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Veröffentlicht am 05.03.2026

"Vielleicht sind Games in dieser Hinsicht wie das echte Leben: voller Umwege, Bugs und Hindernisse"

Novel Haven - Sound of Dreams
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Oh, das war ein richtig schöner Abschluss für die Novel Haven-Reihe!
Sound of Dreams war einfach ein tolles Zusammenspiel aus Comfort Characters, einer Liebesgeschichte zum Mitverlieben, schönen Freundschaften, ...

Oh, das war ein richtig schöner Abschluss für die Novel Haven-Reihe!
Sound of Dreams war einfach ein tolles Zusammenspiel aus Comfort Characters, einer Liebesgeschichte zum Mitverlieben, schönen Freundschaften, Capybaras und zwei starken Geschichten, in denen die Protagonisten lernen, über ihre eigenen Schatten und Gewitterwolken zu springen, um ihre Träume zu verwirklichen.

Ganz besonders hat das Buch für mich persönlich Aria als Protagonistin gemacht. Während Charaktere in Büchern häufig relatable Züge oder Momente haben, habe ich selten erlebt, dass ich mich in einer Figur so gesehen fühle. Viele von Arias Gedanken, vor allem in Bezug auf ihr Sozialverhalten, ihre Rolle in der Freundesgruppe oder im Team, und ihre Unsicherheiten haben mir sehr aus der Seele gesprochen. Ich habe oft den Eindruck, dass der ruhigere Part einer Freundesgruppe in New Adult-Reihen als schüchtern und unentschieden geschrieben wird, aber Aria ist so unfassbar charakterstark, zeigt, dass sie trotz ihrer ruhigen Art genau weiß, was ihr wichtig ist und wofür sie einsteht, und dass Introvertiertheit eben nicht dasselbe wie Schüchternheit ist. Ihre Leidenschaft zur Musik wird spürbar, und ich finde es toll, dass ihr Charakter nicht auf "diese eine Sache", die sowohl Job als auch Hobby ist, beschränkt wird und ihre Persönlichkeit durch ihre Liebe für die Musik, das Pixeln und Bücher gleichzeitig noch einmal vielschichtiger wird.
Und ein weiterer Aspekt, der mir viel bedeutet: Demi Representation! Leider viel zu selten in Büchern, und daher umso schöner, dass es hier benannt und durch Arias Beziehungsverhalten repräsentiert, aber nicht unnötig breitgetreten wird.

Felix mochte ich mit seiner sensiblen und einfühlsamen Art auch gerne. Die komplexen Gefühle und dunklen Gedanken, die damit einhergehen, dass man sich selbst für vergangene Fehler nicht verzeihen kann und mit Schuldgefühlen lebt, werden in seinem Charakter sehr gut deutlich und haben mich selbst auch noch einmal zum Nachdenken angeregt. Vor allem ist er eine Green Flag, die nicht pretentious und gewollt wirkt - irgendwie habe ich damit sonst leider häufig Probleme bei Love Interests in Romance Büchern.

Noch einmal mehr ins Herz geschlossen habe ich in diesem Band auch die Freundschaft zwischen Aria, Lara und Nataly (so viel Liebe für das Trio!), das gesamte PixelPulse Team und die neuen Nebencharaktere, die Felix an seiner Seite hat - allem voran Bonnie!

Richtig gut gefallen hat mir auch die Entwicklung der Liebesgeschichte - trotz anfänglichen Missverständnissen konnte ich so gut nachempfinden, wie sich Aria und Felix immer mehr anfreunden, sich über ihre Interessen austauschen, und langsam Gefühle füreinander entwickeln. Es hat sich einfach sehr natürlich angefühlt, ohne gezwungene Hürden, und genau die Art von Liebesgeschichte abgebildet, bei der ich mich gerne mitverliebe.
Der große Plottwist und die daraus entstehenden Folgen waren dann für meinen Geschmack etwas zu dramatisch - ich konnte es zwar in Hinblick auf die Spannungskurve verstehen, aber ich hatte an der Geschichte besonders genossen, dass sie bis dahin so alltäglich war. Nicht, dass sie keinen Tiefgang hatte, ganz im Gegenteil, aber ich mochte, wie nuanciert und vielschichtig die Geschichte genau durch die Art und Weise war, wie sie Einzelschicksale und individuelle Struggles behandelt.

Ein spannendes Add-on sind auch die Kommentare und Nachrichten an den Kapitelanfängen. Während ich sie zunächst nur als netten Zusatz gesehen habe, wurden sie zunehmend zum Mittel des Foreshadowings und haben die Geschichte noch um einiges runder gemacht. Parasoziale Beziehungen und die Gefahren, die mit einer Online-Präsenz einhergehen, selbst oder gerade in kleinen Communitys, sind so ein wichtiges und realitätsnahes Thema, das leider immernoch viel zu wenig ernst genommen wird, dass es umso bedeutender ist, dass hier darauf aufmerksam gemacht wird.
Über Anabelle Stehls Schreibstil muss ich an dieser Stelle gar nichts mehr sagen - er liest sich so natürlich und flüssig, und ich habe die teilweise sehr relatablen und emotionalen Stellen sowie die Dialoge und den Humor einfach nur geliebt.

Diese Reihe und ganz besonders dieses Buch war für mich wie eine Umarmung, die Liebe und Wärme ausstrahlt, und ich hoffe sehr, dass Anabelle Stehl weiterhin viele, viele Bücher über Thematiken schreiben wird (und darf), die mehr Sichtbarkeit im Mainstream-Auge verdienen. Zum Glück muss ich Novel Haven noch nicht ganz verlassen und kann mich nun direkt in das Spiel stürzen!

Vielen Dank an den LYX Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2026

Opposites Attract in der Kleinstadt - hat mein Kyra Groh Herz leider nicht ganz erfüllt

The Pumpkin Spice Latte Disaster (Lower Whilby 1)
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Als bekennender Kyra Groh Fan habe ich mich seit Ankündigung auf dieses Buch gefreut und mir tut es wirklich im Herzen weh, dass es mich im Gegensatz zu ihren bisherigen Büchern, die ich so geliebt habe, ...

Als bekennender Kyra Groh Fan habe ich mich seit Ankündigung auf dieses Buch gefreut und mir tut es wirklich im Herzen weh, dass es mich im Gegensatz zu ihren bisherigen Büchern, die ich so geliebt habe, leider nicht ganz überzeugen konnte.

Mir hat die Ausgangssituation und die Dynamik, mit der die Geschichte aufgebaut wird, eigentlich sehr gut gefallen. Jude, Musik-Fan und chaotische Podcasterin, der es nie laut genug sein kann und die ihre einengende Heimat zurückgelassen hat, und James, der ruhige Barista, der fernab des Ruhms seiner Musiker-Familie sein Zuhause in der Kleinstadt gefunden hat. Durch Umstände müssen sie gemeinsam in James' Café arbeiten, gehen sich dabei gegenseitig auf die Nerven und nähern sich schließlich an - es hat gut angefangen, aber leider haben mir dann einige Aspekte im Buch einfach nicht gefallen.

Meine größte Schwierigkeit hatte ich ehrlich gesagt mit James. Jude mochte ich, auch wenn manchmal grenzüberschreitend, eigentlich total gerne und habe sie mit ihrer Schlagfertigkeit und Selbstironie vor allem mit der Zeit ins Herz geschlossen. James fand ich in den ersten Kapiteln (und zum Ende) auch noch okay, allerdings waren die Kapitel aus seiner Perspektive dann durchgehend so dermaßen voll von sexuellen Gedanken, sobald er Jude auch nur angesehen oder an sie gedacht hat, dass ich extrem genervt war und ihn als Love Interest einfach nicht positiv sehen konnte.
Dadurch wirkte es auf mich auch, als sei die gesamte Beziehung rein aus körperlicher Anziehung entstanden. Mir haben mehr Szenen gefehlt, in denen die beiden Zeit miteinander verbringen und sich zunehmend annähern, und ich konnte die Gefühle und Beziehung nicht ganz nachempfinden.

Aber auch als einzelne Charaktere und in ihren Entwicklungen blieben sie mir beide etwas unvollständig. Die einschneidenden Ereignisse, die sie in der Vergangenheit jeweils stark geprägt haben und noch heute beschäftigen, wurden bis zum Ende nicht richtig eingeordnet und ausreichend aufgearbeitet. So hatte ich den Eindruck, dass ihre Hintergründe nur einmal kurz "als Erklärung" erzählt wurden und danach unerwähnt blieben. Judes Verhältnis zu ihrer Familie wurde auch nicht wirklich behandelt, obwohl sie so eine zentrale Rolle für sie spielt - auch wenn ich hier annehme, dass es in Band 3 mit Olive noch näher dazu kommen wird.

Aus irgendeinem Grund hat mich selbst der Humor, den ich an Kyra Grohs Büchern sonst so sehr liebe, nicht wirklich gekriegt. Er hat für mich nur in Judes Schlagfertigkeit und ein paar Dialogen zwischendurch funktioniert und wirkte stattdessen häufig eher flach und erzwungen.

Die Kleinstadt Lower Whilby ist mir als Setting auch zu blass geblieben. Ich hatte mich auf ausführliche Beschreibungen der Umgebung und das typische Kleinstadt-Feeling gefreut, wurde aber leider enttäuscht. Ich kann allerdings nachvollziehen, dass es hier kürzer gekommen ist, da Jude selbst überwiegend negative Gefühle gegenüber der Stadt hat, und könnte mir vorstellen, dass es in den nächsten Bänden anders sein wird. Herbststimmung kam bei mir abgesehen vom Pumpkin Spice Sirup (und dem Titel und Cover) nicht wirklich auf, und die Anspielungen auf Gilmore Girls durch direkte Referenzen innerhalb der Geschichte waren mir zu aufgezwungen.

Beim letzten Drittel kam dann jedoch mit der Beziehungsentwicklung und dem Zusammenspiel der Charaktere doch noch wieder das Gefühl auf, das ich an den Geschichten der Autorin so gerne mag, und ich habe das Buch zumindest auf einer positiven Note beenden können. Vor allem das Ende, wie mit den Unterschieden zwischen Jude und James umgegangen wird, fand ich schön.

Zuletzt möchte ich auch noch die Vertonung im Hörbuch erwähnen, da mir diese leider auch nicht so gut gefallen hat. An sich wurde sie gut produziert und die Stimmen gut gewählt, allerdings hat mir der Sprecher von James nicht ganz zugesagt.
Ich finde es wahnsinnig beeindruckend, wie ausdrucksstark der Sprecher Leonard Hohm ist, und ich habe ihn auch schon in anderen Hörbüchern gehört, wo er mir weitaus besser gefallen hat, aber hier hat es für mich leider nicht funktioniert. Vermutlich bin ich in diesen Aspekten einfach etwas empfindlich, aber ich hatte beim Hören den Eindruck, dass Emotionen aus seiner Perspektive durch Intonation und Stimme teilweise so überspitzt gesprochen wurden, dass James an vielen Stellen unverhältnismäßig aggressiv und unhöflich wirkte statt grumpy oder genervt. Auch seine Art weibliche Figuren zu vertonen fand ich persönlich ganz furchtbar - entweder klangen sie extrem hysterisch oder hochnäsig (oder high, im Falle von James Mutter). So glaube ich, dass die Vertonung stark zur Mis-charakterisierung von Figuren beigetragen hat und ich auch James gegenüber indifferent, oder meist sogar eher negativ eingestellt war. Die Sprecherin Sarah Dorsel hingegen hat mir als Jude gut gefallen.

Da ich mich ehrlich auf das Buch gefreut hatte, sage ich abschließend wirklich ungern, dass ich insgesamt einfach etwas enttäuscht bin - ich glaube, es kamen hier leider einige Aspekte zusammen, die einfach nicht meinen Geschmack getroffen haben. Ich hoffe, dass mir die nächsten Bücher von Kyra Groh wieder besser gefallen werden, und auch dieser Reihe würde ich mit Band 2 gerne nochmal eine Chance geben, da ich Eleanor mochte und ihr ein Happy End wünsche, und mich freuen würde, wenn Lower Whilby mich doch noch überzeugen kann.

Vielen Dank an Hörbuch Hamburg und NetGalley für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

"Zeige mir dein Haus und ich sag dir wer du bist"

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
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Die Housesitterin ist mein erstes Buch der Autorin und eröffnet die Geschichte mit einer spannenden Prämisse und einem Locked-Door-ähnlichen Setting. Auch wenn der Klappentext den Inhalt des Buches recht ...

Die Housesitterin ist mein erstes Buch der Autorin und eröffnet die Geschichte mit einer spannenden Prämisse und einem Locked-Door-ähnlichen Setting. Auch wenn der Klappentext den Inhalt des Buches recht offen hält, muss ich sagen, dass ich ihn ein wenig irreführend finde. Ausgehend von Klappentext und Titel hatte ich grundsätzlich eine etwas andere Art von Story erwartet.

Obwohl die Geschichte recht spannend anfängt, hatte ich meine größte Schwierigkeit mit dem Buch darin, dass ich für einen Großteil ehrlicherweise ein wenig gelangweilt war. Der Anfang war sehr vielversprechend - man wird in die Geschichte eingeführt, Geheimnisse und Fragen werden aufgeworfen, und es wird direkt ein wenig unheimlich, da gut mit dem Setting des verlassenen Anwesens auf einer abgelegenen Insel gespielt wird.
Die Geschichte nimmt dann aber eine eher genre-untypische Wendung und verläuft entsprechend weiter. Das kann positiv sein und einigen sicher gut gefallen, mich hat es allerdings nicht wirklich überzeugen können, da mir größtenteils einfach die Spannung ausblieb. Aufgrund der Perspektivwechsel und der Struktur, wie die Geschichte verläuft, hatte ich für gute 60% des Buches weder richtiges Interesse an der Geschichte noch an den Charakteren, und es wirkte fast eher wie ein psychologisches Drama als ein Thriller auf mich.
Zum letzten Drittel kam dann aber doch noch einmal richtig Spannung auf und die einzelnen Puzzleteile haben sich gut zusammengesetzt. Den Plottwist habe ich zwar vorher voraussehen können, was ich an sich aber gar nicht schlimm finde. Nachdem der Weg dahin nur schon so langatmig war, hat es mich am Ende eher mit einem "Ja, okay"-Gefühl zurückgelassen.

Dafür, dass die Charaktere so im Fokus stehen, haben diese mich leider auch nicht wirklich begeistern können. Sie haben ihre Rollen in der Geschichte gut gespielt, aber abgesehen von der Protagonistin hatte ich den Eindruck, dass die restlichen Charaktere bis auf ihren einen relevanten Aspekt, der zur Geschichte und Figurenkonstellation beiträgt, recht flach waren. Auch wurde der ohnehin schon sehr überschaubare Cast an Charakteren nicht richtig ausgenutzt, da es letztendlich nur um die drei zentralen Charaktere geht, aus deren Sicht auch die Geschichte erzählt wird. Zu Beginn fand ich die Beziehungen und unausgesprochenen Konflikte untereinander noch spannend, aber zum Ende hin hätte man die übrigen Charaktere rückblickend quasi auch weglassen können, weil sie so wenig zur Story beigetragen haben.

Was ich außerdem ganz furchtbar fand und auch einfach nicht verstanden habe, ist das abstoßende Frauenbild, das vor allem durch die Gedanken der männlichen Charaktere, aber auch durch das Handeln der Protagonistin, dargestellt wird und die extrem derben Sexszenen. Ich kann mir vorstellen, dass es zur Charakterisierung beitragen sollte, aber für mich hat das absolut nicht funktioniert, weil es stattdessen einfach nur platt und abstoßend wirkte. Auch wie die expliziten Szenen geschrieben wurden, wirkte auf mich, als ob sie einfach nur des Spices wegen im Buch waren.

Gut gelungen ist jedoch die Vertonung des Hörbuches. Die Stimmen haben alle gut zu den Charakteren gepasst, auch wenn mir Johannes manchmal fast schon ein wenig zu posh klang, und die Sprecher:innen haben die Geschichte spannend umgesetzt.

Insgesamt hat mich Die Housesitterin in diversen Aspekten leider nicht richtig begeistern können und eher enttäuscht zurückgelassen, je nach Leser:in und Geschmack würde ich das Buch ggf. trotzdem weiterempfehlen.

Vielen Dank an den argon Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Ein Abenteuer in ein Meer voller Geheimnisse

Fable – Der Gesang des Wassers (Fable 1)
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Fable zeigt seine Stärke in erster Linie in der Atmosphäre, die es schafft - es wird gerade zu Beginn viel Zeit damit verbracht, das Meer und die Umgebung zu beschreiben, sodass man gut in das Setting ...

Fable zeigt seine Stärke in erster Linie in der Atmosphäre, die es schafft - es wird gerade zu Beginn viel Zeit damit verbracht, das Meer und die Umgebung zu beschreiben, sodass man gut in das Setting eingeführt wird und in die Geschichte eintauchen kann. Auch wenn der Weltenbau für mich an einigen Stellen noch Lücken hat und ich gerne ein paar mehr Informationen erhalten hätte, kann man den Geschehnissen innerhalb der Welt trotzdem gut folgen. Zwar hatte ich durch die Empfehlungen, die ich zu dem Buch erhalten hatte, mehr mit einer Piratengeschichte gerechnet und diese Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt, aber das Seefahrer- und Handelsschiff-Setting hat mir trotzdem gut gefallen.

Etwas verwirrend war allerdings das Pacing, sowohl von der Story als auch der Charaktere(ntwicklungen). In der ersten Hälfte ist das Buch eher langsam - es wird, wie bereits erwähnt, viel das Meer und das Tauchen beschrieben und eher ein Fokus auf atmosphärisches Erzählen gelegt. Als es dann aber richtig mit dem Plot losgeht, kommt alles ziemlich Schlag auf Schlag, und die einzelnen Szenen sind recht kurz und wirken fast schon gerade so auf das Mindeste, um die Handlung voranzutreiben, begrenzt. So hat mich das zügige Tempo zwar am Lesen gehalten, aber gleichzeitig habe ich mich auch ein wenig durch die Story gedrängt gefühlt, als ob möglichst schnell alles auf den verbleibenden Seiten abgehandelt wurde. Insgesamt hat mir daher in der zweiten Hälfte des Buches die schöne Atmosphäre und das Drumherum etwas gefehlt und ich hätte mir mehr Zeit mit den einzelnen Orten und Charakteren gewünscht.

Etwas zu kurz kamen mir auch die Nebencharaktere. Sie bekommen zwar alle jeweils eine Hintergrundgeschichte, sodass man sie einordnen kann, aber darüber hinaus konnten sie mich nicht wirklich berühren und blieben mir auch nicht lange im Gedächtnis - einschließlich West, obwohl er als Kapitän das "Zentrum" der Crew bildet, und der Love Interest der Protagonistin ist.

Womit wir bei dem Punkt wären, der mir an diesem Buch leider gar nicht gefallen hat: die Romance. Fable und West haben eigentlich eine interessante Dynamik, die vor allem durch die Natur ihrer Begegnung und die Geheimnisse und Offenbarungen, die im Verlauf der Geschichte aufkommen, entsteht, und in der ich absolut Potential für eine schöne Liebesgeschichte gesehen habe. Ich hatte daher damit gerechnet, dass diese sich über beide Bände hinweg entwickelt (vor allem in Anbetracht des Tempos, in dem es in diesem Band voranging) - aber dann kam alles viel zu schnell und plötzlich ohne richtige Grundlage, sodass ich die romantischen Szenen wirklich gar nicht nachvollziehen konnte, und mich das Buch in dem Aspekt nicht mehr überzeugen konnte.

Spannend fand ich dann aber wieder die Vater-Tochter-Dynamik zwischen Fable und Saint, und welche Rolle ihre Vergangenheit für ihre Handlungen und Prinzipien heute spielt. Auch hier hätte ich mir noch ein bisschen mehr gewünscht, einfach weil es so ein interessanter Plotpoint war und die Begegnung zwischen den beiden dann doch recht kurz war.

Abschließend hatte ich auf jeden Fall Spaß mit dem Buch und habe vor allem die Atmosphäre und das Seefahrer-Setting mit seinen Elementen genossen. An vielen Stellen hätte ich mir einfach noch ein bisschen mehr gewünscht, und war leider gar nicht begeistert von der Liebesgeschichte. Den zweiten Band würde ich bei Gelegenheit trotzdem noch lesen, da ich neugierig bin, wie die Geschichten der Mitglieder der Marigold ausgehen, vor allem nach dem Ende des ersten Bandes.

Vielen Dank an arsEdition und NetGalley für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Wortstarkes Debut mit bereits eher bekannten feministischen Messages

Bestie
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Spannend! Bestie ist ein Roman, der Themen wie Freundschaft, Äußerung von Feminismus, Identität und die Inszenierung von und Suche nach dem Selbst behandelt, die vor allem für in unserer Gesellschaft weiblich ...

Spannend! Bestie ist ein Roman, der Themen wie Freundschaft, Äußerung von Feminismus, Identität und die Inszenierung von und Suche nach dem Selbst behandelt, die vor allem für in unserer Gesellschaft weiblich sozialisierte Leser:innen relatable sind, und dabei besonders mit einer klugen, gewählten Sprache beeindruckt.

