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Veröffentlicht am 06.04.2025

Die Erfindung des Goldbären

Haribo - Goldene Zeiten brechen an
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Der zweite Band rund um die Firma Haribo schließt nahtlos an den ersten Band an. Die dunkle Zeit in Deutschland beginnt, denn es ist 1939 und sowohl Hans junior, als auch Paul werden eingezogen. Zuvor ...

Der zweite Band rund um die Firma Haribo schließt nahtlos an den ersten Band an. Die dunkle Zeit in Deutschland beginnt, denn es ist 1939 und sowohl Hans junior, als auch Paul werden eingezogen. Zuvor jedoch kämpfen Hans senior und Gertrud darum, während des Krieges als kriegswichtig eingestuft zu werden, um die Produktion am Laufen zu halten. Mit Salmiakpastillen und Brustkaramellen gelingt es ihnen weiter produzieren zu dürfen. Damit bieten sie auch weiterhin Arbeitsplatze für viele Menschen in der Umgebung. Hans gelingt es lange, sich davor zu drücken in die Partei einzutreten. Doch 1944 bleibt ihm keine andere Wahl mehr, um weiterhin Rohstoffe für ein Unternehmen zu bekommen. Doch ein schlimmer Schicksalsschlag stellt die Familie vor neue Probleme...

Sehr interessant wird es, als Gertrud und Anita am Ende des Krieges darum kämpfen, die Genehmigung zu bekommen, um weiter produzieren zu dürfen. Zuerst bei den US-Amerikanern und danach bei den Briten, die Bonn besetzen. Vor allem Anita ist mit ihren Englischkenntnissen eine große Hilfe. Als es endlich weitergeht mit der Produktion, ist weiterhin Anita an der Seite ihrer Mutter. Sie erkennt, wie wichtig das Familienunternehmen ist und beginnt Freude an der Arbeit zu finden.....

Mehr will ich hier nicht mehr verraten, denn es kommen sehr turbulente Zeiten auf die Unternehmerfamilie zu, die den Zusammenhalt aller auf die Probe stellt. Das Autorenpaar nimmt uns mit an die Front, zeigt uns aber genauso, wie Gertrud und Anita um die Firma kämpfen. Sind es zuerst die Kriegswirren, werden danach die Probleme innerhalb der Familie größer. Es wird Zeit das Unternehmen an die nächste Generation weiterzugeben, doch die Kinder haben unterschiedliche Vorstellungen, wie es mit Haribo weitergehen soll....
Natürlich wird auch erzählt, wie der heute berühmte Goldbär schlussendlich entstanden ist.

Wie bereits im ersten Band, stützt sich das Autorenpaar, welches unter dem Pseudonym Katharina von der Lane schreibt, auf zugängliche historische Daten, die sie mit fiktiven Elementen vermischt. Die daraus entstehende Geschichte wird damit bildhafter und mitreißend erzählt. Eine Kooperation mit der Familie Riegel fand jedoch nicht statt.
Die Charaktere sind sehr lebendig dargestellt und haben alle ihre Ecken und Kanten. Ich habe mit ihnen mitgefiebert, mich geärgert, mich gefreut oder mitgelitten. Genauso sollte es sein, wenn man einen Roman dieses Genres liest.

Fazit:
Im zweiten Band der Dilogie erleben wir die bewegenden Jahre von 1939 bis 1956, die für alle eine große Herausforderung waren. Mit der nächsten Generation der Riegels stehen neue Herausforderungen an, die für mich genauso mitreißend erzählt wurden, wie schon im ersten Band. Natürlich erfahren wir auch wie der berühmte Goldbär erfunden wurde... Ich empfehle diese Dilogie gern weiter!

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Es gibt bessere Romane für diese Zeitepoche

Frühjahrskollektion
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Ich muss gestehen, dass ich etwas brauchte, bis ich in die Geschichte gefunden habe. Es lag am Schreibstil der Autorin, mit dem ich mich etwas schwer getan habe. Erst nach den ersten hundert Seiten hat ...

Ich muss gestehen, dass ich etwas brauchte, bis ich in die Geschichte gefunden habe. Es lag am Schreibstil der Autorin, mit dem ich mich etwas schwer getan habe. Erst nach den ersten hundert Seiten hat mich die Geschichte doch noch überzeugen können.

