Cover-Bild Siegfried
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13,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 27.06.2024
  • ISBN: 9783548069302
Antonia Baum

Siegfried

Roman | Eine der stärksten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur

Eine Frau zwischen alten Rollenverhältnissen und neuen Rollenansprüchen

Eine Frau – Mutter, Partnerin, Versorgerin – fährt eines Morgens nicht zur Arbeit, sondern in die Psychiatrie. Am Abend hat sie sich mit ihrem Partner gestritten, vielleicht ist etwas zerbrochen, jetzt muss sie den Tag beginnen, sie muss die Tochter anziehen, an alles denken, in der Wohnung und ihrem Leben aufräumen. Doch sie hat Angst: das Geld, die Deadline, die Beziehung, nichts ist unter Kontrolle, und vor allem ist da die Angst um ihren Stiefvater, der früher die Welt für sie geordnet und ihr einen Platz darin zugewiesen hat. In der Psychiatrie, denkt sie, wird jemand sein, der ihr sagt, wie ihr Problem heißt. Dort darf sie sich ausruhen.

Siegfried ist ein Roman über alte Ordnungen und neue Ansprüche, über Gewalt und das Schweigen darüber, über eine Generation, deren Eltern nach dem Krieg geboren wurden und deshalb glaubten, er sei vorbei.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.11.2025

Große Empfehlung

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Siegfried ist ein Roman, der zeigt wie eine Frau unter der Last widersprüchlicher Rollen langsam zusammenbricht und gerade darin ihre Klarheit findet. Sie ist Mutter, Partnerin, Versorgerin, sie kümmert ...

Siegfried ist ein Roman, der zeigt wie eine Frau unter der Last widersprüchlicher Rollen langsam zusammenbricht und gerade darin ihre Klarheit findet. Sie ist Mutter, Partnerin, Versorgerin, sie kümmert sich um Kind, Haushalt, Job, Beziehung und um die brüchige Ordnung ihrer Herkunftsfamilie. Als sie eines Morgens nicht zur Arbeit fährt, sondern in die Psychiatrie, wirkt das nicht wie Flucht, sondern wie ein verzweifelter Versuch sich selbst zu retten. Die Psychiatrie erscheint ihr als der einzige Ort, an dem endlich jemand benennt, was mit ihr nicht stimmt, obwohl der Text gleichzeitig spürbar macht, dass viel eher etwas mit der Welt um sie herum nicht stimmt. Im Hintergrund steht der Stiefvater Siegfried, eine Figur der Nachkriegsgeneration, die meint der Krieg sei vorbei und doch genau die Härte, das Schweigen und die autoritäre Ordnung weitergibt, die den Körper und das Denken der Erzählerin geprägt haben. Der Roman erzählt von Gewalt, die selten laut ist, dafür umso nachhaltiger wirkt, von psychischem Druck, finanzieller Unsicherheit, mental load und dem ständigen Gefühl zu versagen, obwohl man längst übermenschlich viel leistet. Gerade aus feministischer Perspektive ist das berührend, weil sich viele Leserinnen in der Erschöpfung und dem inneren Chaos dieser Figur wiederfinden können. Die Sprache bleibt klar, nüchtern, fast kühl, und gerade dadurch schneidet jeder Satz tiefer, ohne Pathos, ohne falschen Trost. Siegfried ist kein Wohlfühltext, sondern ein unbestechlicher Blick auf eine Gegenwart, in der Frauen offiziell alles dürfen, praktisch aber immer noch die Verantwortung für fast alles tragen. Dieser Roman tröstet kaum, aber er erkennt an, wie sich das anfühlt, und macht sichtbar, was sonst im Privaten verstummt.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Eine Frau am Abgrund

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Dieser Roman hat mich sehr berührt. Die Ich-Erzählerin in diesem Buch stellt ihr ganzes bisheriges Leben in Frage. Denn dieses Leben, daß sie bis zu dem Zeitpunkt für ganz in Ordnung hielt, bekommt immer ...

Dieser Roman hat mich sehr berührt. Die Ich-Erzählerin in diesem Buch stellt ihr ganzes bisheriges Leben in Frage. Denn dieses Leben, daß sie bis zu dem Zeitpunkt für ganz in Ordnung hielt, bekommt immer mehr Risse. Ihr neues Buch bereitet ihr Probleme. Die Sorgen um ihren Stiefvater Siegfried nehmen überhand. Die Beziehung mit ihrem Partner, mit dem sie eine Tochter hat, eskalieren immer mehr.
Eines Tages macht sie sich auf den Weg in die Psychiatrie. Dort gibt es mit Sicherheit jemanden, der ihr helfen wird, das Chaos zu beseitigen.
Während sie darauf wartet, mit jemand reden zu können, erfährt man mehr über das Leben der Erzählerin.
Ihr Stiefvater ist schon seit ihrer Kindheit der Mittelpunkt. Sehr erfolgreich, sehr dominant und bis in ihr jetziges Leben sehr präsent. Man lernt Hilde, die Mutter von Siegfried kennen, bei der sie oft Zeit verbringt, wenn ihr Stiefvater und ihre leibliche Mutter auf Reisen sind.
Man lernt auch die Geheimnisse kennen, die sich hinter der Fassade verbergen. Die Gewalt, über die nur geschwiegen wurde. Was sich hinter verschlossenen Türen zugetragen hat, wurde nie angesprochen. Es wurde regelrecht verbannt.
Ich glaube, daß ist auch der Grund, warum die Erzählerin es jedem Recht machen will. Nur nicht anecken, alles schönreden und nie auffallen.
Die Autorin hat hier sehr gut dargestellt, wohin es führen kann, wenn man immer nur die Augen verschließt. Wenn alles totgeschwiegen wird. Wenn die Scham und die Angst größer ist und man sein eigenes Ich immer nur versteckt.
Das Ende stimmte mich ein wenig traurig. Ich hätte mir für die Erzählerin etwas anderes erhofft. So blieb ich etwas ratlos zurück, was die Erzählerin denn nun mit ihrem weiteren Leben anfängt.
Ein sehr tiefgründiger Roman den ich wirklich empfehlen kann.

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