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Veröffentlicht am 13.11.2025

Erinnerungen in Flammen – Auf den Spuren der Zeithüter

Das Buch der verlorenen Stunden
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Bereits der Einstieg des Romans hat mich sofort gefesselt: Gemeinsam mit der Protagonistin Lisavet stürze ich in eine geheimnisvolle Welt, in der die Erinnerungen der Menschen in Form von Büchern aufbewahrt ...

Bereits der Einstieg des Romans hat mich sofort gefesselt: Gemeinsam mit der Protagonistin Lisavet stürze ich in eine geheimnisvolle Welt, in der die Erinnerungen der Menschen in Form von Büchern aufbewahrt werden. Diese faszinierende Idee bildet das Herzstück der Geschichte und lädt dazu ein, über Erinnerung, Identität und Vergänglichkeit nachzudenken. Anfangs noch orientierungslos, wächst man Seite für Seite in diese Welt hinein – genau wie Lisavet selbst.

Besonders spannend ist die Begegnung mit den Zeithütern, deren wahre Absichten lange im Dunkeln bleiben. Die Vorstellung, dass sie Erinnerungen löschen können, wirkt beunruhigend und gleichzeitig faszinierend. Eine besonders emotionale Szene entsteht, als Lisavet auf die Spuren ihres Vaters stößt – ein Moment, der die persönliche Tiefe des Romans eindrucksvoll verdeutlicht.

Etwa dreißig Jahre später setzt die Handlung mit Amelia fort, die das Erbe ihres Onkels Ernest antritt. Durch den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart entsteht ein dynamischer Erzählfluss, der anfangs verwirrt, später aber immer klarere Zusammenhänge offenbart. Sobald sich die Verbindung zwischen beiden Zeitebenen zeigt, entfaltet die Geschichte einen regelrechten Sog. Das mysteriöse dunkelblaue Buch, das Amelia sucht, wird dabei zum zentralen Symbol und zum Schlüssel vieler Geheimnisse.

Die Liebesgeschichte wirkt stellenweise etwas überzogen, bleibt jedoch nachvollziehbar und wird nie zum dominierenden Element. Viel spannender ist, wie sich das Universum der Zeithüter mit der Zeit selbst verändert – eine Idee, die ohne zu viel zu verraten, für einige überraschende Momente sorgt.

Auch die Einbindung historischer Ereignisse, die lyrischen Zitate und die immer wieder aufkeimende Spannung zwischen den Zeitwechseln verleihen dem Buch eine besondere Atmosphäre. Manche Wendungen sind vorhersehbar, doch das Finale bleibt völlig offen und überraschend – und gerade der lyrisch-poetische Schluss hallt noch lange nach.

Fazit:
Das Buch der verlorenen Stunden ist ein außergewöhnlich spannender, poetischer und vielschichtiger Roman, der mit seiner originellen Idee und seinem emotionalen Tiefgang überzeugt. Wer Geschichten liebt, in denen Zeit, Erinnerung und Schicksal miteinander verwoben sind, wird hier fündig – und möchte das Buch bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand legen.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Zwischen Verlust und Neubeginn

Wilder Honig
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Wilder Honig ist ein stilles, eindringliches Buch, das mit seiner melancholischen Grundstimmung und dichten Atmosphäre von der ersten Seite an fesselt. Der Tod von Hannahs Ehemann John legt einen Schatten ...

Wilder Honig ist ein stilles, eindringliches Buch, das mit seiner melancholischen Grundstimmung und dichten Atmosphäre von der ersten Seite an fesselt. Der Tod von Hannahs Ehemann John legt einen Schatten über die Geschichte, doch das alte Haus, der verwilderte Obstgarten und die summenden Bienenstöcke schaffen einen stimmigen, beinahe tröstlichen Rahmen. Die Natur wird zur ständigen Begleiterin – nie aufdringlich, sondern als leise Spiegelung der inneren Zustände.

Mit dem Auftreten von Hannahs Schwester Sadie öffnet sich der Blick in die Vergangenheit. Durch die Rückblenden in ihre Kindheit entfaltet sich das komplexe Verhältnis der beiden Frauen: geprägt von Verantwortung, familiärer Strenge und unausgesprochenen Geheimnissen. Besonders eindrücklich sind die Szenen, die Hannahs abgebrochene Schwangerschaft und die daraus resultierende Unfruchtbarkeit thematisieren – nicht reißerisch, sondern sensibel und authentisch erzählt.

Als Hannah nach Johns Tod dessen Testament und Briefe findet, kommt Bewegung in die Trauer. Die Offenbarung, dass John eine Tochter hatte, erschüttert das Bild, das sie von ihm hatte. Doch Caryl Lewis vermeidet einfache Urteile: In Johns Briefen zeigt sich ein nachdenklicher, vielschichtiger Mensch, der versucht, Ordnung und Sinn in sein Leben zu bringen – so sorgsam, wie er seine Bienen hütete.

Gerade diese Briefe gehören zu den stärksten Momenten des Romans. Die Vergleiche zwischen Hannah, den Bienen und der Natur wirken nicht romantisierend, sondern als Ausdruck von Beobachtung und Reflexion. Sie öffnen einen Raum für Fragen: Wie gut kennen wir die Menschen, die wir lieben? Und wie viel Wahrheit lässt sich aushalten, ohne dass etwas zerbricht?

Auch die Nebenfiguren, allen voran Megan, sind fein gezeichnet. Jede trägt ihr eigenes Päckchen, jede versucht, mit Rücksicht und manchmal unbeholfener Zuneigung durchs Leben zu gehen. Dieses vorsichtige Miteinander verleiht dem Roman eine glaubwürdige Wärme, ohne ins Sentimentale zu kippen.

Besonders Sadies Perspektive hat mich berührt. Ihr Ringen zwischen familiärer Verantwortung und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung wirkt nachvollziehbar und echt. Darin spiegelt sich ein zentrales Thema des Buches: Wie wir lernen, mit unseren Prägungen zu leben, ohne uns von ihnen bestimmen zu lassen.

Caryl Lewis verbindet die menschlichen Schicksale gekonnt mit der Natur. Die Bienen, der Garten, das Wetter – sie stehen nicht als Symbol, sondern als stilles Gegenüber, das mitschwingt und die Atmosphäre trägt. So entsteht ein harmonisches, unaufgeregtes Gesamtbild, das lange nachklingt.

Am Ende ist Wilder Honig kein lautes Buch, sondern eines, das durch seine leisen Töne überzeugt. Es erzählt von Verlust und Neubeginn, von Schuld und Vergebung – und davon, dass selbst nach den dunkelsten Zeiten wieder etwas wachsen kann. Nicht perfekt, nicht ohne Brüche, aber echt.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Leider nicht mein Geschmack getroffen

Der Junge im Fluss
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Der Junge im Fluss“ von Nestor T. Kolge überzeugt mit einer komplexen und vielschichtigen Geschichte, die geschickt konstruiert ist und interessante Themen wie Schuld, Verdrängung und die Suche nach Wahrheit ...

Der Junge im Fluss“ von Nestor T. Kolge überzeugt mit einer komplexen und vielschichtigen Geschichte, die geschickt konstruiert ist und interessante Themen wie Schuld, Verdrängung und die Suche nach Wahrheit aufgreift. Dennoch hat mich die Handlung emotional leider nicht so mitgenommen, wie ich es mir erhofft hatte. Die Figuren blieben für mich teilweise schwer greifbar, und obwohl ich die erzählerische Idee und die atmosphärische Dichte durchaus schätze, konnte sie mich nicht ganz für sich gewinnen. Positiv hervorzuheben ist der flüssige, angenehme Schreibstil, der das Buch trotz meiner gemischten Gefühle sehr gut lesbar machte. Man kann die Geschichte schnell durchlesen und merkt dabei die handwerkliche Qualität, die in diesem Buch steckt. Für Leser, die tiefgründige und verschachtelte Plots mögen, sicher eine Empfehlung wert.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Der berührende Neuanfang von Ida

Windstärke 17
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Windstärke 17, die Fortsetzung von 22 Bahnen, erzählt die Geschichte diesmal aus der Perspektive von Ida, der kleineren Schwester von Tilda. Ich fand es besonders interessant, die Dinge endlich aus Idas ...

Windstärke 17, die Fortsetzung von 22 Bahnen, erzählt die Geschichte diesmal aus der Perspektive von Ida, der kleineren Schwester von Tilda. Ich fand es besonders interessant, die Dinge endlich aus Idas Blickwinkel zu erleben, denn in 22 Bahnen blieb sie oft eine Randfigur. Jetzt rückt sie selbst ins Zentrum — und mit ihr all das Chaos, die Unsicherheit und das innere Ringen, das sie mit sich herumträgt.

Der Schreibstil schafft es hervorragend, Idas Gefühlswelt greifbar zu machen. Oft weiß Ida selbst nicht genau, warum sie so fühlt, wie sie fühlt, oder was sie mit sich und ihrem Leben anfangen soll. Doch genau das macht sie so nahbar. Man spürt beim Lesen, dass sie viel erlebt hat und dass sie noch immer mit den Schatten der Vergangenheit kämpft. Ich konnte mich in vielen Momenten sehr gut in sie hineinversetzen, gerade weil nicht immer alles logisch oder glatt erklärt wird. Gefühle sind eben manchmal einfach nur da — und Caroline Wahl bringt das sehr authentisch rüber.

Was mir besonders gefallen hat, ist der Beginn dieses Neuanfangs für Ida. Natürlich wird sie dabei weiter von ihren alten Problemen begleitet, aber man merkt, dass da leise Hoffnung auf etwas anderes ist. Die herzliche Art, mit der Knut und Marianna sie aufnehmen, war für mich ein richtig schöner Lichtblick in der Geschichte. Es ist niedlich und berührend zu lesen, wie die beiden an Ida glauben, auch wenn sie selbst daran zweifelt.

Spannend wird es auch durch die Figur Leif, den mysteriösen Jungen, der Ida begegnet. Schnell wird klar, dass auch er seine eigenen Dämonen hat, und die beiden verbindet dieses stille Verstehen zwischen Menschen, die zu viel erlebt haben. Ich hätte mir sehr gewünscht, am Ende auch mehr über seine Geschichte zu erfahren, denn da steckt viel Potenzial für eine weitere Erzählung. Vielleicht hebt sich die Autorin das ja für ein drittes Buch auf — ich würde es auf jeden Fall lesen wollen!

Alles in allem ist Windstärke 17 eine gelungene, emotionale und sehr ehrliche Fortsetzung. Caroline Wahl bleibt sich in ihrer Sprache und in der Art, Figuren zu zeichnen, treu. Sie schreibt über Schmerz und Hoffnung, über Verluste und kleine Momente des Glücks — und trifft damit genau ins Herz.

Mein Fazit: Ein stilles, intensives Buch, das zeigt, dass Neuanfänge oft mit alten Geschichten im Gepäck passieren, und dass das okay ist. Für alle, die 22 Bahnen mochten, ein absolutes Muss.

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Veröffentlicht am 25.08.2019

Die Frage nach der Schuld

Schuldig
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Ich habe vor ein paar Tagen das Buch "Schuldig" von Kanae Minato beendet.

In diesem Buch fahren vier Freunde gemeinsam in den Urlaub und wollen ein paar Tage in den Bergen genießen. Da der fünfte Freund ...

Ich habe vor ein paar Tagen das Buch "Schuldig" von Kanae Minato beendet.

In diesem Buch fahren vier Freunde gemeinsam in den Urlaub und wollen ein paar Tage in den Bergen genießen. Da der fünfte Freund zum Reiseantritt verhindert war, reist dieser ein paar Stunden später nach. Er kommt jedoch nur bis zu einem Bahnhof in der Nähe der Unterkunft, sodass einer der vier Freunde losfahren muss um ihn abzuholen. Da sie nicht damit gerechnet haben, das er es schafft so schnell nachzukommen, hatten die vier Freunde den Abend bereits mit Alkohol angestoßen. Und nun stehen sie vor der Wahl: Wer soll ihn abholen? Die beiden, die nicht getrunken haben, besitzen leider keinen Führerschein.
So kommt es, dass sie letztendlich Hirosawa schicken. Einer von den beiden, der etwas getrunken hatte, der aber selbst von sich aus sagt, dass sich alles noch in Grenzen hält.
Es kommt schließlich zu einem Unfall, in dem er tötlich verunglückt und die vier Freunde müssen sich nun die Frage stellen: Sind wir daran Schuld?

Ich habe das Buch wirklich sehr gerne gelesen, da besonders die ersten Szenen durch den Kaffee und den Honig verdankt im wahrsten Sinne des Wortes sehr aromatisch wirken. Ich hätte in diesem Moment gerne selbst in einem Café gesessen und Fukases besonderen Kaffee probiert. Auch der Protagonist Fukase war mir zu Beginn sofort sympathisch - auch wenn er etwas eigen sein mag und keinen richtigen Freundeskreis besitzt.
Die gesamte Story an sich hat im Nachhinein betrachtet nicht wirklich mit dem Ende zu tun, trägt aber irgendwie doch dazu bei, dass es so kommt wie es kommt. Der Plot Twist - mit dem ich übrigens absolut nicht gerechnet habe - zeigt sich erst auf den letzten Seiten, doch für alle Ungeduldigen: der flüssige Schreibstil bringt einen schnell dorthin.
Der Leser wird somit überrascht und schockiert zurück gelassen, was mir persönlich sehr gefällt.

Mich wundern ehrlich gesagt die vielen negativen Rezensionen - mal wieder ein Beweis dafür, das man nicht so viel darauf geben darf.
Aber gut, ich mag ja aber auf Kaffee und Honig und ich habe auch noch nicht "Geständnisse" von der Autorin gelesen. ;) (was ich aber defintiv nachholen werde)