Lilo ist eine geschäftstüchtige Frau mit eigenem kleinen Modeunternehmen, die mit ihrem "kleinen Schwarzen" vor einiger Zeit für große Furore gesorgt hat. Nun möchte sie mit ihrer neuen elastischen Bademode für die reife Frau genauso durchstarten. In einem Interview bewirbt sie ihr neues Label "LiLoBa" und erzählt von ihren Anfängen. Auch der Termin für die große Gala steht bereits fest. Doch kurz vor der Präsentation wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt...denn Lilo und Harry sind kein unbescholtenes Paar. Ihre Verbindung reicht bis ins Ghetto nach Litzmannstadt, dem heutigen Lodz.

Harry kutschiert Kriegswitwen zu den Gräbern ihrer gefallen Familienmitglieder, doch seine Lilo ist ehrgeizig und verschafft ihm - nicht ohne Hintergedanken - einen Job bei Neckermann. Sie möchte ihre neue Badekollektion in den neuen Neckermann Katalog bringen. Dazu ist ihr jedes Mittel recht.
Tochter Reni ist Mannequin und mit Fred liiert, der für die Norddeutsche Modenschaugesellschaft unterwegs ist und Mode der deutschen Konfektionshäuser vorführt. Renis träumt davon als Model in Amerika groß heraus zukommen, obwohl sie eigentlich zu klein ist.

Die Familie lebt das neue deutsche Wirtschaftswunder. Während Lilo die Vergangenheit hinter sich gelassen hat und weiterhin über die Zeit während des Zweiten Weltkrieges schweigt, wie die meisten Menschen dieser Generation, erfährt Reni nach und nach mehr darüber. Sie möchte die Konventionen abstreifen und endlich frei sein.
Als Leser blicken wir mittels der Bekleidungsindustrie hinter die Kulissen und entdecken ehemalige Nazi-Größen, die mit neuem Namen und vertuschten Vergangenheiten weiter erfolgreich in Deutschland unternehmerisch unterwegs sind.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht der drei Protagonisten erzählt. Die Kapitel sind mit Namen, Ort und Datum gekennzeichnet. Somit weiß man immer, wer gerade im Mittelpunkt steht.
Christine Koschmieder erzählt sehr ausschweifend mit vielen Details. Es gibt jede Menge Zeitgeschichte und eine Aufarbeitung der dunklen Vergangenheit.
Ihr Schreibstil war mir neben der detaillierten und wiederholenden Erzählweise zu distanziert. Mit den Charakteren konnte ich mich nicht wirklich anfreunden.

Zweimal bin ich über verschiedene Darstellungen im Text gestolpert. Einmal hieß es im Text im Englischen heißen Models Mannequins, was mich verwirrt hat und mich die Zeile nochmals lesen ließ. Etwas später stand es genau umgekehrt, was auch richtig ist. Außerdem wurde das Auto von Fred als himmelblauer Simca beschrieben, später als dunkelblau.

Außerdem gab es doch so einige Wiederholungen, was wahrscheinlich daraus geschuldet ist, dass die drei Hauptprotagonisten immer aus ihrer Sicht und manchmal eben dasselbe erzählen.

Die Bücher aus den Kanon Verlag haben eine sehr interessante Covergestaltung. Der Schutzumschlag bedeckt nur nur cirka 4/5 des Buches. Dahinter verbirgt sich ein hochwertig bedruckter Leineneinband und ergibt damit das Gesamtbild. Sehr schön!

Fazit:
Zum Thema Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges gibt es - Gott sei Dank - immer mehr Romane. Obwohl der Hintergrund rund um die Modewelt sehr interessant ist, hat mir der Schreibstil nicht zugesagt. "Frühjahrskollektion" gehört leider nicht zu den Büchern dieses Themas, die ich weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Magischer Lesespaß!

Hex Files - Hexen gibt es doch
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Dieses Buch wollte ich schon ewig lesen, aber leider war es immer nur als eBook oder Hörbuch verfügbar. Daran hat sich leider nichts geändert, aber nachdem ich jetzt auch ein bisschen Hörbücher höre, habe ...

