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Veröffentlicht am 13.10.2020

Die Magie des goldenen Blutes

Die Göttinnen von Otera - Golden wie Blut
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Trotz 500 Seiten-Dicke bin ich durch die Seiten geflogen und habe das Buch verschlungen. Die Autorin versteht es nicht nur, einen fesselnden Plot zu entwerfen und die LeserInnen mit immer neuen Wendungen ...

Trotz 500 Seiten-Dicke bin ich durch die Seiten geflogen und habe das Buch verschlungen. Die Autorin versteht es nicht nur, einen fesselnden Plot zu entwerfen und die LeserInnen mit immer neuen Wendungen und Informationen zu begeistern. Auch wie es ihr gelingt, verschiedene Kulturen, Ethnien und Welten miteinander zu verflechten, hat mir sehr gefallen. Vom europäisch anmutenden Norden bis zum afrikanischen Süden sind ganz unterschiedliche Menschen Teil dieser Geschichte.

Magische Wesen, ein kreatives Magie-System, spannende Kämpfe und starke Heldinnen - alles, was ich mir von einem guten Fantasybuch wünsche. Besonders gefallen hat mir, wie der Zusammenhalt der Alaki-Kriegerinnen dargestellt wurde.


Die Entwicklung von Deka, der Protagonistin, ist recht klassisch. Ein junges Mädchen findet heraus, dass es besondere Kräfte besitzt und lernt, diese zu kontrollieren. Doch innerhalb der Geschichte werden immer wieder wichtige Themen angesprochen und gesellschaftliche Normen infrage gestellt. Zusammen mit dem Setting ergibt sich so ein facettenreicher und vor allem spannender Fantasy-Roman.

Die gesamte Geschichte hätte sicher durchaus auch zwei oder drei weitere Bücher gefüllt. Tatsächlich habe ich mir an einigen Stellen mehr Details und Tiefe gewünscht. So verblieb noch viel der Vorstellung der LeserInnen. Charaktere und auch Dialoge waren mir teils zu oberflächlich. Dies und der doch recht einfache Schreibstil sind die einzigen Kritikpunkte.

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2020

Die menschlichen Abgründe von Oakham

Westwind
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Ich habe sehr lange keinen Roman mehr gelesen, der im Mittelalter spielt. „Westwind“ ist definitiv anders als die vielen anderen historischen Romane, die ich diesem Genre zuordnen würde. Das liegt zum ...

Ich habe sehr lange keinen Roman mehr gelesen, der im Mittelalter spielt. „Westwind“ ist definitiv anders als die vielen anderen historischen Romane, die ich diesem Genre zuordnen würde. Das liegt zum einen an dem besonderen, eleganten Schreibstil der Autorin. Zum anderen an der ungewöhnlichen Erzählstruktur. Die Geschehnisse werden nämlich rückwärts erzählt; von Tag 4 bis Tag 1.

Auf diese Weise erfährt man Stück für Stück, was sich am Tag des eigentlichen Unglücks ereignet hat. Es ist ein langer, erschreckender und düsterer Weg dorthin. Er verläuft über Fragen des Gewissens, verhängnisvolle Entscheidungen, menschliche Fehler und verborgene Geheimnisse.

Obwohl es natürlich um die Aufklärung des Falls geht, ist es nicht die typische Krimi-Spannung, die mich hier begeistert hat. Vielmehr war es die außergewöhnliche Atmosphäre, die lyrische Schreibweise, die mit so vielen größeren und kleineren Metaphern arbeitet und der tiefe Einblick in die Psyche des Menschen. Die Handlung spiegelt sehr deutlich das damalige Leben wieder, wenn auch einige historische Ungenauigkeiten bestehen. Dies und die im vierten Abschnitt schwächelnde Spannung sind jedoch die einzigen Kritikpunkte meinerseits.

Auch nachdem tragischen Ende hat mich das Buch nicht ganz losgelassen, sodass ich im Nachhinein einige Szenen noch einmal gelesen habe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.09.2020

"𝙳𝚞 𝚞𝚗𝚍 𝚒𝚌𝚑, 𝚠𝚒𝚛 𝚜𝚒𝚗𝚍 𝙵𝚕𝚎𝚒𝚜𝚌𝚑. 𝚂𝚒𝚎 𝚒𝚖𝚙𝚘𝚛𝚝𝚒𝚎𝚛𝚎𝚗 𝚞𝚗𝚜, 𝚖𝚊𝚛𝚒𝚗𝚒𝚎𝚛𝚎𝚗 𝚞𝚗𝚜, 𝚏𝚛𝚒𝚝𝚝𝚒𝚎𝚛𝚎𝚗 𝚞𝚗𝚜. 𝚆𝚒𝚛 𝚕𝚊𝚜𝚜𝚎𝚗 𝚎𝚜 𝚎𝚒𝚗𝚏𝚊𝚌𝚑 𝚐𝚎𝚜𝚌𝚑𝚎𝚑𝚎𝚗."

Meat Market – Schöner Schein
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Was bedeutet es, ein Model zu sein? Und wie überlebt man den Modezirkus, ohne daran zugrunde zu gehen? In „Meat Market“ liegt es an Jana, das herauszufinden.

Die Handlung nimmt zwar erst ab der Hälfte ...

