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Veröffentlicht am 26.09.2021

Eine spannende Horrornovelle

Halloween in Nebelwald
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Inhalt: Halloween steht vor der Tür. Seit einigen Jahren wird dies von den Schüler*innen des örtlichen Berufsbildungszentrums groß gefeiert. Dieses Jahr ist die Location ein verlassenes Fabrikgelände in ...

Inhalt: Halloween steht vor der Tür. Seit einigen Jahren wird dies von den Schüler*innen des örtlichen Berufsbildungszentrums groß gefeiert. Dieses Jahr ist die Location ein verlassenes Fabrikgelände in der Nähe von Nebelwald, einem Nachbarort von Unterwald. Doch die Feier gerät aus dem Ruder und endet ganz anders als geplant. Denn: Die Jugendlichen sind nicht allein auf dem Fabrikgelände…

Persönliche Meinung: „Halloween in Nebelwald“ ist eine Horrornovelle von Maria Winter. Sie spielt in der Welt von „Halloween in Unterwald“ (zeitlich ein Jahr nach den Ereignissen der ersten Horrornovelle). Beide Novellen besitzen eine in sich abgeschlossene Handlung und können daher unabhängig voneinander gelesen werden. In „Halloween in Nebelwald“ gibt es allerdings einen Verweis auf die Vorgängernovelle: Die eigentliche Handlung von „Halloween in Nebelwald“ wird von einer Rahmenhandlung umklammert, in der Figuren aus „Halloween in Unterwald“ auftauchen, was insgesamt eine schöne Reminiszenz für LeserInnen ist, die die erste Novelle kennen. Erzählt wird „Halloween in Nebelwald“ aus drei Perspektiven (Michelle, Stephan und Frank), die jeweils eigene Handlungsstränge besitzen. Michelle ist eine eher introvertierte Schülerin, die mit ihren Freunden an der großen Halloweenparty teilnehmen möchte. Stephan, ein Familienvater, hat finanzielle Probleme und beteiligt sich daher zwangsweise an einer Jagd, die nicht ganz rechtens ist. Frank ist Unternehmer und plant einen Vergnügungspark im Thüringer Wald. Dabei begeht er allerdings einen entscheidenden Fehler. Die Handlungsstränge verlaufen getrennt voneinander, überschneiden sich aber punktuell (durch Orte, Figuren und Gegenstände). Geeint werden die Handlungsstränge zusätzlich durch einen bestimmten Umstand, der für die Handlung wichtig ist, den ich aber zwecks Spoilervermeidung nicht verraten möchte. Die Handlung ist insgesamt rund und besitzt einige Wendungen, die man nicht zwangsläufig erwartet. Innerhalb der Handlung gibt es einige schöne Gruselmomenten und die Handlungsorte (besonders der Freizeitpark) besitzen eine tolle Horroratmosphäre. Der Schreibstil lässt sich sehr flüssig lesen, wenngleich manchmal etwas zu rasch erzählt wird, worunter die Gruselatmosphäre ein bisschen leidet. Aber das fällt für mich insgesamt nicht allzu stark ins Gewicht. Insgesamt ist „Halloween in Nebelwald“ eine gruselige Halloweennovelle, die sich am besten in der kalten Jahreszeit liest, wenn es schon früher dunkel wird und man – sicher vor einem bestimmten, grünen Nebel – im heimischen Sessel sitzt.

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Veröffentlicht am 25.04.2021

Ein zeitloser Klassiker über die Mechanismen des Machtmissbrauchs

Farm der Tiere
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Inhalt: Old Major, ein preisgekrönter Eber, ruft die Tiere der Herrenfarm zu einem Treffen zusammen. Er spüre, dass er nicht mehr lange Leben werde, weshalb er den Tieren seine Weisheiten weitergeben möchte. ...

Inhalt: Old Major, ein preisgekrönter Eber, ruft die Tiere der Herrenfarm zu einem Treffen zusammen. Er spüre, dass er nicht mehr lange Leben werde, weshalb er den Tieren seine Weisheiten weitergeben möchte. In seinem langen, 12-jährigen Leben habe er einiges gelernt. So auch, dass die Tiere unfrei seien und in elender Sklaverei leben. Nur um für den Menschen zu produzieren, der nimmt, ohne selbst etwas zu erzeugen. Im Menschen liege der Grund für das Elend der Tiere, weshalb der Mensch gestürzt werden müsse. Kurz nach seiner Rede stirbt Old Major. Die Revolution beginnt nicht sofort, doch ihre Saat ist gelegt...