Das Buch hat, was Charaktere und Story betrifft, extrem stark angefangen und mich total in den Bann gezogen - es hat schon fast in die Kerbe Weird Girl Fiction geschlagen, mit Delia, die durch beinahe manisches Verhalten versucht, ihre neue Identität aufzubauen und Anouks Leben zu infiltrieren, die wiederum selbst eigennützige Pläne zu haben scheint, und der seltsamen Beziehung, die zwischen den beiden entsteht, von der man als Leser:in direkt weiß, dass sie zur Katastrophe vorbestimmt ist.
Es war aufregend, ein wenig seltsam und wurde durch einen wahnsinnig klugen, teils schon poetischen, aber dennoch leicht zu lesenden Schreibstil begleitet. Man kann definitiv herauslesen, wie intensiv sich die Autorin mit dem Buch und ihren Worten auseinandergesetzt hat. Ich habe mir beim Lesen wirklich viele Stellen und Zitate markiert, die sowohl inhaltlich als auch sprachlich in mir nachgewirkt haben und einfach nur relatable waren, obwohl ich eigentlich gar nicht der Annotating Typ bin.

Leider ist das Buch dann, sowohl was die Charakterisierungen als auch den Plot angeht, zunehmend abgeflacht und hat sich etwa ab der Hälfte in eine Richtung entwickelt, die mir nach den Erwartungen, die der starke erste Teil der Geschichte in mir geweckt hat, fast schon etwas zu generisch war. Die feministischen Messages waren zwar stark, aber ich hatte gehofft, dass mir das Buch noch etwas mehr gibt. Es wurden viele relevante und interessante Themen (Familie, Freundschaft, Inszenierung als Influencer, feministische Solidarität, …) angesprochen und ehrlich behandelt, aber für mich blieb es an vielen Stellen letztendlich doch zu oberflächlich.

Ich glaube, der größte Faktor dabei war, dass Lilly und Anouk mir beide bis zum Ende zu flach und undurchsichtig (oder vielleicht sogar eher zu durchsichtig?) blieben, obwohl die Geschichte von den zwei zentralen Charakteren und ihrer Dynamik miteinander lebt.
Vor allem über Lilly/Delia erfährt man letztendlich so wenig? Woher rührt ihre Obsession über Anouk und ihr Leben? Wie kann sie ihr Leben einfach so hinter sich lassen und (ohne einen Job) in einer neuen Stadt eine recht teure Wohnung beziehen? Auch Anouk war mir insgesamt zu blass - ich hätte mir gewünscht, mehr über ihre Familiendynamik zu Hause und ihren Hintergrund zu erfahren, und dass durch ihren Charakter das Influencerdasein differenzierter kritisiert wird (und das über “auch Influencersein ist ein richtiger Job mit echten Aufgaben” hinausgehend). Die Erkenntnisse, zu denen beide am Ende des Buches kommen, finde ich an sich gut und sind etwas, worüber man sich auch als Leser:in Gedanken machen kann, aber ich hatte mir insgesamt einfach etwas mehr …Biss? und Extreme auf allen Seiten erhofft.

Irritiert haben mich auch die traumähnlichen Sequenzen mit dem Hund und die vielen Möwen-Metaphern. Ich bin hier auch völlig davon überzeugt, dass ich sie persönlich einfach nicht verstanden habe, aber da ich das originale Theaterstück nicht kenne und Lücken nicht ausreichend von der Geschichte selbst gefüllt wurden, hatte ich den Eindruck, dass ein wichtiges Stück der Geschichte für mich undurchdringbar geblieben ist und mir keine Chance gegeben wurde, den “tieferen Sinn” zu verstehen.

Da ich zwischendurch auch auf das Hörbuch umgestiegen bin, möchte ich an dieser Stelle auch noch eine kurze Empfehlung dafür aussprechen. Mir haben die Sprecherinnen sehr gut gefallen, die verschiedenen Stimmfarben haben gut zu den zwei Charakteren gepasst, und gerade am Ende gab es eine Stelle, die im Hörbuch wirklich gut umgesetzt wurde.

Obwohl ich viele Kritikpunkte genannt habe, muss ich abschließend sagen, dass ich das Buch auch nur so kritisch betrachten kann, weil es eben so viele interessante Themen und Diskussionsgrundlagen bietet und ich der Geschichte zugetraut habe, tiefer zu gehen. Insgesamt war das Buch trotzdem extrem spannend zu lesen und vor allem der Schreibstil der Autorin hat mich wirklich beeindruckt. Ich bin gespannt auf zukünftige Werke!

Vielen Dank an den pola Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar.

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