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Veröffentlicht am 13.10.2025

Ford-Bremse

Wild Love
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Die komplexe Geschichte mit mir und Elsie Silver ist um ein neues Kapitel reicher. Ich habe es schon zu oft erwähnt, dass ich mit ihrer Art der expliziten Szenen schonmal etwas hadere, aber es gibt daneben ...

Die komplexe Geschichte mit mir und Elsie Silver ist um ein neues Kapitel reicher. Ich habe es schon zu oft erwähnt, dass ich mit ihrer Art der expliziten Szenen schonmal etwas hadere, aber es gibt daneben so viel an ihren Erzählungen, das mich reizt und mitzieht, sodass ich ihre Chestnut Springs-Reihe treu begleitet habe. Die Rose Hill-Reihe ist nun die nächste der Autorin. Auch wenn ich länger etwas gezögert habe, ob ich im Überangebot an guten Geschichten dabei bleiben möchte, habe ich doch wieder viele Stimmen von begeisterten Fans gelesen, die ich sehr schätze, weswegen jetzt an „Wild Love“ kein Weg vorbeiführte.

„Wild Love“ ist das erste Buch von Silver, das ich als Hörbuch hatte. Ich war echt gespannt, wie es gerade wegen der expliziten Szenen sein wird, denn sie zu lesen und sie zu hören, sind zwei Paar Schuhe, aber zunächst möchte ich betonen, dass Emilia Weinert und Tom Schönfelder zwei sehr angenehme Stimmen für die Aufgabe waren. Ich habe dann auch im Verlauf nie ein Unbehagen gespürt, weil beide die Charaktere echt toll verkörpert haben und alles zueinander passte,

Silver geht bei „Wild Love“ clever vor, denn mit unserem ersten männlichen Protagonisten haben wir ein bekanntes Gesicht, denn es ist Ford, der Bruder von Willa, die wir schon aus Band 2 der Chestnut Springs-Reihe kennen. Das war auf jeden Fall gut, um die Fans sofort wieder einzufangen. Zum einen wird die Geschichte der Familie Grant aus einer anderen, ergänzenden Perspektive beleuchtet. Zum anderen hat Willa einen tollen Auftritt. Das war schon top gerade für die, die Silver so schon länger begleiten. Alles andere in Rose Hill ist dann völlig neu und das Bowlingteam der Single-Dads ist schon eine lustige Idee. Da ich immer wieder höre, wie viele den Trope Single Dad feiere, wird man hier in den bislang vier angekündigten Bänden wohl voll auf die Kosten kommen. Ich muss aber sagen, dass ich inhaltlich ein paar Stolperstellen hatte. Es ließ sich insgesamt schnell weghören und da waren viele typische Silver-Zutaten, aber die Reihe hat mich noch nicht so gekrallt, wie es „Flawless“ zu dem Zeitpunkt schon getan hat.

Für mich liegt das vor allem an Ford. Rosie und die Belmonts sind nämlich quasi der heimelige Faktor von Rose Hill und die ganze Dynamik dort war schon vielversprechend. Aber Ford war trotz seiner Freundschaft zu Weston eher abgeschirmt von allem. Ich fand auch die anfängliche Betonung mit dem hottesten Milliardär etwas anstrengend und übertrieben. Auch wenn solche Hypes in Zeiten von Social Media schnell entstehen, aber als Musikproduzent ist er sicherlich keine solche Nummer wie Sänger und Schauspieler, deswegen war das sehr übertrieben. Dass es für Ford etwas Privilegiertes brauchte, damit die Geschichte funktioniert, das war schnell klar, aber alles andere hätte man etwas runterfahren können. Weiterhin ist die Wahl, wie der Single Dad-Trope hier umgesetzt wurde, ungewöhnlich. Cora ist schon relativ ‚alt‘ und wie sie in Fords Leben tritt, noch verrückter. Auch wenn sich die Geschichte süß und mitreißend entwickelt hat, aber komplizierter konnte man es erstmal wohl nicht machen. Auch wenn Fords Fassade dadurch natürlich brechen soll, aber ich fand ihn als Charakter sehr schwer greifbar. Es gab genug Momente, um ihn richtig dolle zu mögen, dann wiederum fand ich ihn unnahbar beziehungsweise inkonsequent in seiner Darstellung. Auch wenn ich sagen muss, dass ich Silver fast mehr für ihre Frauenrollen mag, aber ihre Jungs möchte ich dennoch mögen und das war hier nicht so einfach, wie ich es gewohnt bin.

Was ich unfassbar geliebt habe, das waren die ausgetauschten E-Mail-Nachrichten. Das war zum Totlachen und gerade diese vorgelesen zu bekommen, herrlich! Das war mit Abstand das allerbeste am Buch, auch weil es durch Rosies Art in der Hauptsache getragen wird. Sie ist quirlig, sie ist wortgewandt, sie ist schlagfertig, da kommt viel zusammen, was mich sehr von ihr eingenommen hat. Ihre Situationship ist zwar auch seltsam, aber ich mochte sie von Anfang an und sie hat viel mitgezogen. Sie hat die Chemie zwischen den Figuren befeuert. Wegen Ford war dann am Ende die aufgebaute Dramatik auch etwas künstlich, also man merkt, alles schon typisch Silver, aber eine Komponente hat diesmal für mich nicht so gestimmt.

Fazit: „Wild Love“ ist ganz offensichtlich von Elsie Silver, weil dort alle typischen Zutaten von ihr zu finden sind. Gleichzeitig war aber Ford der erste Protagonist von ihr, der mich emotional sehr auf Abstand gehalten hat. Da wollte der Funken nicht so überspringen. Deswegen fällt hier meine Bewertung auch nur durchschnittlich aus. Das wird sicherlich eine Ausnahme gewesen sein und ich bin jetzt sehr gespannt, was die Reihe mir noch anbieten wird.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Kopie oder eigenständig?

Silver Elite
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Im Romantasy-Bereich ist zuletzt ein eindeutiger Trend zu beobachten, dabei lese ich in dem Genre gar nicht so viel, aber es ist auch an mir nicht vorbeigegangen. Wir haben im ersten Band eine Art Internat/Bootcamp-Setting, ...

Im Romantasy-Bereich ist zuletzt ein eindeutiger Trend zu beobachten, dabei lese ich in dem Genre gar nicht so viel, aber es ist auch an mir nicht vorbeigegangen. Wir haben im ersten Band eine Art Internat/Bootcamp-Setting, Ausbilder verliebt sich in Schülerin und umgekehrt und danach geht es in den großen Kampf und die Folgebände sind deutlich weiter und unberechenbarer zu erzählen. Ein altes Vorbild ist da sicherlich auch die „Divergent“-Reihe, aber natürlich auch die Drachenreihe von Rebecca Yarros. Letztere habe ich nach Band 1 bislang noch nicht weiterverfolgt, weil ich viele negative Stimmen gehört habe. Dementsprechend kam mir der Inhalt von „Silver Elite“ alleine vom Klappentext her sehr bekannt vor. Reingelesen habe ich aber trotzdem.

Auch wenn ich insgesamt wirklich bestätigen kann, dass ich viele bekannte Themen wiedergefunden habe, so habe ich mich von „Silver Elite“ von Dani Francis sehr gut unterhalten gefühlt. Das Buch ist auch nicht gerade mit wenig Seitenzahlen ausgestattet und trotzdem bin ich durch die Seiten geflogen, weil sich ein toller Lesefluss eingestellt hat. Ich habe mir zwar immer mal gewünscht, wir hätten mehr als diese eine Perspektive, um diese reiche Buchwelt noch besser ergründen zu können, aber Wren als Protagonistin eignet sich gut als Charakter, die wir bei allem begleiten. Sie ist zwar extrem anders als ich selbst, aber mir hat es unfassbar gut gefallen, dass sie im Gegensatz zu anderen Frauen dieser Reihen von Anfang unglaublich begabt, gewieft, vorlaut und mutig ist. Sie wird nicht in eine herausfordernde Situation geworfen und ist dann magisch talentiert, nein, sie kennt ihren Wert und versucht es eher zu verbergen, um ihre Identität nicht zu enthüllen. Es ist eine andere Ausgangssituation, die mich sehr unterhalten hat, zumal Wren mit vielen Figuren, auf die sie trifft, verbal richtige Gefechte ausführt. Das war sehr unterhaltsam. Ihre impulsiven Momente waren durchaus öfters anstrengend, aber ich fand, dass ihr moralisches Verständnis sowie ihre große Empathie das gut ausgeglichen haben.

