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Veröffentlicht am 17.09.2025

22 Bahnen

22 Bahnen
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22 Bahnen ist eine Geschichte, die aus rein künstlerischer Sicht meiner Meinung nach gut erzählt wird. Der Autorin ist es gelungen, eine ganz eigene Welt aufzubauen, in der man beim Lesen komplett verloren ...

22 Bahnen ist eine Geschichte, die aus rein künstlerischer Sicht meiner Meinung nach gut erzählt wird. Der Autorin ist es gelungen, eine ganz eigene Welt aufzubauen, in der man beim Lesen komplett verloren geht. Ich mochte die Atmosphäre und bin schnell in die Geschichte reingekommen. Vor dem Lesen hatte ich die Sorge, dass ich mit dem eher abgehackten Schreibstil der Autorin Probleme haben könnte, aber dieser hat mir dann sogar sehr gut gefallen, da er zu Tildas rationaler Denkweise passt und wirklich die Stimme einer Mathestudentin einfängt. Berührt hat mich vor allem die Beziehung zwischen ihr und ihrer kleinen Schwester Ida, die auf unendlich viel Liebe aufbaut und beide stärkt. Neben all dem Schmerz bieten sie viele herzerwärmende Momente und ihr Band ist etwas Besonderes.
Auch gut beschrieben wurden die komplizierten Gefühle zu ihrer alkoholsüchtigen Mutter - in manchen Momenten verspürt Tilda Wut und Verzweiflung, aber gemischt darin steckt nun einmal auch Liebe. Die Momente, in denen es der Mutter gut geht, nehmen einen emotional mit, aber es wird auch sehr deutlich, wie wenig sich die Schwestern auf diese einlassen können, weil sie wissen, dass sie nur von kurzer Zeit sind.
Die Liebesgeschichte nimmt nicht so viel Raum ein wie erwartet, aber ich mochte die stille Entwicklung und dass sich Viktor und Tilda auch ohne großes Erklären verstehen. Es war auch schön zu verfolgen wie Tilda dadurch jemanden trifft, der sich um sie sorgt und diese naiven Verliebtheitsgefühle wurden süß beschrieben.
Betrachtet man 22 Bahnen allein wie ein Kunstwerk, finde ich es gut, aber es gibt in Bezug auf die behandelten Themen Armut und Aufwachsen mit alkoholsüchtigem Elternteil Punkte, die auf mich unrealistisch gewirkt haben, wodurch ich nicht ganz in die Geschichte tauchen konnte. Zum einen scheint die Familie so gut wie keine Probleme mit dem Jugendamt zu haben, obwohl z.B. Idas Lehrern auffallen müsste, dass sich Tilda um alles kümmert, da sie z.B. auch Elterngespräche übernimmt.
Dann hat mich die Beschreibung der Wohngegend irritiert. Sie leben im einzigen Mehrfamilienhaus in einer Straße voller Einfamilienhäuser mit Familien, denen es gut zu gehen scheint. Das klingt nach einer eher guten Wohngegend und in einer solchen wären selbst Mietwohnungen teurer (Das wurde im Film realitätsnaher gezeigt). Auch hat es beim Lesen auf mich so gewirkt, als ob sie nicht so arm sind wie die Autorin gerne darstellen möchte. Sie können sich nämlich tägliche Einkäufe und Schwimmbadbesuche leisten und von Verzicht liest man mit Ausnahme von der Entscheidung Eigenmarken-Produkte im Supermarkt zu kaufen, weniger. Überhaupt hat mich der Marken-Fokus gestört und ich habe mich gefragt, ob Kinder in Idas Alter in Supermärkten wirklich auf den Unterschied zwischen Eigenmarken- und Marken-Produkte achten.
Auch scheint Tilda alles sehr leicht zu gelingen, aber in Wahrheit ist für viele ein sozialer Aufstieg in ihrer Situation schwierig und es gibt Punkte, auf die die Autorin nicht eingeht - z.B. dass man sich in Tildas Positionen an der Uni nicht ganz zugehörig fühlen kann neben Studierenden aus finanziell besser aufgestellten Elternhäusern und gerade an Gymnasien es leider auch zu Mobbing kommen kann, wenn man finanziell nicht „mithalten“ kann - leider gibt es sogar Lehrer, die einem wegen familiärer Umstände weniger zutrauen können. In Bezug auf das Thema Alkoholsucht hat es mich etwas gewundert, dass Tilda trotz der Verantwortung für ihre Schwester mit Freunden auch trinkt.
Alles in allem hat sich das Buch auf mich dadurch eher wie eine Illusion der behandelten Themen gewirkt statt einer tiefgründigen Auseinandersetzung. Auch wirkt es wie von einer privilegierten Person für andere Privilegierte geschrieben, statt Betroffene. Das hat mich beim Lesen manchmal unwohl fühlen lassen. Da ich aber selbst nicht so aufgewachsen bin, kann ich das nicht beurteilen und in Rezensionen liest man von Betroffenen unterschiedliches.
Die Freundschaften habe ich auch schwierig gefunden. Marlene scheint mehr an sich zu denken und Tilda nicht zu verstehen, dass auch Menschen, die aus reichen Familien kommen, Probleme haben können. Dadurch wirkt ihre Sichtweise sehr einseitig. Das ist aber kein Kritikpunkt, sondern beschreibt nur einen Charakterzug Tildas und schon oft habe ich erwähnt, dass Buchfiguren nicht perfekt oder etwa sympathisch sein müssen.
Einen Punkt würde ich gerne noch erwähnen: Ich habe bei jemanden gelesen, dass man das Buch auch als eine Abstiegsgeschichte betrachten kann, weil die Mutter Akademikerin ist und das ist eine interessante Sichtweise, die ich hier mitaufgreifen möchte, weil das Buch dadurch zeigt, dass es jeden treffen kann und nicht nur Personengruppen, die man klischeehaft mit dem Thema Alkoholsucht in Verbindung bringen würde.
Allein aus künstlerischer Sicht habe ich die Geschichte also gut gefunden, aber einige Punkte sollten meiner Meinung nach beim Lesen reflektierter betrachtet werden bzw. man sich bewusst sein, dass es für Betroffene anders aussehen kann und vielleicht mit ihren Sichtweisen beschäftigen.

Fazit: Eine wirklich gut erzählte Geschichte über die starke Bindung zweier Schwestern, in der nur manche Punkte etwas unrealistisch auf mich gewirkt haben.

Veröffentlicht am 14.09.2025

Eine filmreife Liebesgeschichte

Purple Clouds - Meet Cute
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Nachdem ich den ersten Band der Purple Clouds-Reihe geliebt habe, musste ich natürlich auch direkt die Fortsetzung lesen. Die Idee habe ich toll gefunden und sie sorgt direkt zu Beginn für viel Spannung. ...

Nachdem ich den ersten Band der Purple Clouds-Reihe geliebt habe, musste ich natürlich auch direkt die Fortsetzung lesen. Die Idee habe ich toll gefunden und sie sorgt direkt zu Beginn für viel Spannung. Die erste Begegnung von Riley und Louis ist einfach filmreif und danach konnte ich nicht anders als mit ihnen mitzufiebern. Vor allem der Anfang der Geschichte hat mich sehr in den Bann gezogen und die Zeit, in der Louis in Rileys WG untertaucht, sorgt für viele unterhaltsame Momente. Die Liebesgeschichte wirkt wie einem Film entsprungen und erinnert an eine klassische RomCom, was für eine besondere Atmosphäre sorgt. Gut gefallen hat mir auch, dass sie sich schrittweise entwickelt und Louis Riley Zeit gibt, sich zu öffnen. Die beiden sind wie zwei Puzzleteile, die sich perfekt ergänzen und die eher extrovertierte Art beider sorgt für ein lebhaftes Lesegefühl.
Die Spannungskurve ist im Verlauf der Geschichte etwas abgeflacht und nach einer Wende hat sich die Geschichte in eine Richtung entwickelt, die ich nicht habe kommen sehen. Daran musste ich mich erst gewöhnen, aber habe dennoch gerne weitergelesen und finde, dass es dadurch tiefgründiger wurde und Rileys Charakterentwicklung festigt. Sie wird nämlich in Bezug auf etwas aus ihrer Vergangenheit, mit dem sie eigentlich abgeschlossen hat, auf die Probe gestellt. Und damit nicht nur sie, sondern auch die Beziehung beider, die vor der Frage steht, wie echt die Liebe wirklich ist. Dieses Dilemma hat die Autorin mit viel Feingefühl geschildert, wodurch ich mit Riley sehr mitgefühlt habe.
Louis als Charakter ist sehr facettenreich und ich habe besonders interessant gefunden, dass anhand von ihm auf Missstände in der Hollywood-Industrie sowie Vorurteile aufmerksam gemacht wird. Insbesondere, weil er Wurzeln in Sri Lanka hat und es dadurch schwieriger für ihn ist, Filmrollen zu bekommen. Das verleiht der Geschichte noch mehr Tiefe.
Das Buch behandelt wie bereits der erste Band sehr viele Themen, ohne aber aufgeladen zu wirken. Während im ersten Band vor allem feministische Themen im Fokus standen, nehmen hier andere Bereiche wie z.B. mentale Gesundheit mehr Raum ein, wodurch es sich nicht wie eine Kopie, sondern Weiterentwicklung zum ersten Teil liest. Diesen Verlauf mochte ich sehr.

Fazit: Purple Clouds - Meet Cute bietet eine Liebesgeschichte wie aus einem Film mit zwei lebhaften Charakteren, die für viel Unterhaltung, aber auch herzzerreißende Momente sorgen.

Veröffentlicht am 10.09.2025

Spannende Fortsetzung

Diamond Empress. Seven Thieves
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Nach dem Cliffhanger des ersten Bands der Diamond-Empress-Reihe musste ich natürlich direkt die Fortsetzung lesen. Diese bietet genauso viel Authentizität wie der erste Teil und hat mich nachdenklich zurückgelassen. ...

Nach dem Cliffhanger des ersten Bands der Diamond-Empress-Reihe musste ich natürlich direkt die Fortsetzung lesen. Diese bietet genauso viel Authentizität wie der erste Teil und hat mich nachdenklich zurückgelassen. Noch immer weiß ich nicht so ganz, wie ich meine Gefühle zu Fins und Rafaels Geschichte einordnen soll, was zeigt, wie viel sie in mir ausgelöst hat.
Zu Beginn wusste ich nicht, wie sich beide einordnen lassen. Wie man es von anderen Charakteren der Autorin kennt, zeichnet sie nämlich keine perfekten Persönlichkeiten, sondern Figuren mit Ecken und Kanten, die dafür umso echter wirken. Das ist eine von Nena Tramountanis Stärken. Fin habe ich im Verlauf des Buchs immer mehr ins Herz geschlossen, weil sie einiges durchgemacht hat, das Spuren hinterlassen hat und bis zum Schluss eine wirklich gute Entwicklung durchläuft. Mit ihr kann man nicht anders als mitfiebern. Rafaels Entscheidungen konnte ich nicht ganz verstehen und hätte bei vielen Punkten anders gehandelt. Manches wie der Kontaktabbruch zu seinen Eltern hat auf mich von der Autorin aufgezwungen gewirkt und bezüglich seiner Karriere habe ich mich gefragt, warum er sich nicht wie andere versucht hochzuarbeiten, statt einen einfachen Weg zu wählen. Was ich an ihm aber interessant gefunden habe, sind seine Wurzeln und das Gewicht, das mit ihnen einhergeht. Ich finde es super, dass die Autorin diese Zerrissenheit als Thema mitaufgenommen hat, weil solche Themen seltener in dem Genre behandelt werden und in Bezug darauf habe ich sehr mitgefühlt.
Die Liebesgeschichte beider ist chaotisch sowie ein reines Auf und Ab. Das macht sie sehr spannend und unvorhersehbar. Das passt zu dem unruhigen Innenleben beider und ich habe es sehr schön gefunden, wie sie gemeinsam wachsen und nicht nur zueinander, sondern auch mehr zu sich selbst finden. Sie nimmt weniger Raum ein als man erwarten würde, aber das hat mir gut gefallen, weil dadurch die Entwicklung von Fin und Rafael sowie die Mission der Diebescrew mehr im Fokus stehen - und die Diebescrew ist das, was die Reihe besonders macht.
Die Mission sorgt auch im zweiten Band für viel Nervenkitzel und Überraschungen. Ich wollte immer nur wissen, wie es weitergeht und wurde am Ende sprachlos zurückgelassen, weil es einen sehr fiesen Cliffhanger gibt, den ich nicht erwartet habe.

Fazit: Eine spannende Fortsetzung mit vielen Auf- und Ab-Momenten sowie viel Spannung.

Veröffentlicht am 31.08.2025

Griechischstunden

Griechischstunden
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Ich habe über die letzten Jahre immer wieder neue Bücher von Han Kang gelesen, die mich mitgenommen und fasziniert haben. Auch Griechischstunden hat viel in mir ausgelöst und gehört neben Human Acts nun ...

Ich habe über die letzten Jahre immer wieder neue Bücher von Han Kang gelesen, die mich mitgenommen und fasziniert haben. Auch Griechischstunden hat viel in mir ausgelöst und gehört neben Human Acts nun zu meinen Lieblingsbüchern von der Autorin.
Den Aufbau der Geschichte habe ich sehr interessant gefunden. Man erhält zunächst weitreichende Einblicke in das Innenleben der beiden Hauptpersonen, bis sie sich näherkommen. Es ist, als ob die Autorin mit jeder Seite eine weitere Schicht der Seelen von ihnen aufdeckt, wodurch das Buch eine Sogwirkung erhält. Die Spannung entsteht durch das langsame Kennenlernen der Charaktere. Dadurch wirkt alles umso emotionaler und man lernt die Figuren richtig kennen.
Die Liebesgeschichte ist eher leise und nimmt weniger Raum ein, als man zunächst erwarten würde. Eher nüchtern und sachlich erzählt Han Kang von der Annäherung beider, aber dennoch beinhalten die Seiten viel Tiefe und Gefühl. Gerade das habe ich faszinierend gefunden. Romantische Gefühle über so wenige Seiten so tief zu schildern, ist nicht einfach und Beweis für das Talent der Autorin.
Den teils schwierigen Themen wird mit viel Menschlichkeit und Empathie begegnet, wodurch die Geschichte noch echter wirkt und einen zutiefst berührt.

Fazit: Eine leise Liebesgeschichte, die tief in das Innenleben der Hauptcharaktere taucht.

Veröffentlicht am 22.08.2025

Ein modernes Märchen

The Darlington - Henry & Kate
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Ohne zu hohe Erwartungen habe ich das Buch angefangen und was soll ich sagen? Ich habe Kates und Henrys Geschichte wirklich geliebt! Auch wenn ich Laura Kneidls NA-Debüt Berühre mich. Nicht schon geliebt ...

Ohne zu hohe Erwartungen habe ich das Buch angefangen und was soll ich sagen? Ich habe Kates und Henrys Geschichte wirklich geliebt! Auch wenn ich Laura Kneidls NA-Debüt Berühre mich. Nicht schon geliebt habe, muss ich zugeben, dass man hier eine starke Entwicklung bemerkt. The Darlington wirkt einfach sehr gut ausgearbeitet, ist mitreißend geschrieben und bietet Charaktere, von denen man sich direkt ein Bild machen kann - Ein Buch, das von einem Profi geschrieben wurde. Anders kann man es nicht sagen.
Ich mochte die Thematik sehr und habe mich im Luxushotel von Henrys Familie schnell wohl gefühlt. Es hat eine magische Atmosphäre und auch die Liebesgeschichte zwischen dem reichen Henry und Kate, die auf der Straße lebt, gleicht einem Märchen.
Sie ist süß, schön und warmherzig - ich habe die langsame Entwicklung geliebt, bei der jeder kleine Schritt etwas besonderes ist und man nur vor sich hinlächelt, weil man auf Mehr wartet. Sogar etwas Kitsch gibt es, was mich bei der Autorin überrascht hat, hier aber sehr passend gefunden habe. Henry und Kate sind Charaktere mit Tiefe.
Henry mit seinem großen Herzen kann man nicht anders als lieben und viele ältesten Kinder werden sich bestimmt in ihm wiederfinden. Und dann haben wir Kate, die viel Resilienz besitzt und ihren Werten treu bleibt, statt vom Luxus blenden zu lassen.
Die einzigen zwei Mini-Kritikpunkte, die ich habe, sind die schnelle Abwicklung eines ernstes Themas am Ende des Buchs und meinem Empfinden nach etwas verschönigte Darstellung vom Thema Obdachlosigkeit. Dies passt aber wiederum zu den märchenhafteren Vibes des Buchs und manchmal braucht man auch einfach etwas Leichtigkeit statt zu viel Schwere.

Fazit: The Darlington lädt zum Träumen ein, lässt einen den Alltag vergessen und so sehr mitfiebern wie bei einer klassischen RomCom. Henry und Kate haben mein Herz gestohlen.