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“Deutsche Ansprache” ist eine Rede von Thomas Mann, die er am 17. Oktober 1930 in Berlin vor dem Hintergrund der erstarkenden nationalsozialistischen Bewegung bei den Reichstagswahlen im September 1930 ...
“Deutsche Ansprache” ist eine Rede von Thomas Mann, die er am 17. Oktober 1930 in Berlin vor dem Hintergrund der erstarkenden nationalsozialistischen Bewegung bei den Reichstagswahlen im September 1930 hielt. Mann kritisiert hier das vergangene Deutsche Kaiserreich, kommentiert den gegenwärtigen Stand in Deutschland in Folge des Versailler Vertrags, in dessen Bestimmungen er einen Grund für das Wahlergebnis sieht, hebt die Verdienste der SPD hoch und rühmt den verstorbenen Gustav Stresemann. Kernstück der Rede ist die Wendung gegen jedweden Fanatismus, insbesondere den Nationalsozialismus, den er wegen seiner inhärenten Fortschrittsfeindlichkeit und Rohheit als Politik der Groteske verurteilt. Sprachlich ist die Rede ausschweifend und wohlgeformt; dennoch werden die Punkte Manns sehr deutlich. Die Rede ist insgesamt einer der wenigen öffentlichen Aufbegehrungsversuche der deutschen Intelligenz gegen den Nationalsozialismus. Wertvoll an der Ausgabe des Reclam Verlags ist das Nachwort von Jens Bisky, das Manns “Deutsche Ansprache” weitergehend einordnet. Neben einer überblicksartigen historischen Kontextualisierung (zeitgenössische Politik, Gustav Stresemann und Manns politische Sichtweise) wird hier die Geschichte des Tages, an dem die Rede gehalten wurde, auf Basis von drei Berichten erzählt: Die Erinnerungen des Schriftstellers Arnolt Bronnen, zu dieser Zeit Faschist, der während der Rede als Gegenspieler Manns agierte, ein polemischer Artikel aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung sowie ein Bericht aus der Vossischen Zeitung.