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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2025

Ein bemerkenswertes Thrillerdebüt

Happy End
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Inhalt: Nur kurz hat Isa Ben, ihren wenige Monate alten Sohn, im Wohnzimmer allein gelassen, um sich im Keller um die Wäsche zu kümmern, doch als sie zurückkehrt, ist Ben verschwunden - und bleibt es nach ...

Inhalt: Nur kurz hat Isa Ben, ihren wenige Monate alten Sohn, im Wohnzimmer allein gelassen, um sich im Keller um die Wäsche zu kümmern, doch als sie zurückkehrt, ist Ben verschwunden - und bleibt es nach gründlicher Suche auch. Ein Alptraum beginnt: Permanent fragt Isa sich, wie ihr Sohn verschwinden konnte; die Schuld, die sie sich gibt, ist grenzenlos. Zudem kann keiner sich wirklich in ihre Lage versetzen - ihr Mann Mark stürzt sich in seine Arbeit als Kinderarzt -, sodass Isa mehr und mehr vereinsamt. Doch dann geschieht das Unglaubliche: Nach einem halben Jahr wird Ben wiedergefunden. Isa könnte nicht glücklicher sein - wären da nicht kleine Anzeichen, die sie zweifeln lassen, ob Ben wirklich Ben ist…

Persönliche Meinung: “Happy End” ein psychologischer Thriller von Sarah Bestgen. Die Handlung wird hauptsächlich aus der personalen Perspektive von Isa erzählt, die wirklich klasse gezeichnet wird. Ihre Sorgen als junge Mutter, ihre Liebe zu Ben, ihre Angst um Ben sowie ihre Schuldgefühle nach dem Verschwinden werden sehr tiefenscharf, anschaulich und lebendig dargestellt. Daneben finden sich noch weitere Perspektiven, wie diejenige des ermittelnden Kommissars Simmons, wodurch der Thriller weitere Facetten gewinnt. Auch die Handlung des Thrillers hat mir sehr gefallen. Merkwürdigkeiten - wie z. B. das völlig unvermittelte Auftauchen Bens, plötzlich neu in das Leben von Isa tretende Menschen sowie ein aufdringlicher Nachbar - sorgen für Spannung(en). Daneben finden sich mehreren unerwartete Wendungen sowie ein fulminantes Ende, das mehrere Überraschungen bereit hält. Ohne zu viel verraten zu wollen: Das Ende zeigt die Grautöne zwischen “Gut” und “Böse”, was nochmal die herausragende Zeichnung der Figuren unterstreicht. Der Schreibstil von Sarah Bestgen ist sehr anschaulich und flüssig zu lesen, sodass man durch die Seiten des Thrillers fliegt. Insgesamt ist “Happy End” ein spannender und fesselnder Thriller mit psychologisch tief ausgearbeiteten Figuren. Ein bemerkenswertes Debüt!

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Für Kölner*innen und/oder Liebhaber*innen von historischen Stoffen ein Muss

Tödlicher Aschermittwoch (Gustav Zabel ermittelt 2)
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Inhalt: Köln am Aschermittwoch 1823. Nahe der Elendskirche wird die verkohlte Leiche eines Mannes entdeckt. Auch, wenn die Leiche nicht mehr identifizierbar ist, ist Kommissar Gustav Zabel sich sicher, ...

Inhalt: Köln am Aschermittwoch 1823. Nahe der Elendskirche wird die verkohlte Leiche eines Mannes entdeckt. Auch, wenn die Leiche nicht mehr identifizierbar ist, ist Kommissar Gustav Zabel sich sicher, dass es sich um einen seiner früheren Widersacher handelt, der vor zwei Jahren die Stadt verlassen hatte. Doch: Warum kehrte er zurück? Weshalb wurde er kurz nach seiner Ankunft effektvoll beseitigt? Zabels Ermittlungen führen ihn in die bürgerliche Oberschicht Kölns - und damit in die Reihen seiner eigenen Freunde…