Persönliche Meinung: "Farm der Tiere" ist nach "1984" das bekannteste Werk des englischen Schriftstellers George Orwell. Die handelnden Figuren sind die Nutztiere der Herrenfarm, die später in die Farm der Tiere umbenannt wird. Die Tiere werden anthropomorphisiert, wobei einzelnen Tieren eine bestimmte menschliche Eigenschaft (Eitelkeit, Sturheit, Arbeitsamkeit o.Ä.) zugeschrieben wird. Nur in einzelnen - ironisch kommentierten - Szenen scheint ihre tatsächliche Tiergestalt durch. Die Handlung ist durch Verweisstrukturen innerhalb der Handlung schön komponiert. "Farm der Tiere" kann als Parabel auf die Frühgeschichte der Sowjetunion bzw. den Aufstieg des Kommunismus/Sozialismus gelesen werden. So spiegelt die Handlungsstruktur den Aufstieg Stalins wider und einzelne Tiere referieren auf historische (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung: zeitgenössische) Persönlichkeiten und Bevölkerungsgruppen. Gleichzeitig kann man "Farm der Tiere" allerdings auch von einer höheren Warte aus betrachten: Jenseits aller Anspielungen auf die Sowjetunion ist "Farm der Tiere" eine politische Fabel, die diktatorische Strukturen von Machtmissbrauch, Manipulation und Propaganda aufdeckt. Ergänzt wird "Farm der Tiere" in der Ausgabe vom Manesse-Verlag durch zwei Paratexte von G. Orwell und einem Nachwort von Eva Menasse. In "Die Pressefreiheit" kritisiert Orwell den von ihm beobachteten Umstand, dass die britische Presse hinsichtlich bestimmter Themen zu einer Selbstzensur neige. Im "Vorwort zur ukrainischen Ausgabe von ,Farm der Tiere'" stellt Orwell sich selbst auf eine ironisch-humoreske Art vor. Hieran knüpft das Nachwort von Eva Menasse an, indem sie detaillierter auf das Leben Orwells eingeht. Außerdem analysiert sie kurz die Parabelstruktur von "Farm der Tiere". Insgesamt ist "Farm der Tiere" ein bündiger Klassiker, dessen Behandlung der politischen Thematik eine zeitlose Relevanz besitzt.

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Veröffentlicht am 04.03.2021

Gefangen im Keller

Zombie Zone Germany: XOA
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Inhalt: Xoa und Lei befinden sich in den Fängen "des Mannes". Regelmäßig müssen die beiden Prüfungen absolvieren. Denn: "Der Mann" will wissen, ob die beiden jungen Frauen Engel sind - und keine Dämonen. ...

Inhalt: Xoa und Lei befinden sich in den Fängen "des Mannes". Regelmäßig müssen die beiden Prüfungen absolvieren. Denn: "Der Mann" will wissen, ob die beiden jungen Frauen Engel sind - und keine Dämonen. Acht Jahre lang haben Xoa und Lei jede Prüfung bestanden. Doch von der letzten ist Lei nicht zurückgekehrt. Xoa bleibt allein zurück.

Persönliche Meinung: "Xoa" von Lisanne Surborg ist eine Novelle, die in der Reihe "Zombie Zone Germany" erschienen ist. Interessant an "Xoa" ist, dass das Überthema "Zombieapokalypse" aus einem alternativen Blickwinkel beleuchtet wird: Nicht die Zombies stehen im Vordergrund, sondern zwei Mädchen/Jugendliche, die während der Apokalypse von einem Menschen gefangengehalten werden (Leider haben sich ein paar Rezensenten an diesem Punkt festgebissen (mit Kurzrezensionen à la "Da kommen ja kaum Zombies vor. Schlecht."), sodass es für "Xoa" - zu Unrecht - einige negative Bewertungen gibt.) Tatsächlich gewinnt "Xoa" durch die weitestgehende Absenz von Zombies an Qualität (und die Szenen, in denen Zombies auftauchen, an Stärke). Xoa und Lei sind nämlich vor der Apokalypse gekidnappt worden, sodass sie von der Zombieinvasion gar nichts wissen und von einem normalen Leben träumen - sollten sie denn jemals freikommen. Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive von Xoa. Der neuralgische Punkt der Handlung ist der 2. Juli 2022 - jener Tag, an dem Lei ihre Prüfung nicht bestanden hat und sich für Xoa alles ändert. Um dieses Datum entfalten sich zwei Handlungsstränge. Der breitere der beiden Stränge behandelt Xoas Leben ohne Lei, wobei Xoa nun verstärkt "dem Mann" ausgeliefert ist. Zwischendurch findet sich ein zweiter Handlungsstrang, der blitzlichtartig Xoas und Leis Gefangenschaft beleuchtet, wobei auch offenbart wird, was es mit dem "Scheitern" von Leis Prüfung auf sich hat. Besonders gut hat mir gefallen, wie diese Szene beschrieben wird: Xoa, aus deren Perspektive ja die Handlung erzählt wird, versteht die Situation nämlich nicht gänzlich, sodass die Szene einen eher vagen Ton erhält und an Tiefe gewinnt. "Xoa" ist insgesamt eine anspruchsvolle, alternative Zombiegeschichte, in der sich Elemente von Horror, Dystopie und Thriller vermengen.

