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Veröffentlicht am 11.12.2025

Stimmungsvoll, aber auch holprig

Copenhagen Cinnamon 1. Delicate
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Als der Herbst losgegangen ist, war „Copenhagen Cinnamon“ von Stefanie Neeb eines der Bücher, die man nur noch überall gesehen hat. Inzwischen haben wir Dezember, alle sind in Weihnachtsstimmung, offiziell ...

Als der Herbst losgegangen ist, war „Copenhagen Cinnamon“ von Stefanie Neeb eines der Bücher, die man nur noch überall gesehen hat. Inzwischen haben wir Dezember, alle sind in Weihnachtsstimmung, offiziell haben wir aber noch Herbst, also von daher war es für mich nicht so spät, nun mir mal das dazugehörige Hörbuch vorzunehmen.

Gelesen wird das ganze Geschehen durch Louis Friedemann Thiele und Aileen Wrozyna. Ihn habe ich nun schon sehr oft gehört, bei ihr war es aber das erste Mal. Ich hatte aber nichts gegen beide Stimmen auszusetzen, weil der Hörfluss gut gelungen ist. Dennoch verbindet man die Stimmen irgendwie natürlich auch mit den Charakteren und da sind wir dann bei meinem Kritikpunkt an diesem Auftaktband. Mir passiert es öfters schon mal, dass ich entweder mit ihm oder mit ihr ein richtiges Problem habe, aber dass beide mich in den Wahnsinn treiben können, das ist schon selten. Ich möchte keinesfalls behaupten, dass ich durchgängig mit Jonna und Mads nicht klar gekommen wäre, aber beide hatten ihre Momente, die es schwierig gemacht hat.

Im Grunde ging es gut los. Die jeweiligen Lebenssituationen von Mads und Jonna sind uns anschaulich präsentiert worden. Bis die beiden überhaupt das erste Mal aufeinandertreffen, haben wir schon genug Basics an der Hand und das hat mir gut gefallen. So ein Café als Setting ist immer etwas, was mich anzieht. Gerade wenn es so familiär rüberkommt und nicht wie ein Großcafé nur mit Durchgangsverkehr. Das hat dann auch mit der Stimmung gut in den Herbst gepasst, denn ich kenne es von mir selbst, dass es mit kälter werdenden Temperaturen reizvoller wird, Warmes zu trinken und wieder mehr Gebäck zu essen. Also man merkt, die Ausgangslage war gut. Auch die erste Begegnung war völlig okay, denn sie treffen ein wenig ungünstig aufeinander, aber es hatte schon einen gewissen Humor, auch weil das Buch später viel damit arbeitet, einige Momente verbal nochmal zu kopieren.

Angesichts von Jonnas Rastlosigkeit war es auch spannend zu sehen, wie sie in dem Café Leidenschaft findet. Ich fand insgesamt alles rund um das Café gelungen, was für mich aber holprig war, das war das Zusammenfinden als Paar und daraus resultierende Charakterentscheidungen. Mir ist der Punkt zu früh umgesprungen, an dem merkte, die beiden haben nun eine Bedeutung füreinander, die über Kollegen hinausgehen. Denn mit dem Sprung ging auf einmal Eifersucht und emotional sprunghaftes Verhalten einher. Eifersucht ist sicherlich kein Gefühl, das man per se verurteilen sollte, aber hier fand ich es unfassbar kindisch dargestellt. Gerade Jonna hatte da einen Moment, da hat mich die Geschichte fast verloren, weil sie all ihre eigenen Gefühle und Sorgen einfach auf Mads umgelegt hat und daraus dann auf einmal emotional umzuschwenken, das hat mich nicht mitnehmen können.

Die Handlung bekommt durch die Geheimnisse aus Mads‘ Vergangenheit noch eine zweite Ebene, die auch eine gewisse Spannung mitgebracht hat, weil ich mich gefragt habe, was ist genau passiert. Es hat auch eine Seite von Jonna gezeigt, die ich wieder besser nachvollziehen konnte, weil es um ein inneres Gerechtigkeitsbedürfnis geht. Da war Mads dann an dem Punkt, wo es schwer wurde. Auch wenn Trauer und Verlust Gefühle sind, die wenig mit Rationalität zu tun haben, aber man hat der gesamten Familie von ihm angemerkt, wie viele falsche Entscheidungen daraus gefolgt sind. Ich fand es fast schon etwas zu viel, wie viel die Familie da untereinander falsch verstanden hat. Insgesamt würde ich daher sagen, dass für mich einiges etwas zu übertrieben und sprunghaft war. Umgekehrt stimmte aber die Stimmung und die Spannungselemente. Vielleicht hätte ich mir bei dem Kopenhagen-Setting auch noch mehr Einblicke in die Stadt erhofft.

Fazit: Ich bin mit „Copenhagen Cinnamon“ etwas später als andere dran, aber es passte für mich noch gut in die Stimmung. Das Café als Setting war da das große Plus. Ich hatte charakterlich und mit ein paar Entscheidungen in der Dramatik Probleme, aber es war eine Welt, in der ich gerne war und wo ich gerne überprüfen möchte, wie es sich bei einem anderen Paar gestaltet.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Verworrene Geheimnisse

Eisnebel
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Kate Alice Marshall ist auf dem deutschen Buchmarkt eine noch relativ unbekannte Autorin. Ich bin auch eher zufällig auf ihren Thriller „Eisnebel“ gestoßen, aber das Cover hat so perfekt in die Zeit gepasst, ...

Kate Alice Marshall ist auf dem deutschen Buchmarkt eine noch relativ unbekannte Autorin. Ich bin auch eher zufällig auf ihren Thriller „Eisnebel“ gestoßen, aber das Cover hat so perfekt in die Zeit gepasst, ohne ein Weihnachtsbuch zu sein. Als ich dann den Klappentext gelesen habe, dass eine Frau die Familie ihres Partners auf einem abgelegenen Gelände kennenlernen soll, da dachte ich daran, dass es ein Trend auf dem Thriller-Buchmarkt zu sein scheint, weil ich in die Richtung schon ein bisschen was gelesen habe. Dennoch habe ich „Eisnebel“ eine Chance gegeben, ob es sich von der inhaltlichen Konkurrenz absetzen kann.

Ich habe „Eisnebel“ als Hörbuch gehabt. Und auch wenn ich Heike Warmuth als Stimme keinesfalls kritisieren möchte, so war ich doch aufgrund ihrer reifen Stimmfarbe etwas irritiert, als aufgeklärt wurde, wie alt Protagonistin Theo sein soll. Wie eine Frau in ihren 30ern klang sie einfach nicht, ich hätte sie intuitiv deutlich älter geschätzt. Natürlich habe ich mich an die Stimme immer mehr gewöhnt, aber ich hätte sie wohl bis zum Ende nicht so jung als Figur eingeschätzt. Hier wäre eine andere Stimme vielleicht clevrer gewesen, aber Warmuth hat das atmosphärisch toll gelesen.

Inhaltlich muss ich sagen, dass der Einstieg sicherlich der schwächste Teil des Thriller ist, denn es gibt keine herausstechenden sympathischen Charaktere, nicht einmal Theo selbst. Aber alle anderen sollten abweisend sein, das war die Prämisse. Dazu war die Familie auch nicht klein und da muss ich immer wieder feststellen, dass es beim Hörbuch schwieriger ist, das alles zu sortieren. Aber auch beim Lesen wäre es nicht einfach gewesen. Zudem ist es auch die Beziehung von Theo und Connor, die sofort aufhorchen lässt, denn da kam einfach nichts rüber. Auch wenn ich bei Theo zu keinem Zeitpunkt den Eindruck hatte, ihr ginge es bei Connor ums Geld, so war dann doch die Frage, was ist es dann, was sie anzieht? Ich fand die geschilderte Beziehung sehr komisch. Beim Thriller muss natürlich früh eine Atmosphäre da sein, um weiterlesen zu wollen, aber Lesen lebt auch von einem emotionalen Anker und der hat mir gefehlt.

Beim Thriller muss noch ein zweiter Aspekt stimmen und das ist die Spannung. Die funktioniert im Grunde durchgängig und sie hat mir auch geholfen, über den Einstieg hinweg zu kommen. Theos Aufenthalt fängt schon seltsam an, weil sie Drohungen erhalten hat, gar nicht erst aufzutauchen. Relativ früh entdeckt sie dann auch einen Hinweis, der sie selbst und ihre Vergangenheit betrifft und von dort aus entwickelt sich ein wirklich cleveres Geflecht aus Wendungen, Action und Entsetzen, was nicht alles enthüllt wird. Es war irgendwann genug Zug drin, um es in einem Zug zu Ende hören zu wollen. Auch wenn am Ende die Schwächen des Anfangs nicht wirklich aufgehoben worden sind, so kann ich das aufgrund des Genres ganz gut verschmerzen. Der perfekte Thriller hätte mir menschlich noch mehr gegeben, aber hier war wenig vorauszusehen und dementsprechend bleibt das als Plus, denn andere Autoren beweisen oft genug ist, wie schwer es ist, den Plot nicht zu durchsichtig aufzubauen.

Fazit: „Eisnebel“ ist zwar auf menschlicher Ebene nicht richtig greifbar, weil mir die emotionalen Anker gefehlt haben, dafür hat die Spannung irgendwann exponentiell zugenommen. Es ist ein guter Thriller und da Marshall auch noch relativ unerfahren ist, macht das neugierig auf mehr.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Empfehlenswert zur Advents- und Weihnachtszeit

Sallys Weihnachtsbäckerei
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Auch wenn ich wahrlich nicht oft in der Koch- und Backwelt in Social Media unterwegs bin, so war mir Sally Özcan schon vor ihrer Teilnahme bei „Let’s Dance“ ein Begriff und der sympathische Eindruck aus ...

Auch wenn ich wahrlich nicht oft in der Koch- und Backwelt in Social Media unterwegs bin, so war mir Sally Özcan schon vor ihrer Teilnahme bei „Let’s Dance“ ein Begriff und der sympathische Eindruck aus ihren Videos hat sich dann bei ihrem Tanzausflug auf jeden Fall bestätigt. Dementsprechend war ich bei „Sallys Weihnachtsbäckerei“ sofort neugierig. Auch wenn es schwer ist, diesen Bereich neu zu erfinden, so bin ich doch immer überrascht, dass es doch immer noch was Neues zu entdecken gibt und so war ich neugierig, was wohl Sally für uns parat hat.

Ich finde den Aufbau des Buchs zunächst mal gelungen. Man merkt deutlich, dass sich das Backbuch an ein bereits Publikum richtet, denn es gibt zunächst ein 1×1 des Plätzchenbackens. Das war für mich nicht relevant, aber ich kann mir vorstellen, dass es gerade für Anfänger angenehm ist, so eine praktische Übersicht an Tipps und Tricks zu haben. Nach Grundrezept für Mürbeteig und Baiser geht es dann an die eigentlichen Rezepte. Auch hier ist die beabsichtigte inhaltliche Breite zu erkennen, denn es gibt viele Klassiker, genauso wie eher selten zu findende Rezepte. Dazu gibt es eine Einteilung in Ausstechplätzchen, Plätzchen ohne Ausstechen und zuletzt dann Gebäck, abseits von Plätzchen also Rezepte, die weihnachtlichen Hauch verströmen.

Die optische Gestaltung hat mir gut gefallen. Die Bilder geben einen guten Eindruck des Gebäcks, mit einer guten Inszenierung wird auch jeweils Atmosphäre ausgestrahlt. Vorab sind kleine Icons vorgestellt worden, die sich in jedem Rezept finden lassen. Sie sind auch selbsterklärend, weil es um Backzeit, Ofentemperatur, Stückzahl etc. geht. Aber es ist gut, das so optisch so kompakt gleich erfassen zu können. Auch wenn ich bei den von mir ausprobierten Plätzchen nicht überfordert wurde, so fällt auch hier auf, dass Zwischenschritte nicht fotografiert sind. Das finde ich aber echt nicht schlecht, weil es zwischendurch einem das Gefühl geben kann, auf dem richtigen Weg zu sein. Bei simplen Gebäcken ist das nicht nötig, aber der Schwierigkeitsgrad ist natürlich unterschiedlich.

Ich habe zwei Rezepte ausprobiert, die ich so oder so ähnlich kannte. Das waren zum einen die Zimtsterne und zum anderen Haferflockenplätzchen. Bei Letzterem war das Rezept schon deutlich unterschiedlich, vor allem dann mit der Schokoladen-Tunke. Ich habe es gerne mal ausprobiert und würde sogar behaupten, dass ich vielleicht für immer umsteigen würde, weil mir Sallys Rezept toll gefallen hat und gerade die Mischung aus feinen und kernigen Haferflocken gut etwas für die Textur tun. Bei Zimtstern-Rezepten habe ich oft schon Ärger gehabt, weil ich immer noch so viel gemahlene Nüsse zugeben musste, dass die ursprüngliche Angabe weit überschritten wurde. Hier haben die Angaben aber wunderbar gepasst. Der Mandellikör war ein nettes Gimmick, was vielleicht ebenfalls geholfen hat, aber ich war sehr begeistert, dass es mich diesmal keine Nerven gekostet hat.

Neu habe ich Lemon Curd Plätzchen kennengelernt. Ich kenne diesen speziellen Aufstrich eigentlich nur mit Scones, aber es ist auch für Plätzchen eine tolle Idee und auch optisch haben sie mir sehr gefallen. Das wird definitiv auf meiner dauerhaften Liste bleiben. Mit Mohn habe ich in der Weihnachtsbäckerei noch nie gearbeitet, das war also auch ein interessanter Input. Zudem ist es die helle Variante der sehr beliebten Crinkle-Cookies. Ich bin hier mit dem Mohn etwas abgewichen, weil ich keinen gemahlenen genommen habe, weil ich noch Mohn Fix offen hatte. Das hat aber auch wunderbar funktioniert und durch die sonstige Zitronennote war auch ein tolles Gegengewicht hergestellt. Eine tolle Ergänzung zu den Crinkle-Cookies, wenn hier der Effekt bei der hellen Variante mit dem Puderzucker nicht ganz so toll funktioniert. Dafür kann aber das Rezept nichts.

Beim Gebäck habe ich auch noch zwei Sachen ausprobiert. Das wäre zum einen die Giotto Biskuitrolle. Mit dem Pflaumenmus wurde eine tolle Füllung für die Biskuitrolle gefunden und die Creme mit Giotto hat ein schönes geschmackliches Gegengewicht gegeben. Ein absoluter Geheimtipp für die Kaffeetafel. Abschließend habe ich noch die Schneebälle ausprobiert. Durch eine Hochzeit in der Familie war noch einiges an Biskuitteig eingefroren. Ich hatte schon die klassische Schoko-Variante gemacht, aber auch die Schneebälle hier sind absolut zu empfehlen. Sie sehen gerade zu Weihnachten toll aus, sind aber wegen Kokos sicherlich auch für den Sommer nicht schlecht. Insgesamt sieht man, dass ich bei allen Rezepten sehr mit der Zutatenauswahl und dann auch den Beschreibungen zufrieden war. Es hat alles geklappt und geschmacklich war es auch das, was ich mir erhofft hatte.

Fazit: „Sallys Weihnachtsbäckerei“ ist absolut zu empfehlen, sowohl für Anfänger (weil viele Tricks und Klassiker), als auch für erfahrene Bäcker, die noch Neues entdecken können. Die Aufmachung ist optisch top und atmosphärisch und alles von mir Ausprobierte ist empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 05.12.2025

Arbeitsplatz-Romantik

Mornings in Boston - The Stories We Tell
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Auch wenn es für Anna Lane bei Lyx nicht die erste Reihe ist, so ist die „Love on Air“-Reihe nun meine erste Begegnung mit ihr. Ich selbst bin zwar keine Zuschauerin von Morning-Shows, die es ja auch in ...

Auch wenn es für Anna Lane bei Lyx nicht die erste Reihe ist, so ist die „Love on Air“-Reihe nun meine erste Begegnung mit ihr. Ich selbst bin zwar keine Zuschauerin von Morning-Shows, die es ja auch in Deutschland gibt, aber ich finde es immer gut, wenn man ein so klares Setting hat, bei dem man unterschiedliche Geschichten entwickeln kann. Deswegen war der Reiz groß, mit dieser Reihe Lane mal kennenzulernen.

Mein Eindruck zu „The Stories We Tell“ hat sich schnell verfestigt und dann bis zum Ende auch nicht mehr aufgelöst. Für mich fehlte einfach ein gewisser Funke. Nichts war schlecht, aber es war auch nichts für mich richtig positiv herausstechend. Deswegen habe ich an dem Buch auch länger gelesen, als ich ursprünglich gedacht hätte. Alle Ansätze waren gut, aber überall hätte es auch noch eine Schippe mehr drauf sein können. Das fängt zunächst beim Setting an. Wie gesagt, die Idee fand ich super und ich sehe auch genug Potenzial, dass ich in den zweiten Band auch in jedem Fall reinlesen werde. Ich fand vor allem den Konkurrenzkampf gut umgesetzt, gerade weil es in der Branche nicht viele Stellen gibt, sodass es schnell ein Hauen und Stechen werden kann. Ich fand es auch immer gut, wenn wir konkrete Arbeitsplatzsituationen hatten. Wie beispielsweise die erste Show von Penelope und Connor oder auch später die Situationen mit der speziellen Woche in der Hütte. Aber man hat gemerkt, dass sich der Fokus schnell weg davon geschoben hat und viel mehr auf der privaten Ebene erzählt wurde. Das ist nicht verwerflich, aber ich bin überzeugt, dass man Privates und Berufliches konkreter miteinander verknüpfen konnte. Gerade das Trauer-Thema, was sehr dominant ist, hätte einen Beitrag inspirieren können.

