Eine unglaublich schmerzhafte, aber auch sanfte Geschichte
Die Nacht der BärinKira Mohn hat sich mit ihren beiden neuesten Werken bereits ganz tief in mein Herz eingeschrieben. Deshalb wollte ich unbedingt auch noch das viel besprochene „Die Nacht der Bärin“ lesen. Ich war thematisch ...
Kira Mohn hat sich mit ihren beiden neuesten Werken bereits ganz tief in mein Herz eingeschrieben. Deshalb wollte ich unbedingt auch noch das viel besprochene „Die Nacht der Bärin“ lesen. Ich war thematisch gewappnet, aber schmerzvoll war die Lektüre dennoch.
Auch nach diesem Roman bin ich mir weiterhin sicher, dass Mohn eine meiner liebsten Autorinnen bleiben wird. Ich finde, dass sie ein unglaubliches Gespür für die Balance zwischen ernsten und sanften Tönen hat. Bei diesem Buch hätte ich mir zwar wirklich Trigger-Warnungen gewünscht, aber die Autorin balanciert recht gut an der Grenze des Grauens entlang.
Und nicht nur ihr ganz spezieller Ton hat mich begeistert. Ich weiß es immer zu schätzen, wenn Autor*innen sich nicht scheuen, politisch zu werden. Und dass Mohn hier nebenbei Veganismus und seine Beweggründe tangiert, obwohl ich das wirklich gar nicht habe kommen sehen, finde ich unvergleichlich schön. Außerdem flossen bei ihrem Nachwort wirklich einige Tränen, weil sie auch da noch einmal hervorhebt, wer an gewalttätigen Beziehungen Schuld hat - und wer eben nicht.
Besonders kalt den Rücken runter lief es mir bei den einzelnen Sätzen zwischen den Kapiteln. Die Autorin sammelt hier Aussagen, die Menschen in gewalttätigen Beziehungen wahrscheinlich nur zu gut kennen. Ob Manipulation, Gaslighting, Drohung oder Flehen - jeder einzige Satz war ein beklemmender Donnerschlag.
Leichte Abzüge gebe ich, weil ich mit den fantastischen Elementen der Kinderperspektive nicht ganz so viel anfangen konnte. Ich finde sie grundsätzlich total schlau eingesetzt und für genau diese junge Erzählperspektive machen sie absolut Sinn. Mohn hat auch die Gefühlswelt der jungen Maja fehlerfrei eingefangen und die Beziehung zu ihrer Schwester Anna in einem so bedrohlichen Elternhaus ganz fein beobachtet. Ich habe mich nur einige Male dabei ertappt, dass ich bei den träumerischen Abschweifungen in der Handlung nach Orientierung gesucht habe.
Insgesamt ist das hier aber eine klare Empfehlung mit der deutlichen Inhaltswarnung zu körperlicher und sexualisierter Gewalt. Kira Mohn verbindet zwei Zeitebenen und Erzählperspektiven sehr elegant miteinander und gibt allen Beteiligten ein authentisches Profil. Der Roman liest sich trotz aller thematischer Schwere völlig leicht und kommt ohne Längen aus. Auf dass die Autorin niemals aufhört, so wichtige Geschichten zu schreiben!