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Veröffentlicht am 16.01.2026

Nicht so spannend und beklemmend wie erhofft

Ruf der Leere
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Was als entspanntes Hüttenwochenende unter Felix Freunden beginnt, eskaliert durch ungebetene Gäste und einen mysteriösen Besucher: Ein alter Mann stellt der Gruppe ein tödliches Ultimatum – sie müssen ...

Was als entspanntes Hüttenwochenende unter Felix Freunden beginnt, eskaliert durch ungebetene Gäste und einen mysteriösen Besucher: Ein alter Mann stellt der Gruppe ein tödliches Ultimatum – sie müssen eine Person wählen, die überleben darf, während alle anderen sterben sollen. In der Isolation bricht die soziale Fassade zusammen und weicht nacktem Egoismus.
Parallel dazu sucht Felix’ besorgter Vater nach seinem verschwundenen Sohn.

In „Ruf der Leere“ entwirft der Autor ein beklemmendes Szenario, das die Abgründe der menschlichen Natur unter extremem Druck ausleuchtet. Was nach Lesen der Inhaltsangabe zunächst nach einer tiefgründigen und fesselnden Lektüre klingt, entpuppt sich am Ende eher als ein unausgegorener Spannungsroman mit psychologischen Elementen.

Mein Gesamteindruck des Romans ist zwiegespalten. Der Autor schafft es zwar, eine durchaus stimmungsvolle und atmosphärische Kulisse aufzubauen, verliert sich jedoch streckenweise in einer gewissen Langatmigkeit.

Ein Hauptproblem liegt im Zugang zu den Protagonisten. Die Figuren wirken durch ihre Vielzahl an Konflikten und dunklen Geheimnissen oft überlastet und in ihrer Darstellung leider auch etwas stereotyp. Dadurch fällt es schwer, echtes Mitgefühl oder eine tiefere Verbindung zu ihnen aufzubauen. Eine stärkere Fokussierung auf Felix und Laura hätte dem Spannungsbogen vermutlich gutgetan und die beklemmende Atmosphäre verdichtet.

Während der Einstieg packend ist, fällt die Spannungskurve im Mittelteil deutlich ab. Es wird viel erzählt, ohne dass die Handlung einen wirklichen Zugewinn erfährt. Die verschiedenen Erzählperspektiven sorgen zwar für ein schnelles Lesetempo und halten das grundsätzliche Interesse aufrecht, führen jedoch auch zu störenden Handlungsbrüchen.

Einige Elemente wirken leider darüber hinaus zu gewollt. Sowohl die Rolle des alten Mannes als personifizierter „Tod“ als auch die Motivationen des Vaters erscheinen etwas zu konstruiert, um die Handlung künstlich voranzutreiben.

„Ruf der Leere“ von Daniel Alvarenga ist ein kurzweilig geschriebener Roman mit durchaus überraschenden Momenten.
Wer psychologische Spannungsromane mag, wird hier solide unterhalten. Basierend auf der Prämisse des Romanes hatte ich mir jedoch deutlich mehr Tiefe und einen konsequenteren Spannungsaufbau erhofft.
Ein lesenswerter Ansatz, der sein volles Potenzial leider nicht ganz ausschöpft.

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Veröffentlicht am 13.11.2025

Der Versuch lustig zu sein...

Cyberdings wie vom anderen Stern
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Leeloo ist Mitte 40 und verheiratet, doch ihr Mann will eine offene Ehe. Die Gründe hierfür? Bleiben im Dunkeln. Auch sonst bleiben ihr Mann bzw. ihre Ehe nahezu unerwähnt, wie auch ihr sonstiges Leben. ...

Leeloo ist Mitte 40 und verheiratet, doch ihr Mann will eine offene Ehe. Die Gründe hierfür? Bleiben im Dunkeln. Auch sonst bleiben ihr Mann bzw. ihre Ehe nahezu unerwähnt, wie auch ihr sonstiges Leben. Wer Leeloo als Person ist, wie ihr Charakter ist, was sie im Leben macht und was ihre Sorgen und Ängste sind, spielt im Roman nicht wirklich eine Rolle. Ja, ihr sarkastisches Gewissen meldet sich zu Wort, aber anstatt zu nerven und unglaubwürdig zu klingen, trägt es nicht dazu bei, Leeloo näher kennenzulernen.