Persönliche Meinung: “Tödlicher Aschermittwoch” ist ein historischer Kriminalroman von Lorenz Stassen. Es ist der zweite Köln-Krimi um den preußischen Kommissar Gustav Zabel. Die Handlung ist in sich abgeschlossen, sodass man den Krimi auch ohne Kenntnis des Vorgängers “Rosenmontag” lesen kann. Wichtige Handlungsmomente des ersten Bandes werden allerdings in “Tödlicher Aschermittwoch” benannt, sodass man sich bei einem nicht-chronologischen Lesen spoilert. Erzählt wird die Handlung des Krimis aus mehreren unterschiedlichen Perspektiven, wobei aber die personale Perspektive von Gustav Zabel überwiegt. Zabel, den im ersten Band Identitätsprobleme plagten, hat sich nun in Köln eingelebt und scheint angekommen zu sein. Für Konflikte sorgt jetzt allerdings die Rückkehr einer Person aus der Vergangenheit, die Zabel mehr und mehr an seiner aktuellen Lebenssituation zweifeln lässt. Die Handlung selbst ist spannend: Mehrfach werden falsche Fährten gelegt, sodass die Identität der Täterfigur überraschend bleibt; auch die Motive für den Mord entfalten sich in einem schönen Tempo. Eingebettet ist die Handlung in den historischen Hintergrund der französischen Herrschaft am Rhein, während der viele Kunstgüter nach Paris geschafft wurden (die später, nach dem Fall Napoleons, im besten Fall wieder zurückkehrten). Daneben findet sich - wie bereits im ersten Band - eine schöne Portion Lokalkolorit: Erneut durchstreift man das neuzeitliche Köln, wieder lernt man die - auch eigensinnige - Kölner Oberschicht kennen. Karneval spielt im Vergleich zum ersten Band eher eine Nebenrolle, in den Fokus rückt der Kölner Klüngel, der Zabel bei der Aufklärung des Falles Kopfzerbrechen bringt. Insgesamt ist “Tödlicher Aschermittwoch” ein spannender, abwechslungsreicher Kriminalroman, der unterschiedliche Themen berührt - für Kölnerinnen und/oder Liebhaberinnen von historischen Stoffen ein Muss.

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Eine schön aufgemachte Jugendbuchausgabe des modernen Klassikers

Der Da Vinci Code
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Inhalt: Robert Langdon wird von der Polizei in den Louvre gerufen - wo ihn die blutige Leiche des Museumsdirektors erwartet. Dieser hatte in seinen letzten Minuten eine rätselhafte Botschaft hinterlassen, ...

Inhalt: Robert Langdon wird von der Polizei in den Louvre gerufen - wo ihn die blutige Leiche des Museumsdirektors erwartet. Dieser hatte in seinen letzten Minuten eine rätselhafte Botschaft hinterlassen, die der Symbol-Professor Langdon dem Anschein nach entschlüsseln soll. Doch schnell wird klar: Die Polizei sieht in Langdon den Hauptverdächtigen und hofft durch die Hinführung zum Tatort mit einem Geständnis. Mithilfe der Kryptologin Sophie Neveu gelingt Langdon allerdings die Flucht aus dem Louvre - was gleichzeitig der Beginn der Lösung eines jahrhundertealten Rätsels ist…

