Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2026

Männer wie Willy Brandt fehlen mehr denn je

Nein sagen
0

Am 20. Juli 1944 wurde ein Attentat auf den „Führer“ verübt. Tapfere Männer wollten auf diese Weise dem Grauen de Krieges ein Ende bereiten. Leider misslang die Aktion und es folgte eine Flut von Hinrichtungen. ...

Am 20. Juli 1944 wurde ein Attentat auf den „Führer“ verübt. Tapfere Männer wollten auf diese Weise dem Grauen de Krieges ein Ende bereiten. Leider misslang die Aktion und es folgte eine Flut von Hinrichtungen. In jedem Jahr wird dieser Helden gedacht und so geschah es auch im Jahr 2025. Zu den geladenen Rednern gehörte Matthias Brandt und er überlegte lange, ob er dieser Einladung folgen sollte. Aber sein Pflichtbewusstsein besonders im Hinblick auf seine Eltern, ließen ihn zusagen. Seine Gedanken dazu schrieb er in seinem Buch "Nein sagen" nieder.

Ich hörte mir das Buch als Hörbuch an und war gefesselt. Als Sohn des ehemaligen Kanzlers Willy Brandt berichtet er Ereignisse aus seinem Leben, die ich nicht kannte. Ja, der „Kniefall von Warschau“ ist wohl den meisten Deutschen ein Begriff. Für Willy Brandt war wichtig, dass sich die ehemaligen Feinde annähern und das Verhältnis begann, sich zu entspannen. Aber auch, dass er vor Hitler und seinen Schergen fliehen musste? Dass er aktiv im Widerstand kämpfte und das von Norwegen aus? Willy Brandt ist in meinen Augen noch immer ein Vorbild. Politiker, wie er es war, die fehlen heute. Auf welche Weise er damals seinen Platz räumen musste, ist für mich bis heute nicht nachvollziehbar. Mehr werde ich nicht offenbaren, denn dieses Buch sollte auf vielen Wunsch- und Einkaufslisten stehen.

Neben dem Inhalt des Buches gefiel mir der Vortrag des Autors ebenfalls sehr gut. Er präsentiert sein Werk völlig unaufgeregt, aber im Verweis auf die nationalsozialistischen Kräfte in Deutschland, sehr deutlich. Ganz klare Empfehlung gibt es daher von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2026

Spannend bis zum fulminanten Finale

Die Tote von Nazaré
0

Maren Berger lag lange im Koma und kämpfte sich mühsam ins Leben zurück. An die Zeit vor ihrer Verletzung kann sie sich nicht erinnern. Jetzt muss sie auch noch regelmäßig einen Polizeipsychologen besuchen. ...

Maren Berger lag lange im Koma und kämpfte sich mühsam ins Leben zurück. An die Zeit vor ihrer Verletzung kann sie sich nicht erinnern. Jetzt muss sie auch noch regelmäßig einen Polizeipsychologen besuchen. Irgendwann reicht es ihr und sie reist kurzentschlossen nach Portugal. Sie möchte wieder ganz gesund werden. Als Ermittlerin tätig sein und den Verbrechern in Köln das Fürchten lehren.
"Die Tote von Nazaré" ist ein fesselnder Krimi mit spannungsreichen Wendungen. Frau Berger möchte sich von ihrem Trauma erholen und gerät dann doch wieder in den Strudel von Gewalt und Tod. Nur langsam kehrt die Erinnerung an Ereignisse vor ihrer Verletzung zurück und bis zum fulminanten Schluss bleibt das Buch äußerst spannend und nicht vorhersehbar. Die Sprecherin gefiel mir sehr gut. Ihr Vortrag war lebendig und zog mich neben der Story ebenfalls in ihren Bann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2026

Ein Krimi, der das Leid der Menschen nach der Flut bestens darstellt

Eine Nacht im Juli
0

Jana Vogt ist Tatortfotografin. Sie lebt im Ahrtal, in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Als die Flut über das Tal hinwegrollte, war sie nicht zuhause. Zum Glück. Ihre Wohnung direkt unterm Dach war zwar nicht betroffen, ...

Jana Vogt ist Tatortfotografin. Sie lebt im Ahrtal, in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Als die Flut über das Tal hinwegrollte, war sie nicht zuhause. Zum Glück. Ihre Wohnung direkt unterm Dach war zwar nicht betroffen, aber die anderen Etagen wurden von den Wassermassen geflutet. Am Tag nach der Flutwelle wollte sie in ihre Wohnung. Das war nicht möglich. Daher nahm sie sehr gerne ein Angebot ihres freundlichen Nachbarn an. Sie zog in ein Dorf im Höhengebiet der Eifel. In ein Ferienhaus. Wie es der Zufall will, wird sie hier direkt mit einem Mordfall konfrontiert. Und nicht nur das. Es gibt weitere Todesfälle, von denen einige bereits Jahre zurückliegen.

Der Kriminalroman „Eine Nacht in Juli“ setzt sich eindringlich mit der Tragödie in 2021 auseinander. Die Autorin lebte damals im Ahrtal und beschreibt absolut authentisch, wie es den Bewohnern nach der Flut ging. Beim Lesen war ich sofort mittendrin und immer wieder kamen mir die Tränen. Aber auch die Ermittlungen fesselten mich. So viele falsche Spuren und etliche Verdächtige machen das Buch zu einem kurzweiligen und spannenden Krimi. Wenn, ja wenn es nicht immer wieder Hinweise auf das Leid der Menschen im Tal geben würde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2026

Die Ungerechtigkeiten der "Herrenmenschen" sehr gut dargestellt

Nelka
0

Nelka lernt viel von ihrem Vater. Bis er von den Aggressoren erschossen wird. Ohne Grund. Alle im Ort haben Angst vor den Deutschen. Die benehmen sich nämlich als seien sie die Herren der Welt. Auch Nelka ...

Nelka lernt viel von ihrem Vater. Bis er von den Aggressoren erschossen wird. Ohne Grund. Alle im Ort haben Angst vor den Deutschen. Die benehmen sich nämlich als seien sie die Herren der Welt. Auch Nelka wird verschleppt. In den hohen Norden des Deutschen Reiches. Als Zwangsarbeiterin. Auf einen Bauernhof mit vielen weiteren Menschen, die der Willkür fremder Machthaber ausgesetzt sind. Sie erlebt Grausamkeiten, die sie nie vergessen wird. Muss aber schnell feststellen, wie sie ihren Körper einsetzen kann, um Vorteile für sich und ihre Mitgefangenen zu erreichen.

Nelka merkt recht schnell, dass sie dem Gutsverwalter gefällt. Das liegt nicht alleine an ihrem Äußeren. Auch von ihrem Wissen um Apfelbäume will er profitieren. Sie führt ihn ein in die Kunst des Veredelns und erklärt ihm, wie er eine Obstplantage aufbauen sollte. Während ihrer Zeit auf dem Gutshof lernt sie auch Iwan kennen. Wenn er nicht wäre, hätte sie die Qualen und Ungerechtigkeiten wohl nie überlebt.

Immer wieder begegnen mir Bücher, die sich mit den Ungerechtigkeiten des Zweiten Weltkriegs beschäftigen. Auch dieser Roman lässt mich an der Menschheit zweifelnd zurück. Was versprachen sich die Herrscher damals, als sie Menschen aus dem Osten Europas als Zwangsarbeiter rekrutierten? Nicht nur junge Frauen wie #Nelka wurden aus ihrer Familie gerissen. Ohne Begründung verschleppt. Wie vogelfrei behandelt. Und dann gibt es wieder Menschen, die keinen Skrupel haben, wenn sie rechtsextreme Parteien wählen? Dieses Vergessen ist beängstigend und leider gibt es bisher keine wirksamen Maßnahmen, die dem entgegenstehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2026

Auch dieser Roman der Autorin konnte mich restlos überzeugen

Stunden wie Tage
0

Martha muss sich etwas einfallen lassen. So geht es nicht weiter. Ihr Vater ist alt und krank. Er ist nicht mehr in der Lage, das Auskommen der Familie zu sichern. Jetzt liegt es an ihr, sich eine Arbeitsstelle ...

Martha muss sich etwas einfallen lassen. So geht es nicht weiter. Ihr Vater ist alt und krank. Er ist nicht mehr in der Lage, das Auskommen der Familie zu sichern. Jetzt liegt es an ihr, sich eine Arbeitsstelle zu suchen. Zaghaft und keineswegs von sich überzeugt, sitzt sie dann vor den Brüdern Berkowitz. Die suchen eine Hausbesorgerin für ihr Schöneberger Mietshaus. So viele Bewerberinnen gibt es für die Stelle. Vornehme Damen, die verächtlich auf Martha blicken, lassen sie an ihrem Vorhaben zweifeln. Sie würde gerne flüchten aber dann wird sie ins Büro gebeten. Und ja, sie bekommt die Stelle.

Martha nimmt ihre Tätigkeit sehr ernst. Die Brüder sind zufrieden mit ihr und einer der Brüder lässt sogar zu, dass seine kleine Tochter Liane ein häufiger Gast bei ihr ist. Leider wird das Leben in Berlin immer mehr von Gewalt und Ungerechtigkeit bestimmt. Seit Hitler die Macht an sich riss, sind seine Anhänger außer Rand und Band. Besonders Juden leben gefährlich und auch Homosexuelle müssen sich vor der Gestapo verstecken.

Nach ihrem ersten Roman Isidor freute ich mich sehr auf "Stunden wie Tage". Ich wurde nicht enttäuscht. Wieder einmal nahm mich die Autorin gefangen. Ihre Sprache ist einzigartig und niemals langweilig. Die kurz gehaltenen Kapitel handeln nicht nur vom Leben Marthas. Viel mehr beschreibt die Autorin äußerst überzeugend von Schicksalen rund um das Mietshaus. Aber auch ihre Eigentümer und deren Familie sind Thema.

Für mich kann es gar nicht genug Bücher geben, die sich mit dem Thema „Drittes Reich“ befassen. Wenn sie dann auch noch die Erlebnisse von Zeitzeugen wiedergeben, dann sind sie für mich perfekt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere