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Veröffentlicht am 31.05.2020

Macht Lust auf die gesamte Reihe

Truly
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Obwohl ich jahrelang schon viel Gutes über Ava Reed gehört und gelesen habe, hatte ich bisher noch kein einziges Buch von ihr gelesen. Ich habe mir oft genug gedacht, dass das eine Schande ist, denn sie ...

Obwohl ich jahrelang schon viel Gutes über Ava Reed gehört und gelesen habe, hatte ich bisher noch kein einziges Buch von ihr gelesen. Ich habe mir oft genug gedacht, dass das eine Schande ist, denn sie scheint nachdenklich zu schreiben, tiefer zu gehen, wo andere schon längst stoppen, weil es ihnen zu intensiv wird. Das sind eigentlich Eigenschaften, die ich in Büchern unheimlich gerne sehe, aber trotzdem kommt nicht immer das zusammen, was zusammengehört. Als nun „Truly“ bei Lyx angekündigt wurde, habe ich das als Zeichen empfunden, denn bekanntlich ist NA in den letzten Jahren mein Genre geworden. Aber dennoch habe ich eigentlich nichts von „Truly“ erwartet, da ich Reed ja stilistisch gar nicht kenne, während andererseits aber dennoch Erwartungen dabei waren, die ich gar nicht richtig mit Worten fassen konnte.

Ich habe unheimlich gut in die Geschichte hineingefunden. Es war direkt eine Verbindung zum Setting da, sowie eine Verknüpfung zu den wichtigsten Figuren. Es ist auch eher selten, dass man sich zunächst in eine Freundschaftsbeziehung verliebt und dann erst in die Liebesbeziehung, aber Andie und June waren wirklich herrlich miteinander. Zwei Gegenpole, die sich gegenseitig brauchen und einander zu besseren Menschen machen, das hat mich wirklich sehr berührt. Ich konnte auch schnell nachvollziehen, was Ava Reed sonst zu einer beliebten Erzählerin macht, denn der Stil ist wirklich unheimlich ansprechend und wirklich tiefergehend. Wo bei anderen gewisse Gedanken wie hohle Phrasen wirken, merkt man hier, dass diese Worte wirklich mit semantischem Inhalt gefüllt wurden. Dennoch bedeutet dieser Stil für mich auch, dass die ganze Erzählung an einem schmalen Grat entlangschrappt. In wirklich spannenden Dialogen, wo man unbedingt wissen will, was antwortet der andere nun, wird die Antwort durch längere Gedankengänge noch einmal unterbrochen. Das sieht man wirklich nicht selten in Büchern, das ist mir bewusst, aber diese Abschnitte können durchaus nochmal verschiedene Längen haben und hier war es an meiner persönlichen Grenze. Ich habe mich im Laufe der Geschichte aber auch daran gewöhn, später fiel es mir nicht mehr so auf.

Ich habe „Truly“ unheimlich schnell gelesen, weiß aber noch auch nach mehreren Abwägen immer noch nicht, ob ich das positiv oder negativ bewerten soll. Vermutlich trifft es beides. Natürlich ist es super, wenn sich das Lesen wie im Rausch anfühlt, aber andererseits ging es auch so schnell, dass es sich nicht auserzählt anfühlte, obwohl diese Wertung absurd wirkt, wenn ich daran denke, dass Reed sich ja allerlei Zeit für ruhige Momente nimmt. Vielleicht kommt hier auch zum Tragen, dass ich so viel im NA-Genre lese, dass ist bestimmte Muster erwarte. Ich betone zwar auch immer, dass ich gerne neue Impulse erlebe, aber dennoch verstrickt man sich manchmal im Altbekannten ohne es zu merken. Vermutlich habe ich hier gewisse Momente erwartet, die ich aber nicht bekommen habe. Musste ich sie haben? Vermutlich nicht, denn die Handlung ist rund und man weiß, dass sich Nebenschauplätze auch in den weiteren beiden Bänden erklären lassen.

Zudem stimmten einfach die Grundzutaten und das sollte am meisten zählen. Ich fand Andie und Cooper als Figuren nämlich beide super. Anfangs waren Coopers Kapitel sehr mysteriös, um so lange wie möglich sein Geheimnis zu bewahren, aber dennoch habe ich schnell Sympathien für ihn entwickelt, denn seine raue, aber dennoch so weiche Aura haben mich einfach überzeugt. Mit Andie habe ich so viele Aspekte geteilt, weswegen ich es großartig fand, dass sie ein Widerspruch in sich ist, denn der Mensch ist nicht immer logisch. Eigentlich schüchtern, aber dennoch stark und vor allem für andere und dann sich selbst einstehend. Ich fand es auch großartig, dass hier die Rollenverteilung etwas umgedreht wurde. Wo sonst häufig der Mann am Ende die große Geste machen muss, ist es diesmal die Frau, die den entscheidenden Schritt tut. Auch ansonsten war sie sehr aktiv und hat nicht immer gewartet, bis der Mann der nächste Schritt macht. Das fand ich sehr ermutigend. Ich fand es auch gut, dass es im Endeffekt nur eine Sexszene gab, die aber aus zwei Perspektiven beschrieben wurde. Das reichte, denn von zwei Seiten wurde alles abgedeckt, was diese intimen Szenen an Mehrwert bieten können.

Fazit: „Truly“ war für mich definitiv ein Lesevergnügen und der Beweis, dass Ava Reed definitiv eine gute Erzählerin ist. An ihre Stilistik muss ich mich in einigen Momenten noch gewöhnen, aber vielleicht hat sich das bereits in Band 2 vollends aufgelöst. Für „Truly“ wurden sehr viele gute Entscheidungen getroffen, vor allem in Bezug auf die Charaktere und die etwas modernere Rollenverteilung. Ich haben jedenfalls richtig Bock auf die gesamte Reihe!

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  • Handlung
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Veröffentlicht am 29.05.2020

Liebe zu Sci-Fi wächst weiter

Cyber Trips
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Meine persönliche Überraschung des letzten Jahres war „Neon Birds“ von Marie Grasshoff. Sci-Fi war noch nie mein Genre im Buchbereich, während mich bei Filmen und Serien durchaus die ein oder andere Produktion ...

Meine persönliche Überraschung des letzten Jahres war „Neon Birds“ von Marie Grasshoff. Sci-Fi war noch nie mein Genre im Buchbereich, während mich bei Filmen und Serien durchaus die ein oder andere Produktion überzeugen konnte. Daher habe ich auch nur wegen zahlreicher positiver Stimmen zugegriffen, denn auch allgemein ist Sci-Fi nicht das Genre, das die Massen begeistert. Bei „Neon Birds“ hat sich aber gezeigt, wie es sein kann. Komplex, aber doch noch nah und greifbar an unserer Zeit dazu mit herzerwärmenden Figuren angereichert, die man durch wilde Abenteuer begleitet. Daher war „Cyber Trips“ ein echtes Must-Read für dieses Jahr und ich hatte das Glück, den zweiten Band in einer tollen Leserunde zu genießen, denn die zahlreichen Anregungen anderer Mitstreiter waren unheimlich inspirierend und hilfreich an Stellen, wo meine Grenzen erreicht waren. Nachfolgend will ich die Begeisterung darüber aber nicht einfließen lassen und stattdessen mich nur auf das Buch selbst konzentrieren.

Zunächst einmal will ich lobende Worte für die kurze Zusammenfassung am Anfang finden. Ich selbst habe die beiden Bände im Verhältnis nicht im riesigen Abstand gelesen, daher war mir noch alles sehr präsent. Dennoch weiß ich aus eigener Erfahrung, dass bei größeren zeitlichen Abständen, bei komplexen Geschichten durchaus ein paar Details verloren gehen. Ich konsumiere so viel an Büchern, Serien und Filmen, dass ich tatsächlich schon mal Aspekte durcheinanderbringe. Daher ist eine solche Zusammenfassung immer ein Geschenk, ob man sie nun wirklich braucht oder nicht. Zudem ist eine präzise Zusammenfassung auf zwei Seiten auch eine Kunst, daher Hut ab!

„Cyber Trips“ setzt unmittelbar nach „Neon Birds“ ein und obwohl wir an vielen spannenden Stellen ausgestiegen waren, nimmt sich Band 2 erstmal Zeit. Das kam durchaus etwas unerwartet, denn Band 1 hat von einer ständigen Dynamik gelebt. Dort gab es zwar auch ruhigere Momente, aber dafür haben wir auch eine neue Welt erkunden müssen. Hier werden die ruhigen Momente eher für Charaktermomente und Stärkung der zwischenmenschlichen Beziehungen genutzt. Da ich normalerweise ja bei Liebesromanen und New Adult unterwegs bin, ist das für mich das tägliche Geschäft, daher konnte ich aus diesen Szenen sehr viel mitnehmen. Dennoch war ich froh, als die Handbremse wieder gelöst wurde, denn die Action, die Überraschungen, das sind die Sequenzen, die mich völlig begeistern können.

Unsere Protagonisten werden weiterhin streng in zwei Gruppen gehalten, was ich aber weiterhin richtig finde, denn so hat man zwei Seiten, durch die man sich der Geschichte annähern kann. Hätten wir nur noch einen zentralen Handlungsstrang, weiß ich nicht, ob mir vier verschiedene Perspektiven nicht zu viel wären. So zieht der Stil aber weiterhin, denn in jedem Kapitel gibt es etwas Neues zu lernen, neuer Input für weitere Spekulationen. Später wird diese Struktur immer mehr aufgeweicht, denn mit Byth haben wir eine neue Perspektive. Diese wirft zunächst vor allem unendliche Fragen auf, denn es gibt Andeutungen ohne Ende. Erst am Ende ist völlig klar, warum Byth nun eine wichtigere Rolle zugewiesen bekommen hat. Dort wird deutlich, dass sie eine weitere vielschichtige Figur ist, die ihre Stärken und Schwächen hat und die es verdient hat, spätestens im Abschlussband weiter erkundet zu werden.

Wenn die Handlung erstmal richtig eingestiegen ist, gibt es so viele spezielle Momente wieder, in der mir der Mund offen stehen geblieben ist, denn es gab so viel Input auf einmal, dass ich ihn gar nicht richtig verarbeiten konnte. Die Handlung von Okijen und Andra war inhaltlich etwas spannender, bei Luke und Flower wiederum fand ich es spannend, dass bei ihrer Handlung die Frage aufgeworfen wurde, was die Vor- und Nachteile der Menschheit sind. So wird man regelrecht zur Reflexion der dargestellten Welt gezwungen, was gerade in Zeiten von Corona passender denn je ist. Ich bin ohnehin ein sehr nachdenklicher Mensch, aber dennoch war es sehr herausfordernd, auf den Punkt sich mit diesen Fragen nun auseinandersetzen zu müssen. Zudem ist die größte Stärke dieses Buchs, dass sich auch die Autorin dieser Bedingungen bewusst ist und sie diesen Zwiespalt stets aufrechterhält, so dass nicht mal ansatzweise zu erahnen ist, wie diese Reihe enden könnte. Denn es kann eigentlich gar kein richtiges Ende geben und alleine für diese Frage werde ich schon Band 3 lesen, aber auch für all die anderen Fragen, denn jede einzelne Seite von „Beta Hearts“ wird sich lohnen, das ist bereits jetzt gewiss!

Fazit: „Cyber Trips“ steht „Neon Birds“ in nichts nach. Zwar ist der Einstieg recht gemächlich, aber in der Ruhe wird eine Kraft entwickelt, deren Wirkung sich später entfaltet. Ansonsten kommt „Cyber Trips“ auch nicht wie ein Zwischenband daher, denn es gibt noch neue Figuren, neue Überraschungen, dafür schließen sich erste Kreise wieder und es ist klar, dass damit die Erwartungen an „Beta Hearts“ unendlich sind; hier wird die Fallhöhe nach diesen Vorlagen nun definitiv am größten sein. Aber ich lege meine Hoffnungen vertrauensvoll in Grasshoffs Fähigkeiten.

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Veröffentlicht am 27.05.2020

Welt, die mehr Geschichten verdient hätte

Das Flüstern der Magie
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Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor ein paar Jahren „Herz aus Schatten“ von Laura Kneidl las, das damals bei Carlsen veröffentlicht wurde. Es war ein gutes Buch mit einer faszinierenden Welt, ...

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor ein paar Jahren „Herz aus Schatten“ von Laura Kneidl las, das damals bei Carlsen veröffentlicht wurde. Es war ein gutes Buch mit einer faszinierenden Welt, in die ich weiterhin eintauchen wollte, doch zu meiner Überraschung gab es kein mehr. „Herz aus Schatten“ war ein Einzelband, der für sich ganz alleine stehen sollte und ich habe es ehrlich nicht verstanden. Andere Autoren ziehen Reihen auf, wo es eigentlich nach zwei Bänden schon hätte genug sein müssen und Laura Kneidl erschafft Geniales, macht aber zu wenig daraus. Warum wundert es mich also, dass es bei „Das Flüstern der Magie“ ganz genauso ist?

Magische Welten erfordern immer eine gewisse Komplexität, die sich Kneidl hier ein wenig spart. Es ist nicht zu wenig, aber sie stellt definitiv einiges als selbstverständlich dar, ohne sich in langen, ausschweifenden Erinnerungen zu verlieren. Für dieses Buch würde ich das als genau passend einstufen, denn wir gesagt, nach dem einen Band ist schon wieder Schluss. Es muss also keine Welt präsentiert werden, die einen lange begleitet, man muss sich also nicht zuhause fühlen, sondern sich einfach unterhalten lassen. Hätte sie sich nun in Erklärungen verloren, dann hätte dieses Buch am Ende keinen Inhalt gehabt und dann wäre es definitiv für die Tonne gewesen. Aber Kneidl hat sich nicht aufhalten lassen, aber warum man eine so spannende Welt erfährt, um diese dann aber schon nach 300 Seiten wieder loszulassen, wundert mich doch extrem.

Ich hake diese Enttäuschung aber nun ab und konzentriere mich nur auf den Inhalt. Gerade am Anfang hatte ich etwas Probleme, den Gedanken abzuschütteln, dass diese präsentierte magische Welt, die auch in bestimmten Gegenständen repräsentiert war, so gegensätzlich zu unserer modernen Welt wirkte, in die Handlung eigentlich stattfindet. Wenn von Schreibfedern, großen Standspiegeln und Dolchen die Rede ist, dann fühle ich mich in der Welt zurückgesetzt, aber auf der anderen Seite laufen die Hits aus dem Radio. Dieser Eindruck hat sich später verloren, weil es nur noch um die Geschichte ging und auch Schottland ist für mich eine Landschaft, die einen gut in die Zeit zurückversetzt. Das Setting war also stimmig und das war am Ende entscheidend.

Die eigentliche Handlung fand ich sehr rund. Anfangs hatte ich ein paar mal die Überlegung, wohin diese Geschichte nun will und ob sie sich nicht in Kurzgeschichten verliert, aber am Ende hat sich ein absolut rundes Ende ergeben, das in jeder Faser durchdacht war und mich auch überraschen konnte. Die Lösungen lagen zwar alle auf der Hand, aber dennoch hat es mich begeistert, wie die losen Enden perfekt miteinander verknüpft wurden. Es gab auch viel Spannung, die immer gekonnt durch ruhige Abschnitte unterbrochen und damit angeheizt wurde. Ebenso begeistert äußere ich mich zu den Charakteren. Natürlich konnte die Autorin nicht in die Tiefe gehen, weil die Handlung ebenso wichtig war, aber Fallon als Protagonistin und Reed und Jess als ihre Ergänzungen war ein sehr stimmiges Trio. Das mit Fallon und Reed ging insgesamt etwas zu schnell, aber auch hier wieder scheint es sinnvoll zu Gunsten des Rests. Es war eben vorrangig keine Liebesgeschichte, sondern eine Abenteuer- und Fantasygeschichte und dafür wurden die Anforderungen erfüllt.

Fazit: Ich bin immer noch erstaunt, dass eine so talentierte Autorin wie Laura Kneidl potenzialreiche Ideen nach einem Einzelband schon wieder loslassen kann, denn es wirkt so vergeudet. „Das Flüstern der Magie“ wirkt wie der Auftakt einer abenteuerlichen Reihe, aus der man noch so viel mehr machen könnte. Wir haben einen Einzelband, der auch funktioniert, weil sich nicht an Details aufgehalten wird, sondern eine spannende Geschichte stetig vorangetrieben wird, dazu sympathische, mutige und aufgeweckte Figuren und fertig ist eine gute Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 23.05.2020

Im Gesamten zu technisch und daher nicht gefühlvoll genug

When Katie met Cassidy
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Ich habe von bold bisher vier Bücher gelesen, wovon zugegebenermaßen gleich drei von Colleen Hoover waren, die ohnehin einen festen Platz in meinem Herzen hat, aber trotzdem merke ich, dass dieser Verlag ...

Ich habe von bold bisher vier Bücher gelesen, wovon zugegebenermaßen gleich drei von Colleen Hoover waren, die ohnehin einen festen Platz in meinem Herzen hat, aber trotzdem merke ich, dass dieser Verlag sich den Geschichten annimmt, die eher ungewöhnlich sind, die nicht den Mainstream bedienen und ja, auch Hoover hat sich zuletzt sehr experimentierfreudig gezeigt. Nun also „When Katie Met Cassidy“, das wegen der Gleichberechtigung von gleichgeschlechtlicher Liebe ohnehin vom Genre her viel öfters vertreten sein sollte.

