Mein Weg in den Burnout und wieder heraus: Eine junge Ärztin berichtet. . Vom Kampf gegen toxische Arbeitskultur zur Selbstfindung und Stärke
Anke Angela Grube (Übersetzer)
Yumiko Kadota war der Traum aller asiatischen Eltern: Musterschülerin, Medizinstudentin, immer die Beste. Sie ordnete alles der ersehnten Karriere unter. Doch die Realität im öffentlichen Gesundheitswesen brach sie. Überarbeitung, Sexismus, Mobbing und Belästigung. Man nannte sie »emotional«, »zu selbstbewusst«. Irgendwann war es zu viel, Yumiko kündigte. Als sie ihren Blog mit den Worten begann: »Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber ich gebe auf. Ich gebe meinen Traum auf, Chirurgin zu werden«, ging ihre Geschichte viral. Seither ist Yumiko Kadota die Stimme ihrer Generation, wenn es um Burnout geht und darum, nach einem Zusammenbruch wieder auf die Beine zu kommen.
✨ Rezension ✨
Emotional Female | Yumiko Kadota | Pola | 448 Seiten | Übersetzt von Anke Angela Grube | ⭐️⭐️⭐️⭐️🌟
Yumiko nimmt uns in ihrem autobiografischen Buch mit durch ihr Leben. Geboren in Japan, ...
✨ Rezension ✨
Emotional Female | Yumiko Kadota | Pola | 448 Seiten | Übersetzt von Anke Angela Grube | ⭐️⭐️⭐️⭐️🌟
Yumiko nimmt uns in ihrem autobiografischen Buch mit durch ihr Leben. Geboren in Japan, aufgewachsen in Singapur, London und Australien, war sie immer ehrgeizig und bestrebt Bestleistungen zu erbringen. Sportlich und Schulisch hat sie sich stets hohe Ziele gesetzt und diese verfolgt.
Nach der Schule entscheidet sie sich für ein Medizinstudium und möchte natürlich auch hier glänzen. Da Yumiko auch gerne mit den Händen arbeitet, möchte sie unbedingt in die plastische Chirurgie, einer Disziplin die von Männern dominiert ist.
Wir begleiten sie durch Studium, Praktisches Jahr und die Assistenzarztzeit und lernen auch das Australische Gesundheitssystem kennen. Die Anforderungen an Assistenzärzte, die noch nicht in einem Facharzt Programm untergekommen sind, sind dabei wirklich brutal. Und als internationale Studentin, Frau und Japanerin hat es Yumiko noch einmal viel schwerer. 24 Tage am Stück Dienst, dabei häufig 24 Stunden Bereitschaft, zusätzlich zum normalen Dienst. Eine so fähige und engagierte Ärztin wurde hier gnadenlos verbrannt und wir lesen, wie sie das ganze am Ende verarbeitet.
Ich hätte mir noch praktische Tipps, Empfehlungen oder einige Wissenschaftliche Einordnungen gewünscht, aber trotzdem fand ich die Lektüre super interessant und ich habe mich stellenweise (leider) auch wieder gefunden und daher am Ende auch einige Tränen vergossen.
In „Emotional Female“ erzählt die Autorin Yumiko Kadota offen und eindrücklich von ihrem Weg durch die Facharztausbildung zur Chirurgin – und von ihrem Zusammenbruch. Es ist ein mutiges, sehr persönliches ...
In „Emotional Female“ erzählt die Autorin Yumiko Kadota offen und eindrücklich von ihrem Weg durch die Facharztausbildung zur Chirurgin – und von ihrem Zusammenbruch. Es ist ein mutiges, sehr persönliches Buch über Überarbeitung, Sexismus, Rassismus und psychische Belastung im australischen Gesundheitssystem. Sie beschreibt dabei nicht nur die äußeren Umstände, sondern auch ehrlich ihren inneren Kampf mit Leistungsdruck, Erschöpfung und dem Gefühl des Scheiterns.
Die Stärke des Buches liegt meiner Meinung nach in seiner Authentizität. Man spürt, wie viel ihr an diesem Thema liegt. Besonders bewegend sind die Passagen, in denen sie über Einsamkeit, Kontrollverlust und mentale Krisen schreibt. Dass sie den Mut gefunden hat, ihre Erfahrungen öffentlich zu machen, ist sehr beeindruckend und wichtig.
Allerdings bleibt das Buch teilweise sehr auf ihre persönliche Perspektive konzentriert. Das ist nachvollziehbar, aber wer sich vertiefte Einblicke ins australische Gesundheitssystem oder eine breitere gesellschaftliche Einordnung erhofft, wird eher oberflächlich bedient. Auch hätte ich mir stellenweise etwas mehr Struktur gewünscht. Außerdem variiert die Tiefe: Manche Themen sind detailliert beschrieben, andere werden eher gestreift.
Trotzdem finde ich, dass „Emotional Female“ ein sehr eindringliches Buch ist, das ein wichtiges Licht auf Missstände wirft – sowohl im medizinischen Bereich als auch im Umgang mit psychischer Gesundheit. Für Leser:innen, die sich für den Alltag im Krankenhaus, mentale Belastung oder strukturelle Ungleichheiten interessieren, auf jeden Fall lesenswert.
Als Ärztin in der Chirurgie hat mich dieses Buch tief bewegt – nicht nur, weil ich vieles von dem, was Yumiko Kadota beschreibt, nachvollziehen kann, sondern weil es auf eine Weise ehrlich ist, wie man ...
Als Ärztin in der Chirurgie hat mich dieses Buch tief bewegt – nicht nur, weil ich vieles von dem, was Yumiko Kadota beschreibt, nachvollziehen kann, sondern weil es auf eine Weise ehrlich ist, wie man sie selten findet. Emotional Female ist kein larmoyanter Bericht, sondern ein kraftvolles Zeugnis dessen, was passiert, wenn junge, idealistische Medizinerinnen an ein System stoßen, das viel verlangt – aber wenig zurückgibt.
Yumikos Erlebnisse spielen in Australien, doch die Themen sind universell: Überlastung, toxische Hierarchien, sexistische Strukturen, mangelnde Unterstützung – vieles davon begegnet auch uns hier in Deutschland. Ich bin froh sagen zu können, dass sich in unserem Gesundheitssystem in den letzten Jahren durchaus Schritte in die richtige Richtung zeigen: Die Arbeitszeitregelungen sind strenger geworden, es gibt mehr Bewusstsein für Themen wie Work-Life-Balance oder psychische Gesundheit. Und dennoch: Vieles, was sie beschreibt – gerade im Hinblick auf den Leistungsdruck, das ständige Gefühl, sich als Frau extra beweisen zu müssen – ist auch hier noch Realität.
Was mir besonders gefallen hat, ist Yumikos Wunsch, den Begriff „emotional“ neu zu besetzen. In der Chirurgie – einem Fach, das oft mit Kälte und Härte assoziiert wird – gilt Empathie schnell als Schwäche. Dabei sind genau diese menschlichen Eigenschaften so wertvoll. Yumiko zeigt, dass emotional zu sein nichts mit Unprofessionalität zu tun hat, sondern mit Integrität.
Ja, einige medizinische Details waren für Laien vielleicht etwas viel, und manchmal hätte ich mir noch mehr Einordnung in einen größeren Kontext gewünscht. Aber das ändert nichts daran, wie wichtig und stark dieses Buch ist. Es macht Mut, über Dinge zu sprechen, die oft verschwiegen werden – und es zeigt auch: Wir sind nicht allein.
Trotz aller Herausforderungen liebe ich meinen Beruf. Chirurgin zu sein ist unglaublich erfüllend, sinnstiftend und faszinierend. Aber Bücher wie dieses helfen, die Strukturen weiter zu hinterfragen und zu verbessern – für kommende Generationen, für Patient:innen und für alle, die im System arbeiten.
Im autobiografischen Roman „Emotional Female“ begleiten wir Yumiko Kadota in ihrem Arbeitsleben als engagierte Ärztin, das geprägt ist von Leistungsdruck, Stress, Sexismus und tagelangen 24-Stunden Schichten. ...
Im autobiografischen Roman „Emotional Female“ begleiten wir Yumiko Kadota in ihrem Arbeitsleben als engagierte Ärztin, das geprägt ist von Leistungsdruck, Stress, Sexismus und tagelangen 24-Stunden Schichten.
Der Weg ins Burnout war für mich beim Lesen recht früh ersichtlich, aber dennoch unvermeidbar, was mich sehr nachdenklich gemacht hat. Ebenso der Kontrast zwischen Yumikos oft sehr sachlichen distanzierten Erzählstils und der Zuschreibung von Außen als ‚emotional‘. Diese Art der Distanziertheit habe ich schon bei anderen japanischen Autor*innen kennengelernt. Sie lässt durch die eher leisen Töne die Emotionen umso lauter wirken.
Positiv fand ich auch die Repräsentation von Neurodivergenz, hätte mir dazu aber noch mehr Hintergrundinformationen gewünscht.
Insgesamt hat mir das Lesen viel Spaß bereitet, mich zum Nachdenken gebracht und mir die Wichtigkeit einer gesunden Work-Life-Balance nochmal besonders bewusst gemacht. Auch wenn ich mir die ein oder andere Textpassage etwas ausführlicher gewünscht hätte, kann ich „Emotional Female“ sehr empfehlen!
Das Buchcover gefällt mir nicht sehr gut. Ich finde es relativ nichtssagend. Den Titel finde ich gut gewählt. Das Buch ist in 4 Teile auf insgesamt 443 Seiten aufgegliedert, die sich an die verschiedenen ...
Das Buchcover gefällt mir nicht sehr gut. Ich finde es relativ nichtssagend. Den Titel finde ich gut gewählt. Das Buch ist in 4 Teile auf insgesamt 443 Seiten aufgegliedert, die sich an die verschiedenen Stationen in ihrem Leben orientieren; ihr Studium, ihre Zeit als Ärztin im Praktikumsjahr, ihre Zeit als Assistenzärztin und ihre Lehrtätigkeit.
Der erste Teil handelt unter anderem von ihrer Schulausbildung und ihrem Studium. Man merkt sehr schnell, dass ein bestimmtes Niveau erreicht sein muss, damit sie überhaupt das Medizinstudium beginnen konnte. Im weiteren Verlauf des ersten Teils schreibt sie von ihren Eltern, Schwestern, der japanischen Kultur, wie sie aufgewachsen ist sowie den Schuljahren. Sie machte sehr früh die ersten Erfahrungen mit Mobbing und hatte mit einigen Erkrankungen zu kämpfen, u.a. dem chronischen Fatigue-Syndrom. Wie sie beschreibt, dass sie so müde war und es nicht mal bis zur Bushaltestelle schafft, zeigt sehr deutlich, dass es sich um ein anderes Level von Müdigkeit und Erschöpfung handelt. Ich kann das aus eigenen Erfahrungen sehr gut nachvollziehen und nein...einfach mal ausschlafen reicht nicht aus.
Während des Medizinstudiums lernte sie unter anderem verschiedene Abteilungen im Krankenhaus und auch Krankenhäuser kennen, aber auch sexuelle Belästigung und unfaires Verhalten. Während des Lesen des ersten Teils hab ich immer wieder gemerkt, dass sich der Perfektionismus und der Leistungsdruck schon recht früh zeigten. Zum Teil liegt es an der Erziehung und der Kultur und zum Teil an der Gesellschaft und den hohen Ansprüchen an sich selbst. Ich hab mich oft dabei erwischt, wie ich sagte: "Oh nein, warum tust du das?!" Dabei war ich selbst sehr oft in ähnlichen Situationen und habe nicht anders gehandelt 🙈
Während der Praktikumsjahre, der Assistenzzeit und der Lehrtätigkeit lernt sie unter anderem unmenschlichen Stress, Anrufbereitschaften, Nachtdienste, Neid, unfaires Verhalten, sexistisches Verhalten und frauenfeindliches Verhalten kennen. Sie war dennoch immer darauf bedacht Bestleistungen zu erbringen, weil sie nur dann ins fachspezifische Programm für plastische Chirurgie aufgenommen werden kann. Mit der Zeit merkt sie, dass ihre männlichen Kollegen bevorzugt behandelt werden. Sexistisches Verhalten von Vorgesetzten gegenüber Frauen wird toleriert und wehrt man sich dagegen, muss man damit rechnen keine Arbeitsstelle mehr in einem öffentlichen Krankenhaus zu finden. Das klingt so völlig absurd, ist aber leider wahr. Oft wird sie aufgrund ihres Alters und ihres Aussehens nicht ernst genommen und erkämpft sich ihren Platz. Es ist klingt wie ein einzig großer Kampf mit vielen kleinen Schlachten aber letztendlich hat sie aufgegeben. Wobei ich das eigentlich falsch ausgedrückt finde. Sie hat es durch diesen Burnout geschafft zu sich selbst zu finden und tut nun das, was sie wirklich liebt und gerne macht. Und das ist meiner Meinung nach das Wichtigste.
Meine Kritik:
Anfangs habe ich mich gewundert, warum sie so viel über ihre Kindheit und verschiedene Situationen schreibt. Einerseits ganz interessant, weil man da schon viel herauslesen kann, was mit zu ihrem Burnout geführt hat. Aber zum Teil schweift sie sehr weit aus und bei vielen Dingen habe ich mich hinterher gefragt, warum sie das in ihrem Buch erwähnt haben wollte. Aber als ich das Nachwort gelesen habe, habe ich es sofort verstanden. Sie wurde mit ADHS und Autismus diagnostiziert und als ich das gelesen habe, musste ich so lachen. Ich hab mir nämlich sehr oft gedacht, dass sie zumindest ADHS haben könnte. Leider hat sie das erst im Nachwort geschrieben und meiner Meinung ist das Buch deutlich zu kurz geraten Es fehlen locker 200-300 Seiten und verschiedene Inhalte; z.B. das Wahrhaben des Burnouts, das Erkennen von Bedürfnissen, das Setzen von Grenzen, ihren eigenen Erkenntnissen und weiteren Therapiemaßnahmen. Das sind sehr wichtige Themen, die entscheidend dazu beitragen, aus einem Burnout wieder herauszukommen und ich hätte mir gewünscht, dass sie dazu ihre Gedanken und Gedühle schreibt. Das findet sich am Schluss leider nur auf wenigen Seiten. Ich glaube aber, dass sie Probleme damit hatte, das was sie fühlt und denkt zu Papier zu bringen. Ich kenne das sehr gut von mir. In meinem Kopf wirbeln so viele Gedanken und Gefühle herum und am Ende schreibe ich bloß zwei belanglose Sätze.
Der Sexismus, die viele Arbeit sowie die Überstunden und die fehlende Anerkennung haben mich sehr schockiert und ich hoffe sehr, dass sich das ändert bzw vielleicht schon etwas geändert hat. Das Buch zeigt sehr gut, wie es im medizinischen Bereich zugeht und dass man als Frau immer noch benachteiligt wird. Das ist sehr traurig, aber das Buch zeigt auch, dass sie eine Kämpferin ist und sich durchzubeißen weiß. Offen über seine psychische Gesundheit zu sprechen, ist in vielen Bereichen anscheinend immer noch ein Tabu. Das darf aber nicht sein. Man muss darauf aufmerksam machen, damit die Gesellschaft sieht, dass es bei Depressionen nicht nur um Traurigkeit und Tränen geht.