So gab es Andeutungen, aber nicht den richtigen roten Faden. Dabei fand ich es gerade am Anfang beeindruckend, dass Penelope gleich so resolut mit ihrer Interviewführung vorgestellt wurde. Sie schreckt nicht vor Unangenehmem zurück und deswegen dachte ich schon, dass da was werden kann, aber wir haben Connor und Penelope letztlich zu wenig an der Schnittstelle als Journalisten und Moderatoren erlebt. Charakterlich fand ich beide völlig okay. Connor ist zunächst der Bremsklotz, absichtlich, aber da das angedeutete Mysterium schnell klar war, hatten wir die andere Seite von Connor und die kam ja auch schnell immer deutlicher hervor. Ich fand letztlich seine individuelle Geschichte auch stärker, weil seine Patchwork-Familie und die daraus entstehenden Problem greifbar und zum Mitfiebern waren. Bei Penelope war es mir zu einseitig mit ihrer Trauer. Das Ungleichgewicht, aber auch stilistische Entscheidungen haben aus der Chemie des Paares leider keine richtige Sehnsucht für mich entstehen lassen. Das habe ich schon früh gemerkt, weil Enemies to Lovers nicht richtig funktionierte und dann gab es oft Zeitsprünge in der Handlungsentwicklungen, sodass es auch kein Slow Burn wurde. Es war mir zu überhastet, wie es zwischen den beiden voranschritt. Es gab Szenen, die habe ich echt gerne gelesen, aber insgesamt unterstreicht es meinen ersten Eindruck, von allem gerne noch etwas mehr.

Wo aber was ist, da kann auch noch mehr draus werden und deswegen sehe ich hoffnungsvoll auf die Reihe von Lane. Wir haben schon Andeutungen zur nächsten Paarung und da möchte ich gerne mal gucken, wie es sich ausgestaltet.

Fazit: „Mornings in Boston – The Stories We Tell” hat mich mit dem Setting gereizt und mich letztlich auch auf einer soliden Basis überzeugt. Aber in allen Bereichen war noch Potenzial nach oben da. Wie kann die Show besser eingebunden werden, wie verknüpfe ich persönliche Entwicklung mit beruflicher Herausforderung, wie erzeuge ich Chemie beim Paar? Da war noch was drin und ich bin optimistisch, dass Anna Lane das drauf hat.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Spannendes Hin und Her

Rebel Witch. Der rote Nachtfalter, Band 2
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Nachdem mir „Heartless Hunter“ von Kristen Ciccarelli so gut gefallen hat, wollte ich mir den Abschlussband, „Rebel Witch“, nicht lange nach Erscheinung entgehen lassen. Ich habe wieder zum Hörbuch gegriffen, ...

Nachdem mir „Heartless Hunter“ von Kristen Ciccarelli so gut gefallen hat, wollte ich mir den Abschlussband, „Rebel Witch“, nicht lange nach Erscheinung entgehen lassen. Ich habe wieder zum Hörbuch gegriffen, weil Henriette Schreurs und Moritz Frinberg für mich Rune und Gideon so gut verkörpert haben, dass ich es auch so beenden wollte.

Der erste Band hat mich vor allem gereizt, weil beide Figuren gegenüber einander Skepsis empfunden haben und auch gegeneinander gearbeitet haben, aber dennoch etwas zwischen ihnen entstanden ist, was einen tollen Sog entwickelt hat. Für Band 2 war natürlich die Frage, kann diese Erzählweise erhalten bleiben? Wenn ja, funktioniert sie auch dann? Und wenn die Autorin sich für einen ganz anderen Hergang entschieden hat, wie würde das klappen? Ich war schon echt sehr gespannt, wie sich Band 2 aufbauen lässt, gerade nach dem Ende von Band 1. Die Antwort ist, die Zutaten aus Band 1 bleiben erhalten und ich war schon froh drum. Gerade durch die Ausgangssituation für den Abschluss ließ es sich gut durchziehen, dass Gideon und Rune wieder auf völlig unterschiedlichen Seiten stehen und gegeneinander arbeiten. Doch letztlich haben wir mit Cressida eine Figur, die nun im Licht agieren kann und sich zu einer Antagonistin entwickelt, die so einer Reihe verdammt gut tut. Ich finde sie furchtbar, sie ist kaum zu ertragen, aber sie ist wichtig, um die Handlung mit all ihren Wendungen zu erklären. Ich musste ein bisschen daran denken, dass Cressida ähnlich wie Jonathan Randall aus der „Outlander“-Reihe wirkt und das erklärt sicherlich viel, für jeden, der die Reihe kennt.

Denn sie ist auch der Grund, warum Rune und Gideon letztlich wieder in Kontakt kommen. Auch wenn Rune durch Gideon Seiten von Cressida erkennt, die sie verurteilt, so steht sie gleichzeitig für eine Chance für Hexen in Freiheit und es war daher mitreißend zu erleben, wie in Rune zwei Herzen schlugen, für was sie sich entscheiden soll. Es war auch in der Erzählung geschickt gemacht, dass wir in das Gefühlschaos von beiden Figuren intensiv gucken konnten und dass trotzdem manche Entscheidungen außen vorblieben, sodass wir dann überrascht wurden. Manchmal nervt mich das, wenn es bei anderen Büchern passiert, weil ich dann das Gefühl habe, es wirkt durch Geheimnisse künstlich. Das kann ich hier keinesfalls behaupten. Hier ist es einfach clever und gut gemacht. Zumal so auch die Chemie zwischen Rune und Gideon funktioniert. Denn gerade durch das, was wir nicht sofort erfahren, werden manche Szenen noch intensiver und schöner.

Was für mich an diesem zweiten Band aber schwierig ist, das ist das immer wieder aufkommende Rätsel, reichen nicht auch mal Dilogien anstatt von Trilogien? Ich bin eigentlich absolut dafür, aber die von Ciccarelli erschaffene Welt hat sich doch reicher als das herausgestellt, was hier nun angeboten wurde. Man hat sich in Band 1 unweigerlich mit den Hexen solidarisiert, weil sie in Gefahr leben. In Band 2 wiederum wandelt sich das Bild, weil mit Cressida ein schlimmes Exemplar die Macht an sich gerissen hat. Wir haben also komplette Gegensätze. Und was soll ich sagen: Da sagt meine Intuition, dass ein dritter Band dann genau richtig gewesen, um eine Balance zwischen den beiden Seiten herzustellen. Als ich „Rebel Witch“ als Hörbuch gestartet habe, hatte ich nicht mehr im Kopf, wie viele Bände geplant sind, aber irgendwann hat sich doch deutlich gezeigt, dass es ins Finale geht und da muss ich einfach sagen, dass diese Vermittlung zwischen lange verfeindeten Seiten zu simpel gehalten wurde. Man würde sich wünschen, es wäre so einfach, gerade angesichts der ganzen Konflikte in der Welt, aber das ist es nicht und Ciccarelli hätte sich selbst übertreffen können, indem sie das noch richtig angegangen wäre.

So wirkte es am Ende zu einfach und zu lapidar. Deswegen sind letztlich auch zwei Antagonisten, neben Cressida noch jemand, am Ende relativ schnell abgearbeitet worden, weil es Raum brauchte, um mal eben die Weltordnung umzustoßen. Natürlich hätte man nicht nur eine inhaltliche Annäherung erzählen können, aber es ist auch nicht meine Aufgabe, was man noch hätte machen können. Aber um die Magie noch mehr zu verstehen etc., da war genug Potenzial da. Ich würde so einen dritten Band sicherlich nicht leichtfertig einfordern. Unterm Strich war es aber eine Reihe, die mich mit einer frischen Prämisse überzeugen konnte.

Fazit: „Rebel Witch“ war erneut ein wildes Abenteuer, das die clevere Erzählweise aus Band 1 wieder aufgreift und wieder funktioniert. Das Hin und Her zwischen Gideon und Rune ist einfach voller Sog. Gleichzeitig bleibt aber Bedauern, dass es sich die Autorin am Ende doch etwas einfach gemacht hat. Ein dritter Band wäre eigentlich fast schon sinnvoll gewesen.

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