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tinten_fischchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.04.2025

Die Last der Vergangenheit

Wo wir uns treffen
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Philip Brooke ist tot. Er war ein schlechter Vater. Ein schlechter Ehemann. Und Besitzer eines über 200 Jahre alten Anwesens inklusive Tausenden von Hektar Land. Nach seinem Tod trifft sich die Familie ...

Philip Brooke ist tot. Er war ein schlechter Vater. Ein schlechter Ehemann. Und Besitzer eines über 200 Jahre alten Anwesens inklusive Tausenden von Hektar Land. Nach seinem Tod trifft sich die Familie auf dem Landsitz um den Patriarchen im engsten Kreis zu verabschieden. Und darüber zu diskutieren wie es mit dem Land weitergehen soll. Hier soll ein Idyll entstehen, ein Ort an dem die Natur sich wieder ausbreiten kann. Doch wie lange lässt sich die Außenwelt aussperren? Wie lange die Vergangenheit?

Anna Hopes Roman erinnert aufgrund seines Aufbaus und der Erzählweise an eine Serie. Die Geschichte spielt an nur fünf Tagen. Es gibt weder eine Haupt- noch eine Heldenfigur. Stattdessen folgen wir dem Schicksal vieler Figuren. In Rückblenden erfahren wir mehr über die einzelnen Akteure. Alte Wunden und Traumata werden hervorgeholt. Dadurch können wir sie besser verstehen. Auch wenn wir keine Sympathie für sie empfinden.

Das Anfangs gemächliche Erzähltempo wird immer schneller. Ein Unheil braut sich zusammen. Anna Hope hat sehr viele Themen in „Wo wir uns Treffen“ gepackt. Von Klimawandel, Tech-Milliardären bis hin zum Älterwerden ist alles dabei. Der Erzählton ist ungewohnt nüchtern, selbst über die rückgratlosen Investoren macht Hope sich nicht lustig.

Aus dem Buch kann man vieles mitnehmen, vieles bringt einen zum nachdenken. Am Ende wird vielleicht etwas zu sehr mit der Moralkeule geschwungen. Aber selbst das wird reflektiert. Auch als Leser bleibt man ambivalent zurück. Ein Buch das zum Nachdenken anregt und meisterlich erzählt ist. Ganz großes Kino.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Vor dem Tod sind nicht alle gleich

Tuberkulose
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Ob Arm oder Reich, vor dem Tod sind alle gleich“. Oder doch nicht? Der Jugendbuchautor John Green zeigt, dass sowohl Rasse als auch das Land in dem wir leben, darüber entscheidet ob und wie gut ...

Ob Arm oder Reich, vor dem Tod sind alle gleich“. Oder doch nicht? Der Jugendbuchautor John Green zeigt, dass sowohl Rasse als auch das Land in dem wir leben, darüber entscheidet ob und wie gut wir medizinisch versorgt werden. Dazu wirft er einen genaueren Blick auf die weltweit tödlichste Infektionskrankheit: Tuberkulose. Moment mal, werden Sie jetzt vielleicht denken: Tuberkulose, ist das nicht schon längst ausgerottet? So ging es mir Anfangs auch. Tatsächlich ist Tuberkulose bereits seit Jahrzehnten sehr gut behandelbar. Zudem besteht bei gesunden wohlernährten Menschen eine hohe Wahrscheinlichkeit dass die Krankheit nie ausbricht. Kein Wunder, dass die einst so schreckliche Krankheit bei uns in Vergessenheit geriet.

Das John Green eigentlich Jugendbücher schreibt lässt sich nicht verbergen. Das Buch ist spannend geschrieben, witzig, gefühlvoll und holt den Leser ab. Zudem verbreitet es trotz der himmelschreienden Ungerechtigkeiten die in ihm aufgezeigt werden, eine positive Grundstimmung. Greens Botschaft ist klar: Wir können etwas ändern. Dadurch ist das Buch massentauglich und auch für jüngere Leser geeignet.

Als Leser konnte ich sehr viel aus dem Buch lernen. Viel davon geht zwar in Richtung Klugscheißerwissen, aber interessant ist es allemal.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Wunderschön und nicht nur für Kinder

Raus in die Natur! Alles, was du über Camping, Wandern und Backpacking wissen musst
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Der erste Eindruck beim Auspacken: Wow. Das Buch ist riesig. Und wie schön ist bitte erst der Einband. Aber schon nach einigen Stunden in den nicht gerade zimperlichen Kinderhänden zeigen sich ...

Der erste Eindruck beim Auspacken: Wow. Das Buch ist riesig. Und wie schön ist bitte erst der Einband. Aber schon nach einigen Stunden in den nicht gerade zimperlichen Kinderhänden zeigen sich die ersten Abnützungen. Die Ecken und Kanten haben Farbe verloren und der Kleber an einer Ecke des Innencovers löst sich. Passt aber auch zur Retro-Aufmachung des Buches. Aber als Reisebegleiter wäre das in China hergestellte Buch wohl zu fragil.

Das Buch ist wirklich schön. Die liebevollen Zeichnungen laden ins Abenteuer und zum Träumen ein. Auch auf Inklusion wurde in den Bildern Wert gelegt. Wobei mir ein wenig die nicht perfekten, jungen Eltern mit Top-Figur fehlen. Nicht mal für einen Glatzen- oder Brillenträger hat es gereicht.

Der Text richtet sich nicht nur an Kinder sondern ist auch für Erwachsene geeignet. Selbst fortgeschrittene Themen wie Feuer machen und das Campen in Nähe von hungrigen Tieren werden behandelt. Der Text versprüht Ehrfurcht vor der Natur und mahnt stets zu Rücksicht auf andere.

„Raus in die Natur“ macht richtig Lust den Rucksack auszupacken. Bei Kindern weckt es zudem die Lust aufs Abenteuer und es kann passieren, dass diese mit einer mehrstündigen Almwanderung bald nicht mehr zufrieden sind. Denn da gibt es ja kein Lagerfeuer und keine Bären.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Ein wunderbares Buch

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
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Ganz adrett steht es da, in meinem Regal. Herausfordernd blickt sie mich an. Die Dame auf dem Cover. Und ich merke: Das kleine Büchlein geb ich nicht mehr her. Der Debütroman von Sarah Lorenz ist voller ...

Ganz adrett steht es da, in meinem Regal. Herausfordernd blickt sie mich an. Die Dame auf dem Cover. Und ich merke: Das kleine Büchlein geb ich nicht mehr her. Der Debütroman von Sarah Lorenz ist voller Leben, Schmerz, Liebe. So viel mehr, als man in einem Leben ertragen kann. Aber man muss. Und wenn es nicht mehr geht, hilft Mascha.

Das Buch ist auch eine Hommage an die Dichterin Mascha Kaleko, deren Gedichte die einzelnen Kapiteln einleiten. Kaleko kannte ich noch nicht. Aber ihre Gedichte gefallen mir sehr. Sowohl Kaleko als auch Lorenz schreiben mit einer gewissen Leichtigkeit über die großen, schweren Themen es Lebens.

Es bleibt das Gefühl, dass das Leben neben all seiner Hässlichkeit auch Liebe bereithält. Ebenso Freundschaft und großartige Literatur.

Das Buch hat allerdings auch eine Trigger-Warnung zu Beginn. Es werden wirklich sehr viele schmerzhafte Themen behandelt.Trotz der Leichtigkeit in der Sprache musste ich an einigen Stellen schlucken. Vor allem das Verhältnis der Ich-Erzählerin zu ihren Eltern hat mich lange beschäftigt. Sie versteht ihre Mutter rational aber ist nicht in der Lage ihr emotional zu verzeihen. Anderseits versteht sie rational dass ihr Vater ein Ars… ist, und ihre Mutter eigentlich missbraucht hat, aber emotional hat sie sich mit ihm versöhnt und konnte eine gute Beziehung zu ihm aufbauen.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Ein Buch das den Fokus mehr auf das Werk als auf die Künstlerin setzt

Der ewige Tanz
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„Nackttänzerin Anita Berber: Die Skandalnudel der Zwanzigerjahre“ titelte der Spiegel vor ein paar Jahren. Von den ganzen Skandalen bekommt man in „Der ewige Tanz“ nur am Rande mit. Mag sein, dass der ...

„Nackttänzerin Anita Berber: Die Skandalnudel der Zwanzigerjahre“ titelte der Spiegel vor ein paar Jahren. Von den ganzen Skandalen bekommt man in „Der ewige Tanz“ nur am Rande mit. Mag sein, dass der Spiegel mit einer reißerischen Schlagzeile mehr Klicks generieren wollte. Ich vermute aber stark, dass es auch daran liegt, dass Steffen Schroeder bewusst seinen Fokus auf das Werk und weniger auf die Skandale setzen wollte. Das Buch zeigt eine große Faszination für die alten Filme, Aufführungen und die Kunst des Schauspiels selbst.

Den ersten Teil des Buches fand ich eher schwierig zu lesen. Ständig trifft man sich in den richtigen Kaffees, auf Partys und redet über die Leute die nicht da sind. Die Motivation der Figuren bleibt dabei oft auf der Strecke. Eventuell wollte Schroeder bei den historischen Figuren nicht allzu viel hineininterpretieren. Dadurch bleiben die Figuren dem Leser aber fremd.

Der zweite Teil legt den Fokus mehr auf Anita und ihre Liebhaber. Durch Drogen- und Geldprobleme ist der Spannungsbogen hier höher.

Das Buch hat mich inspiriert mehr über Anita Berber zu erfahren. Dadurch musste ich aber auch feststellen, dass einige spannende Aspekte ihres Lebens wir ihr gesellschaftlicher Fall im Buch nur angedeutet werden.

Fazit:
Interessantes Buch für Leute die sich für die 20er Jahre und die Anfänge der Filmkunst interessieren. Das Buch macht Lust mehr über Anita Berber zu erfahren. Eine faszinierende Frau, die wohl selbst für die als verrucht und freizügig bekannten 20er Jahre zu extrem war. Und die es damit wie keine andere schaffte die Doppelmoral der damaligen Zeit zu entlarven.

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