Zunehmend spannend, ansonsten schwächelnd
Falling in too deep„Falling in to deep“ hat mich angesichts der aufkommenden Herbststimmung gereizt. Auf der einen Seite kann ich da gut mehr gemütliche Bücher vertragen, auf der anderen Seite aber dann auch mehr Thrill. ...
„Falling in to deep“ hat mich angesichts der aufkommenden Herbststimmung gereizt. Auf der einen Seite kann ich da gut mehr gemütliche Bücher vertragen, auf der anderen Seite aber dann auch mehr Thrill. Dementsprechend schien Romantic Suspense die perfekte Mischung zu sein. Inmitten eines Campos mit einem Mysterium auch eine schöne Liebesgeschichte erzählt bekommen.
Gerne einführend möchte ich schon erwähnen, dass meine Erwartungen nicht erfüllt wurden. Das lag zunächst vor allem am Einstieg. Der war gleich doppelt schwierig. Zum einen mochte ich das Layout einfach nicht. Es war zu viel Text und auch wenn das beim Lesen unvermeidlich ist, Text zu haben, so erschlägt es mich optisch schnell, wenn es nicht genug Absatzschaltungen etc. gibt. So fühlt es sich dann rein vom Gucken her schon zäh an. Aber auch der Inhalt wollte nicht so recht in Gang kommen. Wir haben zwar die ersten Posts, die sich damit beschäftigen, wo unsere zentrale Protagonistin ist; die sollten also schon Lust auf mehr machen. Aber die Einführung in das Camp, Ivas naive Art, die sich sofort auf Ishaans Aussehen fixiert. Ich fand die Mischung hier nicht ideal. Gerade am Anfang hätte schon mehr in die Stimmung investiert werden müssen. Vielleicht war das durch Ivas Perspektive an der Stelle echt schwierig, weil sie offensichtlich rosarot unterwegs ist, aber vielleicht hätte es andere stilistische Momente gegeben.
Die gute Nachricht ist, dass ich mich zum einen an Isabell Linns Schreibstil gewöhnt habe. Alleine optisch vom Text erschlagen zu werden, störte mich nicht mehr so, und es kam auch zunehmend Spannung auf. Es ist keinesfalls mit einem klassischen Thriller zu vergleichen, aber es gab interessante Fragen, es gab auch zwischendurch immer wieder Enthüllungen, sodass ich immer lieber bei der Stange geblieben bin, um nun zu erfahren, wie es denn ausgeht. Das hat Linn also clever hinbekommen. Auf der inhaltlichen Ebene war es aber durchgängig schwierig. Ein Aspekt, der mir zu wenig war, war die Beleuchtung von Social Media. Das gesamte Camp in Portugal lebt von diesem Einfluss und es ist klar, dass die Autorin das genutzt hat, um einen kritischen Blick darauf zu werfen. Aber wie kritisch war es wirklich? Über die Charaktere, die alle eine große Follower-Schar haben, aber null so sind wie ihre realen Ichs, ja, das ja, aber Iva war lange so verliebt in alles, was damit verbunden ist, nur um am Ende dann 180° Wende zu machen. Ich hätte mir eine kritische Betrachtung intensiver gewünscht, vor allem auch nicht so einseitig, dass es entweder nur toll oder nur schlecht ist.
Iva leitet uns durch die Geschichte und sie ist damit die wichtige Figur. Es passiert gar nicht so selten, dass ich mich schon mal schwer tue mit diesen Rollen, aber ist ja auch klar, man ist so mit ihnen drin, dass man ihre Ecken und Kanten deutlicher sieht. Hier war für mich aber das Problem, dass Iva so dominiert war durch ihre Schwärmereien für Jungs. Erst Ishaan, dann Luan. Beide sind keine Green Flag-Bookboyfriends. Das ist gar kein Kritikpunkt, aber gerade wenn es viele graue Seiten gibt, dann brauche ich bei der Protagonistin auch einen reiferen Umgang damit. Ich fand sie wirklich unfassbar naiv und das hat dann dafür gesorgt, dass ich von den Liebesgeschichten großen Abstand genommen. Das war nicht meins, da kann ich dann nicht mitfiebern, egal, wie groß das Potenzial vielleicht gewesen wäre. Iva hatte auch sehr mutige Stellen, in denen sie wichtige Infos gesammelt hat, aber an anderen Stellen war sie sich null dessen bewusst, was die Konsequenzen sind. Das ist wohl real, aber ich wollte das hier so einfach nicht lesen.
Ansonsten war schon damit zu rechnen, dass in so einer Buchreihe viele suspekte Figuren dabei sein müssen, damit man sie alle mal verdächtigt. Da gab es dann schon einige Überraschungen, aber auch hier hat man einfach gemerkt, dass der Ausbau der Figuren irgendwann eingestellt wurde. Luan und Iva nehme ich mal aus, das war sehr intensiv, aber alle anderen, da hat sich Iva damit zufrieden gegeben, dass sie ihr Leben schon von Social Media kannte. Richtig geredet hat sie aber kaum mal mit wem. Dementsprechend war am Ende dann enorm viel auch übereilt. Die Zeit, die man am Anfang hätte rausnehmen können, hätte man hier investieren müssen. Ich bin mit der Auflösung zufrieden. Alle Fragen wurden beantwortet, aber es gab keinen idealen Weg dorthin.
Fazit: „Falling in too deep” von Isabell Linn hat mich leider nicht überzeugen können. Die ganze Idee war gut und hat mich hoffnungsvoll gemacht, aber unterm Strich war es in vielen Bereichen zu wenig. In der Figurengestaltung, wie war die Liebesgeschichte und wie baut man alles auf. Gut war die zunehmende Spannung, die lässt einen durchlesen.