Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2024

Ein stimmungsvoller Thriller mit einigen Längen

Reykjavík
0

Inhalt: 1956. Auf einer beschaulichen Insel südlich von Reykjavík verschwindet die 15-jährige Lára. Der Polizist Kristján Kristjánsson ist sich sicher, dass dem Mädchen etwas geschehen sein muss, doch ...

Inhalt: 1956. Auf einer beschaulichen Insel südlich von Reykjavík verschwindet die 15-jährige Lára. Der Polizist Kristján Kristjánsson ist sich sicher, dass dem Mädchen etwas geschehen sein muss, doch auf Druck seines Vorgesetzten lässt er von dem Fall ab. Das Verschwinden Láras wird zu einem Cold Case – bis sich 30 Jahre später der junge Journalist Valur Róbertsson dazu entschließt, Lára zu finden – sei es tot oder lebendig.

Persönliche Meinung: „Reykjavík“ ist ein Thriller von Ragnar Jónasson und Katrín Jakobsdóttir. Es handelt sich um einen Einzelroman, der sich unabhängig von anderen Büchern Jónassons lesen lässt. Erzählt wird der Roman aus mehreren personalen Perspektiven, wobei es aber zwei Hauptperspektiven gibt: Valur und eine Perspektive, die ich hier nicht spoilern will. Die Handlungsstruktur folgt einem klassischen Krimi: Valur, unser investigativer Ermittler, versucht einen alten Fall zu klären, wobei die Zahl der potentiellen Verdächtigen begrenzt ist. Der Thriller beginnt dementsprechend spannend und vielversprechend. Leider flacht die Spannung nach dem Einstieg ab: Valurs Ermittlungen plätschern eher dahin und recht schnell kann man erahnen, was sich vor dreißig Jahren auf der Insel zugetragen hat. Was im Thriller allerdings anschaulich beschrieben und eingefangen wird, ist das Leben im Reykjavík 1986, das im Handlungsjahr seine 200-Jahr-Feier beging. Auch finden sich zwei überraschende Wendungen, die ein Stück weit über die eher vorhersehbare Handlung hinwegtrösten. Gefallen hat mir auch die Stimmung des Thrillers, dessen Melancholie und Düsternis atmosphärisch dicht beschrieben wird. Der Schreibstil von Jónasson und von Jakobdsdóttir lässt sich flüssig und angenehm lesen. Insgesamt ist „Reykjavík“ nicht unbedingt ein schlechter Thriller, allerdings konnte er spannungstechnisch für mich nicht an die „Dark Iceland“-Reihe von Ragnar Jónasson heranreichen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.10.2023

Ein atmosphärischer Roman

Der Knochenwald
0

Inhalt: Seit Jahren lebt Mattie gemeinsam mit ihrem Ehemann William in einer einsamen, von dem Rest der Menschheit abgeschotteten Berghütte. William ist ein Tyrann, dessen Stimmungsschwankungen und Gewalttätigkeiten ...

Inhalt: Seit Jahren lebt Mattie gemeinsam mit ihrem Ehemann William in einer einsamen, von dem Rest der Menschheit abgeschotteten Berghütte. William ist ein Tyrann, dessen Stimmungsschwankungen und Gewalttätigkeiten Mattie schutzlos ausgeliefert ist. Doch plötzlich ändert sich Matties Leben von Grund auf: Als markerschütternde Schreie durch den Wald hallen und seltsam verstümmelte Tierkadaver nahe der Berghütte auftauchen, begeben sich Mattie und William auf die Suche nach deren Ursprung – und treffen dabei auf einen Mann, der wissen zu scheint, wer Mattie ist…