Gerade nach den ersten Kapiteln hatte ich den Eindruck, es mit einer Kurzgeschichte zu tun zu haben. Das Erzähltempo war sehr hoch, die entscheidenden Elemente wurden schnell angetrieben, um so zum Kern der eigentlichen Geschichte zu kommen. Mir ist zwar bewusst, dass es letztlich definitiv keine Kurzgeschichte war, aber dennoch ist dieser Eindruck bis zum Ende präsent geblieben. Auch weil mit der Lesbenbar eine Metapher für diese Geschichte gefunden wurde, um die sich alles herum entwickelt hat. Es waren viele gute Bilder in der Geschichte und ich habe die ganze Zeit gedacht, wie sehr sich „When Katie Met Cassidy“ doch für eine Literaturanalyse eignen würde, da man wirklich gemerkt hat, dass hier viele einzelne Elemente perfekt aneinandergesetzt wurden, um ein stimmiges Bild zu ergeben.

Da die Umsetzung der Handlung aber so technisch wirkte, ist mir leider insgesamt zu sehr das Gefühl auf der Strecke geblieben. Katie und Cassidy sind jede für sich unheimlich authentisch und nachvollziehbar gestaltet worden. Sie sind eindeutig Gegenpole, die diese Geschichte auch brauchte, aber zusammen hat es für mich leider nicht klick gemacht. Ab und zu konnte eine gewisse Spannung aufgebaut werden, in der man richtig in der Handlung mitgefiebert hat, bis es dann aber doch wieder verpuffte. Das lag leider auch daran, dass die Geschichte an einigen Stellen sehr explizit sein will, es aber nicht bis zum Ende durchzieht. Ich muss wahrlich nicht ständig Sexszenen haben, aber hier wurde so konsequent vor der Schlafzimmertür verharrt, während Katie aber dennoch fasziniert und scheu gleichermaßen in den Sexshop laufen darf, um dort alles auszuprobieren. Durch diesen Gegensatz hatte ich leider den Eindruck, dass die Autorin die letzten Schritte nicht gehen wollte, was dann aber leider eher feige wirkt.

An sich ist es aber wirklich eine interessante Darstellung einer lesbischen Beziehung, in der die eine schon lange völlig mit sich im Reinen ist, während die andere sich selbst erst kennenlernen muss. Die Gedankengänge beider waren stets transparent und für mich als Leserin völlig logisch. Aber wie gesagt, so richtig überzeugt hat es mich nur in der Einzelbetrachtung, aber nicht in der Beziehung zueinander.

Fazit: „When Katie Met Cassidy“ ist auf der einen Seite sehr minimalistisch gehalten, auf der anderen aber ein Kunstwerk, in dem vor allem metaphorisch schöne Zusammenhänge entstehen. Dieser Zwiespalt lässt sich auf die anderen beiden Bereiche ebenfalls ausweiten, weswegen am Ende auch ein gemischtes Endergebnis bleibt. Unterhaltsam, aber leider kein absolutes Must-Read.

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Veröffentlicht am 17.05.2020

Willkommen bei K-Pop

When We Dream
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Ich muss ehrlich eingestehen, dass ich bei dem Klappentext zu „When We Dream“ etwas ungläubig geschaut habe. K-Pop ist mir natürlich ein Begriff, da ich nicht völlig abseits des Mainstreams lebe, aber ...

Ich muss ehrlich eingestehen, dass ich bei dem Klappentext zu „When We Dream“ etwas ungläubig geschaut habe. K-Pop ist mir natürlich ein Begriff, da ich nicht völlig abseits des Mainstreams lebe, aber es ist überhaupt nicht meine Musikrichtung und die Kultur, die mich interessiert. Andererseits sucht man bei New Adult immer wieder nach neuen Impulsen, nach neuen Trends etc. Was wäre da besser als K-Pop und eine Welt, die mir völlig fremd ist? Daher habe ich zu dem Debüt von Anne Pätzold gerne gegriffen und es nicht eine Sekunde bereut.

