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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2025

Alte Geheimnisse

Der dunkle Sommer
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Die Architektin Tilda kauft für einen symbolischen Euro eine alte, verfallene Villa in einem verlassenen Dorf auf Sardinien. Sie erhofft sich dort einen Neuanfang, renoviert die Villa und freut sich über ...

Die Architektin Tilda kauft für einen symbolischen Euro eine alte, verfallene Villa in einem verlassenen Dorf auf Sardinien. Sie erhofft sich dort einen Neuanfang, renoviert die Villa und freut sich über ihren Glückskauf. Doch angeblich liegt auf ihrem Haus ein Fluch, seit in den 1980 dort ein tragisches Massaker stattgefunden hat. Das Dorf ist bis auf den alten Nachbar und seine Pflegerin verlassen, doch auch von ihm erfährt Tilda nicht viel.

Alles, was ich bisher von Vera Buck gelesen habe, mochte ich. Sie überzeugt mich mit einem sehr angenehmen, atmosphärischen Schreibstil und vor allem durch die vielen Plottwists und unvorhersehbare Geschehnisse. Erzählt wird hier einerseits aus Tildas Sicht, aus Enzos Sicht, einem Journalisten, der die Geschichte des Dorfes ergründen möchte, und aus Francas Sicht, die in den 1980er Jahren in dem Dorf gelebt hat und kapitelweise erzählt, was zu dem damaligen Massaker geführt hat.
Neben den Figuren und den Entwicklungen mag ich auch die Einblicke in die Familiengeschichte, die Vorfälle, die damals stattgefunden haben und die für Sardinien nicht unüblich waren - ohne hier zu spoilern.
Für mich ein sehr spannendes Buch, das ich in einem Rutsch gelesen habe.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Leider nicht mein Fall

Lonely Hearts Club (Erstauflage exklusiv mit Farbschnitt)
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Clara studiert Musik in Paris, ist talentiert und postet ihren kreativen Output auf instagram. Doch die meiste Zeit über ist sie einsam, fühlt sich alleingelassen und erdrückt von dem großen Erwartungsdruck, ...

Clara studiert Musik in Paris, ist talentiert und postet ihren kreativen Output auf instagram. Doch die meiste Zeit über ist sie einsam, fühlt sich alleingelassen und erdrückt von dem großen Erwartungsdruck, der auf ihr liegt. Sie nimmt therapeutische Hilfe in einer Klinik in Anspruch, findet Gleichgesinnte im Lonely-Hearts-Club, mit denen sie sich austauscht. Doch schlussendlich ist sie nicht bereit, sich mit ihren mentalen Problemen auseinanderzusetzen, verlässt die Klinik überstürzt und fährt nach Hause an die französische Küste. Dort trifft sie in ihrem Zimmer auf den neuen Gastbruder Emilian, Spitzname Milly, der in Frankreich sein Abitur machen möchte. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesbeziehung, die das Umfeld nicht gutheißt.

Von Nasanin Kamani hatte ich noch nichts gelesen und war gespannt darauf, wie sie diesen Plot umsetzt, wie Clara und Milly zueinander finden und wie die mentalen Themen verarbeitet werden. Leider muss ich sagen, dass ich mit dem Buch nicht warmgeworden bin - weder mit Clara und Milly noch mit der Umsetzung der mentalen Komponente. Schnell wird deutlich, dass Clara vor ihren Problemen wegrennt und Milly versucht, Negatives durch Positives zu überdecken. Dass diese Strategie für beide kurzzeitig funktioniert, ein kleines Feuer entfacht, das dann jedoch wieder von Claras Verhalten erstickt wird, hat mich nicht verwundert.
Leider konnte ich zu beiden Figuren keinen Zugang finden, fand sie zu flach dargestellt und konnte ihre Handlungen und ihr Verhalten überhaupt nicht nachvollziehen.
Claras psychischen Probleme wurden zwar angesprochen und thematisiert, aber auch hier hatte ich das Gefühl, dass sie oberflächlich blieben und nicht den realistischen Raum bekommen haben, die sie für die Entwicklung gebraucht hätten.