Persönliche Meinung: “Der Da Vinci Code” ist die Jugendbuchausgabe von Dan Browns “Sakrileg”. Zuerst erschien die Ausgabe 2017, nun ist sie in neuer Aufmachung wieder aufgelegt worden. Zur Handlung von “Der Da Vinci Code”/”Sakrileg” möchte ich gar nicht zu viel sagen, da sie vermutlich hinlänglich bekannt ist. Es handelt sich um einen flüssig zu lesenden Verschwörungsthriller, der aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird, Kirchengeschichte sowie Kunst aufgreift, mit pseudowissenschaftlichen Theorien würzt und der Struktur einer Schnitzeljagd, in der mehrere Rätsel gelöst werden müssen, folgt. Dadurch entsteht eine spannende Handlungskurve, die auch mit der ein oder anderen Wendung aufwartet.
Was unterscheidet nun die Jugendbuchausgabe von der Originalausgabe? Zunächst die Aufmachung: Das Cover sowie der stimmige Buchschnitt richten sich eher an eine jugendliche Leserschaft. Sehr gut hat mir die Innengestaltung des Umschlags gefallen: Hier finden sich Bilder der Handlungsorte (z. B. vom Louvre), im Roman thematisierte Gemälde (z. B. die “Mona Lisa”) und Codeentschlüsselungen. Dadurch werden die z.T. komplizierten Themen des Thrillers nahbarer - und man erspart sich ggf. das Bemühen von Google, um sich die Bilder nochmal vor Augen zu führen (Diese Innengestaltung mit Bildern zu relevanten Dingen würde ich mir generell für (historische) Romane unabhängig der intendierten Leserschaft wünschen, weil sie das Lesen unmittelbarer/leichter macht). Daneben finden sich - für die Handlung des Romans durchaus angemessen - Triggerwarnungen. Sprachlich habe ich nach stichprobenartigen Abgleichen mit der Leseprobe der “Erwachsenenausgabe” keine Unterschiede gefunden. Der inhaltlich gewichtigste Unterschied sind die gekürzten ca. 140 Seiten. Prinzipiell ist die Handlung auch ohne diese Seiten rund; man kann ihr auch sehr gut folgen. Teilweise hatte ich aber das Gefühl, dass die erzählerischen Schnitte zwischen einzelnen Kapiteln zu schnell waren. Ob das an den gekürzten Seiten liegt, kann ich aber nur mutmaßen, da ich die Originalausgabe nicht gelesen habe. Die Frage, inwiefern eine gekürzte Jugendbuchausgabe sinnvoll ist, muss jeder - in Abhängigkeit für die konkreten intendierten Leserinnen - für sich entscheiden. Einerseits kann ein gekürztes Buch - zumal in dieser schönen Aufmachung - zum Lesen animieren. Andererseits kann man meiner Meinung nach aber durchaus überlegen, ob man jungen Lesenden, wenn sie sich schon für einen Roman wie “Sakrileg” interessieren, nicht auch zutrauen kann, die Originalausgabe zu lesen. Insgesamt ist “Der Da Vinci Code” eine schön aufgemachte Jugendbuchausgabe eines Weltbestsellers.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Ein spannender und witziger Urban-Fantasy-Krimi

Die Meerjungfrauen von Aberdeen
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Inhalt: Peter Grant hat eigentlich Urlaub. Doch dann wird im schottischen Aberdeen ein Schaf gerissen - scheinbar von einem Wildtier, das magische Anzeichen trägt. Also reist Peter kurzerhand mit seiner ...

Inhalt: Peter Grant hat eigentlich Urlaub. Doch dann wird im schottischen Aberdeen ein Schaf gerissen - scheinbar von einem Wildtier, das magische Anzeichen trägt. Also reist Peter kurzerhand mit seiner Frau (und Flussgöttin) Beverly und den Zwillingstöchtern nach Schottland, um Urlaub und Beruf miteinander zu verknüpfen. Mit dabei sind auch Peters Eltern und seine Cousine Abigail - wenn schon Familienurlaub, dann richtig. Gerade als Peter den Spuren des Wildtiers folgt, wird eine Leiche aufgefunden: Ein Mann mit Kiemen…

Persönliche Meinung: “Die Meerjungfrauen von Aberdeen” ist mittlerweile Ben Aaronovitchs 10. Fall um den magischen Ermittler Peter Grant (die sechs Kurzromane nicht eingerechnet). Falls man mit dem aktuellen Roman in die “Flüsse von London”-Reihe quereinsteigen möchte, ist dies prinzipiell möglich, da der Fall in sich abgeschlossen ist. Natürlich ist es aber sinnvoll, die Reihe chronologisch zu lesen, um die Beziehungen der Figuren besser nachvollziehen zu können. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive von Peter Grant, der das Geschehene ironisch kommentiert und bekanntermaßen ein Faible für die architektonische Seite der Tatorte mitbringt. Neu ist die Ich-Perspektive von Abigail, der magisch begabten 18-jährigen Cousine Peters, was wirklich eine Bereicherung für die Reihe ist. Abigail schlägt einen ähnlich ironischen Ton wie Peter an, hat aber ganz andere Probleme: [KLEINER SPOILER] Ihr Bruder ist jüngst verstorben, was sie sehr belastet [SPOILER ENDE]. Außerdem kommen durch Abigails Perspektive Coming of Age-Elemente in die Handlung hinein. Der Krimi-Teil der Handlung ist wie in den anderen Bänden der Reihe fesselnd und abwechslungsreich: Neben der Herkunft des Wildtiers gilt es einen Mordfall sowie (später) einen Vermisstenfall zu klären, alles verquickt mit Fantasy-Elementen (bisher nicht bekannte Figuren der magischen Welt treten hier auf) und einer gesellschaftlich aktuellen Thematik (die ich hier aber nicht spoilern möchte). Der Schreibstil von Ben Aaronovitch ist gewohnt anschaulich und flüssig zu lesen. Insgesamt ist “Die Meerjungfrauen von Aberdeen” ein spannender wie witziger Urban-Fantasy-Krimi einer tollen Buchreihe, die mich immer wieder aufs Neue überzeugt.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Eine feinfühlig und atmosphärisch erzählte Liebeserklärung an das Buch

Der Buchspazierer
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Inhalt: Carl Kollhoff ist passionierter Buchhändler. Es gibt wenige Bücher, die er nicht gelesen hat; für jeden Kunden nimmt er sich Zeit, bis das passende Buch gefunden ist. Seit Jahren bietet er zudem ...

Inhalt: Carl Kollhoff ist passionierter Buchhändler. Es gibt wenige Bücher, die er nicht gelesen hat; für jeden Kunden nimmt er sich Zeit, bis das passende Buch gefunden ist. Seit Jahren bietet er zudem einen besonderen Lieferdienst an: Er spaziert durch die malerischen Gassen seiner Stadt und liefert die Bücher persönlich aus. Zwar ist er etwas einsam, aber insgesamt zufrieden mit seinem Leben - bis die neue Chefin ankündigt, dem Buchspazieren ein Ende zu setzen…

Persönliche Meinung: “Der Buchspazierer” ist ein Roman von Carsten Henn. An Inhaltsteaser und Titel merkt man schon: Der Roman feiert das Medium Buch, das Lesen und die Geschichten zwischen den Buchdeckeln. Buchliebe, die zwischenmenschlichen Verbindungen, die durch Bücher entstehen, sowie die Gefühle, die Geschichten auslösen, ziehen sich wie ein roter Faden durch den Roman. Erzählt wird hier außerdem die Geschichte einer besonderen Freundschaft: Während Carl durch die Gassen seiner Stadt spaziert, steht auf einmal die neunjährige Schascha neben ihm, die ihn unbedingt begleiten möchte - und nach anfänglichem Zögern Carls zu einem wichtigen Teil der Buchauslieferung wird. Der Roman beginnt behutsam - wir lernen Carl, seine Kunden und Schascha langsam kennen; je weiter der Roman voranschreitet, desto mehr Dramatik nimmt die Handlung auf. Denn: Es gibt einige Schicksalsschläge zu verkraften, mit denen man teilweise zu Beginn des Romans nicht gerechnet hätte. Schön gemacht - weil rührend - ist auch das Ende des Romans, wenngleich ich mir hier in Bezug auf einzelne aufgeworfene Handlungsfäden noch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte. Henn erzählt die Geschichte unheimlich atmosphärisch: Sei es die Buchhandlung “Am Stadttor” (wie gerne würde ich die mal besuchen!) oder die Häuser und Gassen der namenlos bleibenden Stadt - alles wird sehr malerisch beschrieben. Eine weitere Stärke des Romans ist, dass es Carsten Henn gelingt, auch Figuren, die eher unsympathisch sind, wertschätzend darzustellen: Fehlverhalten oder Charakterschwächen werden nicht einfach als negativ abgestempelt, sondern zu ergründen versucht (und damit zum Teil verständlich gemacht). Insgesamt ist “Der Buchspazierer” eine feinfühlig und atmosphärisch erzählte Liebeserklärung an das Buch.

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