Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2026

Ein spannender Reihenauftakt, der sich auch 23 Jahre nach Erstveröffentlichung sehr gut lesen lässt

Die Wellenläufer
0

Inhalt: Jolly ist eine Wellenläuferin: Sie kann seit ihrer Geburt über das Wasser laufen - ein Umstand, der sie für den Piraten Bannon unentbehrlich macht. Denn: Bei jeder Schiffskaperung läuft Jolly voran ...

Inhalt: Jolly ist eine Wellenläuferin: Sie kann seit ihrer Geburt über das Wasser laufen - ein Umstand, der sie für den Piraten Bannon unentbehrlich macht. Denn: Bei jeder Schiffskaperung läuft Jolly voran und setzt die gegnerischen Kanonen schachmatt. Doch die letzte Kaperung entpuppte sich als Falle; allein Jolly kann knapp entkommen - und erwacht auf einer nahezu unbewohnten Insel. Dort trifft sie auf Munk, der ebenfalls auf den Wellen laufen kann… Anderswo, inmitten des Atlantiks, dreht sich ein gewaltiger Mahlstrom, der die Grenze zwischen den Welten durchlässig macht - und dieser hat es auf Jolly und Munk abgesehen…

Persönliche Meinung: “Die Wellenläufer” ist ein phantastischer Jugendroman von Kai Meyer. Es handelt sich um den ersten Band der “Wellenläufer”-Trilogie. Erzählt wird die Handlung aus den Perspektiven der jugendlichen Protagonisten Jolly und Munk, die als die letzten beiden Wellenläufer gelten. Bereits zu Beginn der Handlung müssen beide tragische Schicksalsschläge erleiden, wodurch eine schöne Portion Dramatik in die Handlung kommt. Das Setting der Handlung ist die Karibik zur Hochzeit der Piraterie um ca. 1700. Dementsprechend setzen wir mit den Figuren mehrfach die Segel, treffen auf Freibeuter und Piratenkönige, machen eine Kneipenschlägerei mit und betreten New Providence. Wie im Inhaltsteaser schon angedeutet, handelt es sich dabei um eine phantastische Version der Karibik: Neben Wellenläufern und hybriden Wesen aus Mensch und Tier gibt es weitere düstere Gestalten, die der (im ersten Band noch vage bleibende) Mahlstrom aussendet. Sehr hat mir dabei gefallen, wie in “Die Wellenläufer” mit Motiven der Seefahrtsliteratur gespielt wird: So begegnen die Protagonisten “Klabautern”, Mischwesen aus Kobolden und Haien, und auch die “Geisterschiffe” sind hier wörtlich zu nehmen. Die Handlung folgt der Struktur eines Abenteuerromans: Mehrere Gefahren und Missionen müssen bewältigt werden, bis die Protagonisten zu ihrem (vorläufigen) Ziel gelangen. Zusätzlich findet sich eine kleine Liebesgeschichte innerhalb der Handlung. Der Schreibstil von Kai Meyer ist gewohnt bildreich, anschaulich und flüssig zu lesen. Insgesamt ist “Die Wellenläufer” ein spannender Reihenauftakt, der sich auch 23 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung sehr gut lesen lässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2026

Ein spannender, mit Märchenmotiven spielender Thriller, in dem wenig so ist, wie es scheint

Böser, böser Wolf
0

Inhalt: Die Thrillerautorin K. T. Hexen findet sich eingeschlossen in einem ihr fremden Raum wieder. Ihr Kidnapper, ein Mann mit Wolfsmaske, fordert von ihr, Kurzkrimis nach Grimmschen Märchen zu schreiben ...

Inhalt: Die Thrillerautorin K. T. Hexen findet sich eingeschlossen in einem ihr fremden Raum wieder. Ihr Kidnapper, ein Mann mit Wolfsmaske, fordert von ihr, Kurzkrimis nach Grimmschen Märchen zu schreiben - um diese als Vorlage für seine Morde zu nutzen. Liefert Hexen nicht, wird sie getötet… Anderswo, in einem dichten Wald, wird eine junge Frau entführt, allein ein Rotkäppchen-Umhang bleibt zurück. Detective Inspector Lyla Rondell wird mit der Suche beauftragt - und entdeckt Parallelen zu dem spurlosen Verschwinden ihrer besten Freundin vor zwanzig Jahren…

Persönliche Meinung: “Böser, böser Wolf” ist ein Stand-alone-Thriller von Alexandra Benedict. Erzählt wird die Handlung in zwei Erzählsträngen (und aus zwei Perspektiven): Während der eine Erzählstrang das Schicksal K. T. Hexens fokussiert, die versucht, ihrem Entführer durch das Schreiben von Geschichten zu entkommen (hierbei werden auch mehrere interessante Überlegungen zum Schreiben von Krimis behandelt), stehen Lylas Ermittlungen im zweiten Handlungsstrang im Mittelpunkt (Lyla ist eine eher unkonventionelle Ermittlerfigur, die Übernatürlichem nicht abgeneigt ist). Zwischen beiden Handlungssträngen finden sich immer wieder an Märchen angelehnte Kurzkrimis aus der Feder von K. T. Hexen, die der Mann mit der Wolfsmaske, der sog. “Grimm-Ripper”, in die Realität überführt. Die Handlung lässt sich grob in zwei Teile aufteilen. Die erste Hälfte von “Böser, böser Wolf” ist ein spannender, rasant erzählter Thriller, in dem die Taktung der originell ausgestalteten Morde hoch ist. Für zusätzliche Gespanntheit sorgt, dass beständig deutlicher wird, dass der Fall auf eine bestimmte Art und Weise mit Lylas Vergangenheit zusammenhängt. Die zweite Hälfte des Thrillers geht überraschenderweise in eine ganz andere Richtung: Zwar werden sorgsam “Brotkrumen” gestreut, die eine Tendenz vorgeben, doch wie die Handlung sich entwickelt, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet (ich bleibe im Folgenden bewusst vage, um nicht zu spoilern, wohlwissend, der Handlung so aber nicht vollständig gerecht zu werden). Nur so viel: Es wird mehrschichtig, komplex und “verrückt” (aber in einer positiven Art und Weise!). Die Auflösung der Handlung ist dementsprechend kaum zu erahnen; der Weg dorthin verschlungen und wendungsreich. Der Turn, den die Handlung im zweiten Teil nimmt, ist speziell, daher wird ihn vermutlich nicht jede*r mögen, mich hat er allerdings, gerade weil er so ungewöhnlich ist, abgeholt. Der Schreibstil von Alexandra Benedict ist anschaulich, flüssig zu lesen und fesselnd. Insgesamt ist “Böser, böser Wolf” ein spannender, mit Märchenmotiven spielender Thriller, in dem wenig so ist, wie es scheint.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2026

Eine interessante Kriminalerzählung für zwischendurch

Der Erdspiegel
0

Inhalt: Regendorf, ein kleiner Ort nahe Regensburg, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die junge Katharina wünscht sich nichts sehnlicher, als den Hof, den sie mit ihren beiden Schwestern bewirtschaftet, ...

Inhalt: Regendorf, ein kleiner Ort nahe Regensburg, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die junge Katharina wünscht sich nichts sehnlicher, als den Hof, den sie mit ihren beiden Schwestern bewirtschaftet, verlassen zu können. Deshalb ist sie auf dem Weg zu Andreas Bichel, einem wortgewandten Viehhändler, den jeder im Dorf mag. Dieser hatte Katharina versprochen, sie in seinen Erdspiegel schauen zu lassen, welcher die Macht habe, Katharinas zukünftigen Ehemann zu zeigen. Doch beim Bichel erwartet sie nicht die erhoffte Offenbarung…