Cross ist als Figur da nicht ganz so leicht für mich zu charakterisieren, weil wir seine Perspektive nicht haben, aber er hat zunächst eine ansprechende Mischung aus Unnahbarkeit, Stärke, aber auch direkt eine sichtbare Schwäche für Wren. Ich fand es auch im Gegensatz zu seinen Brüdern sehr gelungen, dass man bei ihm am meisten bemerkt, dass seine berufliche Fassade nach außen nicht seinen inneren Gedanken entspricht. Die Liebesgeschichte ist dadurch zwar von viel Konfrontation geprägt, aber auch viel von Tiefgang, von unerwartet nahen Momenten. Ich finde im Vergleich zu anderen Büchern auch, dass die Art, wie die Liebesgeschichte erzählt ist, gerade im Hinblick auf die intimen Szenen, sehr angemessen ist. Es existiert, aber nicht unangenehm viel, weil da dennoch genug andere Handlung ist. Aber die Chemie war toll, deswegen waren alle Szenen auf jeden Fall anziehend.

Auf inhaltlicher Ebene finde ich, dass das World Building vom Prinzip her eher simpler ist, aber nicht weil die Autorin zu wenig aufbaut, sondern weil das Konzept einfach simpler gedacht ist. Es bietet aber genug Potenzial, auch weil ersichtlich ist, dass die Silverbloods im Grunde viel zu unerforscht sind, was wohl auch die große Angst bzw. Abscheu ihnen gegenüber erklärt. Ansonsten gibt es viele brutale Szenen, hier geht die Autorin zu keinem Zeitpunkt zimperlich vor. Auch viel aus dem Training ist sehr unterhaltsam, weil ich da an SWAT oder andere Eliteeinheiten denken musste. Das war auf jeden Fall abwechslungsreich. Insgesamt ist die Handlung eng erzählt, weil Band 1 eigentlich fast nur die Ausbildung erzählt. Erst am Ende wird es etwas breiter und mit Band 2 wird sich auch erst entscheiden, wie gut die Idee von Francis wirklich ist. Es waren Aspekte für mich vorhersehbar. Zwar konnte ich nicht immer alles zu 100% vorhersagen, aber die Ahnungen waren zumeist richtig. Das hat mich aber nicht allzu sehr gestört, auch weil zwischendurch Wrens innerliches Dilemma viel Raum bekommen hat. Die Abwechslung war da ansprechend. Am Ende ist aber klar, dass da alles etwas über den Haufen geschmissen wurde. Die entstandenen Konflikte werden schnell aufgelöst, um am letztlichen Cliffhanger auszukommen. Das ist okay, aber unterstreicht als letzter Punkt, warum „Silver Elite“ echt gut, aber weit weg von perfekt ist.

Fazit: „Silver Elite“ von Dani Francis hat mich wunderbar unterhalten. Ein flüssiger Schreibstil, wenig zimperlicher Handlungsaufbau, ein Liebespaar mit Chemie, das aber nicht alles einnimmt, weil auch andere Charaktere und Handlungsbögen Raum bekommen. In der Sache etwas simpel und am Ende überhastet für Band 2 vorbereitet, aber wer bei den Geschichten gerne zugreift, wird hier nicht enttäuscht.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Mutige Frauengeschichte

Atmosphere
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Auch wenn ich beileibe noch nicht alles von Taylor Jenkins Reid gelesen habe, so habe ich sie mit allen Neuerscheinungen immer auf dem Schirm. Selbst wenn stilistisch immer etwas sehr Typisches für die ...

Auch wenn ich beileibe noch nicht alles von Taylor Jenkins Reid gelesen habe, so habe ich sie mit allen Neuerscheinungen immer auf dem Schirm. Selbst wenn stilistisch immer etwas sehr Typisches für die Autorin zu erkennen ist, so finde ich umgekehrt, dass sie mit ihren Geschichten immer etwas sehr Spezielles erzählt, sodass jedes für sich unverwechselbar ist.

Das gilt auch extrem für „Atmosphere“. Entweder Reid probiert sich über die Art aus, wie sie etwas erzählt, Stichwort „Daisy Jones and the Six“, oder aber sie erschafft Welten, in denen kämpferische Frauenfiguren ihren Weg finden müssen. „Atmosphere“ hat mich sehr an den oscarprämierten Film „Hidden Figures“ erinnert, aber quasi als Nachfolger. Im Film wurde die leider eher unbekannte Geschichte von drei Schwarzen Frauen erzählt, die in den 1950er und 1960er Jahren für die NASA gearbeitet haben. Reid wiederum verlegt ihr Geschehen in den 1980er, also auf jeden Fall 20 Jahre später. Hier haben wir es mit einer komplett fiktionalisierten Geschichte zu tun, wenn es historisch auch korrekt ist, dass in den 80ern immer mehr Frauen Teil von Space-Programmen wurde. Sie wurden nur nie so berühmt wie ihre männlichen Gegenstücke. Aber „Atmosphere“ zeigt für mich auch deutlich auf, dass es nie darum ging, die Ersten für etwas zu sein, sondern sich die eigenen Träume zu erfüllen.

Ich habe mich informiert, dass Reid für ihr insgesamt schon neuntes Buch viel Recherche betrieben hat und das ist dem Buch auf jeden Fall anzumerken. Auch wenn ich wahrlich keine Expertin bin, aber da wird bereits mit der Beschreibung einer Katastrophensituation in den Roman starten, war ich sofort drin. Auch später gibt es viele Beschreibungen, die man nicht einfach aus dem Ärmel schütteln könnte. Dementsprechend war Reid hier sehr bemüht, alles so getreu wie möglich abzubilden. Ich finde auch, dass ihre Beschreibungen bei mir echtes Kopfkino ausgelöst haben. Sicherlich hat auch geholfen, dass ich „Atmosphere“ als Hörbuch hatte und Sandra Voss mich als hauptsächliche Stimme von Joan durch das Geschehen geleitet hat. Sie hat eine Portion Emotionalität in die besonders dramatischen Momente eingebracht, die die Bilder im Kopf sicherlich befeuert hat. In jedem Fall ist das Astronauten-Dasein eine gute Wahl gewesen, weil wirklich nur ein sehr kleiner Anteil von Menschen überhaupt daran beteiligt ist (mal sehen, wie das mit dem Raumtourismus durch Bezos, Musk und Co. noch weitergeht) und weil es daher auch einfach spannend ist, in diese Welt einzutauchen. Wir bekommen auch echt viel geboten. Neben diesem dramatischen Einsatz, der die Geschichte rahmt, ist es auch Joans Ausbildung und das habe ich gerne mitverfolgt.

Das Buch ist aber auch nicht einfach nur eine Astronautengeschichte, weil es um Joan Goodwin mit allen Facetten ihres Lebens geht. Genau das ist auch der Teil, der mich am meisten an Reids Stilistik erinnert hat. Neben ihrem irgendwann entflammten Traum, Astronautin zu werden, ist Joan mitten in einer komplexen Familiensituation, weil ihre Schwester ungeplant schwanger wird, doch im Grunde hätte Joan das Kind auch selbst zur Welt bringen können, weil sie schnell wie die Ersatzmutter agieren muss. Dann haben wir noch Joans sexuelles Erwachen als zweiten großen Schwerpunkt. Joan wirkt durch manche Dinge manchmal etwas naiv, weil sie alt genug ist, um eigentlich schon über andere mehr mitbekommen zu haben, aber es passte für mich ganz gut in die 80er, die mit uns heute, 40 Jahre später, nicht zu vergleichen sind. Gerade die Familiengeschichte ist auch etwas, bei der ich gut nachvollziehen konnte, warum Joan da so blind agiert, weil die eigenen Familienmitglieder diese blinden Flicken gut provozieren können. Aber es war auch großartig, wie alle drei Themenkomplexe immer wieder ineinandergegriffen haben. Es hat mir insgesamt auch gezeigt, dass eine Liebesgeschichte nicht immer alles ist. Überzeugende Charaktergeschichten muss man über ein Gesamtkonstrukt rüberbringen und das war hier definitiv der Fall.

Warum ich jetzt letztlich nicht zu fünf Sternen greife, das liegt vielleicht etwas darin begründet, dass für mich das Tempo der Handlung nicht immer stimmte. Reid wollte einen längeren Zeitraum erzählen, was auch absolut richtig war. Aber es war für mich zu sehr im Ungleichgewicht, wo sie wie viel Zeit aufgewendet hat. Gerade im ersten Drittel gab es Stellen, die etwas kürzer hätten sein können, während es am Ende übertrieben schnell ging. Ich hätte keinesfalls verlangt, die Handlung grundsätzlich länger zu gestalten, nein, es war gewichtig genug, aber das Verhältnis untereinander, das war ausbauwürdig.

Fazit: Reid hat mich wieder gepackt bekommen, weil auch „Atmosphere“ eine dichte Erzählung ist, die mit vielen Facetten überzeugt. So mag ich mutige und individuelle Frauengeschichten am liebsten. Auch wenn die erzählten Zeiten gemischt mit Zeitsprüngen besser hätten ausbalanciert werden können, ist es eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Von Außenseitern zu Helden

Heart of the Damned – Ihr Versprechen ist sein Untergang
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Ich fange wirklich viele Rezensionen damit an, wie viele deutsche Autoren ich mit schönen Covern schon im Auge behalten habe, aber konkret gelesen habe ich von ihnen bis zum berühmten Buch X nichts. Bei ...

Ich fange wirklich viele Rezensionen damit an, wie viele deutsche Autoren ich mit schönen Covern schon im Auge behalten habe, aber konkret gelesen habe ich von ihnen bis zum berühmten Buch X nichts. Bei Julia Pauss gilt das ebenfalls. Ich habe ihre anderen Bücher schon wahrgenommen, aber das Cover für ihre erste Romantasy „Heart of the Damned“ hat einfach nochmal richtig rausgestochen, sodass ich zugegriffen habe.

Ich habe den Auftakt der Dilogie als Hörbuch gehabt. Während ich Rebecca Veil schon öfters gehört habe und ihre Stimme auch sehr angenehm empfinde, muss ich nun schon zum zweiten Mal sagen, dass Fynn Engelkes als Hörbuchsprecher, gerade für romantische Inhalte, für mich nicht funktioniert. Es ist das zweite Mal nach „Foul Play“ von Laura Willud, dass ich ihn im Ohr habe und auch dort habe ich mich schon kritisch geäußert. Hauptknackpunkt ist für mich, wie Engelkes alle andere Charaktere intoniert, außer die Rolle, die er konkret darstellt. Das wirkt so künstlich und vor allem für die weiblichen Charaktere. Es war schon verrückt, wenn ich gerade Veil als Scarlett im Ohr hatte, dann wechselt die Perspektive und Engelkes gibt den Passagen der Figur etwas mit, was überhaupt nicht übereinstimmt und was wie eine Persiflage wirkt. Zum Glück waren die intensivsten Szenen alle aus Scarletts Sicht geschrieben, aber es gab genug Momente, in denen mich über die Art des Erzählens geärgert habe und dadurch den Faden beim Hören verloren habe. Das muss einfach nicht sein. Die Stimme funktioniert bei dieser Art von Geschichten für mich einfach nicht.

Kommen wir jetzt aber zum Inhalt. Romantasy hatte ich dieses Jahr noch nicht viel, dementsprechend hat mich das auf jeden Fall gereizt, aber ich fand es auch cool, weil der Markt sonst eher international in dem Genre besetzt ist, wir aber jetzt hier eine deutschsprachige Autorin haben. Ich kann auch gleich sagen, dass mich der Inhalt und die Aussicht, dass es in zwei Bänden über die Ziellinie kommen wird, sehr überzeugt. Denn das Tempo ist durchgängig hoch. Der Cliffhanger sitzt perfekt und es ist jetzt schon klar, dass genug Potenzial für einen zweiten Band da ist, ohne dass wir aber die Längen eines Zwischenbandes vermuten müssen. Das macht mich echt etwas aufgeregt. Auch wenn im Bereich Romantasy sicherlich viele Parallelen zu entdecken sind, so finde ich die ‚Zwangsehe‘ hier als Trope mit Scarletts Fähigkeiten extrem spannend. Der Anfang hat dadurch gleich mit Ausrufezeichen gearbeitet und wir sind schnell an einem Punkt gewesen, an dem man am Haken war.

Was ich aber als Kritik an dieser Stelle zwischen schieben möchte, das ist das World Building. Das ist für mich eigentlich immer der Aspekt, der zwischen fünf und vier Sternen unterscheidet, wenn ansonsten alles stimmt. Ich habe keine große Vorstellungskraft, gerade bei Fantasy brauche ich Hilfestellung. Ich brauche keinesfalls eine runtergebetete Einführung, aber ich profitiere auf jeden Fall davon, wenn relativ früh immer wieder was eingebunden wird, um mir die Welt sortieren zu können. Natürlich gibt es auch immer das Hindernis, dass man Enthüllungen haben möchte und darf als Autor dann an dieser Stelle nicht zu früh preisgeben. Es ist also ein Spagat, aber hier fand ich es insgesamt recht wenig. Ich habe die Welt für mich als relativ simpel abgespeichert und trotzdem hatte ich diverse Fragen im Kopf, wie wohl was wie passiert ist, was sind die Grenzen etc. In den Büchern hat man oft auch Landkarten, vielleicht sogar ein Glossar, was bei Hörbüchern so nie ideal abgebildet werden kann. Aber das war für mich eine Bewertungsaspekt, der mich neben der männlichen Hörbuchstimme auch beschäftigt hat.

Kommen wir nun aber wieder zurück zu dem, was funktioniert. Ich fand es gut, dass es relativ wenig Figuren insgesamt gab. Das war leichter zu sortieren und es hat dennoch gereicht, um die Handlung spannend zu gestalten. Auch die verschiedenen Arten von Beziehungen kam zur Geltung. Von Beziehungen mit vielen Vorurteilen, die sich positiver entwickeln, umgekehrt gefestigte Beziehungen, die Risse bekommen. Sofortige Seelenverwandtschaft. Es gab da viele Schichten. Scarlett und Ren funktionieren für mich auch als Helden der Geschichte. Scarlett als eher Antagonistin eingeführt, die aber ein Heldensein in sich hat, das immer wieder rausgekitzelt wird und umgekehrt Ren, den wir durch Scarletts Augen eigentlich eher suspekt betrachten, der aber aufgrund seiner Liebe für seine Heimat und sein Verantwortungsgefühl etwas anrührt. Mir hat auch das Miteinander sehr gut gefallen und dass beide jeweils für sich ihre großen Momente hatten, ohne sich immer gegenseitig retten zu müssen. Beide sind stark für sich und das zieht sie untereinander wohl auch an. Wie gesagt, es endet alles wirklich ideal. Es hat sich so viel aufgebaut und die Geschichte hat mit vielen verschiedenen Arten von Antagonisten gearbeitet. Die unsichtbaren, die Feinde in einem selbst und am Ende dann eben jemand, der sicherlich viel den zweiten Band dominieren wird. Dazu die ganzen Geheimnisse. Hier hat mich genug bei der Stange gehalten und ich bin sehr sicher, dass der zweite Band das auffangen wird, was hier initiiert wurde.

Fazit: „Heart of the Damned“ von Julia Pauss hat mich insgesamt auf jeden Fall überzeugt. Das World Building ist vielleicht etwas knapp und bei der Hörbuchversion hat mich die männliche Stimme etwas vertrieben, aber rein inhaltlich habe ich charakterlich, von den Wendungen und der Spannung her viel geboten bekommen. Das Niveau wird im Abschluss sicherlich bestätigt werden.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Rousseaus vs. Ellis

Variation – Für immer oder nie
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Während ich bei Rebecca Yarros‘ Fantasyreihe rund um die Drachenreiter noch nicht vorangekommen bin, so sind mir ihre Romance-Bücher doch immer wieder gerne untergekommen, weil sie einiges auspackt an ...

Während ich bei Rebecca Yarros‘ Fantasyreihe rund um die Drachenreiter noch nicht vorangekommen bin, so sind mir ihre Romance-Bücher doch immer wieder gerne untergekommen, weil sie einiges auspackt an Drama und Intensität.

Ich war auf „Variation“ sehr gespannt, auch weil der Titel bereits sehr auf den Inhalt anspielt, denn es spielt zum großen Teil in der Ballett-Welt. Ich mag dieses Setting richtig gerne, weswegen ich beispielsweise bei der Reihe von Anna Savas immer mal gemeckert habe, weil Ballett da auch schon mal untergegangen ist. Hier war das keinesfalls so, denn die Rousseau-Schwestern, ihre Mutter und wie alle in der Ballett-Welt ihre Bestimmung suchen, das ist ein großer Schwerpunkt. Es werden in der Company die schlechten Seiten gut herausgearbeitet, genauso wird aber beleuchtet, was einen zum Tanzen verführt. Es ist also die Einbettung eines Themas, wie ich es am liebsten habe. Weder schwarz, noch weiß, einfach herrlich grau.

Umgekehrt hatte das zur Folge, dass für mich die Rousseaus sehr viel dominanter waren als die Familie Ellis, also vom männlichen Protagonisten Hudson alle Verwandten. Gerade am Anfang war eher er als Rettungsschwimmer dominanter, aber dann hat sich die Handlung im völligen Ungleichgewicht entwickelt. Wir haben regelrechte Phasen, in denen ein Kapitel nach dem anderen von Allie rausgehauen wird. Auch wenn ihre Seite immer interessant war, aber ich hatte sofort Fragezeichen, was ist gerade bei Hudson los, was fühlt er? Wenn ich beide Perspektiven habe, dann muss es sich auch einfach gerecht anfühlen und das war hier leider nicht der Fall. Zumal dann Hudson einfach zu einer Randfigur verkommt, was er nicht verdient hat, weil es die Geschichte von beiden sein sollte. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Fragen zu Juniper, aber auch zu Gavin als Bruder sich gar nicht richtig entwickeln konnten, geschweige denn dass es überhaupt Antworten gab. Gerade Juniper bringt die ganze Handlung überhaupt in den Gang, wirkt für Alter auch schon extrem reif, nur um dann nur noch eine Rolle zu sein, um die sich alles dreht, aber eigentlich auch gar nicht.

So sehr in der Ballett-Welt alles stimmte, so mehr habe ich gleichzeitig auch gemerkt, dass „Variation“ sich in der Liste der Standalones erstmal hinten einreihen muss. Ich habe zum Lesen schon unglaublich lange gebraucht, weil der Funke zu keiner Zeit restlos überspringen wollte. Es gab im Alltag immer Wichtigeres und das spricht nicht für das Buch. Endgültig klar wurde mir mein Urteil dann im hinteren Teil, als ich immer mehr auch dachte, gewisse Aspekte einfach nicht zu verstehen. Yarros hat einige Themen sehr ominös beschrieben, um Rätsel aufzugeben. Aber auch das passte für mich nicht in die Handlung, weil das Buch in der Art auch mit offenen Karten funktioniert hätte. So hatte ich eher den Eindruck, ich habe was verpasst, nur um dann ganz spät durchzublicken. Wenn man es wie ich gewöhnt ist, bei Yarros mehr zu fühlen als zu denken, dann war das echt Kontrastprogramm. Eine völlige Enttäuschung ist „Variation“ damit aber nicht. Es gab durchaus sehr schöne Stellen. Das ganze Ausflugwochenende war toll und es gab auch zwischendurch genug Sequenzen, die stimmten, sogar auch außerhalb des Liebespaares. Aber es war für die vielen Seiten insgesamt zu wenig.

Fazit: „Variation“ hat für mich den Funken nicht ausgelöst. Leider. Ich habe zwar zwischendurch durchaus Highlights bekommen, aber das große Korsett stimmte nicht. Die Handlung hat sich zu sehr in Einseitigkeiten verloren und mich dadurch nicht mehr mit allem mitreißen können.

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