Nasanin Kamani konnte mich mit dem "Lonely-Hearts-Club" leider nicht überzeugen.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Bleibt in Erinnerung

Das Beste sind die Augen
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Jiwons Eltern trennen sich, ihr Vater zieht aus, weil er mit einer anderen Frau zusammen ist. Nicht nur für sie und ihre Schwester gerät die Welt aus den Fugen, sondern vor allem für ihre Mutter, die nur ...

Jiwons Eltern trennen sich, ihr Vater zieht aus, weil er mit einer anderen Frau zusammen ist. Nicht nur für sie und ihre Schwester gerät die Welt aus den Fugen, sondern vor allem für ihre Mutter, die nur noch von Kummer bestimmt ist. Eines Abends erklärt sie, dass weiße Männer die besseren seien, und kurz darauf verkündet sie, sie wäre mit einem neuen Mann zusammen: George ist weiß, in Jiwons Augen unattraktiv und vor allem unsympathisch. Er hegt keinen wertschätzenden Umgang gegenüber ihrer Mutter, Jiwon selbst, ihrer Schwester oder diversen anderen Mitmenschen gegenüber. Stattdessen ist er sexistisch, fetischisiert Jiwon und ihre Schwester, äußert sich despektierlich gegenüber ihrer Kultur und wird immer mehr ein Dorn in Jiwons Augen. Sie entwickelt eine immer größer werdende Obsession mit George, seinen stechend blauen Augen und nimmt sich fest vor, ihre Familie zu retten. Als ihre Mutter die anstehende Hochzeit mit George verkündet, eskaliert die Situation.

Zunächst haben mich das Cover und der wunderschöne Buchschnitt angesprochen, der Klappentext weckte meine Neugier und nach den ersten Seiten war ich fasziniert von Monika Kims Schreibstil, ihrer Art, die Figuren zu beschreiben und sie zu entwickeln. Während ich mich Jiwon zu Beginn noch nah gefühlt habe, vergrößerte sich die Distanz zu ihr immer mehr - so wie sie immer mehr den Bezug zur Realität verloren und sich ihrer Wut und ihrer Obsession hingegeben hat. Viele Szenen sind brutal, durch die Obsession mit den Augen und dem Verlangen, Augen zu verspeisen, war diese Thematik für mich im Bereich Thriller/Horror absolut neu und sehr faszinierend. Die Beschreibungen der Gedankenwelt von Jiwon ist Monika Kim sehr gut gelungen. An vielen Stellen wusste ich nicht mehr, was Wirklichkeit ist oder was nur durch Jiwons Augen gesehen wird. Auf die Handlung und die Plotentwicklung hatte das jedoch keinen starken Einfluss.

Ein spannender Roman, der viele gesellschaftsrelevante Themen anspricht und die Selbstbestimmung der Frau und ihre Selbstermächtigung in den Fokus stellt. Ich bin begeistert und werde das Buch so schnell nicht vergessen.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Absolut fesselnd

Der Bräutigam
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Im Alten Land treibt ein Serientäter sein Unwesen: Von großen Familienfeiern entführt er junge Frauen, schaltet eine Hochzeitsanzeige in der Zeitung, kurz darauf eine Todesanzeige und dann verschwindet ...

Im Alten Land treibt ein Serientäter sein Unwesen: Von großen Familienfeiern entführt er junge Frauen, schaltet eine Hochzeitsanzeige in der Zeitung, kurz darauf eine Todesanzeige und dann verschwindet die nächste junge Frau von einer Hochzeits- oder Geburtstagsfeier. Die Schwestern Sofie und Nora sind bei der Goldenen Hochzeit ihrer Großeltern, als ihr Cousin ihnen von dem "Bräutigam" und seinen Opfern erzählt. Beide belächeln die Geschichte - bis Sofie am nächsten Tag nicht auftaucht und spurlos verschwunden ist. Die Polizei hat keinerlei Spuren zum "Bräutigam", Nora die schlimmsten Befürchtungen und dann Gewissheit, als sie die Hochzeitsanzeige des "Bräutigams" und ihrer Schwester Sofie in der Zeitung sieht. Sie hat nur ein Ziel: Sie muss ihre kleine Schwester retten. Und wenn die Polizei keinerlei Hinweis auf den Täter hat, dann muss Nora eben selbst die Initiative ergreifen und den "Bräutigam" auf sich aufmerksam machen.

