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Veröffentlicht am 15.02.2026

Viel Geschichte zwischen den Zeilen

Moosland
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1949 reisten ca. 300 junge deutsche Frauen nach Island, um dort zu arbeiten. Eine davon begleitet man hier.

Sie ist traurig und verstört, traumatisiert, gerät in Panik, wenn sie Hühnern begegnet, keine ...

1949 reisten ca. 300 junge deutsche Frauen nach Island, um dort zu arbeiten. Eine davon begleitet man hier.

Sie ist traurig und verstört, traumatisiert, gerät in Panik, wenn sie Hühnern begegnet, keine guten Voraussetzungen für die Arbeit auf einem Bauernhof. Von dem, was ihr passiert ist, erfährt man nicht sehr viel, ab und an gibt es Erinnerungsschnipsel.

Der Hof, auf dem sie landet, ist weit ab von allem. Die Familie züchtet Schafe, lebt einfach und naturnah, trifft selten andere Menschen und hat auch ihre Probleme. Die beiden Söhne sind nicht immer zufrieden mit dem Leben in der Einöde. Und eine Tochter muss es auch gegeben haben, wo ist die?

Ganz allmählich kommt sie an in diesem neuen Leben, das ihr eröffnet wird, das sie aber nur zaghaft angeht. Sie versteht die Sprache nicht und ist fremd in jeder Hinsicht. Die Familie hat Geduld mit ihr, aber auch wenig Zeit für Zaudereien.

Das Buch ist sehr atmosphärisch geschrieben, transportiert ganz viel ursprüngliches Island mit wilder Natur, viel Schnee und Wind und harter Arbeit. Trauer und Melancholie schwingt mit, auch ein bisschen Verzweiflung hier und da. Der Erzählstil ist so karg wie das Land, hat aber einen rauen Charme. In Summe war mir es dann aber doch ein wenig zu fragmentarisch. Vom spannenden historischen Kontext erzählt hauptsächlich das Nachwort. Die Kriegserlebnisse, die das Mädchen traumatisiert haben, bleiben sehr vage. Auch ihr Name bleibt ein Geheimnis, das erst auf den letzten gelüftet wird. Warum?

Bei diesem Buch habe ich das Gefühl, die eigentliche Geschichte liegt zwischen den Zeilen. Ich habe es gerne gelesen, hätte mir aber doch mehr Greifbares gewünscht.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Spannend und originell

Das Signal
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Dies Buch fängt schon an wie ein übler Alptraum. Viola wacht im Krankenhaus auf und weiß nicht, was ihr passiert ist. Sie hat ein Bein verloren und gebrochene Rippen, aber sie lebt immerhin.

Als sie wieder ...

Dies Buch fängt schon an wie ein übler Alptraum. Viola wacht im Krankenhaus auf und weiß nicht, was ihr passiert ist. Sie hat ein Bein verloren und gebrochene Rippen, aber sie lebt immerhin.

Als sie wieder zuhause ist, muss sie ihr Leben neu gestalten. Mit einem Bein ist alles anders. Noch dazu hat ihr Mann ihr eine Pflegerin besorgt, die sich mehr wie eine Wächterin benimmt. Viola wird auf Schritt und Tritt überwacht und ihr Mann benimmt sich seltsam. Was ist bloß los? Sie verteilt gezielt GPS Tracker um herauszufinden, was sie so tun, die Menschen um sie herum, die behaupten, nur ihr Bestes zu wollen.

Ich wollte eigentlich nur mal kurz in das Buch reinhören, dann konnte ich es aber nicht mehr weglegen. Man wird zusammen mit Viola hineingezogen in eine originelle Geschichte, die immer finsterer wird. Da ist eine Frau mit Handicap, die sich nicht unterkriegen lässt, finstere Gestalten, unerwartete Helfer, einige Überraschungen, gegen Ende sogar ein ganzer Packen davon.