Dieses Buch wollte ich schon ewig lesen, aber leider war es immer nur als eBook oder Hörbuch verfügbar. Daran hat sich leider nichts geändert, aber nachdem ich jetzt auch ein bisschen Hörbücher höre, habe ich es mir runtergeladen. Zusätzlicher Pluspunkt war für mich, dass auch hier Yesim Meisheit die Sprecherin war.

Ivy Wild ist eine sehr sympathische junge Hexe, die vor einiger Zeit wegen einer Intrige aus dem Hexenorden geflogen ist. Das macht ihr wenig aus, denn sie liebt ihr gemütliches Leben in Oxford und lebt mit ihrem Kater Brutus in einer kleinen Wohnung. Ihr Geld verdient sie als Taxifahrerin. Ihre Hexenfreundin Eve wohnt gegenüber und wird für eine Prüfung nach Schottland geschickt, um in die nächst höhere Stufe des Hexenordens zu gelangen. Ivy passt in der Zwischenzeit auf ihren Kater Herold auf. Das wird ihr eines Tages aber zum Verhängnis, denn als zwei Ordensmitglieder vor der Tür stehen, wird sie mit Eve verwechselt und per Bindezauber an Adeptus Exemptus Raphael Winter gekettet. Dieser ist ein hochrangiges Mitglied der Arkanen Abteilung, der Ermittlungsbehörde des heiligen Ordens der Magischen Erleuchtung. Von nun an muss Ivy für den Orden, der sie vor wenigen Jahren gefeuert hat, wieder arbeiten und ist zusätzlich an diesen eingebildeten Adeptus Exemptus Winter gekettet. Die Beiden bekommen bald Schwierigkeiten, denn als ein wichtiges Artefakt gestohlen wird und ein Mord passiert, müssen sie den oder die Täter finden.....was ein sehr amüsantes Abenteuer wird!

Was für eine witzige Geschichte! Ivy hat mir sehr gut gefallen. Sie ist nicht auf den Mund gefallen, sarkastisch, clever und eine magisch begabte Hexe - aber sehr faul. Außerdem will sie nichts mehr mit dem Orden zu tun haben, der ihren Vorfall damals nicht überprüft hat. Deshalb macht sich Ivy auch keine Gedanken, dass ihre magischen Fähigkeiten ihres ehemaligen "Standes" im Orden eigentlich weit höher sind, als man denkt. Sie hat sogar ihren Kater Brutus sprechen gelernt, dessen meistgebrauchte Worte "Futter" und "Miststück" sind. Köstlich!

Yesim Meisheit hat das Hörbuch wieder absolut toll eingesprochen. Nachdem ich jetzt ein Hörbuch mit einer anderen Sprecherin begonnen habe, merke ich wieder, wie lebendig und großartig sie erzählt.

Außerdem mochte ich das Magiesystem, bei dem mit Runen und Kräuter gezaubert wird. Der freche Schlagabtausch mit dem sehr prinzipientreuen und steifen Raphael Winter wird humorvoll erzählt. Wie die Beiden an die Auflösung des Mordes und des Raubes des Artefaktes herangehen, ist witzig und hat sehr viel Spaß gemacht. Natürlich werde ich auch die beiden Nachfolge-Romane hören. Schade, dass diese Reihe nicht als Print gibt!

Fazit:
Ein magischer Hexen-Krimi, der viel Spaß macht und mich bestens unterhalten hat. Ich freue mich schon auf die weiteren Bände.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Pageturner vor tropisch-tödlicher Kulisse

One Perfect Couple
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Mit "One Perfect Couple" habe ich nun den zweiten Thriller von Ruth Ware gelesen und er hat mich wieder sehr gut unterhalten. Vor allem hat mich diesmal das Setting sofort gefangen genommen. Die tropische ...

Mit "One Perfect Couple" habe ich nun den zweiten Thriller von Ruth Ware gelesen und er hat mich wieder sehr gut unterhalten. Vor allem hat mich diesmal das Setting sofort gefangen genommen. Die tropische Traumkulisse in Südostasien dient nämlich als Hintergrund für eine Reality Show, die das "perfekte Paar" sucht.
Lyla, eine unserer Protagonisten, ist Virologin und hat mit Reality-Shows gar nichts am Hut. Momentan steckt sie allerdings in einer beruflichen Krise, denn sie weiß nicht, ob ihr Vertrag verlängert werden wird, da ihr Projekt ausläuft. Ihr Freund Nico ist Schauspieler und träumt von einer steilen Karriere. Allerdings läuft es noch nicht so richtig gut. Als er das Angebot bekommt bei "One Perfect Couple" mitzumachen, versucht er Lyla so lange zu überreden, bis sie schließlich einlenkt. Danach geht alles sehr schnell, denn die beiden sind das letzte Paar, welches zur Show dazustößt.
Nach dem Flug nach Jakarta/Indonesien geht es mit einer 20stündigen Schifffahrt weiter, bis sie die einsame Insel, auf der sie die nächsten Wochen bleiben sollen, erreichen. Schon bei der Überfahrt werden allen Teilnehmern ihre elektronischen Geräte und mobilen Telefone abgenommen. Die vier weiteren Paare, gegen die Nico und Lyla antreten sollen, sind Angel und Bayer, Zana und Conor, Romi und Joel und Santana und Dan. Jedes Pärchen kämpft ab nun gegeneinander. Die Sturmwarnung, die die Einheimischen an die Crew weitergeben, wird ignoriert. Lyla ist zudem überrascht, dass das angebliche Traumressort noch gar nicht richtig fertig gestellt ist und auch das Personal noch fehlt. Während sich Nico begeistert in die erste Runde des Auswahlverfahrens begibt, kommen Lyla immer mehr Zweifel. Außerdem scheint sie in die Riege der Teilnehmer, die vorwiegend aus Influencern und Teilzeit-Models besteht, gar nicht reinzupassen.
Während die Crew den ersten Verlierer von der Insel abholt, zieht ein gewaltiger Tropensturm auf, der nicht nur Teile der Infrastruktur zerstört, sondern auch Menschenleben fordert. Das Fernsehteam kehrt nicht mehr zurück und die Essens- und Wasservorräte sind endlich. Die Teilnehmer sind von der Zivilisation abgeschnitten. Bald beginnt ein erbitterter Kampf ums Überleben....

Die Geschichte beginnt langsam, denn zuerst werden die einzelnen Teilnehmer der Reality-Show genauer vorgestellt. Die einzelnen Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und perfekt in Szene gesetzt. Mit der Zeit brechen Konflikte auf und durch die ausweglose Situation offenbaren sich bald die tiefsten menschlichen Abgründe. Die Dynamik in der Gruppe ist spürbar. Man beginnt zu rätseln, wer überleben wird und ob die Teilnehmer gerettet werden.

Die Atmosphäre ist beklemmend und der Schreibstil von Ruth Ware fesselnd. Die Autorin versteht es Zweifel zu säen und den Leser auf falsche Fährten zu führen. Die Beschreibung des Insellebens und all den Gefahren, die die Teilnehmer der Reality-Show ausgesetzt sind, ist sehr bildhaft.

Der Großteil der Handlung wird aus der Sicht von Lyla erzählt. Dazwischen gibt es aber immer wieder Auszüge, die einem Tagebucheintrag gleichen. Mit der Zeit unterscheiden sich diese Einträge aber immer mehr von Lylas Gedanken, was verwirrt und ich mich als Leser frage, wer nun die Wahrheit erzählt.
Das Ende hat mir gut gefallen, lässt aber noch ein paar kleine Fragen offen. Für mich hätte es gerne noch ein paar mehr Erklärungen geben können. Das ist aber schon jammern auf hohem Niveau.


Fazit:
Ein Pageturner vor tropisch-tödlicher Kulisse, der vor allem von den zwischenmenschlichen Beziehungen während einer Ausnahmesituation lebt. Für mich wieder ein toller Thriller der Autorin mit kleinen Schwächen.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Kein 5 Sterne Menü, sondern Durchschnitt

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
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Der Einstieg ist gelungen und ich war sehr schnell mitten im Geschehen. Die Handlung wird in der Gegenwart mit Rückblicken in die Vergangenheit erzählt.
Nach fünf Jahren treffen sich die ehemaligen Freunde ...

Der Einstieg ist gelungen und ich war sehr schnell mitten im Geschehen. Die Handlung wird in der Gegenwart mit Rückblicken in die Vergangenheit erzählt.
Nach fünf Jahren treffen sich die ehemaligen Freunde Hanna, Jonathan, Lotta, Tristan und Kiano in einem abgelegenen Restaurant in der Eifel. Jonathan ist der Gastgeber und Chefkoch im Restaurant und lädt zum Krimi-Dinner, bevor seine Schwester Hanna nach Brasilien aufbricht. Ein Platz am Tisch bleibt jedoch leer. Es ist der von Maria, die vor fünf Jahren gemeinsam mit der Clique bei einem Festival unterwegs war und spurlos verschwand. Während draußen ein Sturm aufzieht, wird es langsam auch im Restaurant ungemütlich. Denn das Krimi-Dinner weist immer mehr Parallelen zum damaligen Wochenende auf und auch die Spieler erkennen diese früher oder später. Schon bald scheint der Abend zu eskalieren.....

Auch ich habe mir die Frage gestellt, warum sich diese ehemaligen Freunde überhaupt treffen. Sie sind derart unterschiedlich und nicht wirklich Sympathieträger. Hatten sie jemals Gemeinsamkeiten? Und welche Rolle spielen die jeweiligen Charaktere? Welche Geheimnisse verbergen sie?
Während Jonathan als Gastgeber etwas blasiert und kontrolliert wirkt, ist seine Schwester Hanna das komplette Gegenteil. Sie ist Künstlerin, sehr exaltiert und hat das Verschwinden ihrer Freundin Maria scheinbar bis heute nicht richtig verkraftet. Hanna möchte unbedingt wissen, was damals passiert ist und erhofft sich an diesem Abend eine Antwort.
Lotta, Jonathans Verlobte ist Psychologin und wirkt auf der einen Seite unscheinbar, erkennt aber als Erste die Parallelen des Spieles zu den damaligen Vorkommnissen. Bald liegen ihre Nerven blank...
Tristan ist der Weiberheld der Runde und der Exfreund von Hanna. Einige seiner Aussagen sind mir richtig aufgestoßen. Er wirkt sehr selbstverliebt und scheint etwas dümmlicher, als der Rest. Oder gibt er sich nur so?
Kiano ist wohl der Außenseiter der Runde, der sich von seinem damaligen Freunden abgegrenzt hat. Warum ist er diesmal zum gemeinsamen Treffen gekommen ist, ist eine weitere Frage, die ich mir gestellt habe.

Während die Vorspeise und das Hauptgericht serviert wurde, habe ich noch richtig mit gefiebert. Leider verliert sich die Spannung nach dem starken Beginn sehr schnell, denn mit mehreren Rückblicken in die Vergangenheit nimmt Emily Konrad die Spannung leider ziemlich raus. Die Zeitsprünge und die wiederkehrenden Wiederholungen beim Perspektivwechsel unterbrechen den Lesefluss. Wir gehen zwar dem Verschwinden von Maria und der Verfremdung der Freunde auf den Grund, jedoch hat mich dieser Abschnitt nicht richtig packen können. Es dreht sich vieles im Kreis und wiederholt sich. Zusätzlich erkennt man als geübter Thrillerleser bald, in welche Richtung es gehen wird.
Obwohl der Thriller bereits nach dem ersten Drittel sehr absackt, kann die Autorin zum Ende hin nochmals mit einer unerwartenden Wendung und einer finalen Auflösung punkten. Für mich war das aber zu spät und konnte mich nicht mehr wirklich überzeugen.

Der Schreibstil war einfach, was perfekt zu einem Thriller passt. Trotzdem war er mir manchmal etwas zu plump und auch zu vulgär und irgendwie verlor sich das eigentliche Dinner im Laufe der Handlung.

Dieses Gericht konnte man leider ab der Mitte nur mehr lauwarm genießen. Obwohl das Dessert kurz den Gaumen gekitzelt hat, war der Gesamteindruck des Krimi-Dinners eher schal.

Fazit:
Der Thriller beginnt stark, lässt aber rasant nach und hinterlässt bei mir eher einen enttäuschenden Eindruck. Kein 5 Sterne-Menü, sondern eine durchschnittliche Speisefolge mit einem schmackhaften Dessert als Abrundung. Kann man lesen, muss man aber nicht...

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