Persönliche Meinung: „Der Knochenwald“ ist ein Horrorroman von Christina Henry. Es handelt sich um einen stand-alone Roman, der sich unabhängig von den anderen Büchern Henrys lesen lässt (auch ist „Der Knochenwald“ keine Märchen-/Klassikeradaption wie „Die dunklen Chroniken“, sondern eine eigenständige Geschichte). Erzählt wird die Handlung aus der personalen Perspektive von Mattie, die unter der Tyrannei Williams lebt. Die Gewalttaten und Willkürlichkeiten Williams werden dabei deutlich beschrieben, sodass man unweigerlich mit Mattie fühlt (durch die deutlichen Beschreibungen kann das Buch triggernd wirken, weshalb an dieser Stelle eine Triggerwarnung sinnvoll ist). Innerhalb der Handlung treten gewissermaßen zwei Monster auf: das unbekannte Wesen und William – wobei man sich während der Lektüre permanent fragt, wer das größere Monster ist. Eine Stärke des Romans ist die Nachzeichnung der Gefühlswelt Matties: Während der Handlung entdeckt sie – aus Gründen, die ich hier nicht spoilern möchte – ihre Vergangenheit neu, was zu einer anschaulichen, tempomäßig stimmig austarierten Entwicklung Matties führt. Spannung entsteht innerhalb der Handlung durch mehrere Fragen, die eine*n beim Leseprozess ständig begleiten: Was hat es mit dem Monster auf sich? Wer ist der Fremde und woher kennt er Mattie? Und: Wie ist die Vergangenheit Matties? Etwas schade ist, dass diese Spannungselemente nicht konsequent verfolgt werden; oftmals treten die Fragen in den Hintergrund, wodurch es einzelne, eher langatmige Szenen gibt. Das Ende ist zudem eher offengehalten, sodass man nicht auf jede der Fragen eine endgültige Antwort erhält. Der Schreibstil von Christina Henry ist anschaulich und lässt sich flüssig lesen, wobei die atmosphärische Zeichnung besonders der einsamen Wälder rings um die Hütte schön dicht und schaurig ist. Insgesamt ist „Der Knochenwald“ ein atmosphärischer Roman mit einer einfühlsam ausgestalteten Protagonistin; der Handlungsbogen des Romans konnte mich allerdings nicht völlig überzeugen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.08.2023

Ein Spannungsroman, der mich nicht völlig überzeugen konnte

Zwei Fremde
0

Inhalt: Nur noch eine Nachtschicht muss Remie Yorke im Mackinnon, einem abgelegenen Hotel in den Highlands, überstehen – dann wird sie sich endlich einen langersehnten Traum erfüllen. Die Nachtschicht ...

Inhalt: Nur noch eine Nachtschicht muss Remie Yorke im Mackinnon, einem abgelegenen Hotel in den Highlands, überstehen – dann wird sie sich endlich einen langersehnten Traum erfüllen. Die Nachtschicht scheint denkbar einfach: Es ist die letzte der Saison, ehe das Hotel über den Winter geschlossen wird; nur noch zwei Gäste befinden sich im Mackinnon. Doch dann ereignet sich im nahegelegenen Hochsicherheitsgefängnis ein Häftlingsausbruch – und plötzlich steht ein Mann vor dem Mackinnon, der um Einlass bittet. Er behauptet, ein Polizist namens Officer Gaines zu sein, und gibt an, die Fahndung nach dem Geflohenen organisieren zu müssen. Kurze Zeit später taucht ein weiterer Mann beim Mackinnon auf, der ebenfalls angibt, er heiße Gaines und müsse den Häftling ausfindig machen. Wem kann Remie trauen? Wer ist Polizist, wer Häftling?

Persönliche Meinung: „Zwei Fremde“ ist ein Spannungsroman von Martin Griffin. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive von Remie Yorke. Der Roman gleicht einem Kammerspiel: Es gibt nur eine Handvoll handelnder Figuren; der Handlungsort ist über weite Strecken auf das Mackinnon konzentriert. Handlungsleitendes Prinzip ist die Frage, wer der echte Gaines ist. Hierbei hatte ich ein (mehr oder weniger) undurchschaubares Vexierspiel erwartet, in dem Remie – durch Sammlung von Informationen/Erkenntnissen und permanent ihr Urteil revidierend – herauszufinden versucht, welcher der beiden Männer die Bedrohung ist. Leider war dies nicht der Fall. Man erhält während der Handlung kaum neue Informationen zu den beiden Männern, sodass die Wahrscheinlichkeit, dass der erste Mann der Häftling ist, genauso hoch ist wie diejenige, dass der zweite Mann der Häftling ist. Konstant stehen die Wahrscheinlichkeiten 50:50, sodass letztlich die Spannung, die gerade zu Beginn der Handlung entsteht, mit der Zeit für mich verloren ging (ein Stück weit wurde die Spannung allerdings durch die versteckten Geheimnisse gerettet, die alle Figuren mit sich trugen). Auch die Auflösung, wer denn nun der Häftling ist, war nicht so mitreißend war, wie sie hätte sein können. Die Handlung mit ihren Rückblicken in die Vergangenheit von Remie ist insgesamt stimmig, allerdings verlief für mich das Ende, in dem Remie ihren großen Traum erfüllt, etwas zu rasch und konfliktfrei. Der Schreibstil von Martin Griffin ist anschaulich und lässt sich flüssig lesen, sodass man durch die eher kurzen Kapitel des Romans fliegt. Insgesamt ist „Zwei Fremde“ ein anschaulich geschriebener Spannungsroman, der eine vielversprechende, spannungsgeladene Ausgangslage besitzt, deren Fortführung mich allerdings nicht vollkommen überzeugen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.04.2023

Ein solider Thriller, der für mich aber nicht an Band 1 heranreichen konnte

Die Frequenz des Todes
0

Vorab: „Auris – Die Frequenz des Todes“ ist der zweite Band der „Auris“-Reihe. In der Rezension finden sich daher leichte Spoiler zum ersten Band „Auris“.

Inhalt: Eine Frau ruft panisch beim Notruf an ...

Vorab: „Auris – Die Frequenz des Todes“ ist der zweite Band der „Auris“-Reihe. In der Rezension finden sich daher leichte Spoiler zum ersten Band „Auris“.

Inhalt: Eine Frau ruft panisch beim Notruf an und sagt, ihr Kind sei verschwunden – doch ehe sie ihren Standort durchgeben kann, bricht die Verbindung ab. Obwohl sich der forensische Phonetiker Matthias Hegel weiterhin in U-Haft befindet, entscheidet die Polizei, ihn in die Ermittlungen miteinzubeziehen. Durch die Haft ist Hegels Wirkungsradius natürlich eingeschränkt, sodass er erneut die True-Crime-Podcasterin Jula einspannt, um den Fall zu lösen…

Persönliche Meinung: „Auris – Die Frequenz des Todes“ ist ein Thriller von Vincent Kliesch, der auf einer Idee Sebastian Fitzeks beruht. Der Fall um das verschwundene Kind ist in sich abgeschlossen, sodass man „Die Frequenz des Todes“ auch ohne Kenntnis des ersten Bandes lesen kann. Allerdings werden einzelne Handlungsfäden weitergesponnen, die bereits im ersten Band aufgeworfen worden sind, sodass es – um Spoiler zum ersten Band zu vermeiden – sinnvoll ist, die Bände chronologisch zu lesen. Erzählt wird die Handlung aus mehreren personalen Erzählperspektiven: So werden neben den Sichtweisen von Jula (die erneut als primäre Ermittlerfigur auftritt) und Hegel u.a. auch diejenigen von Jonathan und Cecile (die Eltern des verschwundenen Kindes) eingenommen. Durch die unterschiedlichen Perspektiven und den damit einhergehenden Perspektivwechseln gewinnt die Handlung ein hohes Tempo. Der Beginn des Thrillers ist schön rätselhaft und spannend: Bestimmte Figuren verhalten sich ambivalent, ohne dass der Grund dafür ersichtlich ist, sodass man unbedingt weiterlesen möchte, um die Ursachen für das jeweilige Verhalten zu erfahren. In der Folge flachte die Spannungskurve – trotz vieler Cliffhanger – für mich allerdings ab. Relativ früh, ab ca. der Hälfte des Thrillers, lässt sich erahnen, was bestimmte Figuren antreibt, sodass die Auflösung der Handlung nicht so überraschend und diffizil wie in Band 1 ist. Wer „Auris“ gelesen hat, weiß, dass einzelne Handlungsfäden am Ende des ersten Bandes offenbleiben. Diese werden – zumindest zum Teil – am Ende von Band 2 geschlossen – allerdings mit Lücken. Daher bin ich unschlüssig, ob diese Auflösung tatsächlich schon die endgültige Lösung ist oder ob hier mit den Erwartungen der Lesenden gespielt wird (sollte dies tatsächlich die endgültige Auflösung sein, fände ich sie zu lückenhaft und etwas zu bemüht). Der Schreibstil von Vincent Kliesch lässt sich sehr flüssig lesen, sodass man durch die Seiten des Thrillers fliegt. Insgesamt ist „Auris – Die Frequenz des Todes“ ein flüssig zu lesender Thriller mit einem starken Beginn, dessen weiterer Verlauf mich aber nicht vollends überzeugen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2023

