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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2025

Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente: Das Zeichen der Fünf

Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente: Das Zeichen der Fünf
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Nach den Winterferien geht’s für Arthur endlich zurück nach Baskerville und schon die Hinfahrt hat es in sich! Dieses Mal zwar nicht im Zeppelin, aber trotzdem mit jeder Menge Spannung. Arthur trifft die ...

Nach den Winterferien geht’s für Arthur endlich zurück nach Baskerville und schon die Hinfahrt hat es in sich! Dieses Mal zwar nicht im Zeppelin, aber trotzdem mit jeder Menge Spannung. Arthur trifft die Eltern seiner Freunde und sofort schlägt sein Detektiv-Spürsinn an: Sind Irenes Eltern wirklich nur Opernsänger? Und was hat Jimmys Vater eigentlich vor? Auch die üblichen fiesen Mitschüler machen schnell klar: Ruhige Tage sind hier Fehlanzeige.

Neben dem ganz normalen Internatsleben gibt’s frischen Wind im Unterricht: Eine neue Botanik-Lehrerin sorgt für spannende Stunden, und Holmes’ Logikunterricht fordert die Köpfe der Schüler (und unsere) heraus. Doch dann passiert etwas mit Holmes, das Arthur zwingt, sich mit gefährlichen Machenschaften – sogar aus der Vergangenheit – auseinanderzusetzen. Und bei allem, was passiert, steht ein Thema immer im Mittelpunkt: Freundschaft.

Von Anfang an ist man wieder voll drin im Geschehen. Es gibt einen kurzen Rückblick, was bisher passiert ist, die Zirkel und das besondere Schulsystem werden nochmal erklärt. Perfekt, um sofort wieder den Internats-Vibe zu fühlen. Danach kann man sich voll auf die neuen Abenteuer stürzen. Für alle Harry-Potter-Fans ein absolutes Muss: magische Internatsstimmung, eigenwillige Lehrer und eine Menge Geheimnisse.

Cool ist auch, dass die Geschichte in der Vergangenheit spielt: Erfindungen wie die Kamera tauchen mit echtem historischen Hintergrund auf. Das Rätsel hinter all den Ereignissen bleibt bis zum Schluss spannend: Ich hatte keine Ahnung, wer oder was wirklich dahintersteckt. Ohne die cleveren Kombinationskünste der Freunde wäre es wohl auch nicht zu lösen gewesen. Und das Beste: Am Ende wird schon eine Weiterführung der Story angedeutet und ich kann den nächsten Teil kaum erwarten!

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Körper, Krankheit, Kontrolle : ein kluges literarisches Krankheitsprotokoll

Junge Frau mit Katze
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Nachdem mich Lügen über meine Mutter so begeistert hatte, war ich umso erfreuter, dass die Geschichte von Ela weitergeht.
Ela hat gerade ihre Dissertation fertiggestellt, die noch verteidigt werden muss. ...

Nachdem mich Lügen über meine Mutter so begeistert hatte, war ich umso erfreuter, dass die Geschichte von Ela weitergeht.
Ela hat gerade ihre Dissertation fertiggestellt, die noch verteidigt werden muss. An Ausruhen ist also weiterhin nicht zu denken, doch nun wird sie zusätzlich von Halsschmerzen geplagt. Gleich zu Beginn wird eindrücklich ihr schwieriges Verhältnis zu Krankheiten und Ärzt:innen geschildert: Entweder sie spielt ihre Symptome herunter oder gerät in panische Notfallstimmung. Ela hat sich mit sich selbst gleichzeitig zu viel und zu wenig auseinandergesetzt, sie kennt ihre eigenen Grenzen nicht, weiß nicht, was sie von außen annehmen darf oder soll. (Außer vielleicht den Rat ihrer Therapeutin, bei Krankheit besser nicht die Mutter anzurufen …)

Der Körper ihrer Mutter spielt erneut eine zentrale Rolle: Während Ela als junge Frau mit anhaltendem Krankheitsleiden um Selbstverständnis ringt, scheint ihre Mutter plötzlich aufzublühen. Die Familienkonstellation bleibt – wie schon im Vorgänger – undurchsichtig: ein Bruder, der sich für alles zu schämen scheint, eine Mutter, die unberechenbar bleibt, und mittendrin Ela, die sich ihren eigenen Platz in dieser Konstellation nicht zugestehen kann oder darf. Und dennoch beeinflussen sie sich alle gegenseitig.

Auch die beste Freundin, die an Homöopathie glaubt und selbst kaum zur Ruhe kommt, spielt eine Rolle, ebenso wie die zermürbende wissenschaftliche Arbeit, die trotz allem kaum Perspektiven bietet. Die kleine Ausweichlüge über ihre angeblichen Japanischkenntnisse wächst sich aus, und dann ist da noch eine Katze namens Sir Nicholas. Ela ist viel mehr als nur „eine Frau mit Katze“, sie wird regelrecht gezwungen, sich über ihre Krankheitsgeschichte zu definieren, gefangen in einem Teufelskreis aus Symptomen, Selbstzweifeln und gesellschaftlichem Druck.

Besonders eindrücklich sind die Arztbegegnungen, in denen sie nicht ernst genommen wird – eine Situation, die vielen Frauen nur allzu bekannt vorkommen dürfte. Elas Erzählung wirft grundlegende Fragen auf: Wie krank macht Stress wirklich? Was ist eine valide Wahrnehmung von Krankheit? Und: Was schulde ich der Gesellschaft?

Ich liebe den Erzählstil. Ela wirkt mit ihrem wissenschaftlichen Hintergrund absolut glaubwürdig. Sie drückt sich klar und sachlich aus, aber nie ohne Erkenntnistiefe. Sie will wirklich verstehen, was mit ihrem Körper los ist, kann sich der emotionalen Ebene dabei aber nicht entziehen. Wenn sie zwischen ihren Überzeugungen hin- und herpendelt, bin ich immer ganz bei ihr, auch wenn sie ihre Gedanken wenige Seiten später selbst wieder revidiert. Ich vertraue ihr als Erzählerin vollkommen, ohne dass ich einen Wahrheitsanspruch erwarte.

Eine erkenntnisreiche Lektüre.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Coole Idee, aber inhaltlich absehbar wie die Dauer der Beziehungen ...

Als ich dich traf
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Daphne lebt in der nicht immer schillernden Welt von Hollywood, in der man sich schnell eine kinoreife Romanze erträumen kann. Allerdings ist Daphne Single, ihr Dahinleben samt der Misserfolge ...

Daphne lebt in der nicht immer schillernden Welt von Hollywood, in der man sich schnell eine kinoreife Romanze erträumen kann. Allerdings ist Daphne Single, ihr Dahinleben samt der Misserfolge ist sehr reparable. (Ich habe eine Beschreibung vom Anfang meinen Freundinnen vorgelesen und heftiges Nicken erhalten.) Trotzdem ist ihr Leben Stoff für Hollywood, wegen einer ziemlichen Besonderheit: Daphne weiß, wie lange ihre "Beziehungen" dauern werden, denn sie erhält stets einen Zettel mit einer genauen Angabe. Seit ihrer Teenagerzeit weiß sie, dass ihre Beziehungen ein Ablaufdatum haben. Jetzt erhält sie einen Zettel, auf dem nichts steht ...

Die Idee finde ich wirklich cool und es wurde gut umgesetzt, nicht irgendwie mystifiziert, sondern einfach hingenommen in der Existenz. Das hätte auch nicht gepasst, das noch einmal tiefer zu hinterfragen. Obwohl diese Ablaufdaten ja durchaus Raum für tiefere Fragen lassen: Wer hat in der Hand, wie lange die Beziehungen gehen? Verhält Daphne sich mit dem Wissen vielleicht auch einfach entsprechend? Und: Haben die Beziehungen überhaupt die Chance, etwas anderes als die begrenzte Zeit zu erreichen?

Absehbar war für mich auch leider schnell, wie sich das noch entwickeln wird. Und irgendwie hat mir auch noch was gefehlt. Ich mochte Daphne zwar, aber so ganz ist mir ihre Persönlichkeit nicht durchgedrungen. So witzig wie ihr Gegenüber habe ich sie z.B. nicht empfunden.

Außerdem eine Kleinigkeit, die ich unfassbar nervig fand: Das Wort "Button-Down-Shirt" kam ungefähr alle zwei Seiten (!).

Coole Idee, aber das gewisse Etwas hat mir gefehlt, und es war für mich absehbar, wie es endet.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein ganz besonderer Guideline durch die literarische Welt

Einfach Literatur
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Klaus Willbrand ist nicht ohne Grund ein kleines TikTok- und Instagram-Phänomen, wie ich im Nachhinein feststellen durfte. Seine Art, über Literatur zu sprechen, strotzt nur so vor Fachwissen, bleibt dabei ...

Klaus Willbrand ist nicht ohne Grund ein kleines TikTok- und Instagram-Phänomen, wie ich im Nachhinein feststellen durfte. Seine Art, über Literatur zu sprechen, strotzt nur so vor Fachwissen, bleibt dabei aber stets zugänglich und nahbar. Dieses tiefe Wissen erklärt sich in seinem Buch auf beeindruckende Weise.