Das neue Buch von Ursula Poznanski ist ein spannender Pageturner, eine ganz neue Geschichte mit einigem Thrill, originellen Ideen und Frauenpower, allerbeste Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Kurz, eindrucksvoll und pure Poesie

Der letzte Sommer der Tauben
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Eigentlich ist dieses Buch eine beklemmende Momentaufnahme. Ein islamistisches Regime übernimmt die Macht. Noah und seine Familie müssen sich anpassen. Wo genau das passiert, wird nicht konkretisiert. ...

Eigentlich ist dieses Buch eine beklemmende Momentaufnahme. Ein islamistisches Regime übernimmt die Macht. Noah und seine Familie müssen sich anpassen. Wo genau das passiert, wird nicht konkretisiert. Leider fallen einem viele mögliche Schauplätze für exakt so ein Szenario ein.

Noah ist vierzehn und versucht zu verstehen, was um ihn herum geschieht. Plötzlich gelten andere Spielregeln. Das neue Regime versteht keinen Spaß und ein „Das war nicht so gemeint“ kann man sich schenken. Ein falsches Wort und du kommst ins „Ferienlager“, das ist seinem Freund Rasul passiert. Von seinem alten Leben sind ihm nur noch die Tauben geblieben, Noah züchtet sie und liebt jede von ihnen. Aber selbst Tauben sind dem Regime irgendwann ein Dorn im Auge. Überall flattern sie herum, sehen alles, man muss ihnen die Flügel stutzen. „Tauben werden die neuen Hühner des Kalifats“

Ich hätte nie gedacht, welche Symbolkraft Tauben haben können. Sie ziehen als poetisches Stilmittel durch dieses Buch sind allgegenwärtig, friedlich, beständig, liebevoll, und bieten trotzdem Zündstoff. Die Kapitel sind kurz und haben sprechende Überschriften. Sie wirken fast wie Gedichte. „Acht Quadratmeter Angst“, da mag man fast nicht weiterlesen, so beklemmend ist es.

Dieses Buch ist kurz, eindrucksvoll und pure Poesie. Es vermittelt kunstvoll Trauer, Abschied und Verzweiflung, wirkt wie ein Abgesang an ein Leben, das sich grundlegend geändert hat.

Ich bin beeindruckt.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Spaß mit Tiefgang und Feminismus

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Dieses Buch ist wirklich hübsch und beinahe wäre es das Buch geworden, das ich unbedingt all meinen Freundinnen schenken muss.

Herrlich abgeklärt, mit liebevollem Sarkasmus und ordentlich Selbstironie ...

Dieses Buch ist wirklich hübsch und beinahe wäre es das Buch geworden, das ich unbedingt all meinen Freundinnen schenken muss.

Herrlich abgeklärt, mit liebevollem Sarkasmus und ordentlich Selbstironie erzählt Nina von ihrer Situation. Nina, beinahe 50, geschieden, hat nicht darüber nachgedacht, was genau in ihrem Ehevertrag stand, als sie ihn unterschrieb. Jetzt hat sie eine kleine Wohnung in Kreuzberg und sortiert die Akten einer Filmgesellschaft, währen ihr Exmann mit seiner viel zu jungen Freundin in der Villa lebt und Partys feiert. Trotzdem ist sie zufrieden mit ihrem neuen Leben, das ihr neu vor Augen führt, sie ist mehr als nur eine Frau an einer Seite. Als sich ein weitaus jüngerer Mann für sie interessiert, ist sie sogar ganz jemand anderes.

Ihre Schwester Lena hat lieber geordnete Verhältnisse. Eine Vorzeigefamilie mit frisch gebügelten Kindern ist ihr Traum, der reichlich ins Wanken gerät, als sie merkt, dass die berufliche Karriere ihres Mannes vielleicht nicht ganz so vorbildlich abläuft.

Was auf den ersten Blick klingt wie eine normale Frau-in-den-Wechseljahren-Geschichte, bekommt sehr schnell noch eine andere Ebene mit einigem feministischen Thrill. Es geht auch um Lebensmodelle, um Diskriminierung von Frauen in unterschiedlichen Spielarten und um sexuelle Belästigung im Filmgeschäft. Alles unterfüttert mit Ninas klug-ironischen Betrachtungen, das ist Spaß mit Tiefgang.

