Cover-Bild Die Spur des Schweigens

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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Heyne
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 496
  • Ersterscheinung: 31.08.2020
  • ISBN: 9783453270480
Amelie Fried

Die Spur des Schweigens

Roman
Journalistin Julia schlägt sich mühsam als freie Schreiberin durch und träumt von der großen, investigativen Story. Sie erhält einen Hinweis auf mögliche sexuelle Übergriffe in einem renommierten Forschungsinstitut. Der Me-too-Debatte überdrüssig, geht sie dem Verdacht zunächst nur halbherzig nach. Als sich aber die erste Betroffene bei ihr meldet und Julia den attraktiven Hauptverdächtigen kennenlernt, ist ihr Reporterinnen-Instinkt geweckt.

Am Institut stößt sie auf ein gefährliches Gemisch aus Machtmissbrauch, Schweigen und Vertuschung – und auf eine schockierende Verbindung zu ihrem Bruder Robert, der zwölf Jahre zuvor spurlos verschwunden ist. Plötzlich muss Julia sich unangenehme Fragen stellen: Was hat Robert mit dem Selbstmord einer chinesischen Doktorandin zu tun? Warum wurde seine Leiche nie gefunden? Hat sie all die Jahre etwas übersehen?

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.11.2020

Ein spannender Roman über Missbrauch und deren Aufdeckung

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Die Spur des Schweigens ist ein Roman von Amelie Fried welches etwas Mitreißendes hat. Während ich zu Beginn noch skeptisch war, weil die Metoo Debatte langsam wirklich abgegriffen ist, bin ich mir nun ...

Die Spur des Schweigens ist ein Roman von Amelie Fried welches etwas Mitreißendes hat. Während ich zu Beginn noch skeptisch war, weil die

Metoo Debatte langsam wirklich abgegriffen ist, bin ich mir nun sicher, dass es ein wirklich gutes Buch ist.
Beginnend mit der Story kann ich nur sagen, dass es eine sehr gute und starke Hauptstory hat sowie eine Nebenstory, die sich nahtlos an die Hauptstory anreiht und wieder etwas mehr Spannung mit rein bringt. Allgemein wurde der Spannungsbogen sehr gut aufgebaut bis er ungefähr nach etwas mehr als der Hälfte seinen Höhepunkt erreichte. Schleichend ließ die Spannung wieder nach wurde aber nicht weniger interessant. Es wird hier nicht nur beschrieben, wie Missbrauch in der Forschung aufgedeckt wurde, die Geschichte danach und was mit den Menschen nach einem Outing passiert wird gut dargestellt was das Buch so interessant macht. Es geht nicht nur um

Metoo, es geht vielmehr um eine starke Protagonistin die etwas mehr Gerechtigkeit für die chinesischen Frauen und ihren Bruder möchte. Der Schreibstil der Autorin gefiel mir sehr gut. Er war locker zu lesen und führte nicht dazu, dass ich es weg legen wollte.
Die Charaktere waren sehr schön ausgearbeitet und vor allem sympathisch beziehungsweise unsympathisch. Während Julia unglaublich stark ist und irgendwie noch nicht in ihrem Leben angekommen ist, ist da Robert, wessen Leben wir durch kleine Kapitel kennen lernen und sehen, dass er das genaue Gegenteil seiner Schwester ist. Er war ein relativ schwacher jedoch trotzdem sympathischer Charakter. Der Doktorand hingegen war so unglaublich unsympathisch, dass er sehr gut in die Rolle des Antagonisten passte. Insgesamt gab es also eine gute Mischung und ein Gleichgewicht zwischen den einzelnen Rollen.
Besonders hat mir an den Charakteren gefallen, wie sie miteinander spielten. Wie sich alles zusammenfügte und jedes Geheimnis und jede Verbindung gelüftet wurde. Hierbei waren es eher Häppchen die man erhalten hat. Es wirkte wie ein Puzzle, was sich nach und nach zusammen setzte, da die Charaktere erst nach und nach ihre Verbindungen lüfteten. Die Stellen zwischendurch, die von der Hauptstory abwichen, ließen einen dabei immer mal wieder aufatmen und entspannen.
Das Cover hat mir sehr gut gefallen. Die bunten Farben spiegeln gut die Vielfalt da, die in dem Buch herrscht. Das Emotionschaos wird mit den einzelnen Farben gut dargestellt. Es ist jedoch nicht zu wild und wirr, dass man sich davon ablenken lassen könnte auch wenn ich es gerne anschaue.
Insgesamt ist dieses Buch wirklich gut. Es wird eines meiner Jahreshighlights weswegen ich volle fünf von fünf Sternen gebe. Das Buch kann ich nicht nur Feministinnen empfehlen. Das Buch ist für jeden etwas, der gerne Spannung und etwas Drama liebt und eine starke Protagonistin bevorzugt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.11.2020

Familiengeschichte mit Krimi-Elementen...

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Die ca. 40-jährige Julia Feldmann arbeitet als freie Journalistin bei einem Gesundheitsmagazin.
Sie kämpft sich durch den Alltag, findet die Beschäftigung mit Venenleiden nicht besonders reizvoll, hangelt ...

Die ca. 40-jährige Julia Feldmann arbeitet als freie Journalistin bei einem Gesundheitsmagazin.
Sie kämpft sich durch den Alltag, findet die Beschäftigung mit Venenleiden nicht besonders reizvoll, hangelt sich von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob und träumt vom Durchbruch und von DER Enthüllungsstory schlechthin.

Auch das aktuelle und private Drumherum ist nicht ganz leicht. Beziehungstechnisch läuft es alles andere als vielversprechend, ihre Mutter wird zunehmend dement und ihre Wohnung wurde ihr wegen Eigenbedarf gekündigt.
Und was dem Ganzen die Krone aufsetzt, ist, dass ihr Bruder Robert vor ca. 12 Jahren nicht von seinem Trekkingurlaub in Norwegen zurückkam. Niemand hat eine Ahnung von dessen Verbleib oder Schicksal.
Er ist seither verschwunden. Niemand weiß, ob er überhaupt noch am Leben ist.
Der Verlust begleitet sie schmerzlich und immer wieder wird sie von Erinnerungen eingeholt und Gefühlen übermannt.

Eines Tages erhält Julia einen Hinweis, der ihren journalistischen Wissensdurst wecken könnte, der sie zunächst aber nicht besonders neugierig macht, weil sie der Thematik des Hinweises überdrüssig ist:
Es geht um sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz.
Julia ist schlicht genervt von dem öffentlichen Rummel, der um dieses Thema gemacht wird und steht ihm eher skeptisch gegenüber.

In einem renommierten Forschungsinstitut soll es zu Grenzüberschreitungen und Machtmissbrauch gekommen sein.
Schließlich meldet sich eine Betroffene bei ihr und spätestens, als sie den attraktiven Hauptverdächtigen kennenlernt und vom Suizid einer chinesischen Studentin erfährt, sind ihre journalistischen Antennen ausgefahren.
Noch ahnt sie nicht, dass genau dieser Auftrag ihrem Leben eine drastische Wende geben wird, dass sie dunkle Familiengeheimnisse aufdecken und ihrem Bruder, der an diesem Institut gearbeitet hat, auf die Spur kommen wird.

Obwohl sie zunächst auf eine Mauer des Schweigens stößt, bekommt Julia nach und nach eine Ahnung davon, was im Institut vor sich geht.
Sie spürt bei ihren Nachforschungen fragwürdige Machenschaften auf und entdeckt Machtmissbrauch, Geheimnisse, Schweigen und Vertuschung.

Sie fragt sich, ob die Frauen wirklich belästigt wurden, oder ob es sich in Wahrheit um ein Komplott gegen die Führungskräfte handelt.

All das kann sie mit einer gewissen Distanz und Nüchternheit betrachten, aber als sie mehr oder weniger zufällig eine unfassbare und bestürzende Spur zu ihrem verschollenen Bruder wittert, ist sie im Nu persönlich involviert und betroffen.

Steht Robert mit dem Suizid einer chinesischen Doktoranden in Verbindung?
Was ist mit ihrem Bruder passiert?
Lebt er noch, musste aber untertauchen, weil er sich etwas zu Schulden kommen ließ oder weil er zu viel wusste?
Hat er sich suizidiert?
Wurde ihm etwas angetan?
Hatte er einen Unfall?
Warum wurde seine Leiche nie gefunden?
Hat sie sich all die Jahre etwas vorgemacht?
Was hat sie übersehen?

Die Trauerverarbeitung konnte und kann wegen all dieser offener Fragen noch nicht abgeschlossen werden.

Neben der Journalistin Julia lernen wir auch die private Julia kennen, die sich um ihre demenzkranke Mutter kümmert, die zwei zuverlässige Freundinnen, Kathrin und Nina, hat und die den Verlust ihres Bruders Robert, den wir in Rückblenden kennenlernen, noch nicht verwunden hat.

Abwechselnd und mühelos tauchen wir in zwei Handlungsstränge ein, wobei wir immer die ca. 40- jährige Protagonistin Julia begleiten:
Einerseits im Kontext ihrer tragischen Familiengeschichte und andererseits vor dem Hintergrund ihrer journalistischen Tätigkeit.
Wir verfolgen eine turbulente Entwicklung im privaten und skandalöse Entdeckungen im beruflichen Bereich.

Amelie Fried zeichnet ihre Protagonistin in all ihrer Komplexität, Vielschichtigkeit und Unzulänglichkeit.
Wir lernen ihre sympathischen, selbstdestruktiven und weniger reizvollen Seiten kennen und es fällt leicht, mit ihr zu fühlen, zu hoffen, zu leiden und sich mit ihr zu freuen.
Julia ist eine Person aus Fleisch und Blut mit Ecken und Kanten.
Auch die anderen Personen und die geschilderten Geschehnisse werden authentisch und realitätsnah dargestellt.

Sehr gelungen empfinde ich, dass die MeToo-Thematik aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und überhaupt nicht platt und klischeehaft dargestellt wird und dass Tagebucheinträge eingestreut werden, die die Geschichte noch abwechslungsreicher machen.

Mir gefällt die gelungene Verwebung von Vergangenheit und Gegenwart sowie die geschickte Vernetzung des MeToo-Themas mit den familiären und persönlichen Belastungen und Herausforderungen der Protagonistin.

Die Autorin verpackt ein interessantes, wichtiges und aktuelles Thema in einen Unterhaltungsroman, der sich flüssig, einfach und leicht lesen lässt und aufgrund seines eindringlichen Schreibstils enorm fesselt, so dass man ihn in einem Rutsch weglesen kann.

„Die Spur des Schweigens“ erfüllt sicher keine hohen literarischen Erwartungen, ist aber unterhaltsam und entspannend. Es ist ein intensives und kurzweiliges Leseerlebnis.

Auf die Frage nach dem Genre würde ich antworten, dass es sich hier um eine Familiengeschichte mit Krimielementen handelt, die das brandaktuelle und sensible Sujet „sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ aufgreift und weitere wichtige gesellschaftspolitische und soziale Themen, wie Demenz, Alkohol als Selbstmedikation, Bindungsängste, Machtmissbrauch, soziale Medien als Platform für Anfeindungen und Demütigungen, Probleme junger Ausländer mit unserer Kultur oder Schwierigkeiten einer alleinerziehenden Mutter, streift.
Trotz dieser thematischen Vielfalt wirkte der Roman, in dem man auf Schritt und Tritt Geheimnissen und Tabus begegnet, auf mich nicht überladen, sondern eher wie das echte Leben, in dem es ja auch keine Begrenzung der Themenvielfalt gibt.

Die Autorin hat sich an viele heikle Themen herangewagt, sie differenziert beleuchtet und unterhaltsam verpackt.

Es ist ein ideales Buch für ein verregnetes Wochenende!
Spannend, packend, unterhaltsam, informativ und mit überraschenden, unvorhersehbaren Wendungen,

Amelie Fried packt ein heißes Eisen an und setzt sich differenziert mit dem hochaktuellen und brisanten Thema sexuelle Gewalt auseinander. Dabei beleuchtet sie auch die vielfältigen Fragestellungen und Probleme, die damit einhergehen:
Anfeindungen, Scham- und Schuldgefühle des Opfers , Traumatisierung und Selbstzweifel.
Sie geht dabei auch auf die inneren Hemmnisse ein, die es für die Betroffenen zu überwinden gilt, bevor sie das Trauma hinter sich lassen, Anklage erheben oder an die Öffentlichkeit gehen können.

Lesenswert!


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.10.2020

Wichtige Thematik, durchschnittlich umgesetzt

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Das sage ich…

...zum Inhalt:

Die #metoo-Debatte ist nach wie vor wichtig. Viele Missbrauchsfälle werden nach wie vor nicht gemeldet, Täter durch das Schweigen anderer gedeckt. Diese Ungerechtigkeit besteht ...

Das sage ich…

...zum Inhalt:

Die #metoo-Debatte ist nach wie vor wichtig. Viele Missbrauchsfälle werden nach wie vor nicht gemeldet, Täter durch das Schweigen anderer gedeckt. Diese Ungerechtigkeit besteht nach wie vor und macht es wichtiger als je zuvor den Opfern Gehör zu verschaffen und sie ernst zu nehmen. Und trotzdem gibt es immer wieder auch die andere Seite: Frauen, die Feminismus bis zu Extremismus treiben und gegen alle Männer hetzen. Situationen, in denen ignoriert wird, dass Männer genau so Opfer sein können oder in denen Männer eben solchen extremen Feministen zum Opfer fallen und so defamiert werden. Ich kann es durchaus verstehen, wenn man es Leid ist diese Debatte immer wieder zu führen, denn das Thema ist komplex und eben nicht schwarz-weiß.

Für mich war es deswegen wirklich bemerkenswert, dass man das Thema von genau dieser Überdrüssigkeit der Debatte gegenüber angeht und eine Geschichte erzählt, die zeigt, wie wichtig es ist diese Debatte zu führen und nicht einfach eine Seite auszuwählen. In dieser Hinsicht fand ich dieses Buch wahnsinnig kraftvoll! Es zeigt eben keine Protagonistin, die als Frau sofort auf der Seite der Frauen steht und schafft es so im Verlauf des Buches aufzuzeigen, dass beide Seiten betrachtet und hinterfragt werden müssen. Gleichzeitig macht es die Korruption, die Machtverhältnisse und das Bestreben nach Geheimhaltung, die oft dazu führen, dass die Opfer mundtot gemacht werden nicht klein, sondern webt es in die Entwicklung der Protagonistin mit ein und zeigt diese Misstände deutlich auf.

Das Thema des sexuellen Missbrauchs ist aber nicht das einzige, denn der Hintergrund der Protaginistin spielt eine große Rolle und so ergeben sich sehr viele Handlungsstränge, die zwar gut miteinander verwoben werden, aber bei mir leider doch dazu geführt haben, dass ich es manchmal ein bisschen zu viel fand.

…zu der Protagonistin:

Ich fand es, wie schon angemerkt, wirklich eine interessante und gute Wahl eine Frau als Protagonistin zu wählen, die skeptisch ist und das Gefühl hat, das manche Frauen im Umgang mit Männern einfach überreagieren. Julia mit dieser Einstellung anfangen zu lassen gibt dem Leser die Möglichkeit ihr dabei zu folgen, wie sie diese Meinung verändert und differenziert.

Was ich allerdings sagen muss ist, dass Julias Hintergrund und ihre problematische Vergangenheit dazu geführt haben, dass es mir manchmal ein wenig zu viel wahr. An ihrer Figur wurden so viele Themen angesprochen, dass Ich „Die Spur des Schweigens“ manchmal als durcheinander emfunden habe und das Gefühl hatte es tritt nicht genau hervor, welches das zentrale Thema sein soll. In diesem Zusammenhang fand ich auch einige Entwicklungen wirklich unrealistisch, zum Beispiel, als im Zusammenhang mit Julias Bruder und seinem Verschwinden plötzlich Fakten und gegenstände zutage treten, die es eigentlich schon viel früher hätten tun müssen.

…zum Stil:

Amelie Frieds Stil lässt sich toll und locker lesen. Es gibt viel Dialog, was mir wirklich gut gefallen hat, da das Buch so wirklich temporeich erzählt ist.

Was mich wirklich gestört hat ist allerdings, dass die Erzählstimme teilweise sehr großen Einfluss darauf nimmt, wie man die Geschichte wahrnimmt, da diese eine teilweise sehr naive Haltung vetritt, was ich bei dieser Thematik wirklich unangemessen fand.

Außedem gibt es gerade gegen Ende ein paar Zeitsprünge, die meiner Meinung nach den Handlungsaublauf oft schwer nachzuvollziehen machen.

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 27.10.2020

Einfach ÜBERWÄLTIGEND gut

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Schon während des Lesens habe ich meine Familie immer wieder begeistert von der Geschichte erzählt. Tatsächlich habe ich ununterbrochen mit der Geschichte mitgefiebert und habe das Buch quasi in einem ...

Schon während des Lesens habe ich meine Familie immer wieder begeistert von der Geschichte erzählt. Tatsächlich habe ich ununterbrochen mit der Geschichte mitgefiebert und habe das Buch quasi in einem Rutsch durchgelesen.

Bereits der Epilog hatte mich schon in seinem Bann und wie die Autorin es schafft die Geschichte aus der Vergangenheit mit der Gegenwart zu verweben, hat mir unglaublich gut gefallen. Nie hatte ich das Gefühl aus einem Strang der Geschichte hinaus gerissen zu werden oder umdenken zu müssen. Die "Me-Too"-Thematik wird sehr gut verpackt und beleuchtet, sodass diese weder übergangen wird noch mit den immer gleichen bekannten Parolen abgeklatscht wird. Es geht um sexuelle Gewalt und Unterdrückung und um Ausübung von Macht, sowie die hochaktuelle Problematik, dass dies als Politikum kleingehalten wird, um Imageschäden zu verringern. Um die Hürden, die Betroffenen überwinden müssen, sich zur Veröffentlichung zu entscheiden und die Probleme, die danach noch erst folgen.

Die Haupt- und Nebencharaktere, die Haupt- und Nebenschauplätze der Geschichte sind unglaublich detailliert erschaffen und beschrieben und die Autorin schafft jeweils einen wunderbaren Spagat zwischen Spannung und Information, sodass man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen kann.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.10.2020

Spannend, authentisch, zeitgemäß

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Seitdem der geliebte Sohn und Bruder bei einer Trekkingtour in Norwegen spurlos verschwunden ist, ist die Familie Feldmann wie ein Schiffsfrack mitten im Ozean. Die Ungewissheit, ob die noch Hoffen oder ...

Seitdem der geliebte Sohn und Bruder bei einer Trekkingtour in Norwegen spurlos verschwunden ist, ist die Familie Feldmann wie ein Schiffsfrack mitten im Ozean. Die Ungewissheit, ob die noch Hoffen oder Trauen sollen, frisst die Familie innerlich auf. Besonders leidet Julia sehr darunter. Seit zwölf Jahren betrinkt sie ihre Besorgnisse im Alkohol, kann keine langzeitige Beziehungen führen und schlägt sich als freie Journalistin bei einem Gesundheitsmagazin so durch, dass sie sich kaum was leisten kann. Durch einen neuen Auftrag von ihrem Chefredakteur erhält Julia einen Hinweis auf mögliche sexuelle Übergriffe in einem renommierten Forschungsinstitut. Sie geht dem Verdacht zunächst nur halbherzig nach, doch als sich die ersten Betroffenen bei ihr melden und sie den attraktiven Hauptverdächtigen persönlich kennenlernt, schlagen bei ihr die Alarmglocken...

Es ist bereits mein fünfter Roman von der Deutschbestsellerautorin und daher wusste ich, was mich sprachlich erwartete, denn ich finde ihr Schreibstil grandios. Es ist nicht nur leicht und locker, sondern auf den richtigen Stellen immer Humor und gefühlsvoll. Mit ihrem neuen Roman greift die Autorin ein Thema auf, zwar welches nicht was Neues ist aber Medientechnisch immer wieder neue Schlagzeilen bezeugt; #MeToo: sexuelle aber auch physisch und psychische Übergriffe auf Frauen im Berufsleben. Ich finde, Amelie Fried hat mit ihren authentischen Figuren die Thematik realistisch herübergebracht. Doch es geht hier nicht nur ums MeToo, sondern auch Verluste, Trauer, Demenz und Freundschaft und genau da hatte ich meine Probleme mit der Story. Für mich waren viel zu viele Nebenthemen, die mich nur von Hauptthema abgelenkt hatten, was ich total schade finde. Es war schön zu wissen, dass Julia Freundinnen hat aber ihr Privatleben, besonders was sie in ihrer Freizeit mit ihrem Mädels unternommen hatte, hat mich nicht wirklich interessiert. Auch ihre Persönlichkeit und ihr Alkoholkonsum hat mich richtig gestört. Ich wurde einfach nicht warm mit ihr. Die Story zieht sich stellenweise unnötig etwas in die Länge und das Ende war für mich keine Überraschung, denn meine Meinung nach ist es vorhersehbar.

Trotz der Kritikpunkten war es eine spannende, gut gelungene Geschichte, welches ich weiterempfehlen kann.

  • Cover
  • Erzählstil
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