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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.09.2025

Spannender Vermisstenfall

Ihr werdet sie nicht finden
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Jonas war Polizist, bis seine Tochter Isabell verschwunden ist und die Polizei seines Erachtens nach nicht anständig ermittelt. Also nimmt Jonas die Sache selbst in die Hand und kümmert sich um die Vergeltung ...

Jonas war Polizist, bis seine Tochter Isabell verschwunden ist und die Polizei seines Erachtens nach nicht anständig ermittelt. Also nimmt Jonas die Sache selbst in die Hand und kümmert sich um die Vergeltung an dem vermeintlichen Entführer seiner Tochter. Die Konsequenz: Er darf nicht mehr im Polizeidienst tätig sein und muss für mehrere Jahre ins Gefängnis.
Privatdetektivin Franka wird sieben Jahre später von einer älteren Frau beauftragt. Diese möchte, dass Franka ihre Enkeltochter Silvia findet, zu der die Großmutter keinen Kontakt mehr hat. Schnell erfährt Franka, dass Silvia eine Freundin der damals verschwundenen Isabell war und wittert einen Zusammenhang. Sie wendet sich an Jonas, der mittlerweile aus dem Gefängnis entlassen ist, und die beiden beginnen ihre Ermittlungen.

Andreas Winkelmann schreibt auf zwei Zeitebenen - der vergangenen und der gegenwärtigen. Dabei wechseln auch die Perspektiven, sodass ich eine Weile brauchte, um mich in beiden Fällen und bei den genannten Figuren orientieren und ihre Beziehungen zueinander korrekt zuordnen zu können. Der Schreibstil ist gewohnt flüssig, die Kapitel kurz, was für einen raschen Lesefluss sorgt, und der Plot hält einige Wendungen bereit. Zwischenzeitlich plätscherte das Geschehen für mein Empfinden etwas dahin und die Spannung ließ nach, aber zum Ende hin hat mich Andreas Winkelmann wieder fesseln und mit der Auflösung, die ich gut konstruiert fand, überzeugen können.

Ich habe schon spannendere Thriller von Andreas Winkelmann gelesen, hatte mit "Ihr werdet sie nicht finden" jedoch trotzdem gute Lesestunden.

Veröffentlicht am 12.09.2025

Schöner Wohlfühlroman

Neuanfang in Notting Hill
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Für Jess gibt es einen großen Umbruch, denn ihr Freund hat sie nicht nur verlassen und ist mit dem gesamten gesparten Geld abgehauen, sondern auch das Kino, in dem sie arbeitet, soll an einen Konzern verkauft ...

Für Jess gibt es einen großen Umbruch, denn ihr Freund hat sie nicht nur verlassen und ist mit dem gesamten gesparten Geld abgehauen, sondern auch das Kino, in dem sie arbeitet, soll an einen Konzern verkauft werden. Jess ist bei ihrer besten Freundin untergekommen, doch die benötigt das Zimmer nun dringend selbst. Also zieht Jess kurzerhand in das annoncierte Zimmer bei der 80-jährigenn Joan in Notting Hill. Joan ist einsam, lebt seit vielen Jahren allein und verlässt ihr Haus kaum. Jess und Joan gehen einen Deal ein: Wenn Joan online geht, geht Jess dafür offline. Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb gut, Joan erzählt von einer alten Liebe und bei Jess bahnt sich eine neue Liebe an...

Ich mochte den Plot und das Setting im schönen Notting Hill sehr gern. Die beschriebene Atmosphöre bei Joan und Jess ist gemütlich. Durch die wechselnden Erzählperspektive haben die Leser*innen Einblicke in beide Gedanken- und Gefühlswelten und können das Geschehen gespannt verfolgen. Norie Clarke schreibt flüssig, leicht und hat ein sehr gemütliches Setting für mich geschaffen. Ich mochte die eingestreuten Briefe, die Figurenentwicklung und den Weg durch die gemeinsame Geschichte von Joan und Jess sehr gern.
Ein schöner Wohlfühlroman, perfekt für den Herbst, der vor der Tür steht!

Veröffentlicht am 09.09.2025

Guter Start, flachte dann ab

Morbidly Yours
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Nach einem schweren Verlust in Texas sucht Lark in Galway in Irland einen Neuanfang. Sie hat als Animationsdesignerin dort einen Job und ein kleines Appartment gefunden. Als sie ein Paket mit Leichensäcken ...

Nach einem schweren Verlust in Texas sucht Lark in Galway in Irland einen Neuanfang. Sie hat als Animationsdesignerin dort einen Job und ein kleines Appartment gefunden. Als sie ein Paket mit Leichensäcken vorfindet und sich auf den tatsächlichen Empfänger macht, lernt sie den schüchternen und zurückhaltenden Bestatter Callum kennen. Schnell entwickeln die beiden Sympathien füreinander, es entsteht eine Freundschaft, aus der immer mehr wird.

Ivy Fairbanks Grundidee sowie die Thematisierung von Trauer, Verlust, Neurodivergenz und Demisexualität fand ich sehr gut. Auch den Anfang mochte ich: Ich mochte Larks offene und muntere Art, Callums Humor und den beschwingten Vibe, den die beiden miteinander hatten. Doch je mehr Gefühle entstanden, die vor allem für Lark nicht da sein sollten, desto mehr Distanz entwickelte ich zu den Figuren. Ich konnte beide Figurenentwicklungen nicht nachvollziehen, fand ihre Handlungen nicht passend zu ihren beschriebenen Eigenschaften und empfand sie auch immer unglaubwürdiger. Auch die spicy Szenen konnten mich nicht überzeugen, ich fand sie ganz gut geschrieben, aber gar nicht passend für Lark und Callum.

