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Veröffentlicht am 22.09.2025

Verschlungener Spaziergang

Spät am Tag
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Spät am Tag – Kristin Vego


Zusammenfassung:

„Spät am Tag“ erzählt von Johanne, wie sie mit Anfang dreißig, der Stadt entflieht und sich in einem Zimmer eines abgelegenen Hauses auf dem Land, zurückzieht. ...

Spät am Tag – Kristin Vego


Zusammenfassung:

„Spät am Tag“ erzählt von Johanne, wie sie mit Anfang dreißig, der Stadt entflieht und sich in einem Zimmer eines abgelegenen Hauses auf dem Land, zurückzieht. Es berichtet von allerlei menschlichen Beziehungen und die damit verbundenen Emotionen und wie sie als Schriftstellerin versucht dieses Leben zu Papier zu bringen.


Meine Meinung:

Die Erzählstimme dieses Werkes versucht durch das Schreiben, die Liebe welche sie erfahren hat, zu bewahren. Nur passiert dieses so abstrakt und auf zeitlicher Ebene so verschlungen, dass ich wirklich große Mühe hatte zu folgen. Durch die mitunter wahnsinnig kurzen Abschnitte und Kapitel wurde ich immer wieder aus der Situation herausgeschleudert und in ein neues Setting katapultiert. Ich erkenne den Punkt, dass auch Zeit nicht linear verläuft und Erinnerungen, Gegenwart und Vergänglichkeit miteinander verwoben sind, doch konnte ich aufgrund der rasanten Wechsel kaum in die Geschichte finden. Bis zum Schluss hatte ich Mühe den Kern zu erfassen. Zu erkennen, dass das Alltägliche bedeutend ist und nicht große Gesten im Vordergrund stehen, sondern die kleinen Momente das Gedächtnis prägen ist überaus wichtig und ich wäre gern in diesem Thema tiefer eingetaucht.


Fazit:

Dieses Buch ist ein poetischer, leiser Roman über die vergehende Zeit. Das Leben besteht nicht aus klaren Kapiteln, sondern aus Überlagerungen von Momenten – und aus der Aufgabe, inmitten von Verlust Schönheit zu erkennen.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Metaroman

Die Ausweichschule
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Die Ausweichschule – Kaleb Erdmann

Zusammenfassung:

Kaleb Erdmann ist zum Zeitpunkt des Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium am 26. April 2002 11 Jahre alt und erlebt es als Schüler dieser Schule. Der Sohn ...

Die Ausweichschule – Kaleb Erdmann

Zusammenfassung:

Kaleb Erdmann ist zum Zeitpunkt des Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium am 26. April 2002 11 Jahre alt und erlebt es als Schüler dieser Schule. Der Sohn einer Literaturwissenschaftlerin und eines evangelischen Pfarrers verarbeitet das Geschehene im Stil der Autofiktion und geht dabei der Frage auf den Grund: Wie groß ist der gespannte Bogen zwischen Fiktion und persönlicher Wahrheit und wo befinde ich mich in diesem Konstrukt, was allgemein als Leben bekannt ist.


Meine Meinung:

Beginnen möchte ich mit dem Schreibstil des Autoren. Es kann gut sein, dass man sich vom Rest der schreibenden Zunft abheben möchte und eine persönliche Besonderheit zu etablieren versucht, nur halte ich das komplette Weglassen jeglicher Interpunktion nicht für sonderlich hilfreich. Bereits seinen Debütroman „wir sind pioniere“ schrieb er in diesem Stil. Ich konnte auch dem aktuellen Text nur schwer folgen und empfand das Lesen als sehr ermüdend.

Kaleb Erdmann will „von der Realität der Ausweichschule“ erzählen. Diesen Inhalt hätte ich mit großem Interesse gelesen, doch leider nahmen diese Passagen nur wenig Raum ein.

Unzählige Querverweise auf andere Werke – sehr prominent ist hier „Für heute reicht`s“ von Ines Geipel – störten immer und immer wieder den Lesefluss und trugen auch in der Erzählung nicht wirklich zum intensiveren Verstehen bei.

Dazu zählen auch die verwirrenden Kapitel – wo sind wir gerade? Was war oder ist passiert? Es bedurfte immer eine gute Weile um sich zu orientieren. Auch die unnötigen Beschreibung z. B. von Hatice Kunstgeschehen – speziell die Fleischperformance von Lipi – oder den Portoaufenthalt? Was trägt er zur Geschichte bei? Vielleicht benötige ich hierfür auch einfach einen Lektüreschlüssel, aber den Sinn dahinter suche ich noch immer.

Es entstehen immer wieder ausschweifende Beschreibungen von Begebenheiten, welche vom Hauptthema ablenken, als es zu vertiefen. Doch der größte Kritikpunkt ist wohl jener – die unappetitliche Fäkalsprache und die sich wiederholenden Ekel erregenden Äußerungen. Wie oft ich von einer gewissen Flasche lesen musste grenzte schon an Folter. Es wurde sogar Thema des Schlusssatzes. Für mich nicht nachvollziehbar.

Er schreibt, er ist getrieben von der Suche nach einer Essenz, einem Funken, doch es wird im Laufe des Romans immer unklarer was Erinnerung und was real war und ist. Grundsätzlich fand ich die Passagen rund um das Gutenberg Gymnasium und Teile seiner Aufarbeitung in der Rückschau interessant und hätte mir mehr Einblicke gewünscht. Meine Erwartung war einfach eine komplett andere, sodass ich diesen Roman nur bedingt weiterempfehlen kann.

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Poetischer Tiefgang

Die geheime Sehnsucht der Bücher
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Die geheime Sehnsucht der Bücher – Nina George

Zusammenfassung:

Wir befinden uns endlich wieder in der heilsamen Welt von Jean Perdu und seinem Bücherschiff. Dürfen altbekannte Persönlichkeiten erneut ...

Die geheime Sehnsucht der Bücher – Nina George

Zusammenfassung:

Wir befinden uns endlich wieder in der heilsamen Welt von Jean Perdu und seinem Bücherschiff. Dürfen altbekannte Persönlichkeiten erneut begrüßen und neue Charaktere ins Herz schließen. Lesen über die Irrungen und Wirrungen, welche das Leben eben so mit sich bringt und erfahren was es heißt nicht nur zu existieren. Ein wichtiges Thema dieser Geschichte sind Bücher im öffentlichen Raum – Zensur, Verbannung und gesellschaftliche Spaltung. Gemeinsam mit Pauline stellt er sich der Aufgabe, das Buch als Lebens- und Freiheitsgut zu verteidigen. Dabei wird klar: Bücher können nicht nur heilen, sie können auch Mut machen und Widerstand wecken.

Meine Meinung:

Wieder einmal überzeugt Nina George mit ihrem poetischen Schreibstil. Ihre Sprache ist bildreich, zart und dennoch durchdrungen von inhaltlicher Tiefe. Besonders stark ist die Autorin, wenn sie die emotionale und psychologische Wirkung von Literatur beschreibt. Jean Perdu ist mehr als ein Buchhändler – er ist ein Seelenführer durch das Labyrinth menschlicher Erfahrungen. Pauline bringt frischen Wind in die Geschichte und verkörpert eine jüngere Perspektive auf die Liebe zu Büchern. Besonders geliebt habe ich die Szenen rund um Marie und Françoise. Sowohl einzeln als auch zusammen zeichnen sie ein grandioses Bild über Freundschaft und welche Kraft freigesetzt werden kann, wenn man an sich glaubt. Selbst dramatische Sachverhalte werden sensibel aufgegriffen und feinfühlig verarbeitet.

Fazit:

„Die geheime Sehnsucht der Bücher“ ist eine poetische Liebeserklärung an das geschriebene Wort – und ein leidenschaftliches Plädoyer für die Freiheit der Literatur. Der Roman berührt mit stiller Weisheit und schenkt Hoffnung in einer Zeit, in der Worte wieder Bedeutung gewinnen müssen. Für bibliophile Seelen und alle, die an Magie von Geschichten glauben, ist dieses Buch ein kostbares Geschenk.


Lieblingsstellen:

„Ja. Jedes Buch aus Papier trägt alle je geträumten Träume und jedes gelebte Leben mit sich, es ist ein Wesen geworden, aus Bäumen und aus unseren Worten.“

„Das hatten ihr die Bücher erzählt, und die garstigen Dinger hatten recht. Um dazuzugehören taten Menschen böse Dinge.“

„Es war wichtig, so etwas zu können, dass man bestimmten Gedanken gar keinen Hausschlüssel in die Hand drückte.“

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Emotionaler Fussabdruck

Hase und ich
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Hase und Ich - Chloe Dalton

Zusammenfassung:

Mit ihrem Debüt „Hase und Ich“ ist Chloe Dalton eine emotionale Achterbahn der Gefühle gelungen. Sie nimmt uns mit auf ihren Weg der Heilung, des bewussten ...

Hase und Ich - Chloe Dalton

Zusammenfassung:

Mit ihrem Debüt „Hase und Ich“ ist Chloe Dalton eine emotionale Achterbahn der Gefühle gelungen. Sie nimmt uns mit auf ihren Weg der Heilung, des bewussten Lebens und der Erkenntnis, was es heißt zu realisieren, was im Leben wirklich von Bedeutung ist. Sie wird in die Welt der Pflege eines wilden Tieres hineinkatapultiert ohne zu wissen auf was sie sich einlässt. Sie schenkt so viel von sich und gewinnt eine Welt dazu.

Meine Meinung:

Chloe Daltons Schreibstil kann ich nur als poetisch bezeichnen. Sie schreibt detailreich ohne zu pathetisch oder klischeehaft zu sein. Ein umfassender geschichtlicher Hintergrund ist ebenso vorhanden, wie das Aufzeigen wirtschaftlicher Missstände und klimatische Ungereimtheiten. Wir bekommen einen Einblick in die unterrepräsentierte Welt der Feldhasen und wie gefährlich es ist, wenn es so bleibt. Ich habe mir vorher auch nie große Gedanken um diese wundervollen Tiere gemacht, bin mir aber sicher, ich werde nun mit offeneren Augen durch meine Welt streifen. Sie beschreibt in diesem Buch wie unglaublich sozial und herzerwärmend die Feldhasen sind und wie sie dadurch Chloe`s Welt so wahnsinnig bereichern.

Sie beleuchtet so viele wichtige Themen und gibt uns die Chance selbst über diese einmal genauer nachzudenken ohne mit dem erhobenen Zeigefinger Druck auszuüben.

Chloe Dalton berichtet über sämtliche Begegnungen und Bewegungen welche in ihrem kleinen Kosmos stattfinden. Und es ist irgendwie so bizarr, weil es tatsächlich spannend ist, ohne das ich es vorher vermutet hätte.

Fazit:

Ich kann dieses Buch uneingeschränkt nur jedem empfehlen. Es regt unglaublich zum Nachdenken an und eröffnet eine Welt, welche einem vermutlich sonst verborgen geblieben wäre.

Chloe Dalton findet folgende treffende Worte:

„Hase brachte mir Geduld bei. Sie lehrte mich – eine Frau, die ihren Lebensunterhalt mit Worten verdient - , die Würde und Überzeugungskraft der Stille zu schätzen. Sie zeigte mir ein anderes Leben, mit all den Reichtümer darin. Sie sorgte dafür, dass ich Tiere in einem neuen Licht sehe, im Verhältnis zu ihr und zueinander. Sie zwang mich, mein Leben neu zu bewerten und der Frage nachzugehen, was ein gutes Leben ausmacht.Ich habe gelernt schöne Momente zu genießen, solange sie andauern – egal wie klein und unbedeutend sie von außen auch erscheinen mögen.

Einen besseren Abschluss kann man wahrlich nicht verfassen.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Tiefgreifend

Achtzehnter Stock
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Achtzehnter Stock – Sara Gmuer

Zusammenfassung:

Wir begleiten in diesem Roman Wanda und ihre 5-jährige Tochter Karlie auf ihrem Weg im alltäglichen Wahnsinn das Glück und die Hoffnung nicht aus den Augen ...

Achtzehnter Stock – Sara Gmuer

Zusammenfassung:

Wir begleiten in diesem Roman Wanda und ihre 5-jährige Tochter Karlie auf ihrem Weg im alltäglichen Wahnsinn das Glück und die Hoffnung nicht aus den Augen zu verlieren. Wanda versucht durch Freud und Leid allen Unwägbarkeiten zu begegnen und sie tapfer zu meistern. Doch um welchen Preis?

Meine Meinung:

Dieser Roman ist nichts für schwache Nerven. Er behandelt Themen wie Alltagsrassismus, schwere Erkrankung des Kindes und auch die Vernachlässigung dessen. Die gesamte Grundstimmung ist düster und melancholisch bedrückend. Dennoch liest sich Sara Gmuers Schreibstil sehr flüssig und leicht. Sie zeichnet kurze, prägnante Sätze, welche einfach schonungslos ehrlich sind. Durch die kurzen Kapitel fliegt man nur so durch die Seiten. Die Geschichte beinhaltet energisch aufrischtige Wahrheiten und nimmt aktuellen zeitlichen Bezug.

Die Beziehung zwischen Wanda und ihrer Tochter hat mich oft zu tiefst inne halten lassen. Ich habe mich gefragt, wie ich in ihrer Situation reagiert hätte. Doch viel zu oft, stellte sie ihren persönlichen Traum über das Wohl ihrer Tochter. Wanda ist absolut keine Sympathieträgerin und soll das vermutlich auch gar nicht sein. Denn nur so kann für mich die Botschaft dieses Romans übermittelt werden. Was es eben heißt als alleinerziehende Mutter in einem sozialen Brennpunkt zu leben und mental auch nicht auf dem Zenit der Gesundheit zu stehen. So viele Szenen sind wirklich schwer zu ertragen und ich brauchte immer wieder Pausen um das Gelesene zu verarbeiten.

Das Erschreckende an dieser Geschichte ist vermutlich der spürbar nahe Bezug zur Realität. Die Zwischenmenschlichen Beziehungen sind so klar, bildlich und entschlossen dokumentiert, das man unwillkürlich sein eigenes Leben reflektiert.

Ich wollte Wanda so oft und so klar die Meinung sagen, dass es schon fast weh tat. Die Art und Weise, wie sie mit Karlie „umgeht“ machte mich wütend und traurig zugleich. Es ist nicht der Umstand, dass Wanda offensichtlich mit Depressionen zu kämpfen hat, sondern, dass sie sich jeder Hilfe verwehrt, um diesen Zustand zu ändern. Wenn schon nicht für sich, dann doch wenigstens für Karlie.

Es stellt sich die Frage, ob man mit Geld alles wertvoller aussehen lassen kann oder ob man am Ende herausfinden muss, was Glück wirklich heißt. Und ob Zufriedenheit für jeden das Gleiche bedeutet.


Erwähnenswerte Stellen aus dem Buch:

Es gibt Leute, die können einem ins Gesicht schlagen, und man spürt nichts, und bei anderen spürt man selbst Blicke im Nacken.

Man sagt, Glück wird mehr, wenn man es teilt, das ist bei Angst auch so. Angst ist ansteckend.

Was einen nicht umbringt, macht einen nicht stärker. Man wird nicht immun gegen Angst, es gibt keine Antikörperdagegen, man wird nur ängstlicher und zuckt bei jedem Scheiß zusammen.

Es ist nie gut, wenn man Alkohol mit Langeweile panscht.

Ich schaue nicht hin und sehe trotzdem alles.

Scheiß auf seine Idee. Jeder hat Ideen. Ideen sind umsonst und überall, doch wenn man nicht bereit ist, sie zu Ende zu bringen, sind sie nichts wert.

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