Benjamin Wiater hat mich innerhalb der ersten Seiten bereits so sehr gefesselt, dass ich vollständig in der Geschichte abgetaucht bin. Sein Schreibstil ist flüssig, sehr bildlich und baut von Beginn an einen straffen Spannungsbogen auf. Im weiteren Verlauf steigt die Spannung kontinuierlich an. Sofie und Nora sind dem Mörder komplett ausgeliefert, spielen soweit möglich mit, um die besten Überlebenschancen zu haben und wissen dennoch, dass ihre Zeit abläuft und sie schnellstens einen Fluchtplan brauchen.

Die Figuren sind sehr anschaulich und nachvollziehbar beschrieben, sodass die Motivation des Mörders und seine Abscihten von Beginn an ersichtlich und das weitere Geschehen in gewisser Weise absehbar ist - allerdings nicht vorhersehbar, sodass keine Langeweile aufkommt. Es ist eher so, dass der drängende Ausgang allen Leser*innen klar ist, nur der Weg dorthin und die Opfer, die Nora und Sofie bringen müssen, erstaunt und mich in den Bann gezogen hat. Außerdem hat mir der große Anteil Plattdeutsch sehr gut gefallen, der ins Alte Land passt und den Figuren und der Atmosphäre noch einen detailreicheren und anschaulichen Schliff verpasst hat.

Ein sehr spannender Thriller, den ich innerhalb kürzester Zeit durchgelesen habe und nach dem ich mir noch viel mehr Bücher von Benjamin Wiater wünsche.

Veröffentlicht am 06.08.2025

New-Adult-Romanze in Zeitschleife

Gestern waren wir unendlich
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Louis und Henry sind seit drei Jahren ein Paar und können beide fast nicht glauben, was für einen tollen Partner sie im jeweils anderen gefunden haben - es ist die Liebe ihres Lebens. Doch eines Abends ...


Louis und Henry sind seit drei Jahren ein Paar und können beide fast nicht glauben, was für einen tollen Partner sie im jeweils anderen gefunden haben - es ist die Liebe ihres Lebens. Doch eines Abends haben sie Streit. Dennoch begleitet Louis Henry auf eine Familienfeier, die ihm wichtig ist. Nach der Feier wollen sie über ihren Streit sprechen und sich versöhnen, doch es kommt anders: Auf dem Rückweg haben sie einen schweren Autounfall, bei dem Henry stirbt. Louis erwacht am nächsten Morgen in seinem eigenen Bett, wo Henry ihn abholt, um gemeinsam zur Familienfeier zu fahren. Schnell steht für Louis fest: Er befindet ich in einer Zeitschleife, während Henry sich an nichts erinnert. Also gibt Louis alles dafür, Henrys Leben an diesem einen Tag zu retten.

Mir gefiel Dominik Gaidas Idee der Zeitschleife sehr gut und ich lese gern queere lovestories, die ohne Klischees auskommen (well done). Die ersten zwei Durchgänge des schicksalhaften Tages habe ich angespannt verfolgt in der Hoffnung, dass sich irgendetwas ändern könnte. Ich mochte die geschilderten Gespräche, ich mochte die Rückblenden, wie über die Beziehung und die Liebe zwischen Henry und Louis gesprochen wurden und der stets respektvolle Ton miteinander.
Doch insgesamt waren es mir zu viele Durchgänge der Zeitschleifen, an manchen Stellen fand ich die Rückblenden ungünstig gesetzt, weil sie aus dem aktuellen Geschehen gerissen haben, da wäre die ein oder andere Stelle eventuell passender gewesen.
Die Auflösung mochte ich dann wieder gern.
Insgesamt eine schöne, queere Romanze, die im Zeitschleifen-Modus erzählt ist. Dominik Gaidas flüssiger, leichter Schreibstil gefiel mir ebenso sehr gut.

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