Leeloos Online-Chat mit Gekko steht eindeutig im Vordergrund der Geschichte sowie ihr inhaltsleeres und wenig amüsantes Geplänkel. Mir nichts, dir nichts entwickelt Leeloo auch Gefühle für Gekko, auch wenn sie ihn noch nie gesehen hat und er meilenweit entfernt in Thailand lebt. Und dann fangen beide auch schon an mit dem Online-Gefummel und -Sex. Ach ja, astrologische Analysen dürfen natürlich auch nicht fehlen...

Wie man meinem sarkastischen Ton entnehmen kann, konnte "Cyberdings wie vom anderen Stern" mich überhaupt nicht überzeugen. Die Inhaltsangabe klang noch nach guter Unterhaltung und auch die ersten Seiten lassen sich schnell weglesen, doch schon schnell beginnt die inhaltliche Leere und das belanglose Online-Gechatte. Humor, eine glaubhafte Handlung und Personenentwicklung? Fehlanzeige! Überzogenes und krampfhaftes Versuchen, lustig zu sein, finden sich dagegen zuhauf.

"Cyberdings wie vom anderen Stern" wäre besser auf einem anderen Stern geblieben.

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Veröffentlicht am 13.11.2025

Eiskalter Rachefeldzug, der einen in seinen Bann zieht

Kälter
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1989 kommt der Tod auf die Insel Amrum und Lucy wird von der Provinzpolizistin zur eiskalten Jägerin, die sie in ihrer Vergangenheit war.

"Kälter" von Andreas Pflüger ist ein Thriller, der es einem schwer ...

1989 kommt der Tod auf die Insel Amrum und Lucy wird von der Provinzpolizistin zur eiskalten Jägerin, die sie in ihrer Vergangenheit war.

"Kälter" von Andreas Pflüger ist ein Thriller, der es einem schwer macht, mit dem Lesen aufzuhören. Er ist vollgepumpt mit Spannung, Blut, Gewalt und packenden Wendungen. Nebenbei fällt auch noch die Mauer, also finden auch das ein oder andere gesellschaftliche, politische und vor allem geheimdienstliche (wahre) Ereignis Eingang in den fesselnden und eiskalt servierten Thriller.

Man ist nah am Geschehen und wird regelrecht in die packende Handlung gezogen. Der Autor lässt nichts anbrennen, er hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf und rast regelrecht durch die Szenen, ähnlich einem Action-Film.
Zudem ist er intelligent konstruiert und erfordert Aufmerksamkeit seitens der Lesenden. Ein stimmungsvoll düsterer Thriller mit Niveau.

Auch sprachlich kann "Kälter" überzeugen.
Keine unnötigen Gefühlsduseleien oder unnötige Personen- und Szeneriebeschreibungen stören das Voranschreiten des Rachefeldzuges von Lucy Morgenroth. So nahezu emotionslos, abgebrüht und kompromisslos Lucy eben ist, so liest sich auch der Thriller. Dennoch schafft es der Autor, Nähe zur Protagonistin zu erzeugen, und man kann sich gut in sie hineinversetzen.

Einzig zum Beginn der Geschichte hatte der Thriller etwas Anlaufschwierigkeiten. Die Handlung brauchte etwas Zeit, bis sie an Fahrt aufnahm, und war etwas undurchsichtig. Aber mit jeder Seite nahm er an Geschwindigkeit zu und zog einen immer mehr in seinen Bann und den Rachestrudel von Lucy.

Für Fans von Andreas Pflüger und alle, die anspruchsvolle Thriller mit geschichtlichem Bezug mögen, die auch stilistisch überzeugen können!

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Veröffentlicht am 13.11.2025

Das Ende mit Humor gedacht

Aus! Die Wissenschaft vom Ende
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Gegenüber dem Anfang kommt das Ende häufig zu kurz, aber dass das Ende von Dingen, dem Leben, der Erde oder des Weltalls auch durchaus spannend und humorvoll sein kann, beweisen die Science Busters in ...

Gegenüber dem Anfang kommt das Ende häufig zu kurz, aber dass das Ende von Dingen, dem Leben, der Erde oder des Weltalls auch durchaus spannend und humorvoll sein kann, beweisen die Science Busters in "Aus! Die Wissenschaft vom Ende".

Kurzweilig und mit viel Verve nähern sich die Science Busters in ihrem neusten Sachbuch dem Ende, mit besonderm Schwerpunkt auf Astronomie. Kenntnisse in diesem Wissenschaftsgebiet sind definitiv von Vorteil, aber auch nicht zwingend notwendig, denn anhand anschaulicher Beispiele und verständlicher Erklärungen werden auch komplizierte Sachverhalte (z. B. Relativitätstheorie, Heisenberg’sche Unschärferelation) einem nähergebracht.

Da es viele Bereiche in der Wissenschaft gibt, die enden oder auch nicht, werden unterschiedliche Themenbereiche beleuchtet, leider leidet darunter manchmal die Tiefe etwas. Hier und da hätte ich mir etwas mehr Informationen bzw. eine wissenschaftliche Auseinandersetzung gewünscht.

Bezug nehmen die Autorinnen und Autoren auch auf aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen und schaffen es so auch gekonnt darzustellen, wieso die Auseinandersetzung mit dem Ende von Bedeutung ist.

Unterhaltsame Wissenschaftsvermittlung, die zu fesseln weiß, findet sich in "Aus! Die Wissenschaft vom Ende". Es hätte gerne mehr davon sein können!

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Veröffentlicht am 13.11.2025

Mit Schwächen, aber trotzdem lesenswert

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Auch in "Das Antiquariat am alten Friedhof" entführt Kai Meyer den Leser wieder in das Graphische Viertel von Leipzig. Diesmal jedoch ist der Roman weniger fesselnd und überzeugend, als man es von den ...

Auch in "Das Antiquariat am alten Friedhof" entführt Kai Meyer den Leser wieder in das Graphische Viertel von Leipzig. Diesmal jedoch ist der Roman weniger fesselnd und überzeugend, als man es von den vorherigen Bänden der Reihe "Die Geheimnisse des Graphischen Viertels" gewohnt ist.

Im Mittelpunkt der lebendig erzählten Geschichte steht Felix, der 1930 gemeinsam mit seinen drei Freunden Eddie, Julius und Vadim den "Club Casaubon" in einem alten Leipziger Antiquariat gründet. Sie werden zu Bücherdieben, die es auf teure, okkulte Bücher abgesehen haben. Bald stößt Eddies Schwester Eva dazu, und aus Spaß wird schnell tödlicher Ernst.

Nach dem Ende des Krieges im Jahr 1945 lebt Felix auf einer griechischen Insel und arbeitet in einer Bibliothek für einen Amerikaner. Er wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert, als ihn ein Auftrag zurück nach Leipzig schickt. Dort gerät er in die Ermittlungen um eine rätselhafte Mordserie, und totgeglaubte alte Bekannte tauchen wieder auf.

"Das Antiquariat am alten Friedhof" hat alle Elemente eines spannenden Romans: eine geheimnisvolle Handlung und Charaktere vor einem historischen Hintergrund, gepaart mit einem atmosphärischen und kurzweiligen Schreibstil. Doch im Gegensatz zu den Vorgängerbänden fügt sich diesmal nicht alles stimmig zusammen.

Die Handlung wirkt teils überfrachtet, was zulasten der Personenentwicklung und der inhaltlichen Tiefe geht. Abgesehen von Felix, aus dessen Sicht der Großteil der Geschichte zu verschiedenen Zeitpunkten erzählt wird, bleiben die handelnden Figuren blass. Besonders Eva wurde für mich nicht wirklich greifbar – und das hat nichts mit ihrer mysteriösen Rolle in der Geschichte zu tun. Die Beweggründe der wichtigsten Akteure und deren Innenleben finden kaum Eingang in die Erzählung und treten in den Hintergrund. Ein vielschichtiges Personenbild kann so nur schwer entstehen.

Ebenso leidet der Spannungsaufbau unter der Vielzahl an Handlungssträngen, die der Autor entspinnt. Zwar werden diese glaubwürdig miteinander verknüpft, jedoch ohne dabei tiefergehend behandelt zu werden.

Nichtsdestoweniger ist "Das Antiquariat am alten Friedhof" die gewohnt packende Unterhaltung von Kai Meyer. Historisch fundiert sowie sprachlich lebendig und stimmungsvoll erzählt, präsentiert sich der Roman. Er ist schwächer als die anderen Bände, aber für Fans der Reihe trotzdem eine lesenswerte Verbindung einer fantastischen Geschichte mit historischen Ereignissen.

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