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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.06.2025

Spannende und geheimnisvolle Suche nach der verschwundenen Tochter

Ihr werdet sie nicht finden
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"Ihr werdet sie nicht finden" von Andreas Winkelmann ist sein neuestes Werk, das von Anfang bis Ende mit einer fesselnd und glaubwürdig konstruierten Handlungsidee überzeugen kann, auch wenn es mehr einen ...

"Ihr werdet sie nicht finden" von Andreas Winkelmann ist sein neuestes Werk, das von Anfang bis Ende mit einer fesselnd und glaubwürdig konstruierten Handlungsidee überzeugen kann, auch wenn es mehr einen Spannungsroman als einen Thriller für mich darstellt.

Erzählt abwechselnd aus der Perspektive von Franka und Jonas, unterbrochen von gelegentlichen Rückblicken in die Vergangenheit, nimmt die Geschichte schnell an Fahrt auf und erhält so auch ihren geheimnisvollen Charakter.

Der Schreibstil des Autors ist gewohnt geradlinig und atmosphärisch.
Auch seine Figurenzeichnung kann überzeugen. Lebendig und realistisch werden Franka und Jonas in ihren Gedanken und Gefühlen beschrieben, sodass man sich gut in beide hineinversetzen kann. Besonders Jonas' Wut und Trauer um seine verschwundene Tochter wird gut spürbar.

Der Fokus der Handlung liegt eher im psychologischen Bereich und weniger auf brutalen Thrillerelementen. Zudem lässt sich die Geschichte auch etwas Zeit, auch wenn verschiedene Wendungen bzw. neue Erkenntnisse den Spannungsbogen hochhalten.

Wer auf der Suche nach einem packend erzählten Spannungsroman ist, wird von "Ihr werdet sie nicht finden" sicherlich nicht enttäuscht werden.
Nicht nur Fans von Andreas Winkelmann kommen hier auf ihre Kosten!

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Leises und poetisches Porträt einer Familie und eines Dorfes

Der Junge aus dem Meer
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„Der Junge aus dem Meer“ ist ein ruhig und einfühlsam erzählter Roman, der in dem kleinen irischen Fischerdorf Donegal spielt.
Im Zentrum der Handlung steht die Familie Bonnar, deren Leben sich durch die ...

„Der Junge aus dem Meer“ ist ein ruhig und einfühlsam erzählter Roman, der in dem kleinen irischen Fischerdorf Donegal spielt.
Im Zentrum der Handlung steht die Familie Bonnar, deren Leben sich durch die Adoption des kleinen Jungen mit dem Namen Brendan, der am Meer gefunden wird, grundlegend verändert. Über den Verlauf von zwei Jahrzehnten taucht man in das Alltagsleben der Bonnars ein, ergründet die komplexen familiären Beziehungen zwischen Ehepartnern, Brüdern, Schwestern sowie Vater und Töchter. Ebenso wird man Zeuge ihrer Bemühungen, ihren Lebensunterhalt in einer Zeit zu verdienen, in der die Fischerei zunehmend unter Druck gerät.

Der Roman lebt von seiner ruhigen Erzählweise, die einem Zeit gibt, sich auf die kleinen und großen Dramen des Alltags einzulassen. Es sind die Beziehungen, die im Vordergrund stehen.
Dank der unterschiedlichen Erzählperspektiven, darunter auch die einer kollektiven Stimme der Dorfbewohner, gelingt es dem Autor, die komplexen Gedanken und Gefühle der wichtigsten handelnden Personen feinfühlig und authentisch darzustellen. Das Ergebnis ist eine vielschichtige Figurenzeichnung, die zu berühren weiß.
Die kollektive Stimme wiederum verleiht dem Roman eine besondere Atmosphäre und macht das Dorf selbst zu einem wichtigen Charakter. Besonders die enge Gemeinschaft, die das Leben der Menschen prägt, wird spürbar.

Anders als der Titel vermuten lässt, bleibt der Junge aus dem Meer ein rätselhafter und unnahbar wirkender Charakter. Man lernt ihn vorwiegend aus der Sicht seiner Familie und der Dorfbewohner kennen. Da ist Ambrose, der ihn wie einen eigenen Sohn liebt, dann Christine, die versucht, die Familie zusammenzuhalten, und Declan, der eifersüchtig und abweisend auf den neuen Bruder reagiert.

Der Roman schreitet langsam voran und nimmt sich Zeit für die Entwicklung der Charaktere. Die lyrische Prosa und das irische Setting verleihen der Geschichte Authentizität und Charme. Auch wenn das Tempo manchmal etwas zu gemächlich ist, gelingt es dem Buch, den Leser in seinen Bann zu ziehen.

„Der Junge aus dem Meer“ ist ein Roman über Familie, Zusammenhalt und die kleinen Wunder des Alltags. Wer sich auf die ruhige, tiefgründige Erzählweise einlässt, wird mit einer bewegenden und poetischen Lektüre belohnt.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Fake oder Wahrheit - Packender Thriller über eine entfesselte KI

Reset
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"Reset - Die Wahrheit stirbt zuerst" von Peter Grandl ist ein fesselnd geschriebener Thriller, der von Anfang bis Ende zu fesseln weiß, manchmal aber etwas zu viel auf einmal will.

Schon im ersten Kapitel ...

"Reset - Die Wahrheit stirbt zuerst" von Peter Grandl ist ein fesselnd geschriebener Thriller, der von Anfang bis Ende zu fesseln weiß, manchmal aber etwas zu viel auf einmal will.

Schon im ersten Kapitel kann der packend erzählte Thriller mit Schockmomenten aufwarten.
Zu Beginn wird ein Flugzeug über dem deutschen Luftraum entführt und es steht die Frage im Raum, ob das Flugzeug abgeschossen werden soll oder nicht. Zudem erhalten zahlreiche Menschen vermeintliche Anrufe oder Videos von Familienangehörigen oder Bekannten, die sich nicht von Fake und Echtheit unterscheiden lassen. All das wird von einer unbezwingbaren KI im Hintergrund gesteuert, die das Ziel im Auge hat, die Menschheit zu vernichten. Chaos und Misstrauen bricht aus. Kann die Menschheit vor der Zerstörung durch ein Rückbesinnen auf "alte" Techniken gerettet werden?

In dem Thriller passiert so einiges. Zeit zum Durchatmen bleibt keine. Erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven und anhand kurzer Kapitel, lässt das Spannungsmoment zu keinem Zeitpunkt nach und man fliegt nur so durch die knapp 500 Seiten. Zahlreiche Wendungen und Cliffhanger tragen ihr Übriges bei.

Zu viel Tiefe sollte man bei dem Feuerwerk an actiongeladenen Szenen und verschiedenen Handlungsverläufen jedoch nicht erwarten.
Denn so finden zahlreiche Themen, wie z. B. KI, Fake News, Missbrauch, Trauma oder Quantentechnologie, Eingang in die glaubwürdig wirkende Handlung. Teilweise rennt man von Anschlag zu Anschlag, ohne lange bei einem Thema oder einer Person zu verbleiben. Darunter leidet auch die Charakterzeichnung der wichtigsten handelnden Personen. So richtig nah kommt man keinem der wichtigsten Akteure. Der Actionpart steht ganz klar im Vordergrund.

Trotzdem wird ein beängstigendes und durchaus realistisches Szenario erzeugt, das aktuelle Entwicklungen rund um KI, Vertrauen in die Medien und gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift und zum Nachdenken anregt.

Wer sich für Thriller über KI interessiert und dabei nicht so viel Wert auf inhaltliche Tiefe und Plausibilität legt, der wird mit "Reset" seine Freude haben.
Kurzweilig, spannungsgeladen und leicht beängstigend ist der Thriller allemal!

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Feinfühlig erzählter Roman über die Kraft der Musik

Strandgut
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Im Mittelpunkt von "Strandgut" von Benjamin Myers steht Bucky Bronco, ein kürzlich verwitweter Siebzigjähriger aus Chicago, dessen Leben eine unerwartete Wendung nimmt, als er nach Scarborough, Großbritannien, ...

Im Mittelpunkt von "Strandgut" von Benjamin Myers steht Bucky Bronco, ein kürzlich verwitweter Siebzigjähriger aus Chicago, dessen Leben eine unerwartete Wendung nimmt, als er nach Scarborough, Großbritannien, eingeladen wird, um dort Soullieder zu singen, die er vor über 50 Jahren komponiert und aufgenommen hat. Er konnte von seinen Liedern nicht leben und hat sich stattdessen mit Gelegenheitsjobs übers Wasser gehalten. Der Flug nach England ist dann auch das erste Mal, dass er in ein Flugzeug steigt und sich auf den Weg in ein anderes Land macht. In England angekommen, wird er von Dinah empfangen, einer Supermarktkassiererin und begeisterten Soulmusik-Liebhaberin im Allgemeinen und von Bucky im Speziellen. Sie wird zu einer treuen Begleiterin von Bucky.