Das Ende des Buches ist leider ein wenig glatt, da lösen sich plötzlich alle Probleme von selbst. Das ist ein bisschen schade und das hat ein Buch, das so liebevoll komponiert wurde eigentlich nicht verdient.

Das Hörbuch wird wunderbar gelesen von Katja Riemann und Anna Maria Mühe, die die Rollen der beiden ungleichen Schwestern perfekt verkörpern. Man glaubt ihnen jedes Wort. Es ist nominiert für den Deutschen Hörbuchpreis 2026 in der Kategorie "Beste Unterhaltung" und dauert 12 Stunden und 35 Minuten. Der Preis wird am 10. März 2026 verliehen, ich bin sehr gespannt.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Jeder, der die Welt retten will, sollte dieses Buch lesen

Hoffnung für Verzweifelte
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Wir stecken mitten in einem selbstverschuldeten Klimawandel, der nicht mehr aufzuhalten ist, denken viele, eigentlich alle, oder? Dr. Hannah Ritchie erforscht ihn, untersucht alle Aspekte und sieht nicht ...

Wir stecken mitten in einem selbstverschuldeten Klimawandel, der nicht mehr aufzuhalten ist, denken viele, eigentlich alle, oder? Dr. Hannah Ritchie erforscht ihn, untersucht alle Aspekte und sieht nicht ganz so schwarz, das ist erstaunlich. Sie behauptet sogar, wir können die Erde noch retten, wir müssen nur den Fokus auf die richtigen Maßnahmen lenken.

Erst einmal sagt sie, wir sehen die Situation generell viel zu schwarz, weil schlechte Nachrichten die besseren Schlagzeilen bringen und weil Prognosen nicht berücksichtigen, dass man Maßnahmen ergreift. Ich habe im Kopf, dass die Wälder durch sauren Regen sterben und dass man wegen des Ozonlochs nicht in die Sonne gehen sollte. Dass das längst nicht mehr so ist, weil die Welt was dagegen getan hat, ist nicht bei mir angekommen.

Dann untersucht sie jeden einzelnen Punkt, der das Klima schädigt, berechnet den Wirkungsgrad und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen. Beispielsweise ist Plastik nicht grundsätzlich zu verdammen. Es ist sinnvoller, Nahrungsmittel durch Plastikverpackungen länger haltbar zu machen, als dass man sie herstellt und sie schnell vergammeln oder mit Konservierungsmitteln versetzt werden. Das leuchtet ein.

Palmöl ist ein sehr ergiebiges Öl, das platzsparend erzeugt werden kann. Für Sojaöl muss sehr viel mehr Regenwald sterben. Wir könnten Anbauflächen für Ölherstellung sparen, wenn wir Öl nur als Nahrungsmittel benutzen und nicht für Biokraftsoff. Guck an!

Wenn wir wirklich etwas für die Umwelt tun wollen sagt sie, sollten wir unseren Fleischkonsum überdenken. Dabei muss nicht jeder Vegetarier werden, aber es würde schon helfen, auf Rind- und Lammfleisch zu verzichten. Mal ehrlich, das ist nicht schwer.

All solche Dinge rechnet sie uns vor, vergleicht, entlarvt Umweltmythen und gibt Ratschläge. Jeder, der die Welt retten will, sollte dieses Buch lesen!

Hannah Ritchie macht uns tatsächlich Hoffnung, was die Klimakrise angeht. Was sie nicht berücksichtigt ist die Zerstörung, die sinnlose Kriege bewirken und wie umweltschädigend irre Diktatoren agieren. Das stand wohl 2024, als sie das Buch geschrieben hat, noch nicht so zentral im Fokus. Und das sind auch Faktoren, die man weder untersuchen noch berechnen kann.

Sie hat gerade ein neues Buch geschrieben, indem sie Tipps gibt, wie man mit Klimaskeptikern umgehen kann. Das lese ich als Nächstes!

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