Seine Lesesozialisation unterscheidet sich deutlich von der heutigen. Schon früh wandte er sich von Jugendliteratur ab und widmete sein Leben der Welt der Bücher. Die Leselisten, die er präsentiert, sind nicht bloße Aufzählungen, sondern eingebettet in persönliche Erzählungen und Anekdoten: Begegnungen mit Literatur, die ihn geprägt haben. Dass er die Zeiten großer Schriftsteller*innen miterlebt hat, den Gründer von Kiepenheuer & Witsch persönlich kannte und sich beruflich wie privat ganz dem Lesen verschrieben hat, verschafft ihm natürlich einen einzigartigen Einblick in die literarische Welt. Besonders beeindruckt hat mich, wie er sich tageweise zurückzog, um sich ganz dem Lesen zu widmen, eine Hingabe, die tiefen Respekt verdient.

Sein Wissen ist in dieser Tiefe sicherlich nicht für jeden erreichbar, doch sollte man sich davon nicht einschüchtern lassen. Vielmehr sehe ich darin eine inspirierende, gut strukturierte Einladung, sich (wieder) der klassischen Literatur zu nähern.

Das Buch lässt sich wunderbar am Stück lesen, um einen chronologischen Einblick in Willbrands Leben und literarische Entwicklung zu bekommen. Ich persönlich werde künftig je nach Stimmung einzelne Kapitel zur Hand nehmen, um neue Lektüreinspirationen zu finden.

Eine liebevoll gestaltete Hommage an einen außergewöhnlichen Bücherliebhaber.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Starke Kinderstimmen – trotz sprachlicher Stolpersteine

Klub der seltsamen Kinder
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Wir befinden uns in Tschechien und begleiten vier sehr unterschiedliche Kinder auf ihrem Weg zueinander: zu einem gemeinsamen Ausbruch und zu einer entstehenden Freundschaft. Mila, die mit ihren Aussetzern ...

Wir befinden uns in Tschechien und begleiten vier sehr unterschiedliche Kinder auf ihrem Weg zueinander: zu einem gemeinsamen Ausbruch und zu einer entstehenden Freundschaft. Mila, die mit ihren Aussetzern und ihrer großen Tierliebe als „seltsam“ gilt, ist sich ihrer Andersartigkeit bewusst, ebenso wie Peter, der nachts noch Angst im Dunkeln hat. Katka, die Älteste, fühlt sich aufgrund ihres Übergewichts und ihres einsamen Hobbys, dem Lesen, oft ausgegrenzt. Franta, der später zur Gruppe stößt, hat eine körperliche Beeinträchtigung an den Beinen.
Anhand der Buchstaben erkennt man, wer gerade erzählt. Sehr schön umgesetzt, denn so spricht jedes Kind für sich selbst und gibt Einblick in seine ganz persönliche Sicht auf die Welt, samt der von außen zugeschriebenen Rolle als Außenseiterin.
Gut gelungen ist auch, dass die Kinder bei ihrem kleinen Abenteuer bewusst ihre Handys zu Hause lassen. Ohne Google Maps wird die Unternehmung zu einer echten Herausforderung und dadurch umso abenteuerlicher. Die Illustrationen fangen die jeweilige Stimmung feinfühlig ein und passen gut zum Inhalt.
Die kindliche Perspektive ist inhaltlich überzeugend dargestellt: Die Gewichtung der Probleme, Sorgen und Ängste entspricht tatsächlich der Erfahrungswelt von Kindern. Die Sprache hingegen wirkt an manchen Stellen wenig authentisch, möglicherweise ein Problem der Übersetzung. Ob der Stil im Original dem Tschechischen entspricht, lässt sich schwer beurteilen. Einige Ausdrücke erinnern eher an ein älteres Kinderbuch oder sind für die Zielgruppe untypisch. Ich wusste zum Beispiel in der 5. Klasse nicht, was „lallen“ im Zusammenhang mit Alkohol bedeutet. Oder wenn Katka ganz selbstverständlich „arg“ steigert oder „Würstel“ anbietet. Das klingt wenig kindgerecht. Auch die häufig sehr langen Sätze, die sich durch alle Erzählperspektiven ziehen, machen es schwer, die Figuren sprachlich voneinander zu unterscheiden.
Die Geschichte an sich ist durchaus schön, vor allem durch die bunt zusammengewürfelte Truppe. Zwischendurch zieht sie sich allerdings ein wenig. Ich würde das Buch daher eher älteren Leser
innen empfehlen, vielleicht ab der 6. Klasse.

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