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Veröffentlicht am 18.06.2020

Eine tolle Handlung mit einem humorvollen Protagonisten

Zane gegen die Götter, Band 1: Sturmläufer (Rick Riordan Presents: abenteuerliche Götter-Fantasy ab 12 Jahre)
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Inhalt: Zane Obispo lebt mit seiner Mutter, seinem Onkel und zwei schrulligen Nachbarn in einer kleinen Siedlung in der Nähe eines Vulkans inmitten der Wüste von New Mexico. Da er wegen seiner ungleich ...

Inhalt: Zane Obispo lebt mit seiner Mutter, seinem Onkel und zwei schrulligen Nachbarn in einer kleinen Siedlung in der Nähe eines Vulkans inmitten der Wüste von New Mexico. Da er wegen seiner ungleich langen Beine in der Schule gemobbt wurde, unterrichtet ihn seine Mutter von zu Hause aus. Dies soll sich allerdings jetzt ändern, da eine renommierte Schule ihm ein Stipendium gewährt hat. Dort spricht ihn die mysteriöse Brooks an, die nicht in den Unterlagen der Schule auftaucht, was für Zane der Beginn einer abenteuerlichen Reise in die Götterwelt der Maya ist.

Persönliche Meinung: Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive Zanes erzählt, der die Geschichte komisch, selbstironisch und flapsig erzählt. Die Erzählweise ist dadruch flüssig und erfrischend, gewürzt mit der richtigen Prise Humor. Auch Nebencharaktere - wie die beiden Nachbar Mr Ortiz und Miss Cab oder der Zanes Onkel Hondo - sind schön skurril dargestellt und tragen mit ihren Dialogen lockeren Atmosphäre der Handlung bei. Der Plot "Außenseiter reist in die Welt der Götter und erkennt seine wahre Herkunft" ist bewusst an das Percy Jackson-Universum von Rick Riordan angelehnt, was sehr gut gelungen ist. Dabei geht J.C. Cervantes aber auch eigene Wege: Die Götter sind sowohl Schöpfer, als auch Weltenzerstörer; die "aktuelle" Welt interessiert sie daher nur bedingt. Schön war auch der kleine Plottwist am Ende, wodurch man die Handlung anders beurteilt hat. Die Erzählsituation ist auch eine besondere: Zane schreibt seine Geschichte für die Götter auf (warum, möchte ich nicht spoilern), weshalb immer wieder direkt an die Götter gerichtete Kommentare eingestreut werden. Insgesamt ist "Zane gegen die Götter - Sturmläufer" eine tolle Hommage an Percy Jackson, die es aber dennoch schafft, eigene Wege zu gehen.

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Veröffentlicht am 02.12.2019

Ein Thriller zum Miträtseln

Rapunzel, mein (Ein Grall-und-Wyler-Thriller 2)
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"Rapunzel, mein" ist der zweite Band um das Profilerduo Jan Grall und Rabea Wyler. Nach den Ereignissen von "Der Alphabetmörder" gehen die beiden allerdings zunächst getrennte Wege. Im Zentrum des Thrillers ...

"Rapunzel, mein" ist der zweite Band um das Profilerduo Jan Grall und Rabea Wyler. Nach den Ereignissen von "Der Alphabetmörder" gehen die beiden allerdings zunächst getrennte Wege. Im Zentrum des Thrillers findet sich ein makabrer Mord: Nahe eines Märchenparks wird eine junge Frau ohne Hände gefunden, die mit ihrem eigenen Haaren erdrosselt worden ist. Rabea fühlt sich an das Schicksal ihrer blondhaarigen Schwester erinnert, die vor zwanzig Jahren spurlos verschwunden ist und von der man nur eine abgetrennte Hand gefunden hatte, und beginnt eigenständig mit der Ermittlung. Hierbei involviert sie auch ihren ehemaligen Kollegen Jan. Beide treffen in ihren Ermittlungen aus dubiose Gestalten und menschliche Abgründe. Wie hängen die beiden Fälle zusammen? Wer ist der mysteriöse Nimrod, der Morde voraussehen kann? Was hat es mit dem scheinbar alles und jeden beobachtenden "Turm des Schweigens" zu tun?

Der Schreib- und Erzählstil ist sehr angenehm und alltagsnah. Er trägt dazu bei, dass der Thriller ein wahrer Pageturner ist!

Den ersten Band der Reihe hatte ich nicht gelesen (werde ich aber schnellstens nachholen!). Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, mir würden Informationen fehlen. Die Anspielungen auf den "Alphabetmörder" sind genau richtig ausgewählt: Die Ausgangslage der Protagonisten wird verständlich, ohne dass die Lust vergeht, den "Alphabetmörder" "nachzulesen". Weiterhin lädt der Roman zum Miträtseln ein und streut seine Brotkrumen, hält aber dennoch einige Überraschungen bereit. Kleinere Kritikpunkte, auf die ich zwecks Vermeidung von Spoilern nicht eingehen kann, fallen vor dem Hintergrund des "Gesamtkunstwerks" für mich zurück, sodass ich dieses Buch jedem Thriller-/Krimi-Fan ans Herz legen kann!