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Veröffentlicht am 26.07.2021

Nachttod

Nachttod
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Hanna Duncker ist zurück auf Öland. Hier in ihrer Heimat kennt man sie nur als die Tochter von Lars Duncker, dem Mann, der vor sechzehn Jahren einen grausamen Mord beging. Inzwischen ist Hanna diejenige, ...

Hanna Duncker ist zurück auf Öland. Hier in ihrer Heimat kennt man sie nur als die Tochter von Lars Duncker, dem Mann, der vor sechzehn Jahren einen grausamen Mord beging. Inzwischen ist Hanna diejenige, die Verbrecher jagt. Ihr erster Fall auf Öland: Ein toter Teenager, mitten in der Nacht erstochen an einem beliebten Ausflugsziel. Und niemand kennt seine Mutter besser als Hanna. Die Ermittlungen werden für Hanna zu einer Abrechnung mit ihrer eigenen Jugend, und Nachforschungen im Fall ihres Vaters reißen alte Wunden auf. Nicht alle sind froh darüber, dass die Tochter von Lars Duncker zurückgekehrt ist.


Der erste Fall, mit dem Hanna Duncker nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat konfrontiert wird, ist besonders tragisch, das Opfer ist Joel Forslund, der Sohn ihrer ehemals besten Freundin, zu der sie den Kontakt nach ihrem Weggang vollkommen verlor. Kontakte in ihr Heimatdorf hat Hanna aber auch zu niemandem sonst aufrechterhalten, so wie es ihr jetzt auch schwerfällt mit ihren neuen Kollegen auf eine normale Art umzugehen, die Ereignisse, die zu ihrem Weggang führten, lasten zu schwer auf der jungen Frau.
Gemeinsam mit ihrem Kollegen Erik ermittelt Hanna in Joels näherem Umfeld und kommt dabei einem Geheimnis des Jungen auf die Spur, das wohl ein Motiv sein könnte, doch an Motiven mangelt es nicht und so rätseln nicht nur Hanna und Erik, auch als Leser folgt man so manch falscher Spur.

Nachttod ist der erste Teil einer neuen Reihe der Autorin Johanna Mo und so ist es verständlich, dass die Charaktere die auch in den weiteren Teilen eine große Rolle spielen werden ausführlich vorgestellt werden. Was bei Erik auch gut gelingt, der erfahrene, etwas redselige Ermittler, macht einen sehr sympathischen Eindruck, er bemüht sich sehr ein freundschaftliches Verhältnis zu Hanna aufzubauen, was der gemeinsamen Arbeit nur zugutekommen könnte.
Ganz im Gegensatz zu Hanna, die so gut wie alles abblockt, was mit ihrer Vergangenheit zu tun hat, auf Fragen nach ihrer Familie reagiert sie distanziert, um nicht zu sagen, äußerst unfreundlich und stößt damit auch Menschen, die ihr wohlgesonnen sind vor den Kopf. Als die erfahrene Ermittlerin, als die sie uns vorgestellt wurde, sollte sie es besser wissen und sie sollte ihre Gefühle etwas besser im Griff haben.
Ich musste während des Lesens ausblenden, dass ich Hanna eigentlich nicht mag, zum Glück ändert sich das noch während des Lesens, um mich komplett auf den Mord und dessen Aufklärung konzentrieren zu können. Und diese Auflösung ist wirklich gut gelungen, absolut unerwartet und schlüssig, versöhnt sie mit ein paar kleinen Längen.

Alles in allem ist Nachttod wirklich lesenswert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 26.07.2021

Herzschlag des Bösen

Herzschlag des Bösen
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Du glaubst, die große Liebe gefunden zu haben. Du hast keine Ahnung, dass du von einem bestialischen Serienmörder gejagt wirst. Du weißt nicht, dass er etwas mit dir vorhat. Und das ist abgrundtief böse ...