Was ich zunächst mit wahren Begeisterungsstürmen loswerden möchte, ist der wunderbare Schreibstil. Ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen, da Pätzold deutsch schreibt wie so viele andere Autoren aus unserem Heimatland auch, aber ich habe mich speziell von ihrer Wortwahl, ihrer Rhythmik und ihrer Mischung aus Dialog und tiefgehenden Gedanken wie auf Wolken getragen gefühlt. Es war wie in einem Schwebezustand, dass sich jedes Wort richtig platziert anfühlte, wie aus einem Guss eben. So ein Gefühl habe ich wirklich selten und dann auch noch bei einem Debüt, das ist schon sehr bemerkenswert.

Was mir dagegen etwas Sorgenfalten auf die Stirn getrieben hat, ist die Tatsache, dass aus der Liebesgeschichte von Ella und Jae-yong ein Dreiteiler gemacht wird. Schon Mona Kasten hatte eine solche Geschichte vor zwei Jahren in drei Bänden verpackt. Die Bücher waren zwar nicht für die Tonne, weil sie auch eine Autorin ist, die immer erzählen kann, aber dennoch ist wohl nahezu jeder am Ende zum Fazit gekommen, dass es höchstens zwei Bände auch getan hätten. Sie hat die vielen Seiten mit Nebengeschichten gefüllt, die fast so viel Platz wie die eigentliche Hauptgeschichte bekommen haben, hier bei Pätzold wiederum wirkt die Geschichte wie ein Tagebuch, da man in nahezu alle Momente aus Ellas Leben mitgenommen wird. Es gibt immer wieder kleine Höhepunkte und eben diesen Schreibstil, die den Leser vorantreiben, aber dennoch lässt sich auch hier ablesen, dass es drei Bände wahrscheinlich nicht sein muss. Dennoch fände ich es fatal aufgrund dieser Tatsache Band 1 direkt zu verurteilen, denn neben dem tollen Schreibstil gab es auch noch andere positive Aspekte.

Zum einen ist es extrem hilfreich, dass Hauptfigur Ella in der Welt von K-Pop ebenfalls ein Neuling ist. Mit ihr entdeckt man diese Welt, die nicht nur in goldenen Farben gezeichnet wird, sondern mit all ihren Stärken und Schwächen abgebildet ist. Mit Jae-yong hat man zudem einen Gegenpart gefunden, der herzallerliebst ist. Er ist einfach von Grund auf gut, hier muss man als Leser nichts hinterfragen, aber es wird schnell klar, dass er Teil einer Welt mit extrem vielen Regeln ist, die beflügeln, aber einsperren gleichermaßen kann. Auch wenn wir in seinen Kopf nicht gucken dürfen, ist durch seine Worte und seine Taten sehr viel von ihm ein offenes Buch und dieses Gegenwicht zu Ella ist sehr gut gelungen. Zudem hat man für den Keil, der für die Dramatik zwischen sie getrieben wird, ein starkes Argument. Es wirkt nicht absurd am Ende, wenn das Happy End nicht sofort auf dem Serviertablett geliefert wird. Die Welt des K-Pops ist bis zum bitteren Ende durchgestrickt, nicht flexibel und das bringt Herausforderungen mit sich, die der Kultur geschuldet ist, nicht aber den dramatischen Launen einer Autorin. Daher bin ich sehr gespannt, wie es hier weitergehen wird.

Ansonsten möchte ich auch noch hervorheben, dass hier eine höchst authentische Liebesgeschichte erzählt wird. Auch wenn die Ausgangssituation durchaus klischeehaft ist, ist es die Umsetzung überhaupt nicht. Hier wird ein langsames Kennenlernen erzählt, das zu keinem Zeitpunkt überhastet wird. Es geht nicht nur um körperliche Anziehung, es geht von Anfang an um mehr und zu keinem Zeitpunkt wird von Liebe gesprochen, wo es auch noch keine sein kann. Das macht mir das Buch ebenfalls extrem sympathisch.

Fazit: „When We Dream“ ist für mich eine wirkliche Überraschung im New Adult-Genre. Auf die nahezu beste Art und Weise wurde ich in die Welt des K-Pops eingeführt, ohne dass diese aber nur positiv dargestellt wurde, sondern einfach realistisch. Zudem ist auch die Liebesgeschichte so sanft, so zart, dass sie einen tief innen drin trifft. Einzig die Tatsache, dass diese Idee zu einem Dreiteiler ausgebaut werden muss, hinterfrage ich kritisch, denn es gibt definitiv Längen. Aber für was noch kommt, will ich diesen zufriedenstellenden Auftakt nicht verurteilen.

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