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Veröffentlicht am 05.07.2020

Thema top, Umsetzung eher Flop

Die Geschichte des Wassers
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Band 2 des Klimaquartetts von Maja Lunde

Inhalt
Der Roman verknüpft die Geschichten zweier Menschen, die sich 24 Jahre entfernt voneinander abspielen und dennoch miteinander verbunden sind:

Im Jahr ...

Band 2 des Klimaquartetts von Maja Lunde

Inhalt
Der Roman verknüpft die Geschichten zweier Menschen, die sich 24 Jahre entfernt voneinander abspielen und dennoch miteinander verbunden sind:

Im Jahr 2017 begleiten wir die gealterte aber nicht weniger passionierte Umweltaktivistin Signe auf ihrer beschwerlichen Reise von Norwegen nach Frankreich. Auf ihrem Segelboot Blau transportiert sie eine ungewöhnliche Fracht, mit der sie bei ihrem einstigen Lebenspartner ein Zeichen setzen will, da dieser vor Jahren ihr gemeinsames Ziel aus den Augen verlor.

2041 flüchtet der junge Vater David mit seiner Tochter Lou vor der sich ausbreitenden Dürre in Südeuropa. Dabei finden sie ein altes, verlassenes Segelboot – die Blau. Im von Wassermangel, Hitze und Hunger geprägten Alltag im Flüchtlingslager wird sie zu ihrem geheimen Zufluchtsort und spendet zusammen mit einem äußerst wertvollen Fund neue Hoffnung…

Mein Eindruck
Meine Lektüre begann leider mit einem negativen Eindruck in Bezug auf den Schreibstil: Wenn Maja Lunde aus Signes Perspektive schreibt, verwendet sie sehr lange Sätze mit vielen Aneinanderreihungen (teilweise über eine halbe Seite lang). Das Ganze wirkt gehetzt, man fliegt nur so durch die Zeilen, wodurch deren Inhalt leider etwas auf der Strecke bleibt. Es war für mich einfach unangenehm, es hätten auch kürzere Sätze daraus gebildet werden können. Aber vielleicht will Lunde dadurch ja den stetigen Fluss des Wassers verdeutlichen, für dessen Schutz Signe so hingebungsvoll kämpft.

In den Kapiteln über Signe erfährt man viel mehr über ihre Vergangenheit, als über ihre aktuelle Situation. Manche dieser Rückblenden fand ich unnötig in Bezug auf die Gegenwart und ich hatte durch sie das Gefühl, dass nicht wirklich etwas passiert.

Auch bei David und Lou geschieht lange Zeit nichts Besonderes. Jedoch zeigt ihre Situation auf, was vielleicht tatsächlich einmal Realität werden könnte und das stimmt einen nachdenklich. Mit Spannung verfolgte ich ihr Schicksal und vor allem ab dem Zeitpunkt, als sich die Geschichten kreuzen (wenn sie das Boot finden), fragt man sich, wie wohl alles zusammenhängt.

Ganz am Ende geschieht dann zwar noch etwas unerwartetes, doch der erhoffte Höhepunkt blieb leider aus. Die anstrengenden Taten und Erlebnisse, bei denen man die Protagonisten begleitet, führen letztlich quasi zu nichts bzw. das Ende bleibt recht offen. Das war wirklich schade, denn vor allem bei David und Lou habe ich mitgefiebert und gehofft.

Fazit
Im Vergleich zur Geschichte der Bienen war dieser Band leider enttäuschend für mich. Da diesmal weniger die globalen Auswirkungen im Fokus stehen, konnte mich das Buch nicht sehr fesseln. Für mich wäre es interessanter gewesen, mehr über den größeren Zusammenhang des durch den Klimawandel entstandenen Wassermangels zu erfahren. Gerade auch die Entwicklungen zwischen den beiden Zeitebenen hätten gerne mehr als nur am Rande erläutert werden können. Insgesamt einfach nicht wirklich zufriedenstellend und trotz des bedeutungsvollen Themas ohne wachrüttelnde Botschaft.

Hier noch mein Lieblingszitat:
„Wasser hat keine eigene Farbe, es ist die Welt ringsherum, die ihm seine Farbe verleiht, die Spiegelung des Himmels, der Umgebung, Wasser ist nie einfach nur Wasser.“ (Signe)

Veröffentlicht am 14.06.2020

Bewegend und interessant auch für Kunstmuffel

Die Malerin
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Aus der Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“, welche Leben und Karriere bedeutsamer Frauen des 20. Jh. porträtiert.

Inhalt
Der Roman erzählt uns die Geschichte der Malerin Gabriele „Ella“ Münter, ...

Aus der Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“, welche Leben und Karriere bedeutsamer Frauen des 20. Jh. porträtiert.

Inhalt
Der Roman erzählt uns die Geschichte der Malerin Gabriele „Ella“ Münter, die sich während der Ausbildung in ihren Lehrer Wassily Kandinsky verliebt. Sie wird zu seiner Muse, zusammen bereisen sie die Welt und entwickeln gemeinsam ihre Kunst weiter. Trotz des wachsenden Erfolgs hat es Ella als Frau in der Kunstwelt nicht leicht. Und nachdem sie im Ersten Weltkrieg von Kandinsky getrennt wird, ist nichts mehr wie es vorher war…

Mein Eindruck
Mary Basson schreibt in einer wunderbar malerischen, ausdrucksstarken Sprache, die sich leicht und flüssig lesen lässt. Ich fühlte mich direkt in die damalige Zeit versetzt und fieberte von Anfang an mit, wie sich die Karriere der Protagonistin wohl weiter entwickeln wird.

Ella ist für ihre Zeit eine unkonventionelle und eigenwillige Frau, die gegen Rollenklischees und für ihre Träume kämpft. Man muss sie einfach mögen und kann sie auch heute noch als Vorbild ansehen. Durch ihre tiefe Liebe zu Kandinsky ist sie jedoch auch abhängig von ihm und kann weder als Künstlerin noch in ihrer Beziehung wirklich aus seinem Schatten treten. Aufgrund seines Verhaltens gegenüber Ella wird Kandinsky im Laufe des Buches leider immer unsympathischer, während man mit ihr durch alle Höhen und Tiefen mitfühlt.

Trotzdem ist es spannend, einen Einblick in das Leben und Arbeiten dieses weltberühmten Künstlers zu bekommen. Vor allem die Stelle, an der er die „Komposition 7“ erschafft, fand ich sehr beeindruckend. Noch eindrucksvoller ist jedoch Ellas Rettungsaktion, mit der sie trotz der gescheiterten Liebe viele von Kandinskys Werken vor den Nazis in Sicherheit bringt. Hier wird es zum Ende hin noch einmal richtig aufregend und dramatisch – auf jeden Fall das Highlight der Story!

Vorwissen zu den auftretenden Künstlern oder Kunst allgemein ist nicht notwendig, um der Geschichte grundsätzlich folgen zu können. Jedoch schadet es an der einen oder anderen Stelle nicht, um Worte oder Taten der Figuren besser einordnen zu können. Ich denke man kann dann mehr aus der Story „rausholen“.

Besonders am Roman ist seine Gliederung in fünf Teile mit jeweils wenigen und dafür längeren Kapiteln. Diese wiederum bestehen aus mit Ort und Datum versehenen Abschnitten. Es sind also immer wieder Zeitsprünge vorhanden, die mich jedoch nicht gestört haben. Vor allem während Ellas Trauerphase wird dadurch sehr deutlich, wie das Leben in dieser Zeit an ihr vorüberzieht. Am Ende jedes Kapitels gibt es zudem eine Bildbeschreibung zu Werken von ihr oder Kandinsky. Ich fand es sehr spannend, die jeweiligen Bilder anschließend zu googeln. Man bekommt dadurch einen noch genaueren Eindruck von den beiden Künstlern.

Fazit
Von der jungen, unsicheren Kunstschülerin zu einer der größten Malerinnen des Expressionismus – bis ins hohe Alter begleiten wir Gabriele Münter durch ihr ereignisreiches Leben über zwei Weltkriege hinweg. Als ob man selbst dabei wäre, darf man ihr und Kandinsky beim Arbeiten über die Schulter schauen und wird in die Welt der avantgardistischen Kunstszene entführt. Aufgrund der wahren Begebenheiten nur umso mitreißender und definitiv auch für Kunstmuffel eine faszinierende (Lebens)geschichte! Zumindest für mich war die Lektüre eine gelungene Abwechslung und einfach mal „etwas anderes“. Ich werde auf jeden Fall weitere Bücher der Reihe lesen.

Abschließend mein Lieblingszitat aus dem Roman: „Für mich ist die Welt eine Einheit. Malerei, Musik, Farbe, Klang, alles ist eins.“ (Kandinsky)

Veröffentlicht am 05.06.2020

Ein Spiel mit Höhen und Tiefen

Game on - Mein Herz will dich
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Band 1 von 4 der „Game on“ - Reihe von Kristen Callihan

Inhalt
Das letzte Semester am College und noch keine Zukunftspläne für danach – da kann Studentin Anna Jones wirklich keine Ablenkung brauchen. ...

Band 1 von 4 der „Game on“ - Reihe von Kristen Callihan

Inhalt
Das letzte Semester am College und noch keine Zukunftspläne für danach – da kann Studentin Anna Jones wirklich keine Ablenkung brauchen. Schon gar nicht durch Drew Baylor, den heißen Star-Quarterback des Footballteams. Trotzdem kann sie seinen heftigen Flirtversuchen nicht widerstehen und landet nach einer Party mit ihm im Bett. Für Anna ganz klar eine einmalige Sache. Doch Drew ist ein Kämpfer und will Anna für sich gewinnen. Schon bald kann auch sie die Anziehungskraft zwischen ihnen nicht mehr ignorieren und ihr Plan, Gefühle außen vor zu lassen, gerät immer mehr ins Wanken…

Mein Eindruck
Zu Beginn geht alles relativ schnell: Die Protagonisten begegnen sich und beginnen eine „Freundschaft Plus“, ohne dass man als Leser:in zuvor wirklich viel über wenigstens einen der beiden erfährt. Daher fiel es mir zunächst schwer, einen Zugang zu finden.
Vor allem Anna war für mich aufgrund ihrer sarkastischen Art manchmal etwas zu sehr „over the top“, während Drew allgemein einen authentischeren Eindruck hinterließ. In ihm steckt mehr als nur der typische College-Sportstar.

Das Verhältnis zwischen Anna und Drew ist (zumindest von ihr so gewollt) lange Zeit nur oberflächlich und somit leider auch die Story. Es geht mit der Zeit tiefer, aber zum Großteil ist es ein ständiges Hin und Her: Anna will eigentlich keine Beziehung, lässt aber schnelle Nummern zu. Dabei merkt sie immer mehr, wie sehr sie Drew tatsächlich will und braucht, hat dann aber wieder ein schlechtes Gewissen. Klar, dass da eine Konfrontation unvermeidbar ist und erst ab dann hat mich die weitere Entwicklung der Charaktere richtig gefesselt.

Die Story ist sehr auf die beiden Protagonisten fokussiert. Nebenfiguren und -handlungen nehmen nicht allzu viel Raum ein, weshalb sie teilweise unnötig erscheinen. Ich hätte es schön gefunden, wenn die Geschichte anstatt der vielen erotischen Szenen dadurch etwas mehr bereichert gewesen wäre.

Fazit
Nach anfänglichen Startschwierigkeiten konnte ich das Buch dann doch kaum aus der Hand legen. Der Perspektivwechsel zwischen Anna und Drew hat mir sehr gut gefallen und vor allem zum Ende hin wurde es nochmal richtig emotional. Ich bin großer American Football Fan und hatte unter anderem wohl deshalb einen besseren Draht zur männlichen Hauptperson als zur weiblichen, was auch einmal spannend war. Außerdem ist es hier zur Abwechslung mal nicht das typische „sich-langsam-näher-kommen“ der Protagonisten.
Im Großen und Ganzen bleibt das Buch für mich aufgrund seines sparsamen Tiefgangs jedoch nicht mehr als das, worauf die Story aufbaut: Eine schnelle Nummer für Zwischendurch

Zum Schluss noch mein Lieblingszitat: „Das, was die Leute sehen, das ist nur der Glanz. Aber, Anna, du bringst mich zum Leuchten. Drew. Nicht den Spieler. Du wusstest nicht, wie du in meinem Licht leben sollst? Es gibt kein Licht, wenn du nicht bei mir bist.“