Tiefe Freundschaft zwischen Mensch und Tier in dunkelster Zeit
Wir befinden uns im Jahr 1941 in Askania-Nowa, einem Naturreservat in der Ukraine. Es ist ein eisiger Winter und zudem herrscht auch noch Krieg. Für die Menschen und die Tiere geht es um das Überleben. ...
Wir befinden uns im Jahr 1941 in Askania-Nowa, einem Naturreservat in der Ukraine. Es ist ein eisiger Winter und zudem herrscht auch noch Krieg. Für die Menschen und die Tiere geht es um das Überleben. Einst wurde das Naturreservat von einem deutschen Baron angelegt um den bedrohten und wilden Przewalski-Pferden eine Heimat zu geben, in der sie leben können. Ein alter Tierwärter namens Max, der noch unter dem Sohn des Barons gearbeitet hat und der deutschen Sprache mächtig ist, versorgt die Tiere mit Hilfe seines alten Wolfhundes Taras. Doch der Krieg tobt und die Deutschen dringen immer mehr in den östlichen Lebensraum ein und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Schließlich kommen sie auch nach Askania-Nowa....
In den Weiten des Naturreservates landet auch Kalinka, ein jüdisches14-jähriges Mädchen auf der Flucht vor den Nazis. Ihre Familie wurde von den Deutschen ermordet und nur sie konnte fliehen. Kalinka trifft auf eine Herde von Przewalski-Pferden, die bekannt sind für ihre Wildheit, doch wie durch ein Wunder nehmen die Tiere sie in ihre Herde auf und lassen zu, dass Kalinka in ihrer Nähe bleiben darf und sich an ihnen wärmen darf. Die Truppen der Deutschen werden von der SS angeführt, die den Auftrag haben, nicht nur die Menschen zu ermorden, die nicht ihrer kranken Rassenlehre entsprechen, sondern auch die Tiere und dazu gehören auch die Przewalski-Pferde. Sie erschießen fast alle Pferde und Kalinka kann mit großer Mühe mit dem Hengst Temüdschin und der Stute Börte fliehen...
Nun kommen wir zu Max, er harrt weiter im Naturreservat in seiner Hütte aus, konnte zwar die Herde nicht beschützen, jedoch bietet er Kalinka und den beiden Pferden Unterschlupf und es geht dem Leser wirklich zu Herzen, wie sich die Freundschaft zwischen dem einsamen alten Mann und dem traumatisierten jungen Mädchen entwickelt. Max ist erstaunt welch innige Beziehung Kalinka zu den Pferden pflegt. Doch die Tage der Ruhe gehen viel zu schnell vorbei, die Deutschen kommen und Kalinka sieht sich gezwungen mit den beiden Pferden in Richtung der russischen Front zu fliehen und Max, der in dem deutschen Hauptmann Grenzmann zuerst einen Pferdefreund vermutet, bis er ernüchtert erkennt welche unbarmherzigen Ziele der SS-Offizier verfolgt, gibt Kalinka und den Pferden seinen alten Wolfshund Taras zum Schutz mit.
Nun beginnt eine abenteuerliche Flucht über die weite weiße Steppe der Ukraine und die Verfolger können im weißen Schnee sehr gut ihre Spuren erkennen.....
Philipp Kerr hat einen faszinierenden und tiefgehenden Jugendroman geschrieben über eine der dunkelsten Zeiten in Europa, über das was wirklich zählt im Leben, über tiefe Freundschaft zwischen Mensch und Tier. Die Charaktere der menschlichen und tierischen Protagonisten sind wunderbar lebendig, bildhaft und tiefgehend geschildert. Mir haben der alte Max, eigentlich Maxim, gut gefallen, der immer wieder betont, es gibt auf beiden Seiten gute und schlechte Menschen, eine Differenzierung, die heute den wenigsten Menschen mehr gelingt. Auch Kalinka, die manchmal abgeklärt erwachsen und dann wieder kindlich wirkt, was nicht verwundert, wenn man ihre traumatischen Erlebnisse berücksichtigt. Für viele Kinder und Jugendliche war im Krieg von einem Tag zum anderen ihre Kind- und Jugendzeit beendet. Manchmal erscheint die Freundschaft zwischen Kalinka und den Pferden fast wie ein Märchen, doch mir hat diese Mischung von Geschichte und Fantasie sehr gut gefallen. Für mich war es ein ganz besonderer Roman, der sowohl für Jugendliche und Erwachsene gut zu lesen ist und wirklich zu Herzen geht und gerade heute wichtiger denn je ist.
Absolut lesenswert!