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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2026

Flackern im Dunkeln

Solange ein Streichholz brennt
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Mit „Solange ein Streichholz brennt“ zeigt Christian Huber erneut, wie eindrucksvoll seine Geschichten sind. Auch wenn sich dieses Buch kaum mit seinem Werk „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ vergleichen ...

Mit „Solange ein Streichholz brennt“ zeigt Christian Huber erneut, wie eindrucksvoll seine Geschichten sind. Auch wenn sich dieses Buch kaum mit seinem Werk „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ vergleichen lässt, wird doch schnell klar, was beide verbindet - eine subtile Emotionalität, ein feinsinniger Blick auf zwischenmenschliche Beziehungen und ein Schreibstil, der tief berührt.
Im Zentrum stehen Alina und Bohm - zwei Figuren, deren Lebensrealitäten gegensätzlicher kaum sein könnten. Während Alina ein scheinbar sicheres Leben führt, mit festem Job, sozialen Strukturen und Stabilität, lebt Bohm auf der Straße. Doch genau darin liegt die Stärke des Romans, denn er zeigt, wie trügerisch Sicherheit sein kann und wie schnell ein Leben aus der Bahn geraten kann. Schritt für Schritt wird deutlich, wie Bohm in diese Situation geraten ist und das durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, die erschreckend nahbar wirken.
Besonders eindrucksvoll ist dabei die Sensibilisierung für das Thema Obdachlosigkeit. Der Roman regt zum Nachdenken an und schafft Verständnis, auch wenn man sich stellenweise noch tiefere Einblicke in den Alltag auf der Straße gewünscht hätte. Stattdessen rückt zunehmend die Beziehung zwischen Alina und Bohm in den Vordergrund. Ihre Begegnung ist geprägt von Respekt, vorsichtiger Annäherung und einem gegenseitigen Lernen, das leise und wirkungsvoll erzählt wird.
Auch Alinas eigenes Leben nimmt Raum ein. Nicht jeder Handlungsstrang überzeugte mich dabei gleichermaßen. Insbesondere die Entwicklungen rund um ihren Chef wirken stellenweise etwas weniger stimmig. Dennoch fügen sich die verschiedenen Perspektiven zu einem Gesamtbild zusammen, das vor allem durch seine Figuren trägt.
Christian Hubers Schreibstil bleibt dabei eine große Stärke, dieser ist leicht, flüssig und voller Tiefe. Man gleitet förmlich durch die Seiten und spürt gleichzeitig die emotionale Wucht zwischen den Zeilen.
Trotz kleiner Kritikpunkte ist dieser Roman ein absolutes Highlight. Ein wichtiges, berührendes Buch, das lange nachhallt und den Blick auf die Welt ein kleines Stück verändert. Für mich eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Gänsehaut im Moor

Moorland. Die Zwillinge
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Der spannende Thriller „Moorland“ hat mich von Anfang an gefesselt. Er zieht einen sofort in seinen Bann, sodass man das Buch kaum noch aus der Hand legen möchte.
Der Schauplatz und insbesondere das Moor, ...

Der spannende Thriller „Moorland“ hat mich von Anfang an gefesselt. Er zieht einen sofort in seinen Bann, sodass man das Buch kaum noch aus der Hand legen möchte.
Der Schauplatz und insbesondere das Moor, sorgen für eine angenehm schaurige Atmosphäre und bringen gleichzeitig die besondere Schönheit dieser Landschaft zur Geltung.
Die Mutter (Ruth) der Kommissarin Malia Gold, konnte ich mir sehr lebendig vorstellen. Ihre lockere Art zu sprechen passt hervorragend zu ihr und sorgt immer wieder für kleine schmunzel Momente.
Besonders gut gefallen hat mir die durchgehend hohe Spannung. Immer wieder wird man auf neue Fährten gelockt, was die Geschichte unvorhersehbar und fesselnd macht.
Auch das Cover und der Buchschnitt sind sehr gelungen und unterstreichen bereits optisch die spannende Stimmung des Buches.
Ich kann das Buch nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Cold-Case heiß gelesen

Ungelöst – Die erste Zeugin
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Mit Ungelöst - Die erste Zeugin ist Arno Strobel für wieder ein Thriller gelungen, der mich von der ersten Seite an gepackt hat. Es ist der Auftakt seiner neuen Cold-Case-Reihe: Und was für einer! Spannend, ...

