxus, internationaler Gesellschaft und charakterlichen Abgründen bietet durchaus reizvolle Voraussetzungen für einen spannenden Plot: Zwischen glitzernden Diamanten, leise klingednen Champagnergläsern und dem Gemurmel von Smalltalks entsteht eine Atmosphäre, die das Setting lebendig wirken lässt.

Kasperski verbindet die aktuellen Ereignisse vor Ort mit einem älteren, bislang ungelösten Fall, wodurch eine gewisse Spannung und Abwechlsung entsteht. Die Art und Weise, wie Spuren gelegt und Informationen nach und nach enthüllt werden, zeugt von handwerklichem Geschick und einem guten Verständnis für klassische Krimistrukturen. Leserinnen und Leser erhalten genügend Hinweise, um mitzurätseln, ohne dass die Lösung zu früh erkennbar ist.

Trotz dieser Stärken gelingt es dem Roman jedoch nicht immer, den erzählerischen Funken überspringen zu lassen. Die für die Reihe typische Lebendigkeit der Protagonistin Libby Andersch wirkt in diesem Band mitunter abgeschwächt; ihre sonst so mitreißende Mischung aus Intuition, Selbstironie und Scharfsinn tritt weniger deutlich hervor. Gerade im kontrastreichen Setting des Palace Hotels, das reichlich Potenzial für lebendige Beobachtungen und atmosphärische Wiedergabe bietet, bleibt der erwartete erzählerische Drive stellenweise doch eher zurückhaltend.

Kasperski bindet ihre sehr gut recherchierten Hintergrundinformationen über echte Juwelen, deren Bewertung sowie das Erkennen von Fälschungen zwar souverän ein, die sinnlich erlebbaren Segmente bleiben jedoch aus. Dort, wo ihre anderen Reihen mit anschaulichen Details, emotionaler Ansprache und einem hohen Maß an Nähe zu den Lesenden punkten, bleibt dieser Roman eher nüchtern. Auch biografisch motivierte Einschübe, die sonst oft zu einer stärkeren Verankerung der Figuren beitragen, entfalten in diesem Fall weniger ihren Reiz. Die Charaktere bleiben in einigen Momenten schemenhaft, sodass die ihre persönlichen Hintergründe und inneren Beweggründe nicht immer greifbar sind.

Insgesamt ist dieses Buch eine solide Kriminakost vor mondäner Kulisse mit einer gut durchdachten Fallkonstruktion. Wer Kasperskis bisherigen Schreibstil schätzt, könnte jedoch feststellen, dass der Roman nicht ganz an die schriftstellerische Qualität heranreicht, die ihre anderen Bücher auszeichnen. Als Krimi funktioniert die Geschichte dennoch – nur eben etwas zurückhaltender, als man es von der Autorin gewohnt ist.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Der Blick hinter den Vorhang

Die wilden Jahre
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Der Erste Weltkrieg ist zu Ende, das Rheinland liegt in Schutt und Asche und ist zugleich ein Ort für Träume und Hoffungen. Während aus den Trümmern neue Häuser entstehen, versucht THora ihren großen Traum ...

Der Erste Weltkrieg ist zu Ende, das Rheinland liegt in Schutt und Asche und ist zugleich ein Ort für Träume und Hoffungen. Während aus den Trümmern neue Häuser entstehen, versucht THora ihren großen Traum zu leben - ein Schauspielstudium soll für sie den Weg in die Welt ebenen. Während der Lebensweg von Thora klar vorgezeichnet schein, steht für Bruder Hannes einiges auf dem Spiel, denn sein Schweigen nach seiner Verhaftung trägt nicht dazu bei, seine Situation zu verbessern. Als Thora einen Gedichtband findet, wird sie stutzig, denn im Text sind einige Worte markiert. Aber welche Bedeutung haben diese Worte im Zusammenhang mit Hannes' Verhaftung ?

In "Die wilden Jahre öffnet" Susanne Goga ihren Leser:innen gleich zwei Vorhänge: den zur deutschen Geschichte unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und den zur faszinierenden Welt des Theaters. Geschickt verwebt sie historische Fakten mit fiktiven Begebenheiten zu einer lebendigen neuen Realität, die sowohl Hoffnungen und Neuanfänge mit sich trägt, aber auch nach Theaterschminke, Puder und dem Staub der Ruinen, die das Rheinland im Jahr 1919 prägen, riecht.

Die Figuren sind detailreich gezeichnet und wirken nahbar, sodass sie die Leser:innen regelrecht an die Hand nehmen und in ihre Welt führen. Eine Welt, die vom untergegangenen Kaiserreich über die noch fragile neue Ordnung bis hin zu persönlichen Träumen, Zwängen und Beweggründen reicht. Goga besitzt einTalent dafür, Geschichte atmosphärisch und emotional zu erzählen, sodass die Lesenden immer tiefer in die Handlung hineingezogen werden.

Das Rheinland erwacht zwischen den Buchseiten zu neuem Leben: ein Landstrich voller Trümmer, Unsicherheiten und zugleich Aufbruchsstimmung, der sich für die Leser:innen wie eine begehbare Kulisse entfaltet. Mit den rätselhaften Andeutungen rund um die Figur Hannes weckt Goga die Neugier ihrer Leserschaft und hält sie bei der Stange. So entsteht ein gelungener Mix aus leichter Krimihandlung und historischem Erzählen, in dem die Themen Loyalität, Liebe und Mut geschickt miteinander verwoben sind.

Mit ihrer gewohnt sicheren stilistischen Handschrift schafft Susanne Goga einen Roman, der berührt und lesenswert ist.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

"Wahre Freundschaft besteht die Prüfung der Zeit."

Lebensbande
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Manchmal gibt es Geschichten, die man nicht nur liest, sondern die einen durchdringen. „Lebensbande“ von Mechthild Bormann ist genau so ein Buch – eines, das sich tief in das Herz eingräbt und nicht mehr ...

Manchmal gibt es Geschichten, die man nicht nur liest, sondern die einen durchdringen. „Lebensbande“ von Mechthild Bormann ist genau so ein Buch – eines, das sich tief in das Herz eingräbt und nicht mehr loslässt. Es erzählt nicht nur eine Geschichte über Mut, Freunschaft, Zusammenhalt und Widerstand, sondern vielmehr über das, was es bedeutet, Mensch zu sein – in einer Zeit, in der Menschlichkeit systematisch ausgelöscht wird.

Die Geschichte entfaltet sich um drei beeindruckende Frauen: Nora, Lene und Lieselotte. Drei Frauen, die sich der Gewalt und dem Wahnsinn des NS-Regimes entgegenstellen, die sich trotz der dunklen Zeiten aneinander festhalten, füreinander da sind auch wenn alles um sie herum zerbricht. Was Bormann hier schafft, ist mehr als nur eine Erzählung aufs Papier zu bringen. Sie malt in eindringlichen, bildhaften Worten das Bild einer Freundschaft, die mehr ist als nur ein Band zwischen Menschen – sie ist ein Lebensband, das sich in den dunkelsten Stunden immer wieder zeigt, wie ein Hoffnungslicht, das den Weg weist.

Der Moment, als Nora alles für Lotte tut, um deren Sohn vor der grausamen Euthanasie zu retten, verändert alles. Die Folgen dieser Tat und auch von anderen, späteren Entscheidungen werden Nora ein Leben lang verfolgen, und auch die Leser:innen spüren die Last dieser Entscheidung.

Bormann gelingt es meisterhaft, die Schrecken des NS-Regimes wieder greifbar zu machen. Ihre Schilderungen sind eindrucksvoll, emotional und real und doch wird die Geschichte immer wieder durch die Wärme der Frauenfreundschaft und durch durch kleine Akte der Menschlichkeit erhellt

„Lebensbande“ erinnert an die Bedeutung von Freundschaft und Mut, besonders in Zeiten, in denen diese Werte nicht nur gefährdet, sondern aktiv bekämpft werden. Und es ist mehr als nur ein Buch über Vergangenheit – es ist ein Appell an die Gegenwart. Denn gerade jetzt, da das tagespolitische Geschehen immer wieder von Hass, Hetze und Krieg erschüttert wird, fordert Bormann auf, das Licht der Menschlichkeit und der Freundschaft immer weiter zu tragen.

Was bleibt, wenn die letzten Seiten umgeblättert sind ist ein Gefühl der Dankbarkeit – dass es solche Bücher gibt, die an die Kraft des Zusammenhalts erinnern, die zeigen, wie wichtig es ist, füreinander einzutreten. Und ein Bewusstsein, dass wir vielleicht nie wissen, welche „Lebensbande“ wir selbst knüpfen, aber dass sie die Welt verändern können.

Ein leises Buch, das die Lesenden so schnell nicht mehr loslässt. Ein starkes Buch, das zu einem stillen, aber unmissverständlichen Aufruf wird: Freundschaft und Mut sind Rettungsanker in herausfordernden Zeiten

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