atmosphärisch und spannend
Kalte Havel"Kalte Havel" ist der zweite Teil der Reihe um den sympathischen Ermittler Toni Sanftleben. Seit dem letzten Fall ist einige Zeit verstrichen, Toni ist noch beurlaubt und lebt inzwischen mit seiner wiedergefundenen ...
"Kalte Havel" ist der zweite Teil der Reihe um den sympathischen Ermittler Toni Sanftleben. Seit dem letzten Fall ist einige Zeit verstrichen, Toni ist noch beurlaubt und lebt inzwischen mit seiner wiedergefundenen Frau Sofie im Hausboot. Als Staatsanwältin Caren Winter plötzlich am Hausboot auftaucht, ist Tonis Urlaub schlagartig vorbei. Sie bittet ihn wieder in seinen alten Job zurückzukehren und die Ermittlungen um ihren verschwundenen Sohn Alexander aufzunehmen. Sein Freund Hendrik wurde ermordet, seitdem ist Alex verschwunden. Sie weiß dass Toni hier der richtige Mann ist.
Von "Dunkle Havel" war ich begeistert und auch der zweite Teil steht dem ersten in nichts nach. Die Story läuft in zwei Zeitebenen ab. Zum einen ist da er aktuelle Fall, der aufgeklärt werden muss. In einem Strang, der mehrere Wochen zurück liegt, erhält man Einblick in die Geschehnisse damals und die Gedankenwelt von Hendrik Spohr, einem linksradikalen Aktivisten und besten Freund von Alexander. Überwiegend wird die Geschichte aus Tonis Sicht geschildert, es gibt aber auch einige Kapitel aus der Sicht eines unbekannten Mannes.
So verfolgt man als Leser, wie Toni, inzwischen trocken, in seinen Beruf zurückkehrt. Es gibt ein Wiedersehen mit der alten Truppe und natürlich auch mit Tonis Chef Kriminalrat Schmitz, der sich gleich zu Anfang einen Fauxpas leistet. Oder waren die Flaschen mit Alkohol im Präsentkorb etwa beabsichtigt? Toni wird hier auf eine harte Probe gestellt. Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen und stehen in diesem Krimi im Vordergrund, das Privatleben von Toni nimmt eine kleinere Rolle ein.
Die Protagonisten sind facettenreich und sehr gut gezeichnet, Toni gewinnt in diesem Teil an Tiefe. Ich konnte mit ihm mitfiebern und ihm bei den Ermittlungen über die Schulter schauen. Weitere Hauptdarsteller sind Caren Winter und Phong, der Mann für die Recherche. Dazu eine Vielzahl an intressanten Nebendarstellern.
Tim Pieper gelingt es durch seine bildhaften Beschreibungen die Schauplätze vor meinem inneren Auge aufleben zu lassen. Besonders gefallen hat mir die Beschreibung der ehemaligen Beelitzer Heilstätten. Ein Ort mit Vergangenheit und Anziehungspunkt für die unterschiedlichsten Menschen. Ein Schauplatz, der mir Gänsehaut bescherte, den ich nach der Lektüre aber auch zu gern einmal mit eigenen Augen sehen würde.
Ich habe bis zuletzt gerätselt, wer hinter dem Verschwinden von Alex steckt, der Autor legt einige falsche Fährten und Blindspuren. Am Ende steigert sich die Spannung, es gibt einen genialen Showdown und alles klärt sich schlüssig auf. Der Schluss ist eher melancholisch und hinterlässt viele Fragezeichen, was Tonis Privatleben betrifft. Ich bin gespannt, wie es im nächsten Teil weiter geht.
Fazit: Spannender und atmosphärischer Krimi vor der wunderbaren Kulisse des Havelgebiets, eine Steigerung zu Teil 1 und vorbehaltlos zu empfehlen. Auf den nächsten Teil darf man gespannt sein.