Persönliche Meinung: “Der Erdspiegel” ist ein historischer Krimi von Andrea Maria Schenkel. Wie bereits ihr Erfolgsroman “Tannöd” sowie “Finsterau” und “Der Täuscher” basiert auch “Der Erdspiegel” auf einem realen Mordfall. Dieser trug sich nahe Regensburg zu und wurde von dem Rechtsgelehrten Paul Johann Anselm von Feuerbach festgehalten (quasi der “True-Crime”-Autor des frühen 18. Jahrhunderts). Tatsächlich erzählt Schenkel auch in der Tradition Feuerbachs: “Der Erdspiegel” ist eine synthetisch-linear erzählte Kriminalgeschichte, kein analytisch erzählter Kriminalroman/Thriller nach modernem Muster, in dem Ermittlerfiguren einen Fall aufklären. Dementsprechend steht der Täter in “Der Erdspiegel” bereits nach Kapitel 1 fest. Spannung entsteht nicht durch ein Ratespiel, sondern durch die Frage, auf welche Weise (und nach wie vielen Morden) der Täter gestellt werden kann. Dieser Weg wird von einem allwissenden Erzähler aus mehreren Perspektiven geschildert. So kommen (potentielle) Opfer, Familienmitglieder der Opfer sowie Bedienstete der Juristerei zu Wort. Der Erzählstil von Andrea Maria Schenkel ist parataktisch, stellenweise lakonisch und besitzt einen düsteren Ton. Für mich konnte “Der Erdspiegel” nicht ganz an “Tannöd” heranreichen (insbesondere, da es keine wirklichen Überraschungsmomente gibt), aber unterm Strich ist es eine flüssig zu lesende, interessante Kriminalerzählung für zwischendurch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.02.2026

Ein spannungsgeladener, brandaktueller Thriller

Dorn. Ruf der Toten
0

Inhalt: Das nahezu verlassene Hotel Dornwald bröckelt buchstäblich unter dem Kriminalpsychologen (a. D.) Simon Dorn weg. Ein Umstand, den er kaum ändern kann, denn Geld ist wenig vorhanden. Da ereilt Dorn ...

Inhalt: Das nahezu verlassene Hotel Dornwald bröckelt buchstäblich unter dem Kriminalpsychologen (a. D.) Simon Dorn weg. Ein Umstand, den er kaum ändern kann, denn Geld ist wenig vorhanden. Da ereilt Dorn ein Angebot: Susanne Roth, eine bekannte TV-Psychologin, möchte seine professionelle Hilfe. Dorn will zuerst ablehnen, doch das Hotel hat das Geld zu nötig, sodass er ersten Gesprächen zustimmt. Bei diesen ist Roth zunächst sehr forsch, stellt persönliche Fragen, die Dorn nicht beantworten will, ehe der Kontakt plötzlich abreißt. Kurze Zeit später wird Roths Leiche entdeckt - wobei der Tatort Dorn an einen ungeklärten Fall erinnert, an dem er vor Jahren arbeitete…

Persönliche Meinung: “Dorn - Ruf der Toten: Zimmer 203” ist ein Thriller von Jan Beck. Es handelt sich um den zweiten Reihentitel um die beiden unkonventionellen Ermittler Simon Dorn und Lea Wagner. Der Fall ist in sich abgeschlossen, sodass man den zweiten auch ohne Kenntnis des ersten Bandes lesen kann. Ein chronologisches Lesen ist aber sinnvoll, um ein besseres Verständnis für die beiden besonderen Hauptfiguren zu bekommen. Erzählt wird der Thriller aus mehreren Perspektiven: So finden sich neben Dorn und Wagner u.a. diejenigen von Michael Bergmann, einem Entführungsopfer, sowie Tamara Weigert, einer Journalistin, die an einem brisanten Artikel schreibt. Durch die unterschiedlichen Erzählstränge ist der Thriller einerseits sehr abwechslungsreich, andererseits erhält der Fall einen vergleichsweise großen Facettenreichtum. Zur Handung selbst möchte ich aufgrund von Spoilergefahr nicht zu viel verraten. Nur: Sie ist sehr spannend aufgebaut, fesselnd erzählt und wendungsreich. Zudem schlägt sie einen Haken zu einem aktuell höchstrelevanten Thema, das hier interessant verarbeitet wird. Originell ist auch der Modus Operandi des Täters: Er kidnappt seine Opfer, lässt diese nach und nach verdursten und nimmt Schritt für Schritt ihre Identität an. Dabei verhört er sie und stellt intimste Fragen. Diese Verhöre schildert Jan Beck unheimlich dicht, sodass man bei der Lektüre ein latentes Unbehagen fühlt, obwohl man sicher im Sessel sitzt. Nicht alles wird am Ende aufgelöst, allerdings fand ich das nicht weiter schlimm. Denn: Die Täterfrage wird zu einem sinnvollen Ende geführt und die Beantwortung der offen gebliebenen Fragen wird in einem Cliffhanger für den Folgeband angeteasert (wodurch die Vorfreude immens ist). Der Schreibstil von Jan Beck ist sehr anschaulich und flüssig zu lesen, sodass man nur so durch den Thriller fliegt. Insgesamt ist “Dorn - Ruf der Toten” ein spannungsgeladener, brandaktueller Thriller, der neugierig auf die Fortsetzung macht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.02.2026

Ein philosophisches Umherflattern, das Grundfragen des Lebens berührt

Briefe an einen jungen Dichter / Briefe an eine junge Frau
0

“Briefe an einen jungen Dichter” / “Briefe an ein junge Frau” versammelt 19 Briefe, die Rainer Maria Rilke an den österreichischen Schriftsteller und Journalisten Franz Xaver Kappus bzw. an die deutsche ...

“Briefe an einen jungen Dichter” / “Briefe an ein junge Frau” versammelt 19 Briefe, die Rainer Maria Rilke an den österreichischen Schriftsteller und Journalisten Franz Xaver Kappus bzw. an die deutsche Schriftstellerin Lisa Heise schrieb. Die zehn Briefe an den “jungen Dichter” umfassen den Zeitraum von 1903 bis 1908, die zehn an die “junge Frau” denjenigen von 1919 bis 1924. Geschrieben wurden die Briefe u.a. in Pisa, Rom, Soglio (Graubünden) und Furuborg, wobei der jeweilige Ort (insbesondere Rom) auch immer Einfluss auf die Stimmung der Briefe hat. Rilke erscheint in den Briefen als empfind- und einfühlsamer Gesprächspartner: Er schreibt nicht von oben herab, zeigt keine “Starallüren” und vermeidet harsche Bewertungen der (insbesondere von Kappus) zugesandten dichterischen Texte, sondern gibt Schreib- und Lebensratschläge auf Augenhöhe. Diese nehmen bei Kappus eher universelle Züge ein, bei Heise fokussieren sie eher konkrete Probleme der jungen Frau. So schlägt er Kappus in seinen Briefen vor, sich beim Schreiben auf das Verarbeiten von Alltäglichem zu fokussieren, rät, die Tiefen des eigenen Ichs abzuklopfen, und schätzt die Rolle der Ironie beim Schreiben ein. Zudem plädiert er für ein gefühlvolles Lesen und definiert die Geduld als Quintessenz des Künstlerdaseins. Die Belastungen seines - wie man heute sagen würde - “Brotjobs” als Offizier müsse Kappus relativ sehen, denn jeder “Brotjob” bringe Einschränkungen beim Schreiben mit sich. Oft werden in den Briefen aber auch philosophische Lebensfragen berührt. Sowohl der “Dichter” als die “Dame” thematisieren die Einsamkeit und die Unsicherheit, unter denen sie leiden, was Rilke aufgreift und ummünzt: Das Ertragen von Einsamkeit sei Stärke des Charakters; Unsicherheit gehöre zur menschlichen Existenz. Auch sei nicht immer der leichteste Weg der am besten zu gehende. Mehrmals spricht Rilke auch romantische Beziehungen zwischen Mann und Frau an, wobei er sehr moderne Ansichten vertritt. Durch die sich verändernde Stellung der Frau in der Gesellschaft werde sich auch die Liebe insgesamt zu einer “menschlicheren”, weil rücksichtsvollen entwickeln. Abgerundet wird die Ausgabe des Diogenes Verlags durch ein Nachwort des Lyrikers Yevgeniy Breyger, der essayistisch seine persönliche Sicht auf Rilke darlegt. Insgesamt sind die “Briefe an einen jungen Dichter” bzw. die “Briefe an eine junge Frau” ein einfühlsames, philosophisches Umherflattern, bei dem mit Weitsicht Themen berührt werden, die auch heute noch eine Relevanz besitzen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere