Schneeflockentanz und Eisblumenzauber
Das SchneeflockenmädchenMarie besitzt wenig und doch gibt sie ganz viel, denn mit ihren Märchen öffnet sie nicht nur die Herzen der Kinder, sondern zaubert ihnen diesen ganz besonderen Glanz in die Augen, wenn Kinder Magie spüren. ...
Marie besitzt wenig und doch gibt sie ganz viel, denn mit ihren Märchen öffnet sie nicht nur die Herzen der Kinder, sondern zaubert ihnen diesen ganz besonderen Glanz in die Augen, wenn Kinder Magie spüren. Mit ihrem Schneeflockenwagen reist sie von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt und bereichert die Weihnachtsmärkte mit ihre Erzählungen. So kommt es, dass sich der Zuckerwattenverkäufer Carl auch zu der jungen Frau hingezogen fühlt. Sie geht ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Und je mehr er feine Zuckerfäden spinnt und Marie beim Erzählen zuhört, desto mehr breitet sich ein wohlig warmes Gefühl in ihm aus. Werden beide zueinader finden ?
Mit „Das Schneeflockenmädchen“ öffnet Mara Andeck nicht nur ein zauberhaftes Märchenbuch für Erwachsene, sondern ermöglicht ihren Leser:innen auch eine kleine Zeitreise in die eigene Kindheit. Nicht umsonst heißt es, dass Erinnerungen wie Wärmflaschen fürs Herz sind und genau dort setzt Andeck an, wenn sie ihre Leser:innen in eine funkelnde Winterwelt entführt. Die Reise mit dem umgebauten Zirkuswagen führt durch märchenhaft verschneite Landschaften, die aussehen, als wären sie von einem schimmernden Mantel aus Raureif umhüllt. Es entsteht eine besondere Wunderfunkelglitzerzauberstimmung, die es eben nur im Winter gibt.
Der Autorin gelingt es zudem wunderbar, die Märchen als Geschichten in der Geschichte so geschickt mit der Handlung zu verweben, dass sie eine stimmige Ergänzung zum eigentlichen Erzählstrang bilden und die Leser:innen ihnen nur allzu gern folgen. Es entstehen sanfte Bilder im Kopfkino, getragen von dem wohlig warmen Timbre von Maries Erzählstimme. Es ist, als würden die Lesenden selbst auf den Filzkissen der Sitzbänkchen Platz nehmen, um gebannt ihren Worten zu lauschen.
Auch die Romanze zwischen Marie und Carl wird zart und einfühlsam erzählt – der beste Beweis dafür, dass selbst im tiefsten Winter Schmetterlinge fliegen können. Genauso filigran und zerbrechlich wie ihre frostglitzernden Flügel ist zunächst auch die Beziehung der beiden, die im Verlauf der Geschichte auf die eine oder andere Probe gestellt wird. Es geht darum zu erkennen, dass Worte und verpasste Gelegenheiten nicht zurückgeholt werden können und Sprache mitunter schärfer und verletzender ist als jede frisch geschliffene Klinge eines Messers. Die Botschaften werden wundervoll transportiert, erreichen die Lesenden direkt im Herzen und bringen eine Saite zum Klingen.
Ein Buch, das an funkelnde Wintersterne erinnert, Eiskristallträume zum Leben erweckt und Eisblumenzauber auf jede einzelne Seite malt.