Der Schreibstil war leicht und munter, allerdings beinhaltete das Buch sehr viele holprige Übersetzungen und aufgrund der Distanz zu den Figuren und der fehlenden Nahbarkeit und nicht nachvollziehbarer Entwicklung, ließ mein Lesefluss immer mehr nach.

An sich eine nette Idee und eine Friends-to-Lover-Geschichte, die stark startete, dann aber immer weiter abgebaut hat.

Veröffentlicht am 02.09.2025

Absoluter Pageturner

Dunkle Sühne
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Während des Feuerwerks am 4. Juli verschwinden zwei Teenager-Mädchen. Die Spuren lassen auf eine gewaltvolle Entführung schließen und versetzt die ganze Stadt in Aufruhr. Deputy Emmy Clifton ...

Während des Feuerwerks am 4. Juli verschwinden zwei Teenager-Mädchen. Die Spuren lassen auf eine gewaltvolle Entführung schließen und versetzt die ganze Stadt in Aufruhr. Deputy Emmy Clifton und ihr Vater beginnen zu ermitteln. Doch für Emmy hat der Fall eine persönliche Komponente, denn eines der verschwundenen Mädchen ist die Tochter ihrer besten Freundin und hat Emmy am selben Tag noch signalisiert, dass sie mit ihr sprechen müsse. Schnell wird klar, dass Madison und Cheyenne einige Geheimnisse vor ihren Eltern hatten und sich offenbar mit einem falschen Menschen angelegt haben und die Bewohner*innen aus North Fall nicht unbedingt dem Bild entsprechen, dass Emmy Clifton bisher von ihnen hatte.

Karin Slaughter hat mit Emmy Clifton und ihrem Vater Gerald eine starke Besetzung geschaffen. Auch die anderen Figuren sind sehr anschaulich und greifbar ausgearbeitet. Spuren werden gründlich verfolgt, Indizien erkannt und schlüssig eingeordnet. Das erste Drittel des Buches handelt um die Aufklärung des Verschwindens von Madison und Cheyenne und einer Indizienermittlung. Die letzten zwei Drittel spielen zwölf Jahre später, wozu ich auf der Handlungsebene keinerlei Hinweise geben möchte.
Während ich über die Entwicklungen im zweiten Teil zunächst gestutzt habe, war ich umso schneller wieder mitten im Geschehen und habe gebannt Emmys Tun verolgt.
Karin Slaughter überzeugt durch einen fesselnden Schreibstil, interessante Figuren, nachvollziehbare Entwicklungen, komplexe Zusammenhänge, die logisch aufgebaut werden und durch überraschende Twists.

Ich bin begeistert und hoffe, dass weitere Fälle aus North Fall folgen werden!

Veröffentlicht am 02.09.2025

Mir fehlte Spannung

Der Stau
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Die Polizistin Belinda Kidd, genannt Billy und kurz vor dem Ruhestand, ist gerade aus Australien zurückgekehrt und ist auf dem Weg in die Londoner Innenstadt, als in einem Tunnel eine Autobombe hochgeht. ...

Die Polizistin Belinda Kidd, genannt Billy und kurz vor dem Ruhestand, ist gerade aus Australien zurückgekehrt und ist auf dem Weg in die Londoner Innenstadt, als in einem Tunnel eine Autobombe hochgeht. Es werden weitere Explosionen erwartet, alles staut sich und Billy sowie zahlreiche weitere Fahrerinnen hängen im entstandenen Stau fest. Als sie sich die Beine vertritt, entdeckt sie in einem der Autos eine Leiche - umgebracht mit einer Fahrradspeiche. Derdie Mörderin muss also noch unter ihnen sein, da eine Flucht über die Autobahn aufgefallen wäre. Belinda Kidd macht sich also auf eigene Faust an die Ermittlung und sammelt Informationen über die anderen Autofahrerinnen.

Den Plot, den Jo Furniss sich überlegt hat, fand ich sehr spannend und interessant. Locked-in-Thriller lese ich sowieso total gern und die Autobahn als Ort war für mich nun auch komplett neu. Während ich die ersten Seiten noch sehr fesselnd fand, ließ dieser Effekt recht schnell nach. Es gibt so viele Figuren, von denen erzählt wird, denen Billy zusätzlich zu ihren Namen noch Spitznamen gibt und die man erstmal auseinanderhalten muss. Das hat den Spannungsbogen für mich ordentlich abgeflacht. Während sich den Hauptteil über die Frage drehte, was die anderen Fahrer*innen machen und wer sie sind, fehlte mir ein Handlungsstrang, der zur Aufklärung beitrug oder zusätzliche Spannung erzeugte. Die Auflösung am Ende fand ich konstruiert, aber konnte sie gut hinnehmen. Die Längen zwischendurch haben mich jedoch beim Lesen ausgebremst.

Nette Idee, aber an Spannung wäre noch ganz schön Luft nach oben gewesen.