Du glaubst, die große Liebe gefunden zu haben. Du hast keine Ahnung, dass du von einem bestialischen Serienmörder gejagt wirst. Du weißt nicht, dass er etwas mit dir vorhat. Und das ist abgrundtief böse … Der hochintelligente Psychopath Igor Poljakow ist ein Meister der Tarnung. Er hört jedes deiner Worte, sieht jede Bewegung. Wie ein unsichtbarer Geist ist er immer bei dir. Im blindwütigen Hass wird die Rache zu seinem Lebensinhalt. Während der Jagd kommt er dir so nahe, wie noch keinem seiner Opfer zuvor. Erbarmungslos zeigt der Thriller einen schockierenden Blick in die dunkle Seele des Wahnsinns.
Die Journalistin Hanna gerät gemeinsam mit ihrem Fotografen Robert in die Fänge nigerianischer Rebellen, während Robert getötet wird, überlebt Hanna die Gefangenschaft nach schwersten Misshandlungen nur knapp. Nach ihrer Rückkehr nach Frankfurt lernt sie den Piloten Jens Bachmann kennen und lieben, die Beziehung hilft ihr über das erlebte hinwegzukommen.

Zeitgleich lernen wir Igor kennen, einen Meister der Verwandlung, hochintelligent und vollkommen gestört. Seine Gewaltfantasien lebt er als Auftragskiller aus und wenn das nicht reicht, um Druck abzubauen tötet und foltert er auch zum Privatvergnügen.
Igor leidet unter der Wahnvorstellung die Inkarnation eines kleinen gefolterten Jungen aus der Zeit der Hexenverfolgung zu sein, in seinen Träumen durchleidet er die Hölle und er hat sich zum Ziel gesetzt seinen Peiniger zu finden und Rache zu üben.

Ausnahmsweise bekommt ihr eine Triggerwarnung von mir. Der Autor Matthias Soeder spart nicht an detaillierten Gewaltbeschreibungen, manche Szenen werden für den einen oder anderen unter den Lesern kaum zu ertragen sein.

Der Autor schafft von Beginn an eine beklemmende Atmosphäre, aus Angst und Gewalt, dabei kommt aber der Spannungsbogen nicht zu kurz, in manchen Storys verliert sich die Spannung bei zu vielen Gewaltdarstellungen, hier ist das nicht so. Dadurch das Matthias Soeder einige Handlungsstränge nach und nach miteinander verknüpft, bekommt man als Leser eine Art Verschnaufpause, Zeit zum Durchatmen und um sich vorzubereiten, auf den nächsten Schockmoment.
Nicht nur Igor spielt ein Katz und Mausspiel mit seinen Gegenspielern, der Autor lockte mich immer wieder auf eine falsche Fährte und ich bin mir immer noch nicht sicher welche meiner Vermutungen denn nun der Wahrheit entsprechen und um das herauszufinden werde ich den 2. Teil lesen müssen, aber darauf freue ich mich schon, auch wenn der Cliffhanger am Ende des 1. Teils schon ziemlich böse war.
Mein erster Gedanke als ich das Buch auspackte war: Das ist aber dünn. Nun weiß ich warum ;o))

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 19.02.2021

Untertauchen

Untertauchen
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Gretel will nach sechzehn Jahren endlich Antworten auf die Fragen die sie ihr halbes Leben lang begleiteten.
Was geschah auf dem Hausboot und warum hat ihre Mutter Sarah sie ohne Vorwarnung verlassen.
Als ...


Gretel will nach sechzehn Jahren endlich Antworten auf die Fragen die sie ihr halbes Leben lang begleiteten.
Was geschah auf dem Hausboot und warum hat ihre Mutter Sarah sie ohne Vorwarnung verlassen.
Als sie sie tatsächlich findet, drängt die Zeit, denn Sarah leidet unter Demenz das macht den Zugang zu ihr und das Zusammenleben schwierig. Doch Gretel muss Antworten finden um zu erfahren was in ihrer Kindheit geschehen ist.

Daisy Johnson hat einen thematisch schwierigen Roman geschrieben und sie hat nicht nur ein Thema aufgegriffen, sondern viele verschiedene in eine Geschichte verpackt und diese mit wunderbaren Worten zu einem stimmigen Gesamtbild verknüpft.
Untertauchen ist in drei Abschnitte aufgeteilt die im Wechsel erzählt werden.
Die Begebenheiten in der Gegenwart sind mit Cottage übertitelt, sie erzählen vom Leben Gretels und Sarahs, nachdem Gretel ihre Mutter bei sich aufgenommen hatte. Jagd beschreibt die Suche Gretels nach Sarah und Fluss erzählt vom Leben auf dem Hausboot.
Worte spielen in Gretels Leben eine große Rolle, während der gemeinsamen Zeit mit ihrer Mutter haben sie eigene Worte erfunden, für kleine Missgeschicke und für die große Angst. Als Erwachsene arbeitet Gretel als Lexikografin.