Stilistisch flüssig zu lesen, aber keine leichte Lektüre

Pepper-Man
0

Inhalt: Die 74-jährige, zurückgezogen lebende Schriftstellerin Cassandra Tipp ist von einem auf den anderen Tag verschwunden. Tipp umrankten zeit ihres Lebens Geheimnisse: So soll sie u.a. für den Tod ...

Inhalt: Die 74-jährige, zurückgezogen lebende Schriftstellerin Cassandra Tipp ist von einem auf den anderen Tag verschwunden. Tipp umrankten zeit ihres Lebens Geheimnisse: So soll sie u.a. für den Tod ihres Ehemannes und ihres Vaters verantwortlich gewesen sein, doch verurteilt wurde sie nie. Kurz vor ihrem Verschwinden hat Tipp ein letztes Buch geschrieben – ihre Lebensgeschichte, in der sie zum ersten Mal ihre Version des Erlebten erzählt.

Persönliche Meinung: „Pepper-Man“ ist ein Roman mit Fantasy- und Horrorelementen von Camilla Bruce. Interessant ist die Erzählweise des Romans: Für den Fall, dass Tipp binnen Jahresfrist nicht mehr auftauchen sollte, hat sie für ihre Erben ein Buch hinterlassen, in dem sie aus der Ich-Perspektive ihr Leben erzählt. Dieses Buch, das sich an ihren Neffen Janus und ihre Nichte Penelope richtet, lesen wir in „Pepper-Man“, wodurch die Unmittelbarkeit der Handlung erhöht wird. In ihrer Lebensgeschichte erweist sich Tipp als unzuverlässige Erzählerin: Es vermischen sich Traumwelt und Wirklichkeit, sodass man zu Beginn des Romans nicht weiß, was in ihrer Geschichte real ist – und was nicht. Eine große Rolle im Roman spielt der Pepper-Man, ein unberechenbares, knotiges „Wesen“, das Tipp bereits ihr Leben lang begleitet, ihr bestimmte Dinge einflüstert und ihr Blut trinkt. Was genau es mit dem Pepper-Man auf sich hat, wird allerdings vergleichsweise früh, ab ca. Seite 50, und recht deutlich offenbart, wodurch die Rätselhaftigkeit der Handlung ein Stück weit verloren geht. Die Identität und der Grund für das Auftauchen des Pepper-Mans sind emotional sehr herausfordernd, weshalb das Buch triggern kann (Am Ende der Rezension findet ihr eine Triggerwarnung. Die Warnung spoilert zwar, aber mir ist es wichtig, die triggernden Elemente deutlich zu benennen). Die Atmosphäre des Romans ist dicht – permanent düster, häufig drückend und eine Spur andersweltlich (dies gilt besonders für den Wald, in dem weite Teile der Handlung spielen). Insgesamt ist „Pepper-Man“ ein Roman, der ein emotional herausforderndes Thema in ein düsteres Fantasy-Setting hüllt – stilistisch flüssig geschrieben, aber keine leichte Lektüre.

TW: s*xueller Missbrauch, (häusliche) Gewalt

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere