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Veröffentlicht am 03.08.2026

Naivität als Geduldsprobe

Enemies Are Made (2). Die Monster der Pandora
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Nach dem Medusa-Retelling ging es jetzt auch fix weiter in der ersten Buchreihe von Julia Holz, denn wir haben mit „Enemies are Made“ schon den zweiten Band vorliegen, der sich mit Pandora beschäftigt. ...

Nach dem Medusa-Retelling ging es jetzt auch fix weiter in der ersten Buchreihe von Julia Holz, denn wir haben mit „Enemies are Made“ schon den zweiten Band vorliegen, der sich mit Pandora beschäftigt. Das war schon im ersten Band deutlich angeteasert worden und ich war auch hier sehr gespannt, denn Pandora ist ebenfalls keine Figur, mit der ich mich schon übermäßig beschäftigt habe, sodass ich hier sehr offen auf alles war.

Positiv ist an der Sache auf jeden Fall, dass Julia offenbar einen Stil gefunden hat, den sie hier weiter konsequent durchzieht. Das bedeutet, wir haben wieder die abwechselnden Perspektiven von Pandora und Grace, wie diese in ihrem irdischen Leben heißt. Da wir wie bei Isla auch keine Protagonistin haben, die sich lieber von allem Göttlichen ferngehalten hat, können wir mit Grace jetzt richtig Belle Haven erkunden und dabei vor allem mehr verstehen, was an der Uni vor sich geht und was dort genau warum gelehrt wird. Wir haben generell wieder den bereits existierenden Freundeszirkel und es war schön, da direkt an etwas anzuknüpfen, was man nur kurz mal aus den Augen verloren hat und wo man jetzt wieder richtig eintauchen kann und sich wohl fühlen kann. Man merkt auch, dass wir trotz wechselnden Paares durchgehende Handlungen haben. Bei Isla und Adrian haben wir noch offene Fragen. Stehno muss sich noch in ihrer Rolle einfinden. Und auch das Schicksal von Andromeda muss noch geklärt werden. Hier haben wir also ein klares Korsett, das die Geschichte von Pandora einrahmt.

Mit dem männlichen Protagonisten haben wir einen kompletten Neuzugang und hier wird schnell gelüftet, dass es sich um Prometheus handelt, der als Eden auf der Erde wandelt. Auch hier wieder eine Figur, bei der ich nur weiß, dass sie den Menschen das Feuer gegeben hat, dementsprechend fand ich es sehr berührend, seine Geschichte durch die Pandora-Kapitel zu ergründen. Es hat auch insgesamt dafür gesorgt, dass ich Eden viel lieber mochte als Grace. Er hatte eine angenehme raue Fassade, in beiden Perspektiven, aber man hat ihm stets angemerkt, dass er gute Dinge wohldurchdacht erledigt. Aber er hat dabei eine Aura, die sehr attraktiv wirkt. Grace wollte ich viel, viel lieber mögen, aber ich muss schon sagen, dass es mit ihr schwer war. Und es ist etwas, was ich hier Julia auch nicht richtig als Entscheidung zu Last legen kann, denn Pandora als erschaffen von verschiedenen Göttern ist in der Anlage als naiv und treu dem Olymp gegenüber gezeichnet. Dementsprechend wäre es wohl kein richtiges Retelling gewesen, sie sofort als toughe und total unabhängige Frau zu charakterisieren. Aber auch wenn es für die Geschichte konsequent war, so war es stellenweise sehr schwierig zu lesen. Das gilt konkret für die Grace-Kapitel, weil ihre Recherchen zu Eden so unfassbar plump waren und sie hat es wieder und wieder so gemacht. Da fehlte mir dann irgendwann eine gewisse Cleverness, es vielleicht mal etwas anders zu versuchen. Grace spielt später selbst mit der Eigenschaft Naivität, aber selbst wenn da eine selbstreflexive Perspektive war, aber puh, es war echt extrem anstrengend.

Umso überraschter war ich, dass mir die Dynamik zwischen den beiden dennoch gefallen hat. Das hat wahrscheinlich Eden ausgeglichen, der ihr plumpes Wirken immer angemessen und doch auch wieder charmant erwidert hat. So war die Spannung auf jeden Fall gut da und wurde natürlich auch durch das Miteinander von Pandora und Prometheus in der Vergangenheit gut ergänzt. Ein Kritikpunkt ist auch, dass mir Band 2 zu inhaltlos erscheint. Bei Band 1 hatte ich den Eindruck, dass genug passierte, aber zu viel drum herum geschrieben wurde. Bei Band 2 gibt es auch wieder viel drum herum, aber dann inhaltlich auch nicht genug. Und das liegt glaube ich daran, dass Julia sich entschieden hat, für Grace und Eden kein wichtiges Zwischenergebnis zu erzielen. Auch bei Isla und Adrian ging es hier noch weiter und trotzdem wirkte ihr Rahmen in Band 1 auserzählt. Bei Grace und Eden ist das aber sehr offensichtlich nicht der Fall. Das heißt, man merkt, dass auf Großes hin erzählt wird, aber wir bekommen es einfach nicht. Und dann finde ich, dass die erzählerischen Höhepunkte in Band 2 fehlen. Ich konnte es gut lesen, aber wenn man dann knapp über 500 Seiten gelesen hat und feststellt, dass gar nicht so viel passiert ist, dann ist das doch schade.

Das Ende führt uns zur Protagonistin des dritten Bandes hin und auch zum ergänzenden Part gibt es Andeutungen. Ansonsten wird auch deutlich, dass das Finale einen großen Showdown liefern wird, von dem ich auch angenehm wenig erahnen kann. Das ist alles reizvoll, aber ich hätte mir trotzdem gewünscht, dass die Entwicklung von Grace deutlicher in Band 2 abgeschlossen worden wäre. Sie hat Schritte gemacht, aber für mich nicht genug.

Fazit: „Enemies are Made“ war für mich ein richtiges Auf und Ab. Es war spannend, die Geschichte von Pandora und Prometheus zu ergründen, aber es war anstrengend, Graces Naivität zu ertragen und gleichzeitig zu wissen, dass es in der Geschichte eigentlich konsequent ist. Zudem finde ich leider, dass es sich beim Lesen wie ein klassischer Zwischenband von beispielsweise Fantasy-Reihen anfühlte. Es ist inhaltlich nicht so viel passiert und es wird nur alles für den finalen Band vorbereitet. Angesichts der Pärchen-Struktur fand ich das hier aber nicht clever, weil es sich nicht fertig erzählt anfühlt, Cliffhanger hin oder her.

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Veröffentlicht am 31.07.2026

Zu wenig Tennis

You Are My Wildcard
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Das letzte Kapitel an der Fairview University steht an und da musste ich bei „You Are My Wildcard“ natürlich dabei sein. Ich habe an der Reihe sehr geschätzt, dass wir uns bei jedem Band einer anderen ...

Das letzte Kapitel an der Fairview University steht an und da musste ich bei „You Are My Wildcard“ natürlich dabei sein. Ich habe an der Reihe sehr geschätzt, dass wir uns bei jedem Band einer anderen Sportart widmen. Ständig neue Impulse und auch Überprüfen, welche Sportart für einen bei Sports Romance am besten ankommt. Da hat Emily Aves doch einiges angeboten.

Im Abschlussband haben wir das Thema Tennis. Ich war ehrlich gesagt sehr aufgeregt. Natürlich hatten wir dieses Jahr auch wieder die Grand Slams, von denen vor allem die French Open wegen Zverev natürlich sehr präsent waren, aber ich habe dieses Jahr auch endlich „Carrie Soto is Back“ gelesen und da mal wieder festgestellt, dass Tennis bei Sports Romance nicht zu unterschätzen ist. Da mir bislang wirklich gut gefallen hat, wie Aves die Sportarten integriert bekommt, muss ich hier erstmals Enttäuschung aussprechen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass Tennis hier in seiner Essenz eingefangen wurden. Die entsprechenden Szenen hätten auch durch jede andere Sportart ausgetauscht werden können, weil das Ergebnis dasselbe gewesen wäre und das war bei den anderen beiden Bänden eindeutig nicht. Dementsprechend steht das diesmal nicht auf der Haben-Seite.

Wie generell bei der Reihe haben wir ein Paar, das wir ganz neu mit seinem Umfeld kennenlernen, weil die einzelnen Geschichten nur durch die Uni miteinander verbunden sind. Aber es gab diesmal charmante Cameos, die ich sehr zu schätzen wusste. Aber es war für mich absolut angemessen, dass wir hier keine Paare haben, die alle eng miteinander befreundet sind. Gerade über die Sportarten hinweg wäre das unrealistisch gewesen und ich mochte die Entscheidung hier sehr. Es hat natürlich auch was, immer wieder ein komplett neues Figurenrepertoire kennenzulernen. Hier war ich etwas zwiegespalten. Ich fand Levi und Dove sehr angenehm, aber die Darlings waren mir etwas zu expressiv und übertrieben gestaltet. Auch wenn für die Zwillinge Noa und Nolan sicherlich nicht alles so gelaufen ist, wie sie es sich gewünscht haben, aber man hat ihnen ihre Privilegien sehr angemerkt und generell fand ich Noa durch ihren Ehrgeiz sehr ich-bezogen. Umgekehrt fand ich die Eltern dann auch zu drastisch in ihren Plänen, weil es schließlich ihre Erziehung war. Auch wenn sich zum Ende der Geschichte hin vieles sehr positiv entwickelt hat, aber das war leider nicht so meine Familie, auch wegen der Andeutungen von Nolan und Dove, die mir eher eine unangenehme Gänsehaut beschert haben.

Levi als Protagonist war da deutlich angenehmer und ich fand ihn viel bodenständiger. Er hat für mich die Geschichte auch emotional getragen, weil man bei ihm deutlich gemerkt hat, dass er ist, was er sagt. Er öffnet sich sensibel, aber er ist auch ein Mann der Taten. Und auch wenn ich also eine Diskrepanz in den Sympathien für das Paar hatte, so fand ich die gemeinsamen Szenen, gerade in der Vergangenheit, doch charmant. Was ich dann noch festhalten möchte, ich fand, dass die Vergangenheit zu viel Raum bekommen hat. Sie war sehr wichtig und sie wurde hier deutlich genutzt, um länger ein Mysterium zu haben, was Levi und Noa einst auseinandergetrieben hat. Aber ich fand das Verhältnis nicht richtig, weil die Vergangenheit wichtiger als die Gegenwart wirkte. Vor allem weil ich als Konsequenz für die Gegenwart das Gefühl hatte, dass die eher auf der Stelle trat. Man merkte, dass beide Figuren sich etwas vorwerfen, aber sie sind immer drum herum getanzt, als ehrlich darüber zu sprechen, so hätte sich manches früher aufklären können. Ich hätte die Vergangenheit so mehr genießen können, wenn ich in der Gegenwart nicht immer mehr genervt gewesen wäre. Für das Ende finde ich dann aber wieder, dass alles passte. Es wurde noch sehr emotional und es fühlte sich dann schon sehr rosarot an, was ich aber angesichts des Umstands, dass es das Finale war, gut fand.

Fazit: „You Are My Wildcard“ ließ sich wieder sehr gut lesen, aber es war leider nicht in der Reihe von Emily Aves keine weitere qualitative Steigerung. Diesmal hatten wir Tennis im Zentrum und diesmal kam die Sportart aber nicht so zur Geltung. Ich fand auch die Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart nicht gelungen. Trotzdem gab es Highlights und die generelle Idee, mehrere Sportarten und weitestgehend unabhängige Geschichte zu haben, lasse ich als großes Plus stehen.

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Veröffentlicht am 29.07.2026

Wenig Bridgerton, mehr Selection

Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain
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Angesichts des ganzen Fantasy-Angebots auf dem deutschen Buchmarkt und dass ich nicht allzu viel aus dem Genre lese, gehen mir vielen Bücher völlig durch, also bin ich entweder neugierig wegen eines Covers ...

Angesichts des ganzen Fantasy-Angebots auf dem deutschen Buchmarkt und dass ich nicht allzu viel aus dem Genre lese, gehen mir vielen Bücher völlig durch, also bin ich entweder neugierig wegen eines Covers oder verlasse mich auf die überzeugende Meinung anderer Blogger. So bin ich auf „Hof der Dornen: The Rose Bargain“ gestoßen, das auch mit Parallelen zu „Bridgerton“ beworben wurde, da wurde ich dann doch etwas neugierig. Für Autorin Sasha Peyton Smith ist es im Übrigen nicht ihr Debüt, aber auf dem deutschen Buchmarkt ist sie ein Neuling.

Ich habe „Hof der Dornen“ als Hörbuch gehabt und habe die doch sehr erfahrene Hörbuchsprecherin Corinna Dorenkamp im Ohr gehabt. Sie gehört auch zu meinen liebsten Stimmen, hier hätte man aber der gesamten Produktion einen Gefallen getan, wenn man auf mehr Stimmen gesetzt hätte. Wir haben zwar überwiegend die Perspektive von Ivy, aber zwischendurch kommen für einzelne Kapitel auch die anderen Anwärterinnen um das Herz von Prinz Bram zu Wort und da wäre es doch einfacher gewesen, das stimmlich abzugrenzen, denn so habe ich doch manchmal zurückspulen müssen, um zu erkennen, ah, wir haben die Perspektive gewechselt. Ich fand auch manche Sprechweisen Dorenkamps für bestimmte Figuren etwas anstrengend. Also hier würde ich das Hörbuch nicht unbedingt empfehlen, aber abraten würde ich auch nicht. Hier kommt es wohl darauf an, wie hörbuch-erfahren man ist.

Kommen wir jetzt aber zum Inhalt und da finde ich, dass „Bridgerton“ sich nur sehr schwach als Parallele anbietet. Ja, es spielt in einer ähnlichen Zeit, aber durch den Fantasy-Aspekt war es für mich eine ganz andere Atmosphäre. Und auch wenn es in London ähnliche Regeln gibt, aber hätte ich dieses Buch als Erstes gelesen und dann ein Marketing-Konzept entwickeln müssen, da hätte ich statt „Bridgerton“ wohl eher auf „Selection“ oder ähnliche Reihen geblickt. Letztlich muss ich auch sagen, dass mich das Buch mal mehr, mal weniger mitgerissen hat. Für mich ist der größte Kritikpunkt wohl, dass die Phasen, in denen das Buch fast nicht wie Fantasy wirken, und dann das genaue Gegenteil, zu krass sind. Gerade beim Ende habe ich dann doch gedacht, woah, wir lesen jetzt etwas völlig anderes. Auch wenn durch die ständige Präsenz von Königin Moryen Magie immer ein Thema war, aber man konnte es etwas aus den Augen verlieren, wenn dann aber High Fantasy anklopft, dann fühlt sich der Bruch zu groß an.

Was ich auf der Habenseite verbuche, das ist die angesprochene Tatsache, dass von den letzten Frauen, die um Brams Hand werben, alle mal in den Fokus rücken, auch wenn es nur kurz ist. Aber ich fand es interessant, welch höchst unterschiedliche Schicksale sie haben, wie unterschiedlich sie als Menschen sind und warum sie mit welchen Interessen und Hoffnungen den Wettbewerb eingegangen sind. Ich fand auch, dass sich die Handlung gerade am Ende sehr clever zusammengesetzt hat. Smith hat zwischendurch vieles offen gelassen, dann am Ende aber bewiesen, dass sie immer einen klaren Plan im Kopf hatte. Stilistisch kann ich der Geschichte also nicht viel vorwerfen. Trotzdem ist der Funke einfach nicht übergesprungen, obwohl ich eine ereignislose Autofahrt vor mir hatte, wo ich leicht hätte gepackt werden können. Ich fand Ivy als zentralen Anker zu unbeständig. Ich fand Emmett nicht reizvoll genug, um ihn gegenüber Bram als totales Gegenteil zu erleben. Dementsprechend habe ich nicht gespannt alles verfolgt. Die einzelnen Wettbewerbe waren da schon wieder besser, aber auch hier, es gab einfach zu wenig Passagen, wo ich mir gewünscht hätte, eine noch schnellere Geschwindigkeit einstellen zu können, die ich noch verstehen könnte, weil ich es nicht mehr abwarten kann.

Fazit: „Hof der Dornen“ mit Band 1 ist sicherlich kein schlechter Auftakt, aber da Fantasy bei mir nicht die höchste Priorität hat, schaue ich doch mal genauer hin und hier muss ich sagen, dass ich die Reihe eher nicht weiterverfolgen werde. Solche Geschichten gibt es zum einen schon, zum anderen fand ich den Fantasy-Anteil über den Verlauf zu grob unterschiedlich. Auch die Figuren haben mich nicht alle wie gewünscht gereizt. So war mir das Hörerlebnis dann zu zäh.

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Veröffentlicht am 29.07.2026

Mehr Tiefgang über Trauer-Thematik

All die Farben zwischen uns
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In meiner Rezension zu „Written Into My Heart“ von Saskia Louis hatte ich schon geschrieben, dass ich ihre Bücher besonders gerne im Sommer lese. Beim Klappentext von „All die Farben zwischen uns“ war ...

In meiner Rezension zu „Written Into My Heart“ von Saskia Louis hatte ich schon geschrieben, dass ich ihre Bücher besonders gerne im Sommer lese. Beim Klappentext von „All die Farben zwischen uns“ war zwar schon zu erahnen, dass die Autorin mal etwas anderes ausprobiert und trotzdem habe ich das Buch jetzt auch noch in den Sommer gepackt.

Ich hatte „All die Farben zwischen uns“ als Hörbuch mit der Stimme von Nina-Carissima Schönrock, die mir stimmlich bislang glaube ich nicht begegnet ist. Es ist immer auch mal wieder gut, eine neue Stimme im Ohr zu haben und ich kann wahrlich nicht meckern, weil Schönrock für mich die verschiedenen Seiten der Geschichte, vor allem die Emotionalität, sehr überzeugend angegangen ist. Da konnte ich auf jeden Fall gut mitfühlen.

Mit Louis bringe ich vor allem ganz viel Humor und auch eine gewisse Leichtigkeit in Verbindung. Wenn die Protagonistin aber den Mann an einen Hirntumor verloren hat, dann ist das wahrlich nicht die ideale Assoziation, um eine glaubwürdige Geschichte zu erzählen. Dementsprechend fand ich doch bis zur Hälfte etwa, dass ich von der Autorin mal eine andere Seite erlebt habe. Sie hat den intensiven Trauerprozess von Ellie nämlich sehr überzeugend dargestellt. Die Idee mit ihr als Künstlerin und die ganzen Metaphern mit den Farben war ein schönes, greifbares Bild, was auch konsequent durchgezogen wurde, sodass man nachvollziehbar mitverfolgen konnte, an welchem Punkt Ellie gerade jeweils ist. Durch die tiefe Trauer und das Bedürfnis nach Isolation war Ellie sicherlich keine Figur, die total leicht ins Herz zu schließen war, aber ich bin mit ihr in die Situation gewachsen. Es war auch wichtig, dass wir viel von der Beziehung mit Phil mitbekommen haben. So war die Trauer besser nachzuvollziehen. Auch wenn Szenen beschrieben wurden, in denen das Paar sich uneinig war, aber trotzdem war die tiefe Liebe füreinander zu spüren.

Mit der Ausgangslage geht es schließlich nach Wales. Ich war noch nie in dem Land und es ist auch kein Sehnsuchtsort von mir, aber ich habe durch das Buch gespürt, wie man alles dort lieben kann, auch wenn es natürlich durch diese Kleinstadt mit doch skurrilen Figuren sicherlich speziell war. Aber durch Ellies Beruf wurde auch viel von der Landschaft beschrieben, was berühren kann. Louis bleibt bei Ellie sehr konsequent, was ich respektiere, aber ich kann auch nicht verhehlen, dass mir dadurch der erste Teil der Geschichte auch schon mal etwas langatmig vorkam. Gerade weil Liam dann auch eher grummelig dargestellt wurde, hat sich die Stimmung zu sehr in eine Richtung geneigt und da hätte ich gerne schon andere Aspekte gehabt.

Insgesamt bin ich mit dem Handlungsverlauf aber zufrieden, vor allem weil in der zweiten Hälfte wieder mehr der übliche Stil von Louis rauskam. Das hat auch die ganze Vorarbeit zuvor nicht zunichte gemacht. Ich fand es nachvollziehbar, dass Ellie sich immer mehr öffnen konnte und mehr ihr eigentliches Ich rauskehren konnte und das war dann verspielter und schlagfertiger. Deswegen hatte ich dann auch echt Spaß an der Dynamik zwischen den beiden Protagonisten, weil man umgekehrt auch bei Liam zunehmend gemerkt hat, wie sie ihn dazu gebracht hat, wieder anders aufs Leben zu schauen. Auch wenn ich geahnt habe, dass es noch ein großes Geheimnis gibt, aber ich hätte diese Auflösung nicht vermutet. Sie war schon fast etwas absurd, aber das ist Saskia Louis für mich. War es jetzt für dieses konkrete Buch, mit dieser ersten Hälfte, das Richtige? Das muss jeder selbst entscheiden, aber ich lese diese Art einfach zu gerne, sodass ich mich sehr amüsiert habe. Ich fand auch, dass in der Absurdität dennoch wichtige Erkenntnisse rüberkamen. Die Charaktere sind mir insgesamt sehr ans Herz gewachsen und ich habe gerade am Ende sehr mitgefiebert.

Fazit: „All die Farben zwischen uns“ ist schon deutlich anders als „Written Into My Heart“ von Saskia Louis und doch sind in der zweiten Hälfte wieder viele positive Parallelen zu erkennen. Ich fand diesen etwas ernsteren Stil auch mal interessant und ich fand den Trauerprozess von Ellie authentisch dargestellt. Mir ging es etwas zu lang, aber spätestens in der zweiten Hälfte kam dann alles so zusammen, wie ich es von der Autorin am liebsten habe. Also wieder ein Buch von Louis, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 28.07.2026

In allen Belangen wohl durchdacht

Weil sie lügt
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Von der deutschen Autorin Caroline Seibt hatte ich noch nichts gehört. „Weil sie lügt“ ist aber nicht ihr Erstlingswerk und ihre vorherigen Bücher haben auch in keinem hinteren Winkel meines Kopfs etwas ...

Von der deutschen Autorin Caroline Seibt hatte ich noch nichts gehört. „Weil sie lügt“ ist aber nicht ihr Erstlingswerk und ihre vorherigen Bücher haben auch in keinem hinteren Winkel meines Kopfs etwas ausgelöst, also gut, dass ich mehrere sehr positive Stimmen zu diesem Thriller gehört habe, um die Autorin auf den Schirm zu bekommen.

Vergleiche zu Melanie Raabe und Freida McFadden sind ja echt nicht ohne und können auch falsche Erwartungen schüren. Bei „Weil sie lügt“ war das aber nicht der Fall. Ich habe mir angesichts des Titels keine großen Gedanken gemacht und auch den Klappentext habe ich erst direkt vor Beginn gelesen. Ich habe mich also regelrecht reingestürzt und so ist auch der Einstieg gestaltet. Das schreckliche Ereignis, das Juli verschwand, liegt schon ein Jahr zurück und wir lernen über Annas Perspektive den furchtbaren Zustand ihrer Familie kennen. Parallel haben wir Kommissarin Katharina, die einen heißen Tipp auf den Verbleib von Juli bekommt, sodass dort für beide Perspektiven die Handlung angestoßen wird, die sich zwangsweise immer wieder überschneidet. Das ständige Wechseln zwischen den beiden Perspektiven war dabei eine clevere Wahl. Denn beide Frauen und was sie erleben, ist spannend gestaltet und dann immer auf das übernächste Kapitel warten zu müssen, bringt einen dazu, immer nur weiterlesen zu wollen. Eine fixe Lektüre ist es dadurch auf jeden Fall geworden. Und auch wenn am Anfang viele Fragezeichen entstehen, aber ich fand es nicht überfordernd, weil sich schnell die Lücken gefüllt haben, um den Inhalt gut folgen zu können.

Charakterlich sind Anna und Katharina beide unheimlich gut gestaltet. Gerade im Rückblick finde ich auch den Titel so clever, weil wir diese zwei Frauenfiguren haben, durch die wir alles erleben und auf die wir auch angewiesen sind. Aber im Hinterkopf zu haben, dass auf jeden Fall Lügen im Spiel sind, hat mich natürlich auch skeptisch gemacht. Gleichzeitig fand ich es sehr angemessen, dass beide Figuren höchst ambivalent gestaltet sind. Bei Katharina beispielsweise erleben wir ihren Ärger, von vielen männlichen Kollegen nicht ernst genommen zu werden. Wir haben aber auch ihre Familiensituation und wie viel der Job ihr da an Gunst genommen hat, weil sie immer so viel absagen und aufschieben muss. Dafür haben wir aber eine Ermittlerin, die sich mit Haut und Haaren der Ermittlung verschreibt. Anna umgekehrt hat mich sehr an Tilda aus „22 Bahnen“ erinnert. Auch hier ein jüngeres Geschwisterkind, für das die Verantwortung übernommen wurde. Auch hier eine Mutter, die von Dämonen gejagt wird und auch hier eine junge Frau, die ihr Leben vollkommen auf Pause gestellt hat. Da hören die Parallelen aber auf, denn durch das Verschwinden von Juli ist da noch etwas im Leben, was sie akut beeinflusst und nach und nach gibt es Hinweise, dass Anna nicht nur passiv auf Antworten wartet, sondern selbst Antworten sucht und dabei Grenzen überschreitet. Also zwei spannende Charaktere, die sehr nahbar gestaltet waren, auch wenn man sie nicht immer mögen oder nachvollziehen konnte. Aber zwei Charaktere, bei denen man am Ball bleiben wollte.

Wofür ich auch ein großes Lob aussprechen will, das ist eindeutig die Gestaltung des Spannungsaufbaus. Man kann wahrlich nicht behaupten, dass der steil nach oben ging, stattdessen war es immer eine ansprechende Kurve. Neue Erkenntnisse und Vermutungen (bei mir) gab es immer wieder neu, dazwischen gab es aber immer wieder Pause, um alles zu sortieren und vertrauter mit den Figuren und ihrer Last zu werden. Das hat neben dem Perspektivenwechsel auch einen guten Rhythmus beschert. Zudem war für mich überhaupt nicht schlüssig, in welche Richtung es geht und was eigentlich alles die Fragen sind, zu denen wir auf Antworten warten. Seibt schreibt selbst im Nachwort, dass sie zu Beginn nicht wusste, wie es enden wird und vielleicht ist das für den ein oder anderen auch einfach ein Geschenk. Denn so war nicht zu früh etwas durchschaubar. Nur eine Sache war mir eigentlich klar, der Vater, wie beschuldigt, war es sicherlich nicht. Ansonsten aber habe ich mich einfach mittreiben lassen und wurde doch an vielen Stellen stark überrascht. Auch der Titel gewinnt am Ende nochmal eine ganz andere Bedeutung.

Fazit: „Weil sie lügt“ ist ein starker deutscher Thriller, der dafür sorgt, dass Caroline Seibt fortan von mir im Auge behalten wird. Erzählweise, Charaktere und Struktur waren wohl durchdacht und haben eine Lektüre beschert, die fix geht und die nie oberflächlich erscheint. Ich wurde auch genau richtig von Wendungen überrascht und kann daher nur eine dicke Empfehlung aussprechen.

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