Es ist nicht ganz einfach gewesen einen Zugang zu der Geschichte zu finden, der Schreibstil und die Wortwahl sind ungewöhnlich, die Autorin bedient sich vieler Metaphern, das muss man mögen aber einmal eingetaucht, fesselt sie einen und lässt nicht mehr los.
Je mehr man liest, desto mehr enthüllt sich das Drama um die Mutter-Tochter Beziehung so ganz entwirrt sich das Geflecht allerdings nie, auch am Ende bleiben für meinen Geschmack ein paar Fragen zu viel unbeantwortet aber bis dahin war Untertauchen ein wunderbares, sprachlich forderndes Lesevergenügen.

Birgit Maria Pfaffinger hat als Übersetzerin übrigens einen wunderbaren Job gemacht.

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 24.01.2021

Das Verschwinden der Erde

Das Verschwinden der Erde
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Die Schwestern Aljona und Sofija verschwinden spurlos, die beiden kleinen Mädchen kommen von einem Ausflug an Meer nicht nach Hause zurück. Ihr verschwinden beeinflusst das Leben vieler unterschiedlicher ...

Die Schwestern Aljona und Sofija verschwinden spurlos, die beiden kleinen Mädchen kommen von einem Ausflug an Meer nicht nach Hause zurück. Ihr verschwinden beeinflusst das Leben vieler unterschiedlicher Frauen auf der Halbinsel Kamtschatka.

Der Klappentext, die Buchbeschreibung auf der Verlagsseite und die Bezeichnung: literarischer Krimi, die ich irgendwo gelesen hatte, brachten mich ans Buch, ich bin immer auf der Suche nach den besonderen Büchern, insbesondere nach Krimis die mich nicht nur durch eine spannende Handlung, sondern auch durch das Setting überzeugen können.
Das Verschwinden der Erde, beginnt vielversprechend, der Leser lernt die Mädchen kennen, er verfolgt ihren Weg und sieht die atemberaubende Landschaft durch ihre Augen, dann ändert sich das Genre, aus einem Krimi wird ein Gesellschaftsroman, der aus dem Leben der unterschiedlichsten Frauen erzählt. Ksjuscha, die Studentin, die nur für ihr Studium lebt und ihrem Freund Ruslan, der in ihrem Heimatdorf zurückblieb, über jede Sekunde Rechenschaft ablegen muss und das aus irgendeinem Grund auch gern tut, sogar als ihre Cousine Alisa sie überredet an einem Tanzkurs für traditionelle Tänze teilzunehmen und sie Tschander kennenlernt.
Oder Lada, die mit Freunden Silvester feiert und nach langer Zeit ihre einst beste Freundin Mascha wiedersieht, und die nach und nach die Gründe für Maschas Schweigen erkennt.

All diese Geschichten sind sprachlich wunderbar erzählt, sie machen neugierig auf das Land und die Leute, das zumindest ist der Autorin wunderbar gelungen, nur von der erwähnten Beeinflussung, die das Verschwinden der Mädchen ausgelöst haben soll, war für mein Empfinden nicht allzu viel zu spüren, man liest in jeder Geschichte etwas über die Kinder, sie beschäftigen die Protagonisten mal mehr mal weniger, aber dieser Aspekt des Buches ist für meinen Geschmack zu lose in die Geschichten gewebt und bekommt erst gegen Ende des Buches wieder eine tragende Rolle.
Die Autorin Julia Phillips erzählt in einem vorangestellten Interview von ihrer Zeit in Kamtschatka und man spürt in jeder ihrer Zeilen die Liebe zu diesem besonderen Land. Das Verschwinden der Erde ist ein wirklich beeindruckendes Debüt und auch wenn es meine Erwartungen nicht ganz erfüllte, ein literarischer Krimi, ist es meiner Meinung nach leider nicht. Und auch die Geschichten der Frauen hätten für meinen Geschmack noch ausführlicher sein dürfen.

Die Großeltern und der Vater lebten das ganze Jahr über mit den Herden in der Tundra, während die Mutter mit Tschegga und Ksjuscha bis zu den Schulferien in Esso blieb. Dann ging es zurück in die Wildnis. Ksjuscha hatte als kleines Mädchen alle Schulferien verpasst. Sie musste mit dem Rest ihrer Familie auf dem weiten offenen Weideland schuften, während die weißen Dorfkinder in den Straßen Fußball spielten.

Genau davon hätte ich gern mehr gelesen, vom Leben außerhalb der Dörfer und Städte Kamtschatkas, von den Veränderungen, die der Zerfall der Sowjetunion mit sich brachte, so viele Themen hätten es verdient ausführlicher behandelt zu werden und die Autorin besitzt sicher das Talent und das Gefühl für das Land um einen Roman zu schreiben der nicht nur gut, sondern Großartig ist.

  • Cover
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Veröffentlicht am 08.01.2021

55

55 – Jedes Opfer zählt
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Police Sergeant Chandler steht vor dem schwierigsten Fall seines Lebens, zwei Männer tauchen nacheinander in der Stadt auf und beide behaupten einem Mörder entkommen zu sein und beide erzählen die gleiche ...

Police Sergeant Chandler steht vor dem schwierigsten Fall seines Lebens, zwei Männer tauchen nacheinander in der Stadt auf und beide behaupten einem Mörder entkommen zu sein und beide erzählen die gleiche Geschichte.
Wer sagt die Wahrheit, wer lügt?
Gabriel, der auf freien Stücken auf das Revier kam, vollkommen verängstigt und eingeschüchtert? Oder Heath, der bei dem Versuch ein Auto zu stehlen vom Eigentümer des Wagens überrascht und zur Wache gebracht wurde und aufbrausend und scheinbar auch zu Gewalttätigkeit neigt.
Ich verdächtigte immer mal wieder den einen und kurz darauf wieder den anderen.
Das klingt nicht nur ungewöhnlich und spannend das ist es auch.
James Delargys Erzählstil ist allerdings eher ruhig, manchmal für meinen Geschmack etwas zu ruhig, etwas mehr Tempo hätte dem Buch gutgetan. Der Autor verwendet viel Zeit darauf den Hauptprotagonisten Chandler vorzustellen, seine Lebensumstände, die er mit der Polizeiarbeit in Einklang bringen will, was ihm allerdings nicht wirklich gelingt, wie sich schnell herausstellt.
Ich weiß nicht was ich von Chandler halten soll, als Mensch ist er außerordentlich sympathisch, er kümmert sich als alleinerziehender Vater so gut es geht um seine Kinder und unterstützt seine Eltern, seine Mitarbeiter liegen ihm sehr am Herzen.
Und hier liegt auch sein Problem, Chandler ist zu nett, als er sich endlich dazu durchringt den Fall an übergeordnete Behörden zu melden und sein Vorgesetzter Mitch mit seiner Crew das Kommando übernimmt, lässt er sich von seinem früheren Freund herumschubsen als wäre er 12. Chandler und Mitch haben eine gemeinsame Geschichte, als Kinder und Teenager waren sie unzertrennlich, sie gingen gemeinsam zur Polizei und erst als Mich Karriere machen wollte und Chandler eine Familie gründet, trennen sich nach einem Vermisstenfall, der in Rückblenden erzählt wird, ihre Wege.

Mitch ist kalt und nur auf seine Karriere bedacht, dazu kommt seine unverhohlene Abneigung Chandler gegenüber, er lässt keine Gelegenheit aus Chandler mehr oder weniger subtil zu demütigen, auch sein Verhalten seinen Mitarbeitern gegenüber unterscheidet sich vom eher familiären Umgang Chandlers mit seinen Leuten sehr. Mitch ist der Alpha im Team und das spielt er auch ohne Rücksicht aus.

Die in Rückblenden erzählte Suche nach einem Vermissten, vermittelt die besondere Atmosphäre im australischen Outback, diese Rückblenden vermitteln dem Leser zwei Dinge, die ich euch aber nicht verraten kann, nur soviel meine ersten Gedanken dazu, das sie die Handlung nicht wirklich voranbringen haben sich nicht bestätigt.

Ich mochte das Buch und es bekommt eine absolute Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere