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17,00
inkl. MwSt
  • Verlag: KJM Buchverlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Historische Romane
  • Seitenzahl: 192
  • Ersterscheinung: 09.2015
  • ISBN: 9783945465110
Ronald Holst

Totgeglaubt

Die mörderische Reise der COMET 1862-1867
Stürme und ausbleibende Winde, Nebel und unwirtliche Küsten, Krankheiten und Unfälle. Die Seefahrten der Vergangenheit dauerten lange und waren auf vielfältige Weise gefahrvoll. Seeleute, die nach Hause zurückkehrten, waren keineswegs immer unversehrt, weder an Leib noch an Seele.

Viet ist nun in dem Alter, in dem Schiffsjungen auf ihre erste große Fahrt gehen, er ist 14 Jahre alt. 1862 legt die Bark COMET aus Blankenese mit ihm an Bord zu seiner ersten Reise ab und steuert durch den Englischen Kanal und den Atlantik gen Südamerika.

Das Leben an Bord ist mehr als hart für den Jungen. Einer entpuppt sich als Gewalttäter und Mörder, andere sind alkohol- oder geschlechtskrank, infiziert vom Gelben Fieber oder getrieben von speziellen sexuellen Neigungen. Nicht alle, die in Hamburg ablegten, erreichen mit der COMET die südamerikanische Küste…
Viet überlebt, immerhin. Und kann sich auf die Suche nach seinem vor Chile verschollenen Onkel machen, der schon lange überfällig ist… Erst fünf Jahre später wird er nach Hause zurückkehren.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2020

Spannende Reise!

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"𝘞𝘦𝘯𝘯 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘳 𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘙𝘦𝘪𝘴𝘦 𝘵𝘶𝘵, 𝘴𝘰 𝘬𝘢𝘯𝘯 𝘦𝘳 𝘸𝘢𝘴 𝘦𝘳𝘻𝘢̈𝘩𝘭𝘦𝘯" - Dieses Zitat steht am Anfang des Gedichts „𝘜𝘳𝘪𝘢𝘯𝘴 𝘙𝘦𝘪𝘴𝘦 𝘶𝘮 𝘥𝘪𝘦 𝘞𝘦𝘭𝘵“ von Matthias Claudius aus dem Jahr 1786. Und das ist sehr passend für diese ...

"𝘞𝘦𝘯𝘯 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘳 𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘙𝘦𝘪𝘴𝘦 𝘵𝘶𝘵, 𝘴𝘰 𝘬𝘢𝘯𝘯 𝘦𝘳 𝘸𝘢𝘴 𝘦𝘳𝘻𝘢̈𝘩𝘭𝘦𝘯" - Dieses Zitat steht am Anfang des Gedichts „𝘜𝘳𝘪𝘢𝘯𝘴 𝘙𝘦𝘪𝘴𝘦 𝘶𝘮 𝘥𝘪𝘦 𝘞𝘦𝘭𝘵“ von Matthias Claudius aus dem Jahr 1786. Und das ist sehr passend für diese vom KJM Buchverlag herausgegebene Novelle „𝘛𝘰𝘵𝘨𝘦𝘨𝘭𝘢𝘶𝘣𝘵 - 𝘋𝘪𝘦 𝘮𝘰̈𝘳𝘥𝘦𝘳𝘪𝘴𝘤𝘩𝘦 𝘙𝘦𝘪𝘴𝘦 𝘥𝘦𝘳 𝘊𝘖𝘔𝘌𝘛 𝘢𝘶𝘴 𝘉𝘭𝘢𝘯𝘬𝘦𝘯𝘦𝘴𝘦 1862 - 1867" von 𝘙𝘰𝘯𝘢𝘭𝘥 𝘏𝘰𝘭𝘴𝘵.

Wir begleiten hier den 14jährigen Viet van Appen wie er 1862 zusammen mit seinem Cousin Heinrich auf die Comet als Schiffsjunge kommt. Die Reise verläuft über England, Irland, Mittel- und Südamerika, ums Kap Horn herum und hinauf nach Chile und wieder zurück. Diese Reise dauert 5 Jahre. Er lernt allerhand unterschiedliche Charaktere an Bord kennen, von freundlichen und hilfsbereiten Matrosen, dem Steuermann und Kapitän bis hin zum menschenverachtenden Bootsmann Bantin, genannt Gorilla-Schorsch, der alle und jeden an Deck scheucht, schikaniert und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Allerhand muss der junge Viet erleben und sich durchbeißen. Und das auch sehr geschickt. Wie in einer solchen Geschichte üblich, verläuft die Reise mal mehr oder weniger stürmisch. Der Autor beschreibt manch gefährliche Situation sehr anschaulich, so dass man die Wassermassen auf der Haut und den Salzgeruch in der Nase spüren kann. Das Schiff selbst wird mehr als einmal in Mitleidenschaft gezogen. Einmal geht mitten auf dem Meer das Ruder verloren, ein andermal bedrohen Holzwürmer den Schiffsrumpf. Wie die Seeleute damit umgingen, wird sehr beeindruckend geschildert. Wir erleben auch eine ziemlich unsichere Fahrt durch den Beagle-Kanal, um die Route ums Kap Horn zu vermeiden. Daneben ist Viet auf der Suche nach seinem verschollenen Onkel. Auch das wird interessant und spannend erzählt. Bisweilen beleuchtet der Autor auch den seinerzeitigen Konflikt mit Dänemark, das seine Ansprüche auf das Herzogtum Schleswig anmeldete und Soldaten schickte. Dieser jahrelange historische Konflikt wird in gut verträglichen Einzeldosen immer wieder mal eingestreut. Sehr interessant und das wusste ich bisher auch nicht ist, dass Blankenese offenbar eine sehr erfolgreiche Seefahrerzeit im vorletzten Jahrhundert hatte und gerade in Mittel- und Südamerika mit zahlreichen Schiffen aus Blankenese präsent war. Schließlich wird auch das arme und kärgliche Leben der Mutter von Viet in Blankenese geschildert, die jeden Tag ums neue für sich und ihre Kinder sorgen muss.

Die Sprache ist sehr nüchtern. Manchmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, der Autor habe einfach teilweise aus den Logbüchern der Kapitäne abgeschrieben. Und tatsächlich schreibt der Autor in einer Nachbemerkung, dass er sich bei den Wetter- und Seefahrtsbeschreibungen an das Buch „150 Jahre Blankeneser Schifffahrt 1785 – 1935“ von Jürgen Meyer orientiert und einige Tagebucheintragungen wörtlich übernommen habe. Das macht die Novelle natürlich unheimlich authentisch, führt aber dazu, dass der Sprachfluss teilweise etwas „hölzern“ und zu „trocken“ wirkt. Das ist aber offenbar vom Autor auch so gewollt.

Für Freunde von Seefahrergeschichten natürlich eine Leseempfehlung.

Ich gebe der Novelle 3,5 von 5 Sterne.

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