Was bedeutet es, ein Model zu sein? Und wie überlebt man den Modezirkus, ohne daran zugrunde zu gehen? In „Meat Market“ liegt es an Jana, das herauszufinden.

Die Handlung nimmt zwar erst ab der Hälfte richtig Fahrt auf. Doch dann bleibt die Spannung bis zum Ende konstant auf sehr hohem Niveau. Ganz besonders kreativ fand ich die zwischendurch eingestreuten fiktiven Zeitungsartikel und die Interviews, in denen Jana in Retrospektive über die Ereignisse berichtet.
Der Schreibstil ist eher einfach. Ohne Beschönigungen, sehr direkt und mit trockenem Humor.

Leider ist die Geschichte gefüllt mit Klischees: der schwule Modedesigner, die superhippe Asiatin mit den bunten Haaren oder das kaltherzige osteuropäische Model. Das hat auf Dauer beim Lesen genervt. Allerdings scheint auch gezielt mit diesen Stereotypen gespielt zu werden, um den Irrsinn der Branche zu zeigen. Ich bin mir daher nicht sicher: Ist das jetzt z.B. rassistisch? Das müssen dann wohl andere beurteilen.

Es wird jedoch auch bewusst Rassismus in der Modebranche thematisiert und zum anderen besteht eine große Vielfalt an aktiv handelnden und wichtigen Figuren mit unterschiedlichen Sexualtäten, Hautfarben oder Religionen. Die Intention der Autorin ist hier auf jeden Fall klar, ganz deutlich wird sie in der Figur der Sabah, der modeinteressierten Hijabista. Allerdings muss ich auch hier einwenden, dass mir bei Sabahs Charakter die Tiefe gefehlt hat. Sie wirkte auf mich unauthentisch, manchmal mehr Symbol als Person.
Dagegen gefiel mir, wie die Beziehung zwischen Ferdy und Jana dargestellt wurde. Selten über eine Jugend-Beziehung gelesen, die so realistisch wirkte.

Insgesamt vielleicht nicht so tiefgründig wie erhofft, aber trotzdem spannend, erschreckend und empfehlenswert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2020

Wenn die Schule zur Hölle wird

Sprich
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Ein ernstes Thema, denn es geht um den Umgang mit Opfern von Gewalt und die mutige Geschichte einer jungen Frau.
Aber das Schöne an Büchern ist ja immer wieder auch, dass sie uns nicht nur gut unterhalten ...

Ein ernstes Thema, denn es geht um den Umgang mit Opfern von Gewalt und die mutige Geschichte einer jungen Frau.
Aber das Schöne an Büchern ist ja immer wieder auch, dass sie uns nicht nur gut unterhalten können, sondern auch besondere, mit unter erschreckende Einsichten gewähren. Sie können uns inspirieren und uns eine Stimme zu geben.

Dieses Buch hat mich fertig gemacht. Es ist tatsächlich das erste Mal, dass ich von einem Buch Bauchschmerzen bekommen habe. Am liebsten hätte ich mich neben die Protagonistin gestellt und gesagt: Ich sehe dich. Ich höre dich. Ich verstehe dich. Und gleichzeitig bin ich froh, erwachsen zu sein. Nie wieder in die Schule gehen zu müssen. Nie wieder 13,15,16 zu sein. Mich selbst gefunden zu haben. Dieses Buch war wie eine Zeitreise, mit so vielen kleinen Details, so eindringlich geschrieben, dass es unter die Haut geht. Und über alldem dieser Zynismus, als wäre alles nur ein schlechter Film. Eine Parodie.

Ein halber Punkt Abzug, weil es sich im zweiten Drittel ein wenig zieht und hier hätte mehr passieren können.

  • Cover
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Veröffentlicht am 17.09.2020

Antike Mythologie aus der Sicht einer Ausgestoßenen

Ich bin Circe
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Nachdem mich der erste Teil des Buches nicht begeistern konnte, habe ich nun doch meinen Gefallen daran gefunden.

Circe macht während ihres Lebens viele Wandlungen durch, vom einst schwachen, unterwürfigen ...

Nachdem mich der erste Teil des Buches nicht begeistern konnte, habe ich nun doch meinen Gefallen daran gefunden.

Circe macht während ihres Lebens viele Wandlungen durch, vom einst schwachen, unterwürfigen Mädchen zur starken und mächtigen Frau. Und mit jeder Zeile lernte ich sie besser kennen, tauchte mehr in die Geschichte ein. In diese tragisch-düstere Welt. Auch die anderen Charaktere erschienen mir vielschichtiger und waren nicht mehr so flach wie zu anfangs des Buches. Obwohl es keinen großen dramatischen Konflikt gibt, der für Spannung sorgt, konnte ich das Buch dennoch nur schwer zur Seite legen.

Allerdings bleibt trotz alledem aufgrund der gewählten Erzählweise immer noch eine gewisse Distanz. Als wäre man selbst nicht dabei, sondern höre alles nur durch andere. Ich persönlich bin als Leser lieber Teil der Geschichte. Ich verstehe allerdings, dass dieser Eindruck bewusst entstehen soll. Circe erzählt von den Ereignissen, als wäre sie nun 10.000 Jahre alt und denke an Vergangenes zurück. Zum Teil mit sehnsüchtigem Blick und zum Teil beinahe herablassend ihrem früheren Ich gegenüber.

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