Geradlinig und vorwiegend aus der Sicht von Bucky erzählt, taucht man in das Leben der Figuren ein und lernt ihre Sorgen, Gedanken und Gefühle kennen. Der Autor schafft es hierbei, mit nur wenigen Worten, echte, unvollkommene Menschen zum Leben zu erwecken, die ihre guten und schlechten Seiten haben. Die bildhafte Sprache des Autors trägt ihren Teil dazu bei.

Die feinfühligen Charakterzeichnungen des Autors sind auch einer der Höhepunkte des Romans.
Überzeugen kann zudem die Handlung an sich, obwohl ich an der ein oder anderen Stelle noch gerne mehr Zeit mit den Charakteren verbracht hätte

So ist "Strandgut", auch wenn es auf den ersten Seiten leicht daherkommt, ist es dennoch eine tiefgründige Geschichte. Denn es ist nicht nur eine locker und erzählte Geschichte über zweite Chancen und die Kraft der Musik, sondern auch eine mit schweren Themen, wie z. B. Trauer, Sucht sowie Familien- und Beziehungsprobleme. Trotz der Trauer Buckys um seine vor kurzem verstorbene Frau Maybelle und Opioidabhängigkeit, mit der Bucky kämpft, ist der Roman jedoch voller Herz und Wärme. Es ist auch ein Buch über zweite Chancen, Freude und Hoffnung, das einen schnell in seinen Bann zieht.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Zärtlich erzählte Mensch-Hase-Beziehung

Hase und ich
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Mit "Hase und Ich" hat Chloe Dalton eine fesselnde und zärtlich erzählte Chronik über ihre Erfahrungen über die Rettung eines Hasenbabys und die daraus resultierenden besonderen Mensch-Tier-Beziehung geschrieben.

Während ...

Mit "Hase und Ich" hat Chloe Dalton eine fesselnde und zärtlich erzählte Chronik über ihre Erfahrungen über die Rettung eines Hasenbabys und die daraus resultierenden besonderen Mensch-Tier-Beziehung geschrieben.

Während der Covid-Pandemie und des Lockdowns in Großbritannien, befindet sich Chloe auf dem englischen Land und entdeckt dort eines Tages einen neugeborenen Hasen, der von seiner Mutter auf einem Fußweg ausgesetzt wurde. Sie stellt sich die Frage, ob sie das Hasenbaby zurücklassen lassen oder es mitnehmen soll, um es vor dem drohenden Tod zu retten.
Sie entscheidet sich dafür, den kleinen Hasen mit nach Hause zu nehmen, im Wissen, dass es sich um ein wildes Tier handelt und nicht domestiziert werden sollte.
Über die nächsten drei Jahre folgt man dann Chloe in ihren Bemühungen, wie sie anfangs dem Hasenbaby das Überleben zu sichern versucht und ihm danach die Rückkehr in die Wildnis zu ermöglichen. Man wird Zeuge, wie sich eine geheimnisvolle und berührende Verbindung zwischen den beiden entwickelt, denn der Hase lebt weiterhin in der Nähe ihres Landhauses und sucht dort immer wieder Zuflucht.

In ihrer persönlichen Geschichte beleuchtet Chloe Dalton genauer das Leben des Hasen über die Jahreszeiten hinweg und beobachtet Gewohnheiten sowie Eigenschaften an ihm, während er älter wird. Auch beglückt der Hase sie mit seiner Nachkommenschaft, was voller süßer Momente ist.
Es ist zugleich eine Lektüre voller Wärme und Mitgefühl für Hasen an sich und eine Geschichte über eine einzigartige Verbindung zwischen Mensch und Tier. So berichtet sie auch davon, wie sie eine neue Beziehung zur Natur entwickelt, was zu einer Entschleunigung ihres Lebens und somit insgesamt zu einer besseren Lebensqualität führt.

Neben der besonderen Geschichte der Autorin wartet das Buch auch mit stilistisch ansprechenden Abbildungen auf, die das Buch lesenswert machen.
Der ruhige und anschauliche Schreibstil der Autorin zusammen mit der geringen Seitenzahl sorgen dafür, dass man tief in ihre neue Lebenswelt mit Hase hineingezogen wird.
Sie ist dabei auch nicht unkritisch und gesteht Fehler ein. Als Laie ist es jedoch schwer, ihr Verhalten kritisch zu beurteilen.

Alles in allem, ist "Hase und Ich" ein Buch, das durch seine berührende, zärtlich erzählte Geschichte, einem die Wichtigkeit der Wertschätzung der Natur näherbringt, ohne moralisch zu sein.
Nicht nur für Natur- und Tierliebhaber lesenswert!

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