Bunte Kulisse, nichts dahinter
Hana und ihr Vater Toshio betreiben in Tokio ein ganz besonderes Pfandhaus. Dort können Menschen Entscheidungen eintauschen, die sie bereuen und ihr Bedauern darüber für immer loswerden. Nun ist endlich ...
Hana und ihr Vater Toshio betreiben in Tokio ein ganz besonderes Pfandhaus. Dort können Menschen Entscheidungen eintauschen, die sie bereuen und ihr Bedauern darüber für immer loswerden. Nun ist endlich der Tag gekommen, an dem Hana das Pfandhaus übernehmen soll, doch am Morgen sind die Räume verwüstet und ihr Vater verschwunden – mit einer besonderen Entscheidung aus dem Tresor. Mit Keishin, einem Kunden, macht Hana sich auf die Suche. Wird sie ihren Vater wiederfinden – und das, bevor die Shīkuin ihre Entscheidung zurückfordern.
„Water Moon“ ist der Debütroman von Samantha Sotto Yambao und wurde von Sonja Hagemann ins Deutsche übersetzt. Die Handlung folgt den Protagonisten Hana und Keishin durch eine Art Parallelwelt, in der das Pfandhaus angesiedelt ist und man muss von Beginn an eines ganz klar sagen: Japan und seine Kultur sind hier eine bloße Kulisse, ein nettes buntes Abziehbild, das durch das Einstreuen von japanischen Begriffen und Dingen illustriert werden soll. Ramen, Papierkraniche und Lotus – schon sind wir in Japan. Dabei hätte die Geschichte an jedem anderen Ort auch funktioniert, an ihr ist nichts speziell Japanisches.
Die Handlung hingegen ist aus einzelnen Versatzstücken zusammengesetzt, die wie Aufgaben aus einem Kurs für Kreatives Schreiben daherkommen. Die Autorin erfindet ein Pfandhaus für Entscheidungen, ein Dorf, das die Sterne an den Nachthimmel bringt oder einen fliegenden Nachtmarkt. Aber all diese Orte sind wie Kulissen in Westernfilmen, flach und es verbirgt sich nichts dahinter. Die Konzepte werden aneinander gereiht, aber keines erhält die verdiente Aufmerksamkeit. Dazu noch ein wenig Studio Ghibli-Flair, etwas Makoto Shinkai mit seinen Parallelwelten und Matt Haigs „Mitternachtsbibliothek“ – nur Vibes, keine stringente Handlung.
Noch dazu verlieben sich Hana und Keishin sofort, als sie einander das erste Mal sehen. Diese Liebe wirkt unglaubwürdig und hölzern und sieht sich natürlich vielen Hindernissen gegenüber. Die beiden kommen aus zwei Welten (Hana aus der Parallelwelt, Keishin aus der Realität) und noch dazu ist Hana einem anderen versprochen. Puh, anstrengend!