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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.08.2025

Beziehungsdramen in bedrückender Atmosphäre

Schattengrünes Tal
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Eigentlich sind die Naturbeschreibungen des Schwarzwaldtales in dem neuen Roman „Schattengrünes Tal“ von Kristina Hauff sehr schön, erzeugen aber zugleich eine sehr beklemmende düstere Stimmung.
Merkwürdiges ...

Eigentlich sind die Naturbeschreibungen des Schwarzwaldtales in dem neuen Roman „Schattengrünes Tal“ von Kristina Hauff sehr schön, erzeugen aber zugleich eine sehr beklemmende düstere Stimmung.
Merkwürdiges geht gleich zu Anfang vor: Lisas Ehemann erhält komische Nachrichten, in dem Hotel von Lisas Vater taucht, obwohl es wegen eines Heizungsschadens für ein paar Tage geschlossen ist, ein Gast auf, der sich nicht abwimmeln lässt: Daniela, sie wirkt zunächst hilfsbedürftig und einsam. Und Lisa, die sich nach Liebe und Anerkennung sehnt und die diese durch das Kümmern um andere zu erreichen hofft, nimmt sie gleich unter ihre Fittiche. Sie führt sie ein in ihren Freundeskreis, in ihren Chor, in ihre Arbeit im Hotel und auch in ihre Beziehung zu ihrem Mann. Und auf einmal scheint sich das Blatt zu wenden, und Daniela drängt sich in alles, was Lisa in ihrem Leben von Bedeutung ist ...
Der Leser ahnt schnell, dass mit Daniela etwas nicht stimmt, ein ungutes Gefühl beschleicht ihn gleich von Anfang an und verfolgt gebannt den unausweichlichen Verlauf, der das Beziehungsgeflecht in dem Roman ganz schön auf die Probe stellt. Lisa ist eine spannende Figur, die in dem Roman eine starke Entwicklung durchläuft. Alle anderen Figuren kommen da nicht so ganz gut weg. Und obwohl die Perspektiven hauptsächlich zwischen ihr und ihrem Mann wechseln, ist es doch eher Lisa, mit der man sich als Leser identifiziert. Ihr Handeln ist vielschichtig und nachvollziehbar. Die anderen Figuren erscheinen eher eindimensional: ihr kalter Vater, der nur Augen für den Sohn hat, ihr Ehemann, der ziemlich schwach erscheint. Und die Figur der Daniela ist in ihrer Wirkung auf den Leser gleich von vornherein sehr negativ besetzt, was es für den Leser nicht leicht macht nachzuvollziehen, wie die anderen alle ihrer manipulativen Art erliegen. Denn selbst die gutherzige Lisa merkt recht schnell, dass mit Daniela etwas nicht stimmt.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Eine herrliche Busfahrt in beschwingten Reimen und mit kunterbunten Bildern

Der OktoBus auf großer Fahrt
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Der Oktopus Otto geht mit seinem Oktobus auf große Fahrt und sammelt unterwegs eine Menge Fahrgäste ein, mit denen er sich auf die Fahrt macht auf zum „großen Etwas“. Genauso fröhlich wie die bunt zusammengewürfelte ...

Der Oktopus Otto geht mit seinem Oktobus auf große Fahrt und sammelt unterwegs eine Menge Fahrgäste ein, mit denen er sich auf die Fahrt macht auf zum „großen Etwas“. Genauso fröhlich wie die bunt zusammengewürfelte Reisegesellschaft sind die Reime, die in zweier Versen die Fahrt und die Mitreisenden beschreibt. Ganz heiter und beschwingt mit viel Humor und Sprachwitz nehmen sie die großen und die kleinen Leser voller Begeisterung mit auf die Reise. Auf jeder einzelnen Seite gibt es dabei jede Menge zu entdecken auf den Bildern, die so liebevoll mit wunderschön gedeckten Farben gemalt sind.
„Der Oktobus auf großer Fahrt“ ist ein Buch, das man problemlos immer wieder lesen und vorlesen kann, ohne dass es langweilig würde, da es neben der Sprache, an der man sich zweifelsohne sehr erfreuen kann, so viel zu sehen gibt auf den wunderschönen Illustrationen. Ein wirklich ganz zauberhaft beglückendes Buch für jeden Bücherschrank, aber besser noch für den üppigen Gebrauch.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Mit Längen und nicht ganz so gut wie Teil 1

Yrsa. Die Liebe der Wikingerin
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Yrsa hat es geschafft: Sie darf mit Gunnar und seinen Männer mit ins Frankenland segeln und als Kriegerin an ihrer Seite auf Raubzug gehen. Über der Fahrt liegt immer noch der Schatten des Verrats, der ...

Yrsa hat es geschafft: Sie darf mit Gunnar und seinen Männer mit ins Frankenland segeln und als Kriegerin an ihrer Seite auf Raubzug gehen. Über der Fahrt liegt immer noch der Schatten des Verrats, der im letzten Jahr die Unternehmung der Männer zum Scheitern brachte. Die Verräterin war eine Frau. Das macht Yrsas Stand unter den Männern nicht leichter. Und auch diesmal stehen die Sterne nicht günstig bzw. die alte Seherin Frida warnt Yrsa, ihren Geliebten Avidh vor den bösen Geistern zu bewahren.
Ähnlich zäh wie die Fahrt der Wikinger wegen mangelnden Windes gestaltete sich für mich der Einstieg in die Lektüre, ging es doch immer wieder und mehr ausführlich um die Beziehungsproblematik zwischen Yrsa und Avidh auf einer Fahrt mit lauter Kriegern auf Beutezug. Mir fehlte die aus dem ersten Teil so geschätzte Darstellung der Lebensart der Menschen damals. Noch Anklänge daran fanden sich in der Bemühung der Beseeltheit der Natur von Geistern, Elfen und Trollen, die aktiv in das Geschehen der Menschen eingreifen und die die Menschen bemüht sind, für ihr Schiksal gewogen zu stimmen, so z. B. mit Hilfe der Seherin Idun oder mit Hilfe des Steins des Eistrolles, den Avidh immer wieder bemüht, wenn er seine Fassung bewahren muss.
Als es dann zum Überfall auf Dorestad kommt und natürlich so einiges schief läuft, nimmt die Handlung deutlich an Fahrt auf, und dann ist es auch wieder sehr spannend zu lesen, insbesondere wie man sich das Leben auf einer fränkischen Festung vorzustellen hat.
Mir hat der erste Teil durchgängig besser gefallen, weil man in ihm so vieles über das Leben der Völker aus dem Norden, aus denen die Wikinger stammen, erfährt und es so plastisch in die Geschichte von Yrsa eingewoben ist. Der zweite Teil hat für mich einige Längen, da ich die Beziehung zwischen Yrsa und Avidh nicht so spannend finde. Aber als historischer Roman ist er nach einem eher gemächlichen Anfang ganz spannend zu lesen, auch wenn man den ersten Teil nicht kennt.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Wenn Häuser Geschichten schreiben

Treppe aus Papier
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In diesem Fall erzählt das Haus die Geschichte von der Schülerin Nele und der alten Dame, Irma. Sie begegnen sich im Treppenhaus. Irma wohnt schon ewig in dem Haus, schon zu Zeiten, als die Sternheims ...

In diesem Fall erzählt das Haus die Geschichte von der Schülerin Nele und der alten Dame, Irma. Sie begegnen sich im Treppenhaus. Irma wohnt schon ewig in dem Haus, schon zu Zeiten, als die Sternheims mit ihrer Tochter Ruth dort wohnten, bis die Nazis sie vertrieben. Auch wenn Nele eigentlich schon bei der Gründung der BRD im Geschichtsunterricht ist, fängt sie erst durch die Gespräche mit Irma an, Geschichte als einen lebendigen Prozess zu begreifen, der bis in die Gegenwart greift. Und so beginnt Nele Fragen zu stellen, unbequeme Fragen nach der eigenen Vergangenheit, und Irma beginnt noch einmal ihre Vergangenheit zu durchleben. Nur für das Haus gibt es keine Vergangenheit, in ihm ist alles Gegenwart. Und so sieht es die Existenz der jungen Irma und der jungen Ruth parallel zum Leben der alten Irma und der jungen Nele.
Irma und Nele sind zwei starke und berührende Charaktere. Beide haben es schwer, ihren Platz im Leben zu finden, aber beide machen es sich nicht bequemen. Sie versuchen, ehrlich zu sein mit sich und ihrer Umwelt, auch wenn das nicht immer auf Akzeptanz und Gegenliebe führt. Die beiden sind ein gutes Team, wenn es darum geht, junge Menschen auf den Weg zu bringen, danach zu fragen, was sie das alles angeht, das Vergangene. Und dass das Vergangene nicht vorbei ist, zeigen die Reflexionen des Hauses, eine interessante Perspektive, an die man sich als Leser erst gewöhnen muss und deren Passagen bisweilen ein wenig sperrig zu lesen sind. Zum einen weil die Perspektive bisweilen unvermutet wechselt ohne Ankündigung. Und zum anderen weil das Haus quasi ohne Punkt und Komma spricht bzw. denkt. Darin spiegelt sich die Selbstwahrnehmung des Hauses, die es gleich auf Seite 10 formuliert: „unsere Wahrnehmung ist wie ein Satz, der sich immer weiter windend einem kaum absehbaren, aber unausweichlichen Ende entgegenschlängelt, an dem sich, ist es erreicht, die Gesamtheit der Erlebnisse eimergleich über dich ergossen haben wird“.
In diesem Band kann man viel lernen über Geschichte und Geschichtsbewusstsein, über Menschlichkeit im Guten wie im Schlechten, die die sich gegen die Unmenschlichkeit stemmt und die, die die Neigung als menschlich ausweist, das Unbequeme und Ungeheuerliche zu verdrängen, um weiterleben zu können.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Vererbtes Trauma

Wie sehr ich dich finde
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Die Geschichte beginnt als historischer Roman zur Zeit des 2. Weltkriegs, die Protagonisten erleben verschiedene Traumata, Flucht, verborgene Existenz, Vergewaltigung und brutaler Mord. Die traumatischen ...

Die Geschichte beginnt als historischer Roman zur Zeit des 2. Weltkriegs, die Protagonisten erleben verschiedene Traumata, Flucht, verborgene Existenz, Vergewaltigung und brutaler Mord. Die traumatischen Ereignisse setzen sich in den nachfolgenden Generationen fort. Und die Wege der Protagonisten kreuzen sich über die Beziehungen ihrer Kinder und Kindeskinder. Jeder von ihnen trägt sein Päckchen mit sich, ohne häufig genau zu wissen, woher ihre Rastlosigkeit, ihre Bindungsunfähigkeit, ihre Schwermut, ihre Wut kommt. Sie gehen alle unterschiedlich damit um und schlagen unterschiedliche Wege ein, auch dadurch, dass sie aus unterschiedlichen Schichten kommen. Aber eines haben sie alle gemein: einen dunklen Fleck auf der Seele und mindestens einen Schicksalsschlag im Nacken.
Was als historischer Roman beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einer erotisch-esoterisch-spirituellen Lebensreise. Dass sich Schuld und Angst als traumatische Erlebnisse vererben und die Kriegskinder und -enkel in ihrem Leben beeinflussen können, ohne dass diesen das immer klar ist, ist mittlerweile ein ziemlich anerkannter Ansatz der Psychologie. Und auch ein sehr interessanter. Soweit ist der Roman noch nachvollziehbar. Allerdings wird dieses Modell im Buch in der ewigen Wiederholung der Abfolgen über drei Generationen ziemlich auf die Spitze geschrieben. Mir ist auch die federführende Rolle der Edelprostituierten, die den Sohn als Stammkunden hat und den Vater heiratet, mit ihren über Sex vermittelten Lebensweisheiten ein wenig zu viel des Guten, sodass mir die Entwicklung ähnlich befremdlich wird, wie es der etwas holprige Titel ist.
Wer einen historischen Roman erwartet, sollte besser zu einem anderen Buch über die Zeit greifen.

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