Gute und weniger gute Eindrücke
Not Quite Dead YetIch habe noch kein einziges Buch von Holly Jackson gelesen, habe aber die Adaption ihrer Jugendbuchreihe rund um Pip gesehen. Da ich inzwischen gemerkt habe, dass ich für Jugendbücher manchmal etwas zu ...
Ich habe noch kein einziges Buch von Holly Jackson gelesen, habe aber die Adaption ihrer Jugendbuchreihe rund um Pip gesehen. Da ich inzwischen gemerkt habe, dass ich für Jugendbücher manchmal etwas zu ‚alt‘ bin, kann ich mir das szenisch umgesetzt deutlich besser geben. Woran das genau liegt, keine Ahnung. So war ich jetzt aber doch neugierig auf „Not Quite Dead Yet“, wo die Protagonistin Jet diesmal deutlich näher an meinem eigenen Alter ist, sodass sich der Thriller auch an ein älteres Zielpublikum richtet.
Ich habe das Hörbuch gehabt. Nicolás Artajo spricht nur wenige Passagen, ist daher als Wahl für mich auch eher uninteressant gewesen. Wobei er als Ausgangspunkt einer Kritik sich dann doch sehr gut eignet. Er ist zwar selbst nicht mehr so jung wie seine Figur, aber er hat eine sehr junge Stimme, weswegen er im NA-Genre doch echt häufig zu hören ist. Vera Teltz wiederum hat eine sehr reife Stimme, die gut zum Alter der Hörbuchsprecherin passt und wenn ich mir so angucke, was sie sonst spricht, dann sind das viele Thriller und Krimis, was ich auch gut nachvollziehen kann. Deswegen vermute ich auch, dass hier einfach nach Genre besetzt wurde, aber es ist für mich unglücklich. Es ist ein Thriller, ja, aber Jet ist keine 30 Jahre und die Stimme passte für mich überhaupt nicht, gerade dann auch im direkten Vergleich zu Artajo.
Weiterhin kommt für mich hinzu, dass ich bei Jet schnell den Eindruck hatte, dass sie eine Kopie von Pip ist. Die Jugendliche kenne ich wie gesagt nur durch die Serie, aber spätestens mit dem Buch hier weiß ich, dass ich eine authentische Adaption bekommen habe, denn die Art von Pip ist in Jet genau wiederzuerkennen. Sie ist zwar zehn Jahre älter, aber sie wirkt dennoch sehr jung geblieben, in vielen Sequenzen auch arg naiv. Da passt die Stimme dann noch weniger, weil Teltz den Eindruck einer reifen Frau ausstrahlt und Jet ist es aber charakterlich null. Das ist hier mein Kritikpunkt, weswegen ich vom Hörbuch wohl eher abraten würde.
Kommen wir jetzt zu dem, was Jackson alleine beeinflussen konnte. Ich fand es erst etwas schwierig reinzukommen, weil wir bei dem Dorffest viele Charaktere kennenlernen, man ahnt, dass alles an diesem Abend entscheidend sein könnte, um das Rätsel zu lösen und in dem Sinne war es dann viel für den Einstieg. Mit dem Angriff auf Jet kommt dann der erste Bruch, der das Tempo rausnimmt und ab da fiel es mir auch leichter, mich einzufinden. Ich habe die Familienmitglieder sortiert bekommen, wir lernen weitere Bezugspersonen kennen und man bekommt erste starke Eindrücke, mit wem man es zu tun bekommt. Bei meinem Vergleich von Jet und Pip ist schon angeklungen, dass beide sich sehr ähneln, dementsprechend fand ich auch nicht unbedingt, dass Jackson sich mit „Not Quite Dead Yet“ neu erfunden hat. Sicherlich hat sie bei mehr Aspekten einen raushauen können, mehr ihre Grenzen austesten können, aber von der Atmosphäre her wirkte es nicht so erwachsen, wie man das sonst aus dem Genre kennt. Aber ich finde es nur halbschlimm, weil die Idee des Thrillers spannend ist. Jet überlebt den Mordversuch auf sich, hat aber dennoch eine klar definiert runterlaufende Lebenszeit, sodass sie den Täter finden will.
Wie realistisch das ist, das ist eine andere Frage, aber als Ausgangspunkt fand ich es sehr interessant, weil es der letzte finale Antrieb ist, während die Familie das alles noch gar nicht richtig zu packen bekommt und es natürlich gerne verhindern würde. Da kommt Billy als Kindheitsfreund ins Spiel und er war Jet ein wirklich toller Partner. Er hat sie machen lassen, aber er hat ihr durch seine Art auch etwas Lebensqualität noch mitgegeben. Sie haben noch wichtige Gespräche geführt, sie durfte sein Musiktalent entdecken, da war viel, was den Spannungselementen einen melancholischen Ausgleich verschafft hat. Es war letztlich auch für Jet eine Reise, die haltlos war und auch wenn sie keine zweite Chance mehr bekommen hat, so hat sie etwas über sich gelernt und konnte so eine Art Frieden finden. Jet und Billy zusammen waren damit echt mein Highlight des Buchs.
Die Thriller-Elemente würde ich wohl ambivalent betrachten. Die Familiendynamik der Masons war schon etwas seltsam. Die Sorge um Jet wirkte echt, aber drum herum waren alle etwas undurchsichtig, sodass sie aus dem Verdächtigenkreis auch nicht völlig auszuschließen waren. Und das wiederum fand ich dann fast etwas zu viel, dass Jet sterben wird und gleichzeitig alles möglich schien, was mir einfach unbehaglich war. Ich fand ansonsten aber die Spannung immer gut gesetzt. Wir sind immer etwas voran gekommen, wir hatten zwischendurch benötigte Pausen, wir hatten auch falsche Fährten, die aber dennoch etwas gebracht haben. Letztlich hat mir auch gut gefallen, dass es ein organisches Ende gab. Man hätte vermuten können, dass es wie in Fiktion schon mal üblich, eine Wunderheilung gibt oder Ähnliches. Aber nein, es wurde gemacht, was angedeutet wurde und ein kleiner Umstand hat mir da besonders gut gefallen, auf den ich hier aber nicht eingehe. Er hat die Geschichte aber extrem echt gemacht.
Fazit: Als Hörbuch würde ich „Not Quite Dead“ nicht unbedingt empfehlen, inhaltlich sehe ich Für und Wider. Der Thriller kommt jetzt nicht unbedingt viel reifer als die Jugendbuchreihe rüber, sie hat aber eine interessante Idee und viele Wendungen sowie ein unschlagbares Duo. Es war manchmal etwas viel, was alles zusammenkam, aber insgesamt doch zu empfehlen.