Mit Ungelöst - Die erste Zeugin ist Arno Strobel für wieder ein Thriller gelungen, der mich von der ersten Seite an gepackt hat. Es ist der Auftakt seiner neuen Cold-Case-Reihe: Und was für einer! Spannend, klug konstruiert und mit Figuren, die sich im Laufe der Geschichte überraschend entwickeln.

Besonders gefallen hat mir, wie geschickt Strobel einzelne Fäden miteinander verknüpft. Immer wieder tauchen kleine Hinweise auf andere Bücher oder Figuren aus seinem Kosmos auf. Trotzdem funktioniert dieser Band vollkommen eigenständig. Ich selbst habe weder die Mörderfinder-Reihe noch Strobels allererste Reihe gelesen und konnte der Handlung problemlos folgen. Im Gegenteil: Gerade diese kleinen Verweise haben bei mir eher die Neugier geweckt, auch die anderen Reihen noch zu lesen.
Ein großes Plus sind für mich die Figuren. Einige wirken zu Beginn eher unsympathisch und genau das macht ihre Entwicklung so interessant. Grohmann ist dafür das beste Beispiel, denn Anfangs konnte ich mit ihm überhaupt nichts anfangen, doch im Laufe der Geschichte hat sich mein Bild komplett gewandelt. Am Ende hatte ich ihn richtig ins Herz geschlossen.
Auch Ramin Brunner und Luisa Menkhoff haben mich sehr überzeugt. Ramin ist eine Figur, die sofort Präsenz hat. Er ist ruhig, stark und auf eine Weise charismatisch, die einen als Leser schnell mitzieht. Luisa wiederum ist eine beeindruckende junge Frau. Sie ist Medizinstudentin, klug, mutig und sehr entschlossen, dabei gleichzeitig sensibel und authentisch. Sie wirkt nie konstruiert, sondern erstaunlich lebendig. Genau solche Figuren machen eine Reihe für mich langfristig spannend und ich freue mich sehr darauf, sie in den kommenden Bänden wiederzutreffen. Vor allem für Ramin schlägt mein Herz.
Was die Spannung angeht, macht Strobel hier alles richtig. Selbst in Szenen, in denen scheinbar gar nichts Dramatisches passiert, bleibt ein unterschwelliges Gefühl von Gefahr. Ich hatte ständig das Gefühl, dass jederzeit etwas passieren könnte. Genau diese Atmosphäre ist es, die ich von einem guten Thriller erwarte.

Der Schreibstil trägt zusätzlich dazu bei, dass sich das Buch nahezu von selbst liest. Die Kapitel sind prägnant, das Tempo hoch und immer wieder endet eine Szene so, dass man unbedingt weiterlesen möchte. Für mich war es eines dieser Bücher, die man einfach „wegsnackt“, weil man ständig wissen will, wie es weitergeht.

Für mich ist „Ungelöst - Die erste Zeugin“ deshalb ein echtes Highlight und ein grandioser Auftakt für die neue Cold-Case-Reihe. Ich bin sehr gespannt, wohin Arno Strobel diese Geschichte noch führen wird und kann diesen Thriller allen empfehlen, die Spannung mit starken Figuren mögen.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Familiensache mit Tiefgang

Alle glücklich
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In „Alle glücklich“ von Kira Mohn begleitet man eine Familie, die genauso gut nebenan wohnen könnte. Der Vater arbeitet als Oberarzt, die Mutter jongliert ihren Teilzeitjob als Arzthelferin und zusätzliche ...

In „Alle glücklich“ von Kira Mohn begleitet man eine Familie, die genauso gut nebenan wohnen könnte. Der Vater arbeitet als Oberarzt, die Mutter jongliert ihren Teilzeitjob als Arzthelferin und zusätzliche Schichten an der Supermarktkasse. Der Sohn steckt mitten im Studium und die Tochter geht noch zur Schule. Eine ganz normale Familie und gerade deshalb so nahbar.

Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven der einzelnen Familienmitglieder erzählt. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild ihrer Gedankenwelt, geprägt von Sorgen, Hoffnungen und unausgesprochenen Konflikten. All dies wird greifbar und bemerkenswert authentisch. Man findet sich schnell in den Figuren wieder und erkennt eigene Gefühle oder Situationen. Beim Vater fiel mir das etwas schwerer, was ihn jedoch nicht weniger interessant macht, denn vielmehr zeigt es, wie unterschiedlich Wahrnehmung und Lebensrealität innerhalb einer Familie sein können.

Besonders die Herausforderungen der beiden Jugendlichen greifen Themen auf, die viele junge Menschen heute bewegen. Unsicherheiten, Erwartungen und das Ringen um den eigenen Platz im Leben werden sensibel und glaubwürdig dargestellt.

Ein zentrales Motiv des Romans ist die schleichende Entfremdung innerhalb der Familie. Gleichzeitig stellt die Geschichte die leise, aber wichtige Frage, ob gemeinsame Rituale (wie z. B. ein Abendessen am selben Tisch) helfen können, wieder zueinanderzufinden und echte Gespräche zu ermöglichen.

Der Roman liest sich angenehm leicht, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Die Sprache ist zugänglich, die Emotionen ehrlich und die Handlung entwickelt einen ruhigen Sog, der neugierig macht. Gerade weil die Figuren so lebensnah gezeichnet sind, entsteht schnell eine Verbindung. Ich habe mitgefiebert, versucht zu verstehen, gezweifelt und gemeinsam mit den Charakteren gehofft

Für mich ist „Alle glücklich“ ein warmherziger, nachdenklicher Roman über Nähe, Missverständnisse und das fragile Gleichgewicht des Familienlebens.

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Thrill auf Sparflamme

Safe Space
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Nachdem mich Happy End von Sarah Bestgen vollständig begeistert hatte, bin ich mit großer Vorfreude in das neue Buch „Safe Space“ gestartet. Schade nur, dass das Buch selbst meine hohen Erwartungen nicht ...

Nachdem mich Happy End von Sarah Bestgen vollständig begeistert hatte, bin ich mit großer Vorfreude in das neue Buch „Safe Space“ gestartet. Schade nur, dass das Buch selbst meine hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte.
Der Einstieg in die Geschichte verläuft eher verhalten. Ich hatte mir bereits zu Beginn mehr Spannung erhofft, mehr unerwartete Wendungen und falsche Fährten, die mich mitreißen und überraschen. Stattdessen war für mich schon früh absehbar, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln würde und wer als Täter infrage kommt. Diese Vorhersehbarkeit nahm dem Thriller leider einen großen Teil seines möglichen Sogs. Erst ab etwa 2/3 des Buches, wenn erste Namen fallen, rätselhafte Verbindungen auftauchen und Anna immer tiefer in Vorgänge im Hochsicherheitsgefängnis hineingezogen wird, kommt endlich jene Atmosphäre auf, die ich mir von Beginn an gewünscht hätte.
Ein weiterer Aspekt, der mich etwas enttäuscht hat, betrifft die Perspektive auf den Täter. Ich persönlich brauche gar nicht so viel Täterpsychologie. Mir gefällt es besser, wenn die Spannung aus dem Ungewissen entsteht und man mit den Figuren durch die Handlung jagt, begleitet von wenigen kurzen Einblicken in die Gedankenwelt des Täters, statt immer wieder dieselben Hintergrundgeschichten serviert zu bekommen. In vielen Thrillern wiederholen sich ähnliche Muster: schwierige Kindheit, frühe Gewalt, ein entstehender Kreislauf aus Trauma und Täterschaft. Auch hier nimmt diese Ebene wieder relativ viel Raum ein, was für meinen Geschmack nicht nötig gewesen wäre.
Besonders am Ende gibt es zudem einen kleinen zusätzlichen Twist rund um eine Nebenfigur, der für einen kurzen Überraschungsmoment sorgt. Auch wenn es kein großer Knall war, war es dennoch ein gelungenes Detail. Auch Annas abschließende Reflexionen über das Erlebte fand ich stimmig und emotional nachvollziehbar.
Positiv hervorheben möchte ich jedoch den angenehmen, flüssigen Schreibstil. Die Autorin schafft es, eine subtile Grundspannung aufzubauen. Diese sorgt dafür, dass man trotz mancher Längen gut durch die Kapitel kommt.

Insgesamt hinterlässt "Safe Space" bei mir einen gemischten Eindruck. Der Roman hat starke Momente und interessante Ansätze, nutzt sein Potenzial aber nicht immer vollständig aus. Zu viele Entwicklungen waren zu früh absehbar und der Nervenkitzel, den ich mir von einem Psychothriller erhoffe, stellte sich erst spät ein. Deshalb würde ich das Buch mit etwa drei bis dreieinhalb Sternen bewerten. Eine solide Geschichte, aber sie reicht für mich nicht an die Wucht